Mao Tse-tung 1893 - 1976

  • 1893

    26. Dezember: Mao Tse-tung wird im Dorf Shao Shan in der südchinesischen Provinz Hunan als ältester Sohn des Mao Jen-shen in eine Bauernfamilie geboren.

  • 1909

    Auf der Mittelschule in Changsha lernt er die Publikationen reformerischer chinesischer Intellektueller kennen. Außerdem liest er die Arbeiten von Charles Darwin (1809-1882), John Stuart Mill (1806-1873), Adam Smith (1712-1790) und Jean-Jaques Rousseau (1712-1778).

  • 1911

    Als die "republikanische Revolution" Changsha erreicht, schließt sich Mao der nationalistischen antikaiserlichen Armee, der Kuomintang (KMT) an. Er verlässt diese jedoch nach wenigen Monaten, ohne an militärischen Aktionen teilgenommen zu haben.

  • 1912

    China wird Republik, Verwaltungs- und Versorgungsstrukturen brechen auseinander und führen zu chaotischen Zuständen: In den Provinzen gründen regionale Militärbefehlshaber (Warlords) eigene Reiche.

    Mao tritt in das "schulgeldfreie" Lehrerseminar von Changsha ein, da sein Vater jede finanzielle Unterstützung ablehnt.

  • 1918

    Nachdem er sein Diplom als Volksschullehrer erhalten hat, arbeitet er als Hilfsbibliothekar an der Universität Peking. Hier lernt er die Studenten Chou En-lai (1898-1976) und Deng Xiao-ping (1904-1997) kennen.

    Erste Begegnungen mit den Schriften Marx' und Lenins.

  • 1919

    Mitbegründer der Studentenzeitung "Kritische Blätter von Chiang".

    Mao wird Mitglied der "Bewegung 4. Mai", die eine Abkehr vom Westen fordert und für eine bolschewistische Revolution in China eintritt.

  • 1920

    Heirat mit Yan Kai-hui, die sich 1927 von ihm trennt und später von der KMT zusammen mit Maos Schwester exekutiert wird. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor. Später hat er mit mehreren Ehefrauen und Lebensgefährtinnen zahlreiche weitere Kinder.

    Als in Shanghai die erste kommunistische Gruppe gegründet wird, ist Mao das einzige Mitglied aus der Arbeiterklasse.

    Seinen Lebensunterhalt verdient er als Wäscherei-Bote.

  • 1921

    Teilnahme am Gründungskongress der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), die sich der von Moskau gesteuerten Kommunistischen Internationale (Komintern) anschließt.

    Mao kehrt in die Provinz Hunan, zurück, um die dortige KPCh zu leiten.

  • 1922

    Die Kommunistische Partei stellt vorerst die soziale Revolution zurück, um im Bündnis mit der KMT (1. Einheitsfront) zunächst die Warlords zu bekämpfen und eine Front gegen den japanischen Imperialismus zu bilden.

  • 1923

    Mao wird in das Zentralkomitee der KPCh gewählt.

  • 1924

    Mao wird von der KMT als einer von zehn Kommunisten in das Zentrale Exekutivkomitee gewählt.

  • 1925

    Mao wird zum Propagandisten einer Bauernrevolution. Die Keimzelle der kommunistischen Revolution sieht er nicht in den Industriestaaten, sondern in den landwirtschaftlich ausgerichteten Ländern der sogenannten Dritten Welt.

  • 1927

    Die KMT unter Chiang Kai-shek (1887-1975) steigt zur führenden Staatsmacht Chinas auf und verfolgt Kommunisten wie Warlords. Mao organisiert in Hunan den sogenannten Herbsternte-Aufstand gegen die KMT, der aber schnell niedergeschlagen wird. Er zieht sich daraufhin mit den Überlebenden in das Gebirgsland an der Grenze Hunan/Kiangsi zurück. Er reorganisiert die Kämpfer und entwickelt die Idee einer chinesischen Räterepublik, die 1931 in der Provinz Kiangsi ausgerufen wird.

  • 1931

    Japan besetzt die zu China gehörende Mandschurei.

  • 1934/35

    Auf Druck der KMT muss die Räterepublik aufgegeben werden. Mao flieht mit rund 50.000 Kämpfern nach Norden. Der "Lange Marsch", wird begleitet von ununterbrochenen Kämpfen gegen lokale Stammesfürste und die KMT. Er dauert nahezu zwei Jahre und führt über 12.000 Kilometer.

