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Politiker
- 1948
- 12. April: Joseph (Joschka) Martin Fischer wird in Gerabronn/Baden-Württemberg
als drittes Kind des Metzgers Joszef Fischer und seiner Frau Elisabeth
geboren. Die Eltern mussten als Ungarndeutsche 1946 Budapest verlassen.
- 1965
- Die Familie zieht nach Fellbach bei Stuttgart um.
- 1965/66
- Kurz vor Abschluss des zehnten Schuljahres verlässt Fischer
im März 1965 das Gymnasium. Anschließend beginnt er eine
Lehre als Fotograf, die er aber bald wieder abbricht.
- 1966
- Reisen führen ihn nach England, Frankreich, Spanien, Italien,
Griechenland über die Türkei bis nach Kuwait. Aufgrund der
schweren Krankheit seiner Schwester reist Fischer zurück nach Deutschland
und arbeitet vorübergehend als Spielwarenverkäufer.
November: Der Vater stirbt an einem Schlaganfall, seine Schwester an
einer Nierenkrankheit.
- 1967
- Fischer heiratet Edeltraud (Geburtsname: Fischer) in Gretna Green/Großbritannien.
Zusammen mit ihr engagiert er sich in der Studentenbewegung.
Das Ehepaar lebt zunächst in Fellbach.
- 1968-1975
- Umzug nach Frankfurt/Main. Dort besucht Fischer Vorlesungen von Theodor
W. Adorno, Jürgen Habermas
sowie Oskar Negt (geb. 1934). Er setzt sich eingehend mit den Schriften
von Karl Marx (1818-1883), Mao Tse-tung
und Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) auseinander.
Fischer verdient sein Geld mit Gelegenheitsjobs.
Er freundet sich mit dem Studentenführer Daniel Cohn-Bendit (geb.
1945) an.
Als Mitglied der militanten Gruppe "Revolutionärer Kampf" (RK)
beteiligt sich Fischer an Demonstrationen und Straßenschlachten.
Nach einer Demonstration gegen den Vietnam-Krieg, bei der er die Bannmeile
um das Neue Schloss in Stuttgart überschreitet, kommt es zu einer
Anklage gegen ihn. Er wird zu zweimal drei Tagen Haft als Ordnungsstrafe
verurteilt, die er in Stuttgart- Stammheim absitzen muss.
- 1971
- Arbeit bei der Opel AG Rüsselsheim. Fischer ist Mitbegründer
einer Betriebsgruppe und versucht über diese, die Arbeiter zu politisieren.
Seine Aktivitäten führen bereits nach einem halben Jahr zu
seiner fristlosen Entlassung.
- 1976-1981
- Fischer arbeitet kurzzeitig bei den Vereinigten Deutschen Maschinenfabriken.
Anschließend macht er seinen Taxischein und arbeitet als Taxifahrer
in Frankfurt/Main.
- 1977
- Die Ereignisse im Zusammenhang mit der Entführung und Ermordung
des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin
Schleyer durch die Rote
Armee Fraktion (RAF) leiten bei Fischer nach eigenen Angaben einen
Erkenntnisprozess ein, den er als "Illusionsverlust" und "Illusionsabschleif"
kennzeichnet. Fischer wendet sich daraufhin von den radikalen politischen
Gruppierungen ab.
- 1982
- Eintritt in die Partei Die
Grünen.
- 1983-1985
- Die Grünen erreichen bei den Bundestagswahlen
5,6 Prozent der Stimmen und ziehen damit erstmals in den Bundestag ein.
Fischer wird über den dritten Listenplatz seiner Partei Mitglied
des Bundestages, bis er 1985 durch Rotation wieder ausscheidet. Fischer
ist Mitglied des Innenausschusses und Parlamentarischer Geschäftsführer
der Grünen-Fraktion. Er zählt zu den tonangebenden Mitgliedern
des "realpolitischen" Flügels der Grünen und macht sich als
provokanter Redner im Bundestag einen Namen.
- 1984
- Fischer heiratet nach der
Scheidung von Edeltraud Fischer die Mathematikstudentin Inge, mit der
er bereits zwei Kinder hat.
Veröffentlichung der Schrift "Von grüner Kraft und Herrlichkeit".
- 1985-1987
- In Hessen wird eine rot-grüne
Koalitionsregierung gebildet. Fischer wird hessischer Staatsminister
für Umwelt und Energie und stellvertretendes Mitglied des Bundesrats.
Damit ist er bundesweit das erste Kabinettsmitglied der Grünen.
Seine Vereidigung am 12. Dezember 1985 in Turnschuhen, Jeans und Sportsakko
sorgt für Aufsehen. Grundlegende politische Forderungen in der
Umweltpolitik kann er nicht durchsetzen. So bleiben der Ausstieg aus
der Kernenergie und ein Sofortprogramm in Sachen Müllentsorgung
aus. Die Verlegung von Umweltgiften des Chemiekonzerns Hoechst auf die
Sondermülldeponie Schönberg in der DDR während seiner
Amtszeit zieht eine Verwaltungsklage der Stadt Lübeck und die erste
Demonstration von Grünen gegen den eigenen Minister nach sich.
- 1986
- Fischer setzt in der hessischen Landesregierung verschärfte
Abwasserauflagen für Fabriken des Frankfurter Hoechst-Konzerns
in Kraft, nach denen der Schadstoffgehalt künftig direkt bei der
Produktionsanlage gemessen wird.
- 1987
- 8. Februar: Die Grünen beschließen aus der hessischen
Regierungskoalition auszutreten, wenn die beabsichtigte Genehmigung
des Hanauer Nuklearunternehmens Alkem nicht revidiert wird.
