Mainhardt Graf von Nayhauß-Cormons geb. 1926

Mainhardt Graf von Nayhauß-Cormons ist ein deutscher Journalist, der von den 1950er Jahren bis in die 1980er Jahre besonders erfolgreich ist mit Boulevard-Kolumnen über herausragende Politiker der Bundesrepublik.

  • 1926

    1. Juli: Mainhardt Graf von Nayhauß-Cormons wird in Berlin als Sohn des königlich-preußischen Rittmeisters Stanislaus und dessen Frau Erika, geb. von Mosengeil, geboren.

  • 1933

    Ermordung des Vaters durch die Gestapo. Grund: Stanislaus Graf von Nayhauß-Cormons berichtet in einer selbst verfassten Broschüre 1932 über kriminelle Verwicklungen führender NS-Vertreter. Der Sohn erfährt erst nach 1945 von dem Mord.

  • 1936

    April: Auf eigenen Wunsch tritt Nayhauß zwei Monate vor seinem zehnten Geburtstag in die Hitler-Jugend ein.

  • 1937

    Frühjahr: Im Alter von 11 Jahren kommt Nayhauß in die "Nationalpolitische Erziehungsanstalt" (NAPOLA) in Berlin-Spandau, eine elitäre Internats-Oberschule zur Förderung des nationalsozialistisch-militärischen Nachwuchs.

  • 1943

    2. März: Nayhauß wird zum Kriegshilfseinsatz der deutschen Jugend in der Kriegsmarine einberufen. Er ist Marinehelfer in einer Flak-Stellung nordöstlich von Kiel.

  • 1944

    Nach Ende der Dienstzeit bei der Marine leistet er sechs Wochen Reichsarbeitsdienst, kehrt zurück zur NAPOLA und legt das Notabitur ab. Er meldet sich als Kriegsfreiwilliger.

    6. Juni: Einberufung zur Waffen-SS. Nayhauß kommt zum 21. Panzergrenadier-Regiment, SS-Panzerdivision "Freundsberg".

    17. September: Beginn der britischen Operation "Market Garden" in den Niederlanden, bei der Nayhauß das Grauen des Krieges miterlebt und verwundet wird.

  • 1945

    Nach Rückkehr an die Front wird er erneut verwundet.

    11. April: Nayhauß erlebt den Einmarsch der amerikanischen Truppen in Salzwedel.

    Juli: Nayhauß arbeitet bei der amerikanischen Besatzungsmacht in Berlin als Dolmetscher. Im Fragebogen der Militärregierung verneint er seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS, um den Job nicht zu verlieren. Er lernt den Verleger Orschel kennen, der ihm ein Volontariat vermittelt, nachdem er wegen Diebstahls bei den Amerikanern in Ungnade fällt.

  • 1947

    Volontär als Wirtschaftsjournalist bei der deutschen Zeitung "Nachrichten für Außenhandel" in Berlin.

  • 1948

    Der schwedische Generalkonsul wirbt Nayhauß aufgrund seiner Wirtschaftskenntnisse ab. Nayhauß ist dort bald Pressereferent.

  • 1950

    Während der Arbeit im Generalkonsulat schreibt er für viele Medien: Nordwestdeutscher Rundfunk, Sender Freies Berlin, WDR, Tagesspiegel, Neue Zürcher Zeitung etc. Parallel ist er Redakteur beim RIAS unter dem Decknamen "Michael Cormons".

  • 1951

    20. Januar: Seine Mutter stirbt unerwartet an einem Herzinfarkt.

  • 1955

    Nayhauß verliert seine Arbeit beim RIAS sowie beim schwedischen Generalkonsulat. Weil er sich als Diplomat ausgibt, bekommt Nayhauß Termine sowohl bei Axel Springer als auch bei Rudolf Augstein. Letzterer bietet ihm eine Stelle an.

  • 1956

    Umzug in die Bundeshauptstadt Bonn und Arbeit als Korrespondent beim SPIEGEL. In seiner ersten Enthüllungsstory deckt er auf, dass Bundeskanzler Konrad Adenauer Urlaub in der Privatvilla des Ex-Nachrichtendienst-Mitarbeiters und Gründer der Tessiner Faschistischen Bewegung Nino Rezzonico macht, wo er abgehört werden könnte.

  • 1958

    Nayhauß berichtet im SPIEGEL, dass eine ausufernde Adventsfeier von Mitarbeitern des Bundesamts für Verfassungsschutz in einer tätlichen Auseinandersetzung und lauten Diskussionen über Betriebsinterna gipfelte. Aufgrund dieses Artikels wird ein Ermittlungsverfahren wegen Landesverrats gegen Nayhauß eingeleitet. Er hält die Identität seines Informanten geheim. Die gesamte westdeutsche Presse stellt sich hinter Nayhauß, da sie die Pressefreiheit in Gefahr sieht. Das Verfahren wird schließlich eingestellt.

  • 1959

    Nayhauß wechselt als fest angestellter Bonner Korrespondent zum Wochenmagazin "stern" und schreibt aufgrund seines Top-Informanten im Innenministerium, dem Oberregierungsrat Wolfgang Fritze, weitere Enthüllungsgeschichten über den Verfassungsschutz.

