1924-2006

 

Rainer Barzel

Politiker

1924
20. Juni: Rainer Candidus Barzel wird in der katholischen Enklave Braunsberg in Ostpreußen als Sohn eines Oberstudienrates geboren. Seine Kindheit verbringt er mit seinen sechs Geschwistern weitgehend in Berlin, wo er das Jesuiten-Gymnasium am Lietzensee und das Luisengymnasium besucht.
1941- 45
Notabitur in Berlin. Im Zweiten Weltkrieg wird Barzel zur Luftwaffe eingezogen.
1943: Leutnant bei den Marinefliegern.
Auszeichnung mit dem "Eisernen Kreuz II. Klasse" und der "Goldenen Frontflugspange".
1945
Beginn des Studiums der Rechtswissenschaften und der Volkswirtschaft in Köln.
1948
22. Mai: Barzel heiratet Kriemhild Schumacher. Aus der Ehe geht eine Tochter hervor.
1949
1. Januar: Barzel tritt in die Verwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) ein. Er ist zunächst in Frankfurt a.M. tätig, wo er das Land im Wirtschaftsrat der Bi-Zone vertritt.
Februar: Promotion zum Dr. jur. mit der Note "Sehr gut".
Herbst 1949: Nach der Gründung der Bundesrepublik wechselt er in die Vertretung des Landes NRW beim Bund in Bonn. Hier hat er wesentlichen Anteil an der Gestaltung der Geschäftsordnung des Bundesrates sowie des Vermittlungsausschusses. Weitere Schwerpunkte sind die Zustimmungsgesetze und der Aufbau der Montanunion.
1954
Eintritt in die Christlich Demokratische Union (CDU).
1955
Barzel wird im Range eines Ministerialrates Berater und Redenschreiber von Karl Arnold (CDU), Ministerpräsident von NRW. Im Auftrag der Länder und des Bundesrates wirkt Barzel bei den Beratungen des Sicherheitsausschusses des Deutschen Bundestages mit. Er trägt dazu bei, dass alle Parteien der Aufnahme der Wehrpflicht ins Grundgesetz zustimmen.
1956
Oktober: Nach dem Sturz des Kabinetts von Karl Arnold durch ein konstruktives Misstrauensvotum von SPD und FDP wird Barzel geschäftsführendes Mitglied im Landespräsidium der CDU.
1957- 60
27. September 1957: Als Abgeordneter des Wahlkreises Paderborn-Wiedenbrück zieht Barzel in den Bundestag ein.
29. April 1958: "Jungfernrede" im Bundestag als erster Redner der Union zum Antrag der SPD-Opposition zur Volksbefragung über die atomare Bewaffnung. Während der Rede kommt es zu Tumulten. Barzel gilt als brillanter Redner.
1960
Mitglied des Fraktionsvorstandes der CDU/CSU im Deutschen Bundestag und des Bundesvorstandes der CDU.
1962-63
Minister für Gesamtdeutsche Fragen im vierten Kabinett Konrad Adenauers.
Oktober 1963: Adenauers Nachfolger Ludwig Erhard übernimmt Barzel nicht in sein Kabinett. Sein Nachfolger als Minister für Gesamtdeutsche Fragen wird Erich Mende (FDP) .
1964
14. November: Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
1966
Stellvertretender Vorsitzender der Bundes-CDU.
Herbst: Barzel spielt als Vorsitzender der Unionsfraktion eine maßgebliche Rolle in der Großen Koalition (CDU/CSU und SPD) und pflegt eine intensive Zusammenarbeit mit dem Fraktionsvorsitzenden der SPD, Helmut Schmidt.
1969
Nach der verlorenen Bundestagswahl organisiert Barzel eine schlagkräftige Opposition und setzt deutliche Akzente gegen die Ostpolitik von Bundeskanzler Willy Brandt.
1971
Oktober: Barzel setzt sich gegen Helmut Kohl als CDU-Vorsitzender durch.
1972
27. April: Der Versuch der CDU/CSU-Fraktion, Barzel durch ein konstruktives Misstrauensvotum anstelle von Willy Brandt zum Kanzler zu wählen, scheitert. Die Medien gehen davon aus, dass zwei CDU-Abgeordnete vom Staatssicherheitsdienst der DDR bestochen worden waren.
