Franz Josef Strauß 1915 - 1988

Franz-Josef Strauß ist ein deutscher CSU-Politiker, der als Ministerpräsident in Bayern (1978-1988 ) sowie in verschiedenen Ministerposten auf Bundesebene über Jahre hinweg großen Einfluss auf die bundesrepublikanische Politik ausübt. Strauß ist ab 1949 Abgeordneter im Bundestag, 1955 wird er Atomminister, 1956 Verteidigungsminister und ist maßgeblich am Aufbau der Bundeswehr beteiligt. In dieser Position stürzt Strauß über die „Spiegel-Affäre“, wird jedoch in der Großen Koalition 1966 Finanzminister. 1980 tritt er als Kanzlerkandidat an, verliert aber.

  • 1915

    6. September: Franz Josef Strauß wird in München als zweites Kind eines Metzgers geboren.

  • 1935-1939

    Nach dem bayernweit besten Abitur und dem Arbeitsdienst studiert Strauß Altphilologie, Geschichte und Volkswirtschaft in München.

  • 1939-1945

    Soldat im Zweiten Weltkrieg an der West- und an der Ostfront.

    Während verschiedener Fronturlaube legt er 1939 das Staatsexamen für das höhere Lehramt, 1940 das Assessorexamen und 1943 die Studienratsprüfung ab.

    Nach schweren Erfrierungen an der Ostfront wird Strauß Ausbildungsoffizier und Abteilungsadjutant an der Flakschule Altenstadt bei Schongau in Bayern. Dort ist er "Offizier für wehrgeistige Führung". Diese Funktion wird mit dem Erlass vom 22. Dezember 1943 ersetzt durch den "Nationalsozialistischen Führungsoffizier" (NSFO), der nur im Einvernehmen mit der NSDAP berufen werden kann. Strauß weigert sich nach eigener Aussage, das Amt unter diesen Bedingungen zu behalten. Ob es tatsächlich zu einer Neubesetzung kam, ist jedoch unklar.

  • 1945

    Nach Kriegsende wird der als politisch unbelastet eingestufte Strauß von der amerikanischen Besatzungsmacht zum stellvertretenden Landrat in Schongau bestellt. Er beteiligt sich an der Gründung des Kreisverbandes der Christlich-Sozialen Union (CSU) in Schongau.

  • 1946-1949

    Landrat in Schongau.

  • 1946-1948

    Mitglied des CSU-Landesvorstandes.

  • 1948

    Strauß wird Mitglied des Wirtschaftsrates der Bizone in Frankfurt/Main.

  • 1949-1952

    Generalsekretär der CSU.

  • 1949

    Leiter des bayerischen Landesjugendamtes.

  • 1949-1978

    Mitglied des Bundestages.

  • 1950

    Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag. Vorsitzender des Ausschusses für Jugendfürsorge.

  • 1952/1953

    Leiter des Ausschusses der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) im Deutschen Bundestag.

  • 1952-1961

    Stellvertretender Vorsitzender der CSU.

  • 1953-1955

    Bundesminister für besondere Aufgaben im zweiten Kabinett Adenauer.

  • 1955/56

    Bundesminister für Atomfragen.

  • 1956-1962

    Bundesverteidigungsminister in Nachfolge von Theodor Blank. Als Verteidigungsminister treibt Strauß verstärkt den Aufbau der Bundeswehr voran.

  • 1956-1985

    Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universitäten Detroit (1956), Cleveland und Kalamazoo (1962), Chicago (1964), Santiago de Chile (1977), Maryland und Dallas (1980) sowie München (1985).

  • 1957

    Heirat mit Marianne Zwicknagl. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor.

  • 1961-1988

    Vorsitzender der CSU.

