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Politikerin
- 1919
- 7. Oktober: Annemarie Wildung wird in Leipzig als fünftes Kind
in einer Familie mit sozialdemokratischer Tradition geboren. Ihr Vater
ist zeitweise Stadtrat in Leipzig und Chefredakteur der "Arbeiter-Turnzeitung".
- 1924
- Umzug der Familie nach Berlin. Der Vater übernimmt die Geschäftsführung
der Zentralkommission für Arbeitersport- und Körperpflege.
- 1933-1938
- Renger muss das staatliche
Augusta-Lyzeum verlassen, da ihr aufgrund der politischen Einstellung
der Eltern das Schulstipendium gestrichen wird. Sie absolviert eine
Verlagskaufmannslehre, die sie mit der Kaufmannsgehilfenprüfung
abschließt. Anschließend arbeitet sie als Angestellte in
verschiedenen Funktionen.
- 1938-1944
- Ehe mit dem Werbeleiter Emil Renger, der im Zweiten
Weltkrieg in Frankreich fällt. Aus der Ehe geht ein Sohn hervor.
- ab 1945
- Beginn der Tätigkeit im Büro des Vorsitzenden der Sozialdemokratischen
Partei Deutschlands (SPD), Kurt
Schumacher, in Hannover. Schumacher betreibt von dort aus den Neuaufbau
der SPD. Renger wird seine Sekretärin, Reisebegleiterin, Krankenschwester
und bald auch engste Vertraute. Bis zu Schumachers Tod 1952 führt
sie zusätzlich seinen Haushalt.
- 1953-1990
- Mitglied im Deutschen
Bundestag.
Im Bundestag gehört sie unter anderem dem Innenausschuss, dem Entwicklungshilfeausschuss,
dem Auswärtigen Ausschuss, dem Sonderausschuss für die Strafrechtsreform
und dem Gemeinsamen Ausschuss an.
- 1959-1966
- Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates und der Westeuropäischen
Union.
- 1961-1973
- Mitglied des Parteivorstandes der SPD.
- 1966-1973
- Ehe mit dem Diplom-Volkswirt Aleksander Loncarevic, der 1973 stirbt.
Vorsitzende des Bundesfrauenausschusses der SPD.
- 1969-1972
- Renger ist parlamentarische Geschäftsführerin der SPD.
Sie ist zuständig für Finanzen, Personal, Ausschussbesetzung
und die Präsenz in der Fraktion.
- 1970-1973
- Mitglied des Präsidiums der SPD.
- 1972-1976
- 13. Dezember: Nach der Bundestagswahl
1972 wird Renger als erste Frau und als erste Sozialdemokratin zur
Bundestagspräsidentin gewählt. Sie setzt sich für die
Umsetzung von Parlamentsreformen ein und bemüht sich um Kontakte
zum polnischen und israelischen Parlament.
- 1973
- Renger leitet die erste Reise einer Parlamentarierdelegation in die
Sowjetunion. Außer ihr nehmen Richard
von Weizsäcker (CDU),
Herbert Wehner (SPD), Wolfgang
Mischnik (FDP) und Richard Stücklen (CSU) an dem Besuch teil.
- 1974
- Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes.
- 1976-1990
- Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe.
- 1976-1990
- Nach der Wahl von Karl Carstens
zum neuen Bundestagspräsidenten bleibt Renger Vizepräsidentin
des Deutschen Bundestages.
- 1979
- Renger kandidiert für das Amt der Bundespräsidentin. Gewählt
wird der Kandidat der CDU/CSU Fraktion, Karl Carstens.
- 1981
- Renger unterstützt mit einer umstrittenen Unterschriftenaktion
die "Thesen zur Identität der Sozialdemokratie" des SPD-Politologen
Richard Löwenthal (1908-1991). Darin wird entgegen des Integrationskurses
von Willy Brandt eine strikte
Abgrenzung der Partei von "Randgruppen" gefordert.
- 1982
- Renger fordert die SPD dazu auf, zurück zu den Tugenden der
traditionellen Sozialdemokratie zu kehren.
- seit 1985
- Vorsitzende der Kurt-Schumacher-Gesellschaft und Präsidentin
des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB).
- 1988
- Ehrendoktorwürde der
Ben-Gurion-Universität in Beersheva/Israel.
- 1990
- Dezember: Bei den ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen
kandidiert Renger nicht mehr.
Sie wird Präsidentin des Deutschen Rats der Europäischen Bewegung.
- 1991
- Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille
in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um den christlich-jüdischen
Dialog.
- 1991-1995
- November: Renger ist Präsidentin der Vereinigung ehemaliger
Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments.
- 1993
- Veröffentlichung ihrer Erinnerungen unter dem Titel "Ein politisches
Leben".
- 2008
- 3. März: Annemarie
Renger stirbt nach langer schwerer Krankheit in ihrem Haus in Oberwinter
bei Bonn. Mit einem Staatsakt am 13. März wird die frühere
Bundestagspräsidentin im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in
Berlin geehrt.
(iz/reh)
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