1884-1963

 

Theodor Heuss

Photo: Theodor Heuss, 1950
Gemälde: Oskar Kokoschka "Theodor Heuss", 1950
Photo: Theodor Heuss spricht auf der Gedenkfeier des VDI, 1953

Politiker

1884
31. Januar: Theodor Heuss wird in Brackenheim/Württemberg als jüngster Sohn eines Straßenbaumeisters geboren.
1902-1905
Studium der Nationalökonomie in München und Berlin.
1905
Promotion zum Dr. rer. pol. mit der agrargeschichtlichen Arbeit "Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn".
1905-1912
Mitarbeiter in der von Friedrich Naumann herausgegebenen Zeitschrift "Die Hilfe" in Berlin. Ab 1907 übernimmt Heuss das politische Ressort der Zeitschrift.
1908
Heirat mit Elly Knapp, der Tochter des Straßburger Nationalökonomen Georg Knapp. Aus der Ehe geht ein Sohn hervor.
1910-1918
Mitglied der "Fortschrittlichen Volkspartei".
1912-1918
Hauptschriftleiter der "Neckarzeitung" in Heilbronn.
1913-1918
Heuss redigiert die Halbmonatszeitschrift "Der März" in Heilbronn.
1918
Rückkehr nach Berlin.
Eintritt in die Deutsche Demokratische Partei (DDP).
Mitglied der Geschäftsführung des "Deutschen Werkbundes".
1918-1922
Übernahme der Redaktion der Wochenzeitschrift "Deutsche Politik".
1919
Heuss wird zum Bezirksverordneten in Berlin-Schöneberg gewählt und arbeitet parallel bei der "Vossischen-Zeitung" und der "Frankfurter Zeitung".
1920-1933
Dozent an der Hochschule für Politik in Berlin.
1923-1926
Übernahme der Redaktion der Zeitschrift "Die Deutsche Nation".
1924-1928
Mitglied des Reichstages für die DDP.
1930-1933
Mitglied des Reichstages für die Deutsche Staatspartei (Nachfolgepartei der DDP).
1932
In seiner Publikation "Hitlers Weg" analysiert und kritisiert Heuss den Nationalsozialismus historisch, politisch und soziologisch. Das Buch wird von den Nationalsozialisten nach 1933 öffentlich verbrannt.
1933
23. März: Heuss stimmt - wenn auch widerstrebend - dem Ermächtigungsgesetz zu, das Reichstag und Reichsrat von der Gesetzgebung ausschließt und die nationalsozialistische Alleinherrschaft ermöglicht.
Mai: Entlassung als Dozent der Hochschule für Politik in Berlin durch die Nationalsozialisten.
12. Juli: Aberkennung des Reichstagsmandats.
1933-1936
Erneut Herausgeber der Zeitschrift "Die Hilfe". Nach mehreren Verwarnungen von Seiten des Propagandaministeriums gegen Heuss legt er die Leitung der "Hilfe" nieder.
1937-1945
Niederschrift und Veröffentlichung verschiedener Biografien: 1937 über den Politiker und Weggefährten Friedrich Naumann, 1939 über den Architekten Hans Pölzig (1869-1936), 1940 über den Zoologen Anton Dohrn (1840-1909) und 1942 über den Chemiker Justus von Liebig (1803-1873).
Seit 1943 arbeitet er an der Biografie des Industriellen Robert Bosch (1861-1942), die 1946 publiziert wird.
1941
Heuss wird fester Mitarbeiter bei der Frankfurter Zeitung, wo er vor allem historische und kulturpolitische Aufsätze veröffentlicht.
1942
Die Nationalsozialisten verbieten den deutschen Zeitungen, etwas von Heuss abzudrucken. Nicht alle Zeitungen halten sich an das Verbot. Heuss veröffentlicht teilweise unter dem Pseudonym Thomas Brackheim.
1945/46
Kultusminister in Württemberg-Baden.
1946
Juni: Heuss wird Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung in Württemberg-Baden.
September: Wahl zum Vorsitzenden der am 6. Januar 1946 in Stuttgart neu gegründeten "Demokratischen Volkspartei" (DVP) in der amerikanischen Besatzungszone.