  • 1962

    Strauß muss sich in der sogenannten FIBAG-Affäre vor dem Untersuchungsausschuss verantworten. Die SPD-Fraktion hatte die Einrichtung des Untersuchungsausschusses beantragt, nachdem das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" 1961 über Vorteilsnahme im Amt zugunsten der Baufirma FIBAG berichtet hatte. Die Baufirma hatte den Auftrag zum Kasernenbau für die in der Bundesrepublik stationierte 7. amerikanische Armee erhalten. Der Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses, demzufolge Strauß keine Verfehlungen nachgewiesen werden können, wird vor allem von der Fraktion der Freien Demokratischen Partei (FDP) heftig kritisiert und führt zu einer ernsten Regierungskrise, die ihren Höhepunkt mit der sogenannten Spiegel-Affäre erreicht.

    November: Nachdem Verteidigungsminister Strauß Verstrickungen in Zusammenhang mit der Durchsuchung der Redaktionsräume des "Spiegel" und der Verhaftung des Herausgebers Rudolf Augstein sowie des Redakteurs Conrad Ahlers eingesteht und die fünf FDP-Minister aus Protest gegen die Rücktrittsweigerung von Strauß die Zusammenarbeit im Kabinett Adenauer aufkündigen, erklärt Strauß, dass er in der neuen Regierung Adenauer nicht mehr als Minister antreten werde.

  • 1963-1966

    Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag.

    Strauß kümmert sich als CSU-Vorsitzender verstärkt um die Umstrukturierung der Partei von einer Honoratioren- zu einer Massenpartei.

    Als Sprachrohr für seine Ideen und seine Politik nutzt er den 1950 gegründeten "Bayernkurier".

  • 1966-1969

    In Kurt Georg Kiesingers Kabinett der Großen Koalition ist Strauß Bundesfinanzminister.

    Als Finanzminister arbeitet er eng mit dem SPD-Wirtschaftsminister Karl Schiller zusammen: Durch Steuersenkungen verzichtet er trotz leerer Staatskasse auf Einnahmen. Diese antizyklische Finanzpolitik trägt wesentlich zu einer gemeinsamen Konjunkturpolitik bei, die schließlich die Überwindung der Rezession ermöglicht.

    Die ungleichen Partner werden im Volksmund "Plisch und Plum" genannt.

  • 1969-1972

    Nach Bildung der sozial-liberalen Koalition kritisiert Strauß als maßgebender Sprecher der CDU/CSU-Opposition in Bonn wiederholt die Finanz- und Wirtschaftspolitik der neuen Regierung.

    Er zählt von Anfang an zu den entschiedensten Gegnern der Neuen Ostpolitik der Regierung Brandt. Damit befindet sich Strauß in scharfem Gegensatz zum Fraktionsvorsitzenden Rainer Barzel, der einer Ratifizierung der Ostverträge im Jahre 1972 unter bestimmten Bedingungen zustimmt.

  • 1975

    Januar: Strauß' Reise in die Volksrepublik China wird eine politische Sensation: Überraschend wird er von Mao Tse-tung und Regierungschef Chou En-Lai empfangen und führt mit beiden einen außenpolitischen Gedankenaustausch.

  • 1976

    Im Bundestagswahlkampf engagiert sich Strauß - selbst in der Führungsmannschaft des Kanzlerkandidaten Helmut Kohl für den Posten des Vizekanzlers und Finanzministers vorgesehen - unter der Parole "Freiheit oder Sozialismus" für eine grundsätzliche geistes- und ideengeschichtliche Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner.

    Die Wahlniederlage führt Strauß auf das zögerliche Verhalten der Christlich Demokratischen Union (CDU) zurück. Er verkündet daraufhin die Auflösung der CDU/CSU-Fraktionsgemeinschaft im Bundestag. Erst als die CDU droht, einen eigenen Landesverband in Bayern zu gründen, lenkt Strauß im Dezember desselben Jahres ein.

  • 1978-1988

    Strauß ist bayerischer Ministerpräsident.

    Den Schwerpunkt seiner Tätigkeit legt er auf wirtschaftspolitische Fragestellungen. Die Verbesserung des Wirtschaftsstandorts Bayern sucht er durch intensive Auslandskontakte und direkten Kontakt zu großen Industrieunternehmen zu erreichen.

    Persönlich ist Strauß - selbst leidenschaftlicher Flieger - als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Airbus GmbH an der Weiterentwicklung der Luftfahrt interessiert.

