geb. 1927

 

Günter Grass

Photo: Günter Grass, 1961

Schriftsteller und Grafiker

Günter Grass ist ein deutscher Schriftsteller  und Grafiker, der 1999 für sein Lebenswerk den Literaturnobelpreis erhält. Nach einem Studium der Bildhauerei und Grafik hat Grass 1959 mit dem Roman „Die Blechtrommel“ seinen literarischen Durchbruch. Er wird in den folgenden Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren. Auch aufgrund seines politischen Engagements ist Grass eine wichtige Figur im öffentlichen Leben der Bundesrepublik.

1927
16. Oktober: Günter Grass wird in Danzig als Sohn einer Kaufmanns-Familie geboren. Nach der Volksschule besucht Grass das Conradinum in Danzig. Wegen seiner schlechten Noten wechselt er mehrfach die Schule.
1944
Einberufung zum Luftwaffenhelfer. Im Herbst 1944 wird Grass Mitglied der SS-Panzerdivision "Frundsberg".
1945-46
Nach Kriegsende gerät Grass in amerikanische Gefangenschaft.
1947/48
Um ohne Schulabschluss an der Düsseldorfer Kunstakademie studieren zu können, absolviert Grass Praktika bei zwei verschiedenen Steinmetzen in Düsseldorf.
1948-1952
Studium der Grafik und Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie.
1953-1956
Schüler der Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei dem Bildhauer Karl Hartung (1908-1967).
1954
Heirat mit der Tänzerin Anna Margareta Schwarz. Aus der Ehe gehen vier Kinder hervor. Die Ehe wird 1978 geschieden.
1956/57
Erste Ausstellungen von Plastiken und Grafiken in Stuttgart und Berlin-Tempelhof. Daneben beginnt Grass, schriftstellerisch tätig zu werden. In den ersten Jahren bis 1958 entstehen vor allem Kurzprosa, Gedichte und Theaterstücke, die nach seiner Aussage dem poetischen oder absurden Theater zuzuordnen sind.
1958
Uraufführung seines Theaterstückes "Onkel, Onkel" in Köln.
Verleihung des Preises der "Gruppe 47" für sein Manuskript "Die Blechtrommel".
ab 1959
Der Roman "Die Blechtrommel" (1959, Verfilmung 1979), die Novelle "Katz und Maus" (1961) und der Roman "Hundejahre" (1963) zeichnen sich durch exzessive und provokative Sprache aus. Sie belegen einerseits seine Erzählkunst und begründen andererseits seinen Ruf als politischen Moralisten.
1965, 1969 und 1972
Beteiligung an Wahlkampftourneen für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), deren Mitglied er von 1982 bis 1993 ist. Daneben äußert Grass sich immer wieder in offenen Briefen oder Reden zu politischen Themen, wodurch er sich über seine schriftstellerische Tätigkeit hinaus Gehör in der Öffentlichkeit verschafft.
ab 1966
Grass' Werke "Die Plebejer proben den Aufstand" (1966), "Davor" (1969) und "örtlich betäubt" (1969) sind von seinem politischen Engagement geprägt. Weiter beteiligt sich Grass an öffentlichen Protestaktionen in Ost und West gegen die Notstandsgesetze, den "autoritären Klerikalismus", die "reaktionäre Bundespolitik" und die "Unterdrückung der Freiheit in der DDR".
1968
Veröffentlichung des Buches "Briefe über die Grenze", ein Dialog zwischen dem tschechischen Schriftsteller Pavel Kohout (geb. 1928) und Grass zum Thema Prager Frühling.
1972
Nach Erscheinen der Erzählung "Aus dem Tagebuch einer Schnecke", die den Bundestagswahlkampf 1969 beschreibt, zieht sich Grass vorerst aus dem politischen Leben zurück.
1977
Veröffentlichung des Romans "Der Butt", der seinen internationalen Ruf als Epiker unterstreicht.
1979
Heirat mit der Organistin Ute Grunert.
1983
Mitunterzeichner des "Heilbronner Manifest" in dem Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler wegen der Stationierung der Pershing-2-Raketen in der Bundesrepublik öffentlich zur Wehrdienstverweigerung aufrufen.
1986
Veröffentlichung des Prosawerkes "Die Rättin" (Verfilmung 1997), das ein "apokalyptisches Feature über den Selbstmord der Menschheit" zeichnet.
1987
