geb. 1925

 

Margaret Thatcher

Photo: Margaret Thatcher, 1978
Photo: Margaret Thatcher und Helmut Schmidt, 1979

Politikerin und Juristin

1925
13. Oktober: Margaret Hilda Roberts wird im britischen Grantham/England geboren. Ihr Vater ist Kolonialwarenhändler, methodistischer Laienprediger und Bürgermeister von Grantham. Ihre Mutter ist gelernte Hausschneiderin.
1946
Abschluß des Chemiestudiums am Somerville College Oxford mit einem B.A. 1949 fügt sie den Abschluß B.Sc. und 1950 den M.A. hinzu.
Sie ist die erste Präsidentin der konservativen Vereinigung der Studenten in Oxford.
1947-51
Forschungstätigkeit in der chemischen Industrie.
1951
Heirat mit Denis Thatcher. Aus der Ehe gehen die Zwillinge Mark und Carol hervor.
Beginn des Jurastudiums.
1954
Thatcher wird als Anwältin zugelassen und spezialisiert sich auf Steuerrecht.
1959
Nach zwei erfolglosen Versuchen 1950 und 1951 erlangt Thatcher im Wahlkreis Finchley/Nord-London ein Unterhaus-Mandat. Sie bleibt bis 1992 Abgeordnete im Parlament.
1961-1964
Thatcher besetzt unter der konservativen Regierung Harold Macmillans (1894-1986) den Posten der parlamentarischen Sekretärin im Renten- und Versicherungsministerium.
1964-1970
Sprecherin der konservativen Oppositionspartei im Unterhaus.
1970-74
Thatcher ist als Ministerin für Erziehung und Wissenschaft die einzige Frau im Kabinett von Premierminister Edward Heath (geb. 1916).
1974
Thatcher wird umweltpolitische und später finanzpolitische Sprecherin ihrer Partei.
1975
11. Februar: Thatcher übernimmt die Führung der Opposition im Unterhaus und wird Vorsitzende der konservativen Partei.
1979
Mai: Nach dem Rücktritt der Labour-Regierung unter James Callaghan (geb. 1912) erlangt die konservative Partei bei Neuwahlen die absolute Mehrheit und Thatcher wird erste Premierministerin Großbritanniens.
Ihre Politik wird später "Thatcherismus" genannt und ist vor allem durch eine restriktive Wirtschaftspolitik gekennzeichnet, die auf eine Verlangsamung der Inflation ausgerichtet ist und auf monetaristischen Grundsätzen basiert.
1982
April-Juni: Im argentinisch-britischen Konflikt um die Falkland-Inseln setzt Thatcher Truppen ein, um das Gebiet zurückzugewinnen.
Mitte Juni kapitulieren die argentinischen Truppen.
Durch ihren entschlossenen Einsatz im Falkland-Konflikt gewinnt sie innenpolitisch großes Ansehen.
1983
Bei den Unterhauswahlen wird Thatcher trotz akuter Wirtschaftsprobleme im Amt bestätigt. Es folgt eine rigorose Kabinettsumbildung.
Thatcher ist als "Eiserne Lady" bekannt und verfolgt auch weiterhin ihre monetaristische Wirtschaftspolitik, reduziert die staatlichen Ausgaben, treibt die Privatisierung staatlicher Betriebe voran und schränkt die Möglichkeiten der Gewerkschaften ein. Es kommt zu innenpolitischen Konflikten, wie einem Streik der Drucker.
Mitglied der Royal Society (FRS).
1984
März: Beginn des Streiks der Bergarbeiter.
Juli-September: Es kommt zu landesweiten Dockerstreiks.
Oktober: In Brighton wird von der IRA ein Bombenanschlag auf Thatcher und führende Mitglieder ihrer Regierung verübt, dem vier Menschen zum Opfer fallen. Thatcher jedoch bleibt unverletzt.
19. Dezember: In Peking unterzeichnet Thatcher den Hongkong-Vertrag, der das Ende der Kronkolonie besiegelt und die Rückgabe an China für 1997 vereinbart.
1985
Thatcher erreicht den ergebnislosen Abbruch des Bergarbeiterstreiks, dessen hohe Kosten die Gewerkschaftsbewegung geschwächt haben.
1986
