Ariel Sharon 1928 - 2014

  • 1928
    27. Februar: Ariel Sharon wird als Ariel Scheinermann in Kfar Malal im britischen Mandatsgebiet Palästina geboren. Seine Eltern, Samuil und Vera Scheinermann (Geburtsname: Schneeroff), sozialistische Zionisten, waren aus Polen eingewandert.
  • 1942
    Sharon tritt der Haganah bei, der Vorläuferin der israelischen Armee, und kämpft gegen die britische Mandatsmacht.
  • 1948-1949
    Im Unabhängigkeitskrieg ist er Chef einer Infanteriekompanie, später Kommandeur einer Aufklärungseinheit.
  • 1953
    Heirat mit Margalit. Sie haben einen Sohn, Gur.
  • 1952-1953
    Studium der Geschichte und Orientalistik an der Hebräischen Universität in Jerusalem.
  • 1953-1956
    Rückkehr zur Armee als Kommandeur der "Einheit 101", zuständig für Operationen vor allem gegen Terroristen in Jordanien und Ägypten. Die Einheit ist wegen ihrer Rücksichtslosigkeit gegenüber Zivilisten umstritten.
  • 1956
    Im Suez-Krieg erobert Sharon als Befehlshaber einer Fallschirmjäger-Brigade auf der Sinai-Halbinsel den strategisch entscheidenden Mitla-Pass. Ihm wird später vorgeworfen, eigenmächtig gehandelt und das Leben vieler israelischer Soldaten unnötig geopfert zu haben.
  • 1957-1958
    Ausbildung am College des britischen Generalstabs in Camberley.
  • 1958-1969
    Leiter der israelischen Infanterieschule.
  • 1962
    Tod seiner Frau Margalit. Ein Jahr darauf heiratet er deren Schwester, Lily. Aus dieser Ehe gehen zwei weitere Söhne hervor.
  • 1966
    Leitung der Ausbildungsabteilung des Verteidigungsministeriums.
  • 1967
    Teilnahme am Sechstagekrieg als Generalmajor. Sein Sohn Gur stirbt beim Spiel mit einer Waffe.
  • 1973
    Juli: Nach Differenzen mit dem Oberkommando scheidet Sharon aus der Armee aus. September: Sharon gehört zu den Gründern des Likud-Blocks, eines Zusammenschlusses mehrerer konservativer Parteien. Oktober: Rückkehr in die Armee, nachdem Ägypten Israel angegriffen und damit den Yom Kippur-Krieg ausgelöst hat. Sein - offenbar eigenmächtiges - Überqueren des Suez-Kanals hat wesentlichen Anteil am militärischen Erfolg Israels. Obwohl sein Vorgehen umstritten ist, wird er von der Bevölkerung als großer Held ("Ariel, König von Israel") gefeiert. Dezember: Sharon zieht als Vertreter des Likud in das Parlament (Knesset) ein.
  • 1974
    Sharon gibt sein Mandat wieder auf und zieht sich auf seine Farm in der Negev-Wüste zurück.
  • 1975
    Juni: Premierminister Yizchak Rabin (1922-1995) ernennt Sharon überraschend zu seinem Sicherheitsberater. Schon einige Monate später tritt er jedoch nach Differenzen über die Sicherheitspolitik wieder von seinem Posten zurück.
  • 1977-1981
    Nach dem Wahlsieg des Likud zieht Sharon als Landwirtschaftsminister in das Kabinett Menachem Begins (1919-1992) ein. In dieser Funktion setzt er sich für eine Zusammenarbeit mit Ägypten ein. Als Präsident eines interministeriellen Komitees ist er außerdem zuständig für die Gründung israelischer Siedlungen in den besetzten Gebieten, die er in den folgenden Jahren mit Nachdruck betreibt.
  • 1981
    Nach dem zweiten Wahlsieg des Likud wird Sharon Verteidigungsminister.
  • 1982
    Juni: Sharon befiehlt den umstrittenen israelischen Einmarsch in den Libanon. Ziel der Aktion ist die Zerschlagung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), die von libanesischem Territorium aus immer wieder den Norden Israels angegriffen hatte. September: Sharon erreicht sein militärisches Ziel, die PLO aus dem Nachbarland zu vertreiben. Die israelische Öffentlichkeit steht seinem Vorgehen zunehmend kritisch gegenüber. Ins Kreuzfeuer der Kritik gerät er, als unter den Augen des israelischen Militärs christliche Milizen in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila ein Massaker anrichten, bei dem rund 800 Menschen getötet werden.
  • 1983
    Februar: Nachdem ihm eine israelische Untersuchungskommission "Mitverantwortung" für die Geschehnisse in Sabra und Shatila nachweist, tritt Sharon als Verteidigungsminister zurück, verbleibt aber als Minister ohne Geschäftsbereich im Kabinett.
  • 1984-1990
    In der abwechselnd von Arbeitspartei und Likud geführten Regierung der "nationalen Einheit" übernimmt er das Handels- und Industrieministerium.