  • 1935

    In der Provinz Shensi errichtet Mao die 2. Räterepublik. Wirtschaftspolitische Grundlagen der neuen Republik sind eine Agrarreform und die Einrichtung industrieller Kleinbetriebe.

  • 1937

    Nach der japanischen Invasion im Juli des Jahres schließt Mao erneut eine Allianz (2. Einheitsfront) mit der KMT. Er übernimmt eine führende Rolle im Kampf gegen die japanischen Invasoren. Bis 1940 halten die Japaner wichtige chinesische Städte besetzt, können ihre Macht aber nicht weiter ausbauen und kapitulieren schließlich am zweiten September 1945.

  • 1941

    Die Allianz mit der KMT endet, nachdem diese einen Verband der "4. Armee der Roten Arbeiter- und Bauernstreitmacht" (Rote Armee) umkreist und vernichtet hat. Mao verfasst die Schriften "Über die Widersprüche" und "Über die Praxis".

    Sie enthalten die Grundsätze seiner Gesellschafts- und Staatstheorie.

  • 1943

    Vorsitzender des Zentralkomitees der KPCh. Der Personenkult um Mao setzt ein.

  • 1945

    Januar: Mao schlägt Geheimverhandlungen mit den USA vor und erklärt sich zu einem Besuch in Washington bereit. Sein Ziel ist eine enge wirtschaftliche Kooperation, um eine einseitige Abhängigkeit Chinas von der Sowjetunion zu vermeiden. Die Verhandlungen kommen jedoch nicht zustande. Nach dem Zusammenbruch Japans scheitern die Versuche der KPCh, Koalitionsverhandlungen mit der KMT herbeizuführen.

  • 1946

    Der Bürgerkrieg zwischen Roter Armee und KMT -Truppen unter Chiang Kai-shek bricht erneut aus. Vermittlungsversuche des US-Generals George C. Marshall scheitern.

  • 1949

    Die Rote Armee vertreibt die KMT-Truppen vom Festland. Sie ziehen sich daraufhin nach Taiwan zurück, wo sie die "Republik China" gründen. Oktober: Mao proklamiert die Volksrepublik China und wird zu ihrem "Vorsitzenden" gewählt. Erste grundlegende Maßnahmen sind eine Bodenreform, der Aufbau einer eigenen Industrie und ein neues Eherecht, das die Gleichstellung der Frau beinhaltet. In China beginnt eine Welle von Liquidierungen potentieller Gegner, besonders aus der bisher führenden Gesellschaftsschicht. Außenpolitisch verfolgt Mao zunächst eine enge Anlehnung an die Sowjetunion.

  • 1950

    Auf Nachfrage des nordkoreanischen Diktators Kim II Sung unterstützt Mao einen Angriff auf Südkorea mit über zweimillionen Soldaten und erspart dem Agressor Kim eine vernichtende Niederlage durch die US-Armee, die den Südkoreanern zur Hilfe kommt. Es gelingt, die US-geführten UN-Truppen 200 Kilometer zurückzudrängen. Dieser militärische Erfolg nach 100 Jahren der Machtlosigkeit gegenüber ausländischen Invasoren gilt in China als einer der wichtigsten Verdienste Maos. Einmarsch chinesischer Truppen in Tibet. Das Land wird 1959 von China annektiert. Beginn einer Gesundheitskampagne, die China in wenigen Jahren seuchenfrei macht.

  • 1954-58

    Mao wird Staatspräsident der Volksrepublik China. In dieser Funktion unterzeichnet Mao 1954 einen chinesisch-sowjetischen Pakt.

  • 1957

    In seiner Rede "Lasst tausend Blumen blühen" fordert er freie Meinungsäußerung. Wenige Monate später startet Mao jedoch eine Kampagne gegen "abweichlerische" Elemente. Willkürlich bestimmt er Gefangenenquoten für bestimmte gesellschaftliche Gruppen: So ordnet er die Verhaftung von 10 Prozent aller Intellektuellen an.

  • 1958

    Rücktritt als Staatspräsident. Sein Nachfolger wird 1959 Liu Shao-chi. Mao bleibt Vorsitzender des Politbüros und des Zentralkomitees der KPCh. Immer wieder zieht er sich vorübergehend aus der Tagespolitik zurück, bleibt aber bestimmende Persönlichkeit innerhalb der Partei. Von den chinesischen Medien wird er zunehmend als Halbgott mit übernatürlichen Fähigkeiten dargestellt. Mittelpunkt seiner Lehre ist die absolute Erziehbarkeit des Menschen, der im Verschmelzen mit der Gemeinschaft seine höchsten Tugenden entwickeln soll.