  • 1960-1963

    private Weltreise

  • 1963

    Nayhauß wird Büroleiter in Bonn für die Münchner Illustrierte "Quick".

  • 1966

    Heirat mit der Journalistin Sabine Beierlein. Mit ihr hat Nayhauß später zwei Töchter.

    Ein-Jahres-Vertrag als Bonner Korrespondent bei der "Bunten".

  • 1967

    Nayhauß zieht nach München als Korrespondent für die neue 14-tägige Springer-Zeitschrift "Jasmin. Die Zeitschrift für das Leben zu zweit".

  • 1968

    Geburt der ersten Tochter Tatjana.

  • 1971

    Nayhauß kehrt zurück nach Bonn und geht zur "Bild am Sonntag". Wöchentlich erscheint seine Kolumne "Bonn vertraulich". Darin blickt er hinter die Kulissen der Politik in der Bundeshauptstadt, erzählt Privates über Politiker und vermischt Politik und Geschichte mit Klatsch und Tratsch. Nach einem halben Jahr veröffentlicht er diese Kolumne in der "Welt am Sonntag".

    In den 1970er Jahren ist Nayhauß bereits "online": Er sendet Daten über das "GEO-Net", einem Internet-Vorläufer, an seine Redaktion und nutzt einen Laptop auf Kanzlerreisen.

  • 1972

    Geburt der zweiten Tochter Tamara, die später als Schauspielerin und Moderatorin arbeitet.

  • 1974

    Für das Wirtschaftsmagazin "Wirtschaftswoche" schreibt er als freier Korrespondent wöchentlich Politiker-Porträts.

  • 1975

    Als die Redaktion der "Welt" von Hamburg nach Bonn zieht, bekommt Nayhauß eine Spalte "Berichte aus dem Kanzleramt", in der er täglich über die Aktivitäten des Bundeskanzlers berichtet.

  • 1981

    Nayhauß geht mit seiner Kolumne zu "Bild". Dort erscheint "Bonn vertraulich" viermal die Woche. Eine seiner ersten Enthüllungsgeschichten für die "Bild" folgt im gleichen Jahr: "Schmidts Herz stand vier Mal still". Nayhauß ist der einzige Journalist, der weiß, warum Kanzler Schmidt im Krankenhaus liegt. Sein Informant ist einer der behandelnden Ärzte.

  • 1987

    Nayhauß bekommt das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Erich Mende hatte ihn 1986 dafür vorgeschlagen.

  • 1988

    Nayhauß veröffentlicht eine Biografie über Helmut Schmidt: "Helmut Schmidt. Mensch und Macher".

  • 1991

    Im "Hauptstadtstreit" nach der Wiedervereinigung setzt sich Nayhauß in seinen Kolumnen für Berlin als neue Hauptstadt ein.

  • 1994

    Biografie über Richard von Weizsäcker: Nayhauß legt den Schwerpunkt auf die Soldatenzeit Weizsäckers.

  • 1999

    Gleichzeitig mit dem Umzug von Parlament und Regierung zieht auch Nayhauß von Bonn nach Berlin. In der Bild-Kolumne "Berlin vertraulich" berichtet er nun über die neue Bundeshauptstadt.

  • 2000

    Nayhauß hilft beim Aufbau des Portals "Bild online" mit und veranstaltet Live-Chats zwischen Politikern und Bild-Lesern, unter anderem einen Chat mit Bundespräsident Johannes Rau.

  • 2005

    In seiner neuen "Bild"-Kolumne "Meine Top Ten der Woche" bewertet Nayhauß tagebuchartig die wichtigsten Personen, Ereignisse und Gerüchte aus der Hauptstadt. Er beginnt zudem für die netzeitung zu schreiben, eine deutsche Nachrichten-Internetseite, für die er bis 2008 insgesamt 270 Beiträge verfasst.

  • 2006

    Der 80-jährige Nayhauß wird von einer Journalisten-Jury zu den Top-Ten-Online-Journalisten des Jahres gewählt.

  • 2007

    Nayhauß veröffentlicht Berichte und Bilder seiner weit über 100 Reisen mit den deutschen Kanzlern zwischen 1975 und 2007 in dem Buch "Die Geheimnisse der Kanzlerreisen. Unterwegs mit der Macht".

  • 2010

    31. Dezember: Die letzte "Top Ten der Woche"-Kolumne erscheint. Die Bild-Zeitung verlängert den Vertrag mit dem 84-jährigen Nayhauß nicht.

  • 2011

    Die "Bunte" kündigt ihm den Vertrag für seine Kolumne. Nayhauß findet eine neue Anstellung als Herausgeber politischer Bücher für die Edition Lingen Stiftung in Köln. Zudem schreibt er für das Internetportal der Stiftung einen wöchentlichen Politik-Blog.

  • 2014

    Seine Autobiografie "Chronist der Macht" erscheint und wird der Öffentlichkeit vom ehemaligen Außenminister Hans Dietrich Genscher vorgestellt.

 

(usc/vvg) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 05.08.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Schröber, Ulrike/Vargas Gonzalez, Veronica: Biografie Mainhardt Graf von Nayhauß-Cormons, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/mainhardt-graf-von-nayhauss.html
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