Walter Scheel 1919 - 2016

Walter Scheel ist ein FDP-Politiker und von 1974 bis 1979 der vierte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Vorher ist er im Kabinett von Bundeskanzler Willy Brandt Außenminister und damit maßgeblich an der Gestaltung der neuen Ostpolitik beteiligt. Als Bundespräsident wird Scheel mit seiner rheinischen und volksnahen Art populär.

  • 1919

    8. Juli: Walter Scheel wird in Solingen als Sohn eines Stellmachers geboren.

  • 1938/39

    Nach dem Abitur absolviert Scheel eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Solingen.

  • 1939-1945

    Als Soldat bei der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg wird er zuerst in Frankreich und anschließend in Russland eingesetzt.

  • 1945-1953

    Geschäftsführer in verschiedenen Industrieunternehmen.

  • 1946
  • 1948

    Scheel wird Stadtverordneter in Solingen.

  • 1950

    Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen.

  • 1953-1974

    Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Mitglied des Landesvorstandes der FDP in Nordrhein-Westfalen.

  • 1953

    Scheel gründet ein Wirtschafts- und Marktforschungsunternehmen in Düsseldorf, von dem er sich nach seinem Eintritt in die Bundesregierung wieder trennt.

  • 1955-1957

    Mitglied der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) in Luxemburg.

  • 1956-1974

    Mitglied des Bundesvorstandes der FDP.

  • 1958

    Scheel wird Mitglied des Europäischen Parlaments in Straßburg.

    Er ist Vizepräsident der Liberalen Fraktion und Vorsitzender des Ausschusses für Entwicklungshilfe.

  • 1961-1966

    Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit (Entwicklungshilfe) in den Kabinetten Adenauer und Erhard.

  • 1965

    Veröffentlichung der Schrift "Konturen einer neuen Welt - Schwierigkeiten, Ernüchterungen und Chancen der Industrieländer".

  • 1966

    Oktober: Rücktritt aller FDP-Minister aus der Regierung Erhard, was zum Sturz der Regierung Erhard führt.

  • 1967-1969

    Vizepräsident des Deutschen Bundestages als Nachfolger des verstorbenen Thomas Dehler.

  • 1967-1974

    Stellvertretender Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung.

  • 1968

    Veröffentlichung der Schrift "Formeln deutscher Politik".

  • 1968-1974

    Bundesvorsitzender der FDP als Nachfolger Erich Mendes.

    Vizepräsident der Liberalen Weltunion, einem Zusammenschluss der liberalen Parteien und Organisationen aller Länder.

  • 1969-1974

    Bundesaußenminister und Vizekanzler in beiden Kabinetten Brandt.

    Mit der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrages und der Ostverträge mit der UdSSR, Polen und der CSSR schlägt die Regierung Brandt/Scheel neue Wege in der Außenpolitik ein.

  • 1969

    Scheel heiratet in zweiter Ehe die Medizinerin Mildred Wirtz. Seine erste Frau war 1966 nach 24 Jahren Ehe verstorben. Mildred Scheel ist Initiatorin und Präsidentin der Deutschen Krebshilfe. 1985 stirbt sie an Krebs.

  • 1970

    Zusammen mit Bundeskanzler Willy Brandt unterzeichnet Scheel den Moskauer Vertrag.

    Die Ratifizierung des Vertrages durch den Deutschen Bundestag 1972 gegen Widerstände seitens der Opposition ist nicht zuletzt Scheels besonderem Einsatz zu verdanken.

    Veröffentlichung der Schrift "Warum Mitbestimmung und wie - eine Diskussion".

  • 1971

    Juli: Scheel reist als erster deutscher Außenminister zu einem offiziellen Besuch nach Israel.

    Das Ehepaar Scheel adoptiert ein indianisches Waisenkind aus Bolivien.

    Auszeichnung mit dem Theodor-Heuss-Preis.

    Auf dem Parteitag der FDP spricht sich Scheel klar für eine Fortsetzung der Koalition mit der SPD aus.

  • 1972

    Bei einem Besuch Scheels in Peking wird die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und der Bundesrepublik vereinbart.

  • 1973

    Verleihung des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

  • 1974-1979

    Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Staatsbesuche führen ihn unter anderem 1975 nach Frankreich, USA, in die Sowjetunion und nach Spanien. 1976 nach Finnland, Costa Rica und Mexiko, 1977 in die Schweiz und 1978 nach Japan, Iran, Neuseeland und Australien. Seine letzte Auslandsreise als deutsches Staatsoberhaupt führt ihn 1979 nach Österreich.

  • 1975

    Verleihung der Ehrendoktorwürde der Georgetown University/Washington D.C. und der Maryland-University in den USA sowie der Universität Heidelberg. 1978 der Universität Auckland/Neuseeland und der University Bristol/Großbritannien 1979.

  • 1976

    Scheel verweigert in seiner Funktion als Bundespräsident die Unterzeichnung des Gesetzes zur Abschaffung der Gewissensprüfung bei Wehrdienstverweigerern.

  • 1977

    Auszeichnung mit dem Karlspreis der Stadt Aachen.

    Veröffentlichung der Schrift "Vom Recht des anderen - Gedanken zur Freiheit".

  • 1979

    Scheel lehnt die Bitte von SPD und FDP, erneut für das Bundespräsidentenamt zu kandidieren ab. Zu seinem Nachfolger wird Karl Carstens gewählt.

    Veröffentlichung der Schrift "Die Zukunft der Freiheit - Vom Denken und Handeln in unserer Demokratie".

    Wahl zum Ehrenvorsitzenden der FDP.

    Ernennung zum Kuratoriumsvorsitzenden der Friedrich-Naumann-Stiftung.

  • seit 1980

    Vorsitzender des Aufsichtsrates der bundeseigenen aber privatwirtschaftlich geführten Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG).

    Übernahme eines Aufsichtsratsmandates der Thyssen AG, später auch der Thyssen Stahl AG.

  • 1986

    Veröffentlichung des Buches "Wen schmerzt noch Deutschlands Teilung?".

    Scheel nutzt seine Festrede im Deutschen Bundestag zum 17. Juni zu einem Plädoyer für die Fortsetzung der Entspannungs- und Abrüstungspolitik sowie dafür, mehr Verständnis für die Sowjetunion nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl zu zeigen.

  • 1988

    Scheel heiratet Barbara Wiese.

  • 1993

    Verwaltungsratsvorsitzender des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.

  • 1999

    In einer gemeinsamen Erklärung mit Bundespräsident Johannes Rau und Roman Herzog fordert Scheel eine Stärkung der Bürgergesellschaft.

    Scheel ist Vater von vier Kindern.

  • 2016

    24. August: Walter Scheel stirbt im Alter von 97 Jahren in einem Pflegeheim in Bad Krozingen bei Freiburg. Der an Demenz Erkrankte hat sich in seinen letzten Lebensjahren nur noch selten in der Öffentlichkeit gezeigt.

 

(nc/iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 24.08.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Chmura, Nadine/Zündorf, Irmgard: Biografie Walter Scheel, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/walter-scheel.html
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