19. November: Bei der vorgezogenen Bundestagswahl erleidet die CDU mit ihrem Kanzlerkandidaten Barzel eine empfindliche Niederlage, die SPD wird erstmals stärkste Partei.
1973
Mai: Eine Mehrheit der Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion stimmt entgegen Barzels Empfehlung gegen den Beitritt der Bundesrepublik zur UNO. Er tritt daraufhin als Fraktionsvorsitzender zurück, sein Nachfolger wird Karl Carstens.
Juni: Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz. Sein Nachfolger wird Helmut Kohl.
1976
Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des Bundestages.
1977
27. März: Seine Tochter Claudia begeht im Alter von 28 Jahren Selbstmord.
1980
Februar: Bundeskanzler Schmidt beruft ihn zum Koordinator für die deutsch-französische Zusammenarbeit, ein Amt, das er unter Helmut Kohl ab 1986 noch einmal innehaben wird.
25. Oktober: Seine Frau Kriemhild stirbt an Leukämie.
18. Dezember: Barzel übernimmt den Vorsitz des Auswärtigen Ausschusses.
1982
24. Mai: Heirat mit seiner Parteikollegin Dr. Helga Henselder.
1.Oktober: Nach dem erfolgreichen Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Schmidt wird er im Kabinett Kohl Bundesminister für Innerdeutsche Beziehungen.
1983
Wahl zum Bundestagspräsidenten.
1984
Oktober: Barzel gerät in Zusammenhang mit der Flick-Affäre in die Schlagzeilen. Er steht im Verdacht, über eine Anwaltskanzlei Zuwendungen des Flick-Konzerns entgegengenommen und als Gegenleistung politische Entscheidungen im Sinne des Flick-Konzerns getroffen zu haben.
25. Oktober: Einen Tag nach seiner Vernehmung durch den Untersuchungsausschuss tritt er von seinem Amt als Bundestagspräsident zurück.
1985
Gegen Barzel wird ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung eingeleitet. Das Gerichtsverfahren wird im folgenden Jahr eingestellt.
1987
Obwohl schon im März 1986 Bundestagspräsident Philipp Jenninger eine Ehrenerklärung für Barzel abgegeben hatte, verzichtet er auf eine erneute Kandidatur für den Bundestag. Zusammen mit einem polnischen Regisseur dreht er einen Film über die Wiederbegegnung mit seiner ostpreußischen Heimat: "Zu Besuch, aber nicht als Fremder".
1989
Sein starkes Interesse am Frieden in Nahost und an der Stadt Jerusalem bringt er als Autor seines zweiten Films zum Ausdruck: "Jerusalem, eine Stadt, die uns angeht".
1995
15. Dezember: Seine zweite Frau Helga stirbt bei einem Autounfall.
1997
24. Mai: Heirat mit der Schauspielerin und Regisseurin Ute Cremer.
1998-2002
Barzel veröffentlicht zahlreiche Schriften und Bücher:
"Die Tür bleibt offen. Mein persönlicher Bericht über die Ostverträge - Misstrauensvotum - Kanzlersturz" (1998)
"Ein gewagtes Leben" (2001)
"Ein Tagebuch über den Wahlkampf 1976" (2002).
2004
20. Juni: Zu seinem 80.Geburtstag wird Barzel in München mit einem großen Empfang geehrt. Die Laudatio hält sein Freund und Wegbegleiter Helmut Schmidt.
2006
26. August: Rainer Barzel stirbt nach langer Krankheit in München. An dem Requiem im Bonner Münster am 5. September nehmen mehrere hundert Trauergäste teil, u.a. Kanzlerin Merkel und die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und FDP. Barzel wird auf dem Zentralfriedhof in Bonn-Bad Godesberg beigesetzt.

(reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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