  • 1959-1962

    Die offizielle Parteipolitik setzt sich unter dem Motto "Der Große Sprung nach vorn" das Ziel, China binnen weniger Jahre zu einer industriellen Großmacht zu machen. Bauern werden angehalten, in der Eisen- und Stahlprodukton tätig zu werden. Ein Element dieses Umbaus der chinesischen Wirtschaft ist die Zwangskollektivierung und die Bildung von Volkskommunen. Die Folge sind große Hungersnöte, denen landesweit zwischen 30 und 40 Millionen Menschen zum Opfer fallen. Außenpolitisch kommt es zum Bruch mit der Sowjetunion. Mao hält eine Übertragung des sowjetischen Systems auf China nicht praktikabel und kritisiert den schrittweisen Entspannungsprozess zwischen den USA und der Sowjetunion, in den China nicht mit einbezogen wird. Chinas selbstbewusstes Auftreten gegenüber der Sowjetunion bringt ihm Sympathien zahlreicher revolutionärer Bewegungen der Dritten Welt ein.

  • 1966-1976

    Nach einer kurzen Periode der wirtschaftlichen Liberalisierung unter Parteisekretär Deng Xiao-ping leiten Mao und seine Gefolgsleute die "Große Proletarische Kulturrevolution" ein. China soll nach dem Willen Maos direkt vom Feudalismus zum Kommunismus übergehen. Es beginnt der Kampf gegen die mutmaßlichen "Partei-Reaktionäre", die den "kapitalistischen Weg eingeschlagen haben". Die genaue Zahl der Opfer von Zwangsarbeit und Hinrichtungen ist bis heute nicht bekannt. Schätzungen reichen von einigen Hunderttausend bis zu 10 Millionen.

  • 1969

    April: Lin Piao (1908-1971) wird zum Stellvertreter und Nachfolger Maos gewählt. Oktober: Chinesische Medien bezeichnen Mao erstmals als "Co-Kommandant" der Streitkräfte. Bisher war der Verteidigungsminister, Lin Piao, alleiniger Oberbefehlshaber der chinesischen Streitkräfte gewesen.

  • seit 1971

    Nach Machtkämpfen innerhalb der Partei versucht Lin Piao in die Sowjetunion zu fliehen. Beim Absturz seines Flugzeuges kommt er ums Leben. Mao zeigt sich nicht mehr in der Öffentlichkeit. Spekulationen über seinen schlechten Gesundheitszustand werden von offizieller Seite nicht bestätigt.

  • 1972

    Richard M. Nixon (1913-1994) trifft als erster US-Präsident zu einem Staatsbesuch in der Volksrepublik China ein. Thema der Gespräche mit Ministerpräsident Chou En-lai und Mao ist der Abbau der Spannungen zwischen beiden Staaten.

  • 1975

    12. Januar: Der Vorsitzende der Christlich- Sozialen Union (CSU), Franz Josef Strauß, wird als erster bundesdeutscher Politiker von Mao empfangen.

    Oktober: Helmut Schmidt besucht als erster deutscher Bundeskanzler die Volksrepublik China.

  • 1976

    9. September: Mao Tse-tung stirbt in Peking. Sein Tod löst bei der Mehrheit der chinesischen Bevölkerung große Trauer und Erschütterung aus.

    Noch im Todesjahr wird mit dem Bau eines großen Mao-Mausoleums begonnen.

    Nach seinem Tod beginnt ein wochenlanger Kampf um die Nachfolge. Schließlich setzt sich der gemäßigte Parteiflügel unter Hua Kuo-feng durch. Die Initiatoren der Kulturrevolution (Viererbande) werden zum Tode verurteilt und Deng Xiao-ping rehabilitiert.

    Mit Maos Tod gilt die Kulturrevolution offiziell als beendet.

    Während sein Tod in den kommunistisch regierten Ländern Osteuropas vorwiegend negative Reaktionen auslöst, wird er in der westlichen Presse zunächst als großer Staatsmann gewürdigt. Erst seit den 1980er Jahren werden seine Verbrechen in vollem Ausmaß bekannt.

 

(sw/reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 19.01.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Haunhorst, Regina/Wirtz, Susanne: Biografie Mao Tse-tung, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/mao-tse-tung.html
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