Heinrich Lübke 1894 - 1972

Heinrich Lübke ist ein CDU-Politiker und von 1959 bis 1969 der zweite Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Der Vermessungs- und Kulturingenieur gerät zur Zeit des Nationalsozialismus zunächst in Konflikt mit dem Regime, arbeitet aber später in einem Architekturbüro im Auftrag des Generalbauinspektors Albert Speer. Nach 1945 tritt Lübke der CDU bei, wird 1953 Bundesernährungsminister und 1959 schließlich Bundespräsident. In seiner Amtszeit setzt Lübke sich stark für Entwicklungshilfe und die Bildung einer Großen Koalition ein.

  • 1894

    14. Oktober: Heinrich Lübke wird in Enkhausen/Westfalen als eines von fünf Kindern eines katholischen Schuhmachers und kleinen Landwirtes geboren.

  • 1913

    Beginn des Studiums der Landwirtschaft, Geodäsie und Kulturtechnik in Bonn.

  • 1914-1918

    Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg.

  • 1918-1921

    Studium der Volkswirtschaft, des Verwaltungsrechts und des Boden- und Siedlungsrechts in Münster und Berlin. Abschluss mit dem geodätischen und großen kulturbautechnischen Examen.

  • 1921-1923

    Tätigkeit im ländlichen Siedlungswesen in Münster.

  • 1923-1933

    Geschäftsführer landwirtschaftlicher Organisationen in Berlin.

    Initiator des Zusammenschlusses der Klein- und Mittelbauernverbände zur "Deutschen Bauernschaft", deren Leitung er 1926 übernimmt.

  • 1929

    Heirat mit Wilhelmine Keuthen.

  • 1931-1933

    Abgeordneter im Preußischen Landtag für die Zentrumspartei.

  • 1933

    Entlassung aus allen Ämtern durch die Nationalsozialisten.

  • 1934/35

    Ermittlungsverfahren wegen Korruption und Untersuchungshaft bis das Verfahren nach über 20 Monaten eingestellt wird.

  • 1937-1939

    Tätigkeit im Bau- und Siedlungswesen.

  • 1939-1945

    Mitarbeiter des privaten Architektur- und Ingenieurbüros Schlempp, das für den späteren Rüstungsminister Albert Speer und für die Organisation Todt dienstverpflichtet wird. Ab 1944 werden Bauten für das mit Zwangsarbeitern betriebene Raketenwaffenprogramm erstellt. Aus dieser Zeit ergeben sich spätere Vorwürfe gegen Lübke.

  • 1945

    Eintritt in die Christlich Demokratische Union (CDU).

    Mitglied des von der britischen Militärregierung ernannten Provinziallandtages von Westfalen.

  • 1946-1952

    Ab Sommer 1946 Mitglied des Landtages von Westfalen und ab Oktober Landtagsabgeordneter von Nordrhein-Westfalen.

  • 1947-1952

    In der neu gebildeten nordrhein-westfälischen Landesregierung übernimmt er den Posten des Landesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

    1952 tritt er auf eigenen Wunsch zurück.

  • 1949-1950

    Mitglied des Bundestages und Vorsitzender des Agrarpolitischen Ausschusses.

    Im Oktober 1950 legt er sein Bundestagsmandat nieder.

  • 1953

    Kurzzeitig Generalanwalt des Raiffeisenverbandes in Bonn.

  • 1953-1959

    Erneut Mitglied des Bundestages.

    Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Kabinett Adenauer.

    Mitbegründer der "Grünen Pläne" zur Förderung der deutschen Landwirtschaft, um deren naturgegebene und wirtschaftliche Nachteile gegenüber anderen Wirtschaftsbereichen auszugleichen.

    Beteiligung an der Entwicklung zum gemeinsamen Agrarmarkt in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).

  • 1953

    Verleihung der Ehrendoktorwürde der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn.

  • 1957

    Auszeichnung mit dem Großkreuz des Bundesverdienstordens

  • 1959
  • 1959-1969

    Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

    Lübke versucht dem Amt mehr politisches Gewicht zu verleihen und setzt sich für die Bildung einer Großen Koalition ein.

    Besonderes Engagement zeigt Lübke bei der Unterstützung der Entwicklungshilfe für die sogenannte Dritte Welt.

    Vor allem von Seiten der DDR wird Lübke wegen seiner Tätigkeit während des NS-Regimes scharf angegriffen.

    Auch in der Bundesrepublik wird Kritik laut.

    Zum Ende seiner Amtszeit lassen seine gesundheitlichen Kräfte zunehmend nach.

    Er tritt drei Monate vor Ablauf der Wahlperiode als Bundespräsident zurück.

  • 1972

    6. April: Heinrich Lübke stirbt in Bonn.

 

(iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 03.02.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Zündorf, Irmgard: Biografie Heinrich Lübke, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/heinrich-luebke.html
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