Beteiligung an der SPD-Kampagne für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein.
1989
Austritt aus der Akademie der Künste, weil diese aus Sicherheitsgründen eine Solidaritätsveranstaltung für Salman Rushdie (geb. 1947) verweigert hatte.
1990
In Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung spricht sich Grass gegen eine "Ruck-zuck-Einheit über den bloßen Anschlussartikel 23 des Grundgesetzes" aus und wirbt stattdessen für eine allmählich zusammenwachsende föderalistische deutsche Kulturnation.
1992
Veröffentlichung seiner Erzählung "Unkenrufe", die sein Bemühen um die Versöhnung der Deutschen mit sich und den östlichen Nachbarn zeigt.
1993
Aus Protest gegen die Asylrechtsänderung tritt Grass aus der SPD aus.
1995
Abschluss des Romans "Ein weites Feld", der in Berlin zwischen Mauerbau und Wiedervereinigung spielt und ein Panorama deutscher Geschichte von der Revolution 1848 bis zur Gegenwart zeichnet. Der Protagonist des Romans "Fonty" ist angelehnt an das alter ego von Theodor Fontane und schlägt somit den Bogen vom 19. Jahrhundert bis heute. Das Buch wird in der Öffentlichkeit stark diskutiert was u.a. dazu führt, dass bereits nach acht Wochen die fünfte Auflage in Druck geht.
1997
In seiner Rede bei den "Dresdner Gesprächen" beklagt Grass, dass die Wiedervereinigung die alte Klassengesellschaft erneuere.
Erstunterzeichner der "Erfurter Erklärung", in der SPD, Bündnis 90/Die Grünen, und die Partei des demokratischen Sozialismus (PDS) aufgefordert werden, die Regierung Kohl abzulösen. Außerdem ist Grass zusammen mit Egon Bahr Initiator des "Willy-Brandt-Kreises" für Menschen , "die sich die Unabhängigkeit des Denkens bewahrt haben" (Bahr).
19. Oktober: In seiner Laudatio bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den türkischen Schriftsteller Yasar Kemal (geb. 1923) richtet Grass nicht nur heftige Angriffe gegen die Regierung der Türkei wegen ihrer Kurdenpolitik, sondern attackiert auch die Bundesregierung bezüglich der Änderung des Asylrechts.
1998
Grass, der 1989 aus der Berliner Akademie der Künste ausgetreten war, wird auf der Frühjahrsversammlung der Akademie wieder zugewählt.
August: Grass beginnt eine Reihe von vier Wahlkampfveranstaltungen für die SPD, die er in Schwerin, Weimar, Jena und Erfurt abhält.
1999
Juli: Publikation von "Mein Jahrhundert": Für jedes Jahr dieses Jahrhunderts setzt Grass eine Geschichte, die jeweils ihren eigenen Erzähler hat.
10. Dezember: Günter Grass wird in Stockholm mit dem Literatur-Nobelpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
2002
Veröffentlichung der Novelle "Im Krebsgang". Thema ist der Untergang des mit Flüchtlingen besetzten Schiffes "Wilhelm Gustloff" am Ende des Zweiten Weltkrieges.
2003
Erscheinen von "Letzte Tänze", einer Sammlung vorwiegend erotisch geprägter Gedichte und Zeichnungen.
2005
Grass wird zum Ehrendoktor der Freien Universität Berlin ernannt.
2006
August: Kurz vor Erscheinen seiner Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel" erklärt Grass, als 17-Jähriger Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein.
Mit seinem Bekenntnis beginnt eine Debatte um Grass' Rolle als moralische Instanz im Nachkriegsdeutschland.
2007
Im Gedichtband "Dummer August" rechnet Grass mit seinen Kritikern ab.
2008
Der autobiografische Roman "Die Box" erscheint.
2009
Grass veröffentlicht sein Tagebuch aus dem Jahr 1990 unter dem Titel "Unterwegs von Deutschland nach Deutschland".
2010
"Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung" erscheint.
2012
Im April 2012 druckt die Süddeutsche Zeitung das Gedicht "Was gesagt werden muss", in dem Grass die israelische Politik gegenüber Iran kritisiert. Mit seinen Äußerungen löst der Schriftsteller einen Sturm der Kritik aus.

(iz/reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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