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Politiker
- 1924
- 20. Juni: Rainer Candidus Barzel wird in der katholischen Enklave
Braunsberg in Ostpreußen als Sohn eines Oberstudienrates geboren.
Seine Kindheit verbringt er mit seinen sechs Geschwistern weitgehend
in Berlin, wo er das Jesuiten-Gymnasium am Lietzensee und das Luisengymnasium
besucht.
- 1941- 45
- Notabitur in Berlin. Im Zweiten Weltkrieg wird Barzel zur Luftwaffe eingezogen.
1943: Leutnant bei den Marinefliegern.
Auszeichnung mit dem "Eisernen Kreuz II. Klasse" und der "Goldenen
Frontflugspange".
- 1945
- Beginn des Studiums der Rechtswissenschaften und der Volkswirtschaft
in Köln.
- 1948
- 22. Mai: Barzel heiratet Kriemhild Schumacher. Aus der Ehe geht eine
Tochter hervor.
- 1949
- 1. Januar: Barzel tritt in die Verwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen
(NRW) ein. Er ist zunächst in Frankfurt a.M. tätig, wo
er das Land im Wirtschaftsrat der
Bi-Zone vertritt.
Februar: Promotion zum Dr. jur. mit der Note "Sehr gut".
Herbst 1949: Nach der Gründung
der Bundesrepublik wechselt er in die Vertretung des Landes NRW
beim Bund in Bonn. Hier hat er wesentlichen Anteil an der Gestaltung
der Geschäftsordnung des Bundesrates sowie des Vermittlungsausschusses.
Weitere Schwerpunkte sind die Zustimmungsgesetze und der Aufbau der
Montanunion.
- 1954
- Eintritt in die Christlich
Demokratische Union (CDU).
- 1955
- Barzel wird im Range eines Ministerialrates Berater und Redenschreiber
von Karl Arnold (CDU), Ministerpräsident von NRW. Im Auftrag der
Länder und des Bundesrates wirkt Barzel bei den Beratungen des
Sicherheitsausschusses des Deutschen
Bundestages mit. Er trägt dazu bei, dass alle Parteien der
Aufnahme der Wehrpflicht
ins Grundgesetz zustimmen.
- 1956
- Oktober: Nach dem Sturz des Kabinetts von Karl Arnold durch ein konstruktives
Misstrauensvotum von SPD
und
FDP wird Barzel geschäftsführendes Mitglied im Landespräsidium
der CDU.
- 1957- 60
- 27. September 1957: Als Abgeordneter des Wahlkreises Paderborn-Wiedenbrück
zieht Barzel in den Bundestag ein.
29. April 1958: "Jungfernrede" im Bundestag als erster Redner
der Union zum Antrag der SPD-Opposition zur Volksbefragung über
die atomare Bewaffnung. Während der Rede kommt es zu Tumulten.
Barzel gilt als brillanter Redner.
- 1960
- Mitglied des Fraktionsvorstandes
der CDU/CSU im Deutschen Bundestag und des Bundesvorstandes der CDU.
- 1962-63
- Minister für Gesamtdeutsche Fragen im vierten Kabinett Konrad
Adenauers.
Oktober 1963: Adenauers Nachfolger Ludwig
Erhard übernimmt Barzel nicht in sein Kabinett. Sein Nachfolger
als Minister für Gesamtdeutsche Fragen wird Erich
Mende (FDP) .
- 1964
- 14. November: Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
- 1966
- Stellvertretender Vorsitzender der Bundes-CDU.
Herbst: Barzel spielt als Vorsitzender der Unionsfraktion eine maßgebliche
Rolle in der Großen
Koalition (CDU/CSU und SPD) und pflegt eine intensive Zusammenarbeit
mit dem Fraktionsvorsitzenden der SPD, Helmut
Schmidt.
- 1969
- Nach der verlorenen Bundestagswahl
organisiert Barzel eine schlagkräftige Opposition und setzt deutliche
Akzente gegen die Ostpolitik
von Bundeskanzler Willy Brandt.
- 1971
- Oktober: Barzel setzt sich gegen Helmut
Kohl als CDU-Vorsitzender durch.
