Elisabeth Selbert 1896 - 1986

  • 1896

    22. September: Martha Elisabeth Rohde wird in Kassel geboren. Ihr Vater, Georg Rohde, arbeitet als Gefangenenaufseher in einer Kasseler Jugendstrafanstalt. Ihre Mutter, Eva Elisabeth Rohde, geb. Sauer, sorgt für den Haushalt und die vier Töchter. Die Familie ist kleinbürgerlich und streng protestantisch geprägt.

  • 1903-1907

    Besuch der Volksschule.

  • 1907-1912

    Wechsel zur Realschule. Aufgrund ihrer guten Leistungen wird Selbert von der Schulgeldzahlung befreit.

  • 1912-1913

    Wie alle Mädchen muss Selbert die Realschule ohne Zeugnis und Mittlere Reife verlassen. Da die höhere Mädchenschule für die Familie nicht bezahlbar ist, besucht sie für ein Jahr die Kasseler Gewerbe- und Handelsschule des Frauenbildungsvereins.

  • 1913-1914

    Auslandskorrespondentin bei der Kasseler Import- und Exportfirma Salmann&Co. Unmittelbar nach Beginn des Ersten Weltkrieges verliert Selbert ihre Arbeit.

  • 1916-1921

    Durch den kriegsbedingten Mangel an Arbeitskräften werden immer mehr Frauen in zuvor männlich dominierten Berufen beschäftigt. Selbert findet eine Anstellung als Postgehilfin im Telegrafendienst.

  • 1918

    Während der Novemberrevolution lernt Selbert den sozialdemokratischen Kommunalpolitiker Adam Selbert kennen. Nach mehreren Besuchen politischer Veranstaltungen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) tritt Selbert in die Partei ein.

  • 1918-1933

    Mitglied des SPD-Bezirksvorstandes in Kassel.

  • 1919-1925

    Mitglied im Gemeindeparlament Niederzwehren. Um als Frau nicht automatisch auf den klassischen weiblichen Bereich der Fürsorge festgelegt zu werden, lässt sie sich in den Finanz- und Steuerausschuss wählen.

  • 1920

    2. Oktober: Heirat mit Adam Selbert.

    9.-16. Oktober: Delegierte der SPD-Frauenkonferenz und des SPD-Parteitages in Kassel. Selbert tritt für eine konsequente Gleichberechtigung von Männern und Frauen ein, die ihrer Meinung nach "immer noch eine papierne" ist.

  • 1921

    25. September: Geburt des Sohnes Gerhart.

  • 1922

    11. November: Geburt des Sohnes Herbert.

  • 1924

    Delegierte der SPD-Frauenkonferenz in Berlin. Selbert äußert sich besorgt über die Wahlerfolge der antidemokratischen Deutschnationalen Volkspartei(DNVP), in der sie eine Gefahr für das Frauenwahlrecht sieht.

  • 1925-1926

    Selbert bereitet sich auf das Abitur vor und legt als Externe die Reifeprüfung in der Luisenschule in Kassel ab.

  • 1926-1930

    Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Marburg und Göttingen, wo sie eine von fünf Frauen unter 300 Studenten ist.

    Nach dem Ersten Juristischen Staatsexamen promoviert sie über das Thema "Ehezerrüttung als Scheidungsgrund" zum Dr.jur.

    Die Abkehr vom Verschuldungs- und die Anerkennung des Zerrüttungsprinzips, die Selbert fordert, wird in der Bundesrepublik erst 1977 festgeschrieben.

  • 1933

    5. März: Adolf Hitler wird zum Reichskanzler ernannt. Bei den Reichstagswahlen kandidiert Selbert für die SPD, doch der Einzug in das Parlament gelingt ihr nicht.

  • 1934

    Oktober: Zweites Juristisches Staatsexamen.

    Dezember: Kurz bevor das nationalsozialistische Regime Frauen den Zugang zum Anwaltsberuf verwehrt, wird Selbert zur Rechtsanwaltschaft zugelassen. In Kassel übernimmt sie die Kanzlei zweier jüdischer Rechtsanwälte. In der Folgezeit bearbeitet sie Wirtschaftsstrafsachen, Meineidverfahren und Jugendgerichtsdelikte.

    Selbert arbeitet mit einer Gruppe von Anwälten zusammen, die die Möglichkeiten des Justizsystems nutzen, um Menschen vor Verfolgung, Zwangsarbeit, Dienstverpflichtung und Konzentrationslager zu schützen.

  • 1943

    22. Oktober: Bei einem alliierten Luftangriff auf Kassel wird die Kanzlei zerstört.

  • 1945

    Nach Kriegsende arbeitet Selbert im Ausschuss zur Neuordnung der Justizverwaltung in Kassel mit.

  • 1945-1953

    Mitglied des SPD-Bezirksvorstands Hessen-Nord.

  • 1946

    Mitglied der Verfassungsberatenden Landesversammlung in Hessen.

  • 1946-1952

    Stadtverordnete in Kassel.

  • 1946-1955

    Mitglied des zentralen Parteivorstandes der SPD.

  • 1946-1958

    Mitglied im Hessischen Landtag.

  • 1948-1949

    Vertreterin Niedersachsens im Parlamentarischen Rat.

    Selbert ist eine von vier Frauen unter insgesamt 65 Abgeordneten.

    Ihr Antrag, die Formulierung "Frauen und Männer sind gleichberechtigt" ins Grundgesetz aufzunehmen, wird vom Hauptausschuss des Parlamentarischen Rates abgelehnt.

    Daraufhin wendet sich Selbert an Presse und Öffentlichkeit. Die Folge ist ein Beschwerdeansturm von Frauen beim Parlamentarischen Rat, der schließlich dem öffentlichen Druck nachgibt und am 18. Januar 1949 den Gleichheitsgrundsatz als unveräußerliches Grundrecht in die Verfassung aufnimmt.

  • 1949

    14. August: Bei den Wahlen zum Ersten Deutschen Bundestag scheitert Selbert knapp. Sie konzentriert sich von nun an auf ihre Arbeit im Hessischen Landtag. Dort setzt sie sich für ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung und die Humanisierung des Strafvollzugs ein.

  • 1956

    Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes.

  • 1958

    Selbert zieht sich aus der Poltik zurück.

  • 1968

    17.Mai: Tod Adam Selberts.

  • 1969

    Auszeichnung mit dem Wappenring der Stadt Kassel.

  • 1978

    Verleihung der Wilhelm-Leuschner-Medaille durch den hessischen Ministerpräsidenten.

  • 1983

    Einrichtung des Elisabeth-Selbert-Preises für journalistische Arbeiten, die das Verständnis für die Situation der Frau und die Notwendigkeit ihrer Gleichstellung in der Gesellschaft fördern.

  • 1984

    Ernennung zur Kasseler Ehrenbürgerin.

  • 1986

    9. Juni: Elisabeth Selbert stirbt in Kassel.

 

(reh/str) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 22.02.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Trösch, Sven/Haunhorst, Regina: Biografie Elisabeth Selbert, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/elisabeth-selbert.html
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