  • 1990-1992
    Als Bauminister und Vorsitzender eines Komitees für Immigration im Kabinett Yizchak Shamirs (1915-2012) ist er vor allem mit der Integration russischer Einwanderer befasst.
  • 1991
    Mai: Die US-Regierung weigert sich, Sharon offiziell zu empfangen. Von seinen Gegnern als "rechter Bulldozer" beschimpft wird er von seinen Anhängern freundschaftlich "Arik" genannt. Sharon fordert weiterhin verstärkten Siedlungsbau und weitere Annexionen palästinensischer Gebiete.
  • 1992
    Mit der Bildung der Mitte/Links-Koalition unter Yizchak Rabin scheidet Sharon aus der Regierung aus. Rabin wirft er vor, er liefere mit seinen Friedensbemühungen "jüdische Siedler an die verbrecherische PLO" aus.
  • 1996
    In der Koalitionsregierung aus Likud sowie anderen rechten und religiösen Parteien unter Benyamin Nethanyahu (geb.1949) erhält Sharon ein auf ihn zugeschnittenes Ministerium für "nationale Infrastrukur", und treibt den Ausbau jüdischer Siedlungen voran.
  • 1998-1999
    Außenminister im Kabinett Nethanyahu. Sharon leitet die Friedensgepräche in Wye River /USA. Sharon weigert sich, mit Jassir Arafat 1929-2004) zu sprechen, erkennt aber an, dass die palästinensische Autonomie früher oder später zu einem palästinensischen Staat führen wird, was jedoch nur nach Abstimmung mit Israel geschehen dürfe.
  • 1999
    Vorsitzender der Likud-Partei.
  • 2000
    September: Sharons Besuch auf dem für Juden wie Muslime heiligen Tempelberg trägt in Zusammenwirkung mit dem fest gefahrenen Friedensprozess zum Ausbruch der "Zweiten Intifada" bei, in deren Verlauf es in den folgenden Jahren immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften sowie Selbstmordattentaten kommt. Tod seiner Frau Lily.
  • 2001
    Februar: Mit dem Versprechen, den Terror zu beenden, gewinnt Sharon eine vorgezogene Neuwahl und wird Premierminister einer Regierung der "nationalen Einheit".
  • 2002
    Befehl zur Wiederbesetzung palästinensischer Städte, um Terrorakte in Israel zu verhindern. Zusammenbruch der Koalitionsregierung. In Belgien wird die von Angehörigen der Opfer von Sabra geforderte Anklage gegen Sharon als Kriegsverbrecher aufgrund seiner Immunität als amtierendes Regierungsmitglied verworfen.
  • 2003
    28. Januar: Sharon erringt einen neuen, großen Wahlerfolg und schließt eine Koalition mit der liberalen Shinui-Partei und der religiösen Shas-Partei. In seiner zweiten Amtszeit wird ein 720 Kilometer langer Trennungszaun zwischen den palästinensischen Autonomiegebieten und dem israelischen Kernland begonnen. Der Bau ist international umstritten, führt aber zu einer deutlichen Abnahme der Terroranschläge auf israelische Bürger.
  • 2004
    Sharon und seine Söhne geraten unter Korruptionsverdacht. Die Anklage wird aus Mangel an Beweisen fallen gelassen. Sharon legt einen als "Sharon-Plan" bekannten, einseitigen Abzugsplan aus dem Gaza-Streifen vor. Der Plan stößt innerhalb seiner eigenen Partei sowie im rechts-religiösen Spektrum auf Ablehnung, bringt aber eine Annäherung mit den Mitte/Linksparteien.
  • 2005
    Januar: Nach Auseinandersetzungen über den Haushaltsplan 2005 und der Entlassung mehrerer Minister bildet Sharon eine große Koalition aus Likud und Arbeitspartei. Februar: Waffenstillstandsabkommen zwischen Sharon und dem neuen Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde. Damit gilt die "Zweite Intifada" offiziell als beendet. 21. November: Sharon kündigt seinen Rücktritt als Ministerpräsident an und tritt aus dem Likud aus. Er gründet eine neue Partei: Kadima (Vorwärts).
  • 2006
    4. Januar: Nach mehreren Schlaganfällen, Gehirnblutungen und Notoperationen liegt Sharon im Koma. 11. April: Das israelische Kabinett erklärt Sharon für dauerhaft amtsunfähig. Sein Nachfolger im Ministerpräsidentenamt wird sein Stellvertreter Ehud Olmert (geb. 1945).
  • 2014
    11. Januar: Sharon verstirbt aufgrund Organsversagens.

 

(sw/reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 18.09.2014
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Haunhorst, Regina/Wirtz, Susanne: Biografie Ariel Sharon, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/ariel-sharon.html
Zuletzt besucht am 20.12.2014

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