ab Dezember: Mitglied des Württemberg-Badischen Landtags.
1947
Vorstandsmitglied der 1947 gegründeten Demokratischen Partei Deutschlands (DPD).
März: Heuss übernimmt eine Honorar-Professur für politische Wissenschaft an der Technischen Hochschule in Stuttgart.
1948
September: Liberaler Abgeordneter und Fraktionsvorsitzender im Parlamentarischen Rat in Bonn.
12. Dezember: In Heppenheim Zusammenschluss der westdeutschen liberalen Parteiverbände zur Freien Demokratischen Partei (FDP). Theodor Heuss wird zum 1. Vorsitzenden gewählt.
1949
12 Juni: Auf dem Bundesparteitag der FDP wird Heuss als Bundesvorsitzender der Partei bestätigt.
14. August: Nach der ersten deutschen Bundestagswahl wird Heuss Mitglied des Bundestages.
12. September: Wahl zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland durch die Bundesversammlung. Heuss verzichtet daraufhin auf sein Bundestagsmandat und den Parteivorsitz.
1950
Nach einer provisorischen Unterkunft auf der Viktorshöhe bei Bonn bezieht Heuss im Dezember die Villa Hammerschmidt in Bonn als Amtssitz.
1951
Zur Würdigung von Verdiensten um Volk und Staat stiftet er den "Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland" (Bundesverdienstkreuz in mehreren Stufen).
1952
Nach dem misslungenen Versuch der Einführung einer neuen Nationalhymne erklärt Heuss im Sommer das Deutschlandlied zur Nationalhymne, unter der Maßgabe, dass lediglich die dritte Strophe gesungen werden darf.
Heuss ruft die Friedensklasse des Ordens "Pour le mérite" neu ins Leben.
1953
Veröffentlichung der Schrift "Vorspiele des Lebens. Jugenderinnerungen".
1954
17. Juli: Heuss wird von der Bundesversammlung ohne Gegenkandidat für weitere fünf Jahre als Bundespräsident gewählt.
1956
Mai: Staatsbesuch in Griechenland.
1957
Mai: Staatsbesuch in der Türkei.
November: Staatsbesuch in Rom und Empfang im Vatikan.
1958
Juni: Staatsbesuch in Kanada und in den USA. Oktober: Staatsbesuch in London.
1959
In seiner zehnjährigen Amtszeit hat Heuss der Institution des Bundespräsidenten durch Würde, Persönlichkeit und Geist ein weit über die formalen Rechte des Amts hinausgehendes Gewicht gegebenen und dazu beigetragen, Vorurteile in der Weltöffentlichkeit gegen die Deutschen abzubauen.
Die Anerkennung für sein Wirken ist so groß, dass überlegt wird, eine Änderung des Grundgesetzes herbeizuführen und damit eine 3. Amtszeit für ihn zu erwirken. Heuss selbst lehnt dies ab, er will keinen Präzedenzfall schaffen.
Herbst: Nachdem Heinrich Lübke seine Nachfolge als Bundespräsident angetreten hat, zieht sich Heuss auf seinen Ruhesitz in Stuttgart zurück.
Oktober: In Würdigung seiner Lebensleistung wird Heuss mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.
1960-1962
Heuss unternimmt private Reisen nach Israel, Indien und Großbritannien.
Er widmet sich der Niederschrift seiner Lebenserinnerungen.
1963
Veröffentlichung seiner "Erinnerungen 1905-1933".
12. Dezember: Theodor Heuss stirbt in Stuttgart.
17. Dezember: Mit einem Staatsbegräbnis wird er auf dem Stuttgarter Waldfriedhof beigesetzt.
Audio-Station Rede: Bundespräsident Theodor Heuss zur Wiederbewaffnungsfrage , 1949
Audio-Station Rede: Neujahrsansprache von Theodor Heuss, 31.12.1950
Dokument Rede: Neujahrsansprache von Theodor Heuss, 31.12.1950

(db/iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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