  • 1979

    Strauß erklärt sich bereit, bei den Bundestagswahlen 1980 als Kanzlerkandidat der Union anzutreten. Der CDU-Vorsitzende Kohl schlägt hingegen den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (geb. 1930) vor. Bei einer Probeabstimmung entscheiden sich 135 der CDU/CSU-Abgeordneten für Strauß und nur 102 für Albrecht als Kanzlerkandidaten. Strauß wird daraufhin zum Kanzlerkandidaten von CDU und CSU ernannt.

  • 1980

    Oktober: Nach dem Misserfolg als Kanzlerkandidat - die CDU bleibt mit 44,5 Prozent der Stimmen weit unter dem Ergebnis von 1976 - verzichtet Strauß auf sein Bundestagsmandat. Er macht jedoch immer wieder ein Mitspracherecht in bundespolitischen Fragen der CDU/CSU-Fraktion und eine Koordinierungsfunktion der unionsgeführten Länder im Bundesrat geltend.

  • 1982

    Entgegen der vorherigen Ankündigungen entscheidet sich Strauß nach dem Kanzlerwechsel in Bonn, keinen Ministerposten im Kabinett Kohl zu übernehmen und bleibt Ministerpräsident in Bayern.

    Auszeichnung mit dem europäischen Karlspreis der Stadt Aachen.

  • 1983

    März: Bei den vorgezogenen Neuwahlen kandidiert Strauß erneut für ein Bundestagsmandat, verzichtet nach dem Wahlsieg der CDU/CSU aber wiederum auf sein Bundestagsmandat und einen Ministerposten.

    Aus der Bundespolitik hält sich Strauß keineswegs heraus. Er kritisiert vor allem die Außen- und Sicherheitspolitik des FDP-Vizekanzlers Hans-Dietrich Genscher und entwickelt in den folgenden Jahren zunehmend eigene außenpolitische "Manöver".

    Bislang erbitterter Gegner jeglicher Annäherung an die DDR, vermittelt Strauß überraschend einen Milliardenkredit an die DDR.

    Juli: Im Rahmen einer als privat bezeichneten Reise in die Tschechoslowakei, Polen und in die DDR trifft Strauß mit dem Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, im Schloß Hubertusstock am Werbellinsee zusammen.

  • 1984

    Strauß wird mit dem südafrikanischen Orden der Guten Hoffnung ausgezeichnet.

  • 1987

    Januar: Nach erneuter Kandidatur bei den Bundestagswahlen verzichtet Strauß nach Fortsetzung der Koalition mit der FDP wiederum auf sein Mandat und auf einen Ministerposten. Trotzdem meldet er sich weiter kritisch zu bundespolitischen Ereignissen zu Wort. Vor allem ist er ein scharfer Gegner der von Bundeskanzler Kohl eingeleiteten Abrüstungspolitik.

    März: Im Gespräch auf der Leipziger Messe stellt DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker Strauß eine großzügigere Handhabung der Ausreisegenehmigungen und eine Regelung bei der Zusammenführung von Familien und in Härtefällen in Aussicht.

    Dezember: Zu einem ersten Gespräch mit Michail Gorbatschow in Moskau reist Strauß mit selbstgesteuerter Cessna an. Er zeigt sich im Nachhinein von der Offenheit der Gespräche überrascht.

  • 1988

    1. Oktober: Auf einem Jagdausflug beim Fürsten von Thurn und Taxis in Regensburg erleidet Strauß einen Zusammenbruch mit kurzfristigem Herzstillstand.

    3. Oktober: Ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben, stirbt Franz Josef Strauß in einem Regensburger Krankenhaus.

    7. Oktober: Die Anteilnahme am Tod des CSU-Politikers ist sehr groß: An der Beerdigung in München nehmen zehntausende Menschen teil.

 

(db/iz/reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 26.08.2015
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Blume, Dorlis/Haunhorst, Regina/Zündorf, Irmgard: Biografie Franz Josef Strauß, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/franz-josef-strauss.html
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