- 1972
- 27. April: Der Versuch der CDU/CSU-Fraktion, Barzel durch ein konstruktives
Misstrauensvotum anstelle von Willy Brandt zum Kanzler zu wählen,
scheitert. Die Medien gehen davon aus, dass zwei CDU-Abgeordnete vom
Staatssicherheitsdienst der DDR bestochen worden waren.
19. November: Bei der vorgezogenen Bundestagswahl
erleidet die CDU mit ihrem Kanzlerkandidaten Barzel eine empfindliche
Niederlage, die SPD wird erstmals stärkste Partei.
- 1973
- Mai: Eine Mehrheit der Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion stimmt entgegen
Barzels Empfehlung gegen den Beitritt der Bundesrepublik zur UNO. Er
tritt daraufhin als Fraktionsvorsitzender zurück, sein Nachfolger
wird Karl Carstens.
Juni: Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz.
Sein Nachfolger wird Helmut Kohl.
- 1976
- Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des Bundestages.
- 1977
- 27. März: Seine Tochter Claudia begeht im Alter von 28 Jahren
Selbstmord.
- 1980
- Februar: Bundeskanzler Schmidt beruft ihn zum Koordinator für
die deutsch-französische Zusammenarbeit, ein Amt, das er unter
Helmut Kohl ab 1986 noch einmal innehaben wird.
25. Oktober: Seine Frau Kriemhild stirbt an Leukämie.
18. Dezember: Barzel übernimmt den Vorsitz des Auswärtigen
Ausschusses.
- 1982
- 24. Mai: Heirat mit seiner Parteikollegin Dr. Helga Henselder.
1.Oktober: Nach dem erfolgreichen Misstrauensvotum
gegen Bundeskanzler Schmidt wird er im Kabinett Kohl Bundesminister
für Innerdeutsche Beziehungen.
- 1983
- Wahl zum Bundestagspräsidenten.
- 1984
- Oktober: Barzel gerät
in Zusammenhang mit der Flick-Affäre
in die Schlagzeilen. Er steht im Verdacht, über eine Anwaltskanzlei
Zuwendungen des Flick-Konzerns entgegengenommen und als Gegenleistung
politische Entscheidungen im Sinne des Flick-Konzerns getroffen zu haben.
25. Oktober: Einen Tag nach seiner Vernehmung durch den Untersuchungsausschuss
tritt er von seinem Amt als Bundestagspräsident zurück.
- 1985
- Gegen Barzel wird ein Ermittlungsverfahren
wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung eingeleitet. Das Gerichtsverfahren
wird im folgenden Jahr eingestellt.
- 1987
- Obwohl schon im März
1986 Bundestagspräsident Philipp Jenninger eine Ehrenerklärung
für Barzel abgegeben hatte, verzichtet er auf eine erneute Kandidatur
für den Bundestag. Zusammen mit einem polnischen Regisseur dreht
er einen Film über die Wiederbegegnung mit seiner ostpreußischen
Heimat: "Zu Besuch, aber nicht als Fremder".
- 1989
- Sein starkes Interesse
am Frieden in Nahost und an der Stadt Jerusalem bringt er als Autor
seines zweiten Films zum Ausdruck: "Jerusalem, eine Stadt, die
uns angeht".
- 1995
- 15. Dezember: Seine zweite
Frau Helga stirbt bei einem Autounfall.
- 1997
- 24. Mai: Heirat mit der
Schauspielerin und Regisseurin Ute Cremer.
- 1998-2002
- Barzel veröffentlicht
zahlreiche Schriften und Bücher:
"Die Tür bleibt offen. Mein persönlicher Bericht über
die Ostverträge - Misstrauensvotum - Kanzlersturz" (1998)
"Ein gewagtes Leben" (2001)
"Ein Tagebuch über den Wahlkampf 1976" (2002).
- 2004
- 20. Juni: Zu seinem 80.Geburtstag
wird Barzel in München mit einem großen Empfang geehrt. Die
Laudatio hält sein Freund und Wegbegleiter Helmut Schmidt.
- 2006
- 26. August: Rainer Barzel
stirbt nach langer Krankheit in München. An dem Requiem im Bonner
Münster am 5. September nehmen mehrere hundert Trauergäste
teil, u.a. Kanzlerin Merkel und die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD
und FDP. Barzel wird auf dem Zentralfriedhof in Bonn-Bad Godesberg beigesetzt.
(reh)
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