Theodor Wiesengrund Adorno 1903 - 1969

Theodor W. Adorno ist ein deutscher Philosoph, Soziologe und Musiktheoretiker. Er ist einer der Hauptvertreter der sogenannten „Frankfurter Schule“ oder „Kritischen Theorie“, die Ideen von Hegel, Marx und Freud weiterentwickelt. Adorno wird mit seiner Kritik an der deutschen Nachkriegsgesellschaft zum wichtigsten Theoretiker der „Neuen Linken“ und der 1968er-Generation. Bekannte Werke von ihm sind unter anderem „Dialektik der Aufklärung“ (1947), „Minima Moralia“ (1951) und „Negative Dialektik“ (1966).

  • 1903

    11. September: Theodor Wiesengrund Adorno wird als Sohn des Weinhändlers Wiesengrund und seiner Frau, der italienischen Sängerin Maria Calvelli-Adorno, in Frankfurt/Main geboren. Während seiner Gymnasialzeit schließt er Freundschaft mit dem späteren Sozialwissenschaftler und Filmtheoretiker Siegfried Kracauer (1889-1966).

  • 1921-1923

    Studium der Philosophie, Soziologie, Psychologie und Musiktheorie in Frankfurt/Main. Adorno schließt Freundschaft mit Max Horkheimer und Walter Benjamin.

    Parallel zu seinem Studium ist Adorno bereits als Musikkritiker für die Zeitschrift "Neue Blätter für Kunst und Literatur" tätig.

  • 1924

    Adorno promoviert in Frankfurt/Main bei Hans Cornelius (1863-1947) über "Die Transzendenz des Dinglichen und Noematischen in Husserls Phänomenologie" und steht damit noch ganz in der Tradition der transzendentalen Erkenntnistheorie.

  • 1925/26

    Studium der Musiktheorie und Kompositionslehre bei Alban Berg (1885-1935) und Arnold Schönberg in Wien.

    Er widmet sich schriftstellerischen und kompositorischen Arbeiten.

  • 1929-1930

    Adorno ist Redakteur der Kulturzeitschrift "Anbruch".

  • 1931

    Adorno habilitiert sich bei Paul Tillich mit der Arbeit "Kierkegaard, Konstruktion des Ästhetischen" und hält seine Antrittsvorlesung über "Die Aktualität der Philosophie", die stark von Benjamin beeinflusst ist.

  • 1933

    Adorno wird im Zuge der Amtsenthebung jüdischer Dozenten die Lehrbefugnis entzogen.

  • 1934

    Nach der Emigration nach Oxford arbeitet Adorno als Dozent am Merton College.

  • 1937

    Heirat mit Gretel Karplus.

  • 1938

    Adorno emigriert in die USA und wird offizielles Mitglied des nach New York übergesiedelten Instituts für Sozialforschung.

  • 1942-1944

    Übersiedlung nach Kalifornien, um dort zusammen mit Max Horkheimer an der "Dialektik der Aufklärung" zu arbeiten.

  • 1944 -1949

    Er leitet das Research Project on Social Discrimination in Los Angeles.

  • 1947

    Zusammen mit Max Horkheimer veröffentlicht Adorno in den USA die "Dialektik der Aufklärung", die erst 1969 in Deutschland erscheint. In dem ebenso berühmten wie umstrittenen Werk suchen die Verfasser eine Antwort auf die Frage, "warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt".

  • 1949

    Adorno kehrt nach Deutschland zurück. Er erhält eine außerplanmäßige Professur für Sozialphilosophie an der Universität Frankfurt/Main.

    Parallel dazu leitet er gemeinsam mit Horkheimer das wieder eingerichtete Institut für Sozialforschung in Frankfurt/Main.

    Veröffentlichung der Schrift "Philosophie der neuen Musik".

  • 1950

    Mitverfasser der empirisch fundierten, soziologischen Studie "Der autoritäre Charakter" über den Zusammenhang von Autoritätsgläubigkeit und Faschismus.

  • 1951

    Veröffentlichung der Schrift "Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben".

  • 1952

    August: Neben anderen referiert Adorno bei den Kölner Mittwochgesprächen zum Thema "Die kulturelle und soziale Strukturveränderung im geeinten Deutschland".

  • 1952-1953

    Adorno leitet die Hacker Foundation in Beverly Hills.

  • 1956-1969

    Ordinarius für Soziologie und Philosophie in Frankfurt/Main.

    Veröffentlichung der Schriften "Zur Metakritik der Erkenntnistheorie" (1956), und "Jargon der Eigentlichkeit - Zur deutschen Ideologie" (1964).

  • 1958

    Adorno übernimmt die Leitung des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt/Main.

  • 1959

    Auszeichnung mit dem Berliner Kritikerpreis für Literatur.

  • 1961

    Auf dem Soziologentag in Tübingen beginnt eine Auseinandersetzung zwischen Karl Popper (1902-1994) und Adorno über Methodenprobleme der Sozialwissenschaften, der als Positivismusstreit bekannt wird.

    1969 gibt Adorno zusammen mit anderen den Band "Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie" heraus.

  • 1963

    Veröffentlichung der "Studien zu Hegel".

    Auszeichnung mit der Frankfurter Goetheplakette.

  • 1966

    Veröffentlichung der Schrift "Negative Dialektik". Adorno geht darin von einer Neudefinition des Verhältnisses von Subjekt und Objekt aus und sieht die Aufgabe der Philosophie in der Darstellung der gesellschaftlichen Probleme mit philosophischen Mitteln.

  • 1966-1969

    Adorno gilt neben Max Horkheimer und Herbert Marcuse als Hauptvertreter der Frankfurter Schule und der Kritischen Theorie. Mit seiner Kritik an der bürgerlichen Ideologie der allmählich zu Wohlstand gekommenen Nachkriegsgesellschaft und an der modernen bürokratisierten und technisierten Welt erreicht er vor allem die junge Generation.

    Dabei lehnt er wie seine Kollegen Horkheimer und Marcuse die gewalttätige Zuspitzung der Studentenbewegung und jede Art von Terror, auch den im Dienste der Revolution, entschieden ab.

    Die "Ästhetische Theorie" wird 1970 aus dem Nachlass herausgegeben.

    Darüber hinaus verfasst Adorno zahlreiche musikwissenschaftliche Schriften, u. a. zu Gustav Mahler und Schönberg, außerdem Aufsätze zur Literatur und Kunst.

  • 1969

    6. August: Theodor W. Adorno stirbt in Brig/Schweiz an den Folgen eines Herzinfarkts.

 

(bs/iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 04.08.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Blume, Dorlis/Zündorf, Irmgard: Biografie Theodor W. Adorno, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografien/theodor-w-adorno.html
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