20. Januar: Der französische Staatschef Francois Mitterrand und Thatcher geben im nordfranzösischen Lille bekannt, daß mit dem Bau eines Eisenbahntunnels unter dem Ärmelkanal begonnen wird.
Thatcher unterstützt den amerikanischen Angriff auf Libyen und bleibt entgegen der Commonwealth- und EG-Staaten bei ihrer Anti-Sanktionspolitik gegen Südafrika.
1987
Juni: Bei vorgezogenen Wahlen erlangt Thatcher ihren dritten Wahlsieg und setzt ihre bisherige Politik fort.
1988
Die Einführung einer Steuerreform und einer Reform des Schul- und Gesundheitswesens führen zu Protesten in der Bevölkerung. Allgemeine Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Situation, der erneuten Inflation und dem Abbau der sozialen Leistungen führen innenpolitisch und innerparteilich zu Konflikten.
September: Thatcher hält in Brügge eine Rede, in der sie eine fortschreitende europäische Integration zurückweist.
1989
Oktober: Regierungskrise wegen der Entlassung des Außenministers Geoffrey Howe und des Rücktritts des Schatzkanzlers Nigel Lawson.
Nach dem Fall der Mauer im November, setzt sich Thatcher bei den anderen drei Siegermächten Frankreich, USA und Sowjetunion für den Erhalt des Status Quo und gegen einen raschen Vollzug der deutschen Wiedervereinigung ein. Sie verlangt eine KSZE-Konferenz, eine Grenzgarantie für Polen und eine längere Übergangsperiode.
1990
März: Thatcher nimmt an den Zwei-plus-Vier Gesprächen über die deutsche Einheit teil.
August: Beginn der Golfkrise. Neben den USA und Frankreich setzt auch Großbritannien Truppen zur Befreiung Kuwaits ein. Thatcher beklagt die mangelnde Einsatzbereitschaft anderer Nato-Partner.
In bezug auf die Sozial- und Europapolitik entstehen Konflikte und Spaltungstendenzen innerhalb der konservativen Partei.
Thatcher erhält den Preis der New Yorker Noel-Stiftung sowie die britische Order of Merit.
November: Thatcher erklärt ihren Rücktritt als Parteivorsitzende und Premierministerin. Ihr Nachfolger wird der John Major (geb. 1943).
1991
Januar: Thatcher übernimmt den Vorsitz der sogenannten Brügge-Gruppe, einer Vereinigung britischer Abgeordneter, die gegen ein Fortschreiten des europäischen Integrationsprozesses eintreten.
Sie wird Ehrenbürgerin von Westminster und erhält den südafrikanischen Orden der Guten Hoffnung Erster Klasse.
1992
Juni: Thatcher wird durch die Verleihung des Titels "Baroness of Kesteven" in den nichterblichen Adel erhoben und erhält dadurch einen Sitz im Oberhaus.
Oktober: Sie übt fortdauernd Kritik an der Europapolitik John Majors und bezeichnet "Maastricht als Vision von gestern".
1993
Thatcher veröffentlicht den ersten Band ihrer Memoiren unter dem Titel "The Downing Street Years".
1995
Der zweite Band der Memoiren mit dem Titel "The Path to Power" erscheint.
Juni: Thatcher wird in den Hosenbandorden aufgenommen.
1996
Thatcher übt weiterhin Kritik an Majors Politik und an der konservativen Partei, die ihr politisches Erbe nicht weiterführe.
1999
17. November: Thatcher nimmt in Prag an einer Feier teil, zu der sich zehn Jahre nach dem Umsturz im Ostblock wichtige internationale Politiker versammeln. George Bush ,Michail Gorbatschow, Helmut Kohl, Margaret Thatcher, der aus gesundheitlichen Gründen abwesende Ronald Reagan und die Frau des verstorbenen französischen Staatschefs, Danielle Mitterrand, erhalten von Vaclav Havel den Orden des weißen Löwen.

(mf) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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