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Politiker
- 1944
- 18. November: Vermutlich wird Ibrahim Böhme als Manfred Otto
bei Leipzig als Sohn jüdischer Eltern geboren. Den Vornamen Ibrahim
gibt er sich später selbst. Er wächst zunächst als Waisenkind
auf.
- 1947
- Adoption durch Kurt Böhme, der als Funktionär bei den Leuna-Werken
tätig ist.
- ab 1961
- Nach dem Abschluss der Polytechnischen Oberschule mit der Mittleren
Reife beginnt Böhme eine Maurerlehre bei den Leuna-Werken. Nebenher
holt er in Abendkursen das Abitur nach. Anschließend nimmt er ein Fernstudium
für Geschichte und Deutsch auf.
- 1963
- Böhme wird als Lehramtsanwärter Heimerzieher im Lehrlingswohnheim
der Leuna-Werke.
- 1965
- Böhme hält einen Vortrag über den ehemaligen Professor
der Humboldt-Universität und Systemkritiker Robert
Havemann. Die SED verhängt daraufhin eine zweijährige
Parteistrafe über ihn, die unter anderem Unterrichtsverbot beinhaltet.
Außerdem wird Böhme kurzzeitig verhaftet. Ihm wird vorgeworfen,
seine Schüler aufzuhetzen.
- 1966/67
- Nach der Aufhebung der Parteistrafe gründet er einen Philosophiezirkel
und leitet einen Jugendclub in Greiz.
- 1967
- Beitritt zur SED.
- 1968
- Böhme wird im Zusammenhang mit den Diskussionen um den Prager
Frühling erneut kurzzeitig verhaftet. Ihm wird vorgeworfen,
dazu aufgerufen zu haben, gegen eine Resolution zu stimmen, die die
Niederschlagung des Prager Frühlings befürwortet. Nach eigenen
Angaben wird er für fünf Wochen festgehalten. Danach wird
er kurzzeitig bei der Post tätig.
- 1968-1989
- Im Ministerium
für Staatssicherheit (MfS) wird Böhme unter verschiedenen
Decknamen als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) geführt.
- 1968-1976
- Nach dem Abschluß seines Fernstudiums als Lehrer und Historiker wird
Böhme Kreissekretär des Kulturbundes in Greiz. Er knüpft Kontakte
zu zahlreichen Jungintellektuellen und freundet sich mit dem Lyriker
und Dissidenten Reiner Kunze
an. Er organisiert Lesungen und Auftritte von unter Beobachtung des
MfS stehenden Autoren. Nebenher erstellt er Dossiers über diese
für die MfS-Akten. Böhme ist außerdem Betreuer von Delegationen
der Roten Armee, sowie der westdeutschen DKP.
- 1976
- Nach der Ausweisung des Liedermachers Wolf
Biermann tritt Böhme aus der SED aus.
- 1977/78
- Böhme wird im MfS-Gefängnis Berlin Hohenschönhausen
wegen "staatsfeindlicher Hetze" festgehalten. Danach siedelt er nach
Neustrelitz über, wo er eine Stelle am dortigen Friedrich-Wolf-Theater
bekommt.
- 1981
- Böhme gibt öffentlich Sympathieerklärungen für die polnische
"Solidarnosc"-Bewegung ab und wird daraufhin am Theater entlassen. In
der folgenden Zeit nimmt er verschiedene Gelegenheitsarbeiten an.
- 1989
- Böhme engagiert sich in in der Initiative
für Frieden und Menschenrechte.
September: Über seine engen Kontakte zu Gerd
und Ulrike Poppe liefert Böhme,
wie später bekannt wird, noch sechs Wochen vor dem Fall
der Mauer Berichte an das MfS.
Oktober: Mitbegründer der Sozialdemokratischen
Partei der DDR (SDP).
Dezember: Vertreter der SDP am Zentralen
Runden Tisch.
- 1990
- Februar: Böhme wird zum Vorsitzenden der SPD der DDR gewählt.
März: Die Zeitschrift "Der Spiegel" veröffentlicht Berichte
über die MfS-Tätigkeit von Böhme. Dieser zieht sich daraufhin
in die Toskana zurück und erklärt im April in einem Schreiben,
daß er seine Ämter solange niederlege, bis die Vorwürfe
geklärt seien.
März-August: Abgeordneter der Volkskammer und SPD-Fraktionsvorsitzender.
1. April: Böhme legt seine Parteiämter wegen der Vorwürfe der inoffiziellen Arbeit für
das MfS nieder. Gleichzeitig erklärt er öffentlich: "Ich bin zu keiner Zeit ... als Mitarbeiter der
Stasi tätig gewesen".
September: Böhme wird zum Polizeibeauftragten des Magistrats durch
den Ost-Berliner Oberbürgermeister ernannt.
September: Auf dem Vereinigungsparteitag der Ost- und West-SPD wird
Böhme in den neuen Vorstand gewählt.
Dezember: Reiner Kunze veröffentlicht
die Dokumentation "Deckname Lyrik" in der Böhmes Tätigkeit
für das MfS aufgedeckt wird. Böhme legt daraufhin sein Vorstandsmandat
und sein Amt als Polizeibeauftragter nieder.
- 1992
- Nach einem Spruch der Berliner SPD-Schiedskommission wegen "schweren
parteischädigenden Verhaltens" wird Böhme aus der Partei ausgeschlossen.
Böhme lebt seitdem zurückgezogen im Ost-Berliner Stadtteil
Prenzlauer Berg.
- 1999
- 21. November: Ibrahim Böhme stirbt nach schwerer Krankheit in
Neustrelitz.
(iz)
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