9. Februar: Der hessische Ministerpräsident Holger Börner
(geb. 1931) entlässt aufgrund des gestellten Ultimatums der Grünen
Fischer aus seinem Amt.
5. April: Bei den vorgezogenen Neuwahlen in Hessen erreicht die christlich-liberale
Koalition die Mehrheit und bildet die Regierung. Fischer wird Fraktionschef
der Grünen im hessischen Landtag.
Dezember: Heirat mit der Journalistin Claudia Bohn.
Veröffentlichung der Schriften "Regieren geht über Studieren.
Das politische Tagebuch des grünen Ex-Umweltministers" und "Der
Ausstieg aus der Atomenergie ist machbar".
- 1989
- Veröffentlichung der Schrift "Der Umbau der Industriegesellschaft".
- 1990
- Nach dem Scheitern der Grünen (West) an der Fünf-Prozent-Hürde
bei der Ersten
gesamtdeutschen Bundestagswahl am 2. Dezember fordert Fischer eine
Strukturreform der Partei. Er setzt die Abschaffung der Rotation, die
Wahl eines Parteivorsitzenden und Doppelmandate für einen kleinen
Kreis von Landes- und Bundespolitikern durch.
- 1991
- Bei den hessischen Landtagswahlen erreicht Bündnis90/Die Grünen
8,8 Prozent der Stimmen. Es wird eine rot-grüne Regierungskoalition
unter Ministerpräsident Hans Eichel (geb. 1941) gebildet. Fischer
wird stellvertretender Ministerpräsident und Staatsminister für
Umwelt, Energie und Bundesangelegenheiten. Seinen ersten Erfolg erreicht
Fischer mit der Einführung von Sondermüllabgaben. Im Juni
1991 ordnet Fischer die Teil-Stillegung des Siemens-Brennelemente Werks
in Hanau an und im Dezember stoppt er die Uranverarbeitung in Hanau.
Dies hat eine bundesaufsichtsrechtliche Weisung von Bundesumweltminister
Klaus Töpfer (geb. 1938) (CDU) zur Folge.
- 1992
- Veröffentlichung des Buches "Die Linke nach dem Sozialismus".
- 1993
- Nach einer Störfallserie bei der Frankfurter Hoechst AG fordern
Fischer und Bundesumweltminister Töpfer neben einem umfangreichen
Sicherheitsprogramm die Überprüfung der "Zuverlässigkeit
der Betreiber".
- 1994
- März: Ein Brand im Kernkraftwerk Biblis A löst eine Kontroverse
zwischen Fischer und Töpfer über die Schuldfrage aus. Fischer
fordert eine sofortige Stillegung des Reaktors.
6. Oktober: Fischer tritt von seinem Amt als hessischer Umweltminister
zurück, um sich ganz in der Bundespolitik engagieren zu können.
Fischer spekuliert öffentlich über die Möglichkeit einer
"Ampelkoalition" zwischen SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen.
Dabei stellt er die Bedingungen, daß die Atomenergie-Politik nicht
fortgesetzt wird und keine "Militarisierung der Außenpolitik"
durch Krisenreaktions-Streitkräfte stattfindet.
19. Oktober: Nach den Bundestagswahlen
am 16. Oktober wählen Bündnis 90/Die Grünen Fischer und
Kerstin Müller (geb. 1963) gleichberechtigt zu neuen Fraktionssprechern
der Grünen.
Veröffentlichung der Schrift "Risiko Deutschland".
- 1995
- Juli: Fischer legt ein innerhalb der Partei heftig umstrittenes Grundsatzpapier
vor, in dem er sich für die militärische Sicherung der verbliebenen
UN-Schutzzonen in Bosnien ausspricht.
September: In einem Strategiepapier fordert Fischer die Grünen
auf, eine Diskussion über einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel
einzuleiten und sich der Frage nach einer "grünen Mittelstandspolitik"
zu stellen.
November: Fischer fordert die "Interventionspflicht der UNO bei Völkermord"
und entfacht damit einen neuen innerparteilichen Streit.
- 1996
- Das Ehepaar Fischer gibt seine Trennung bekannt. Fischer überwindet
nach eigenen Angaben seinen Trennungsschmerz mit asketischen neuen Lebensgewohnheiten
und Langläufen.
April: Fischer schlägt für die nächsten Bundestagswahlen
vor, dass SPD und Bündnisgrüne gemeinsam mit einem unabhängigen
Kanzlerkandidaten der linken Mitte antreten sollen.
Fischer reist durch das ehemalige Jugoslawien, um sich ein Bild von
der Situation vor Ort zu verschaffen.
13. Dezember: Fischer verkündet im Deutschen Bundestag, daß
er persönlich für den SFOR-Einsatz
der Bundeswehr in Bosnien ist. Seine Partei hat sich allerdings dagegen
entschieden.
Veröffentlichung der Schrift "Die globale Revolution. Wohlstandsverlust
und Solidarität".
- 1998
- ab Juni: Fischer setzt sich in seinem Wahlkampf für die Westbindung
als notwendige Konstante deutscher Außenpolitik und für die
Osterweiterung
der NATO sowie die Verlängerung des SFOR-Mandats der Bundeswehr
in Bosnien ein.
27. Oktober: Nach den Bundestagswahlen
wird Fischer als Vizekanzler und Außenminister im Kabinett der
rot-grünen Koalition vereidigt.
28./29. Oktober: Fischer absolviert seinen Antrittsbesuch als Außenminister
in Paris und reist anschließend nach Großbritannien und
Polen.
3. November: Treffen mit der US-amerikanischen Außenministerin
Madeleine Albright (geb. 1937) in den USA.
November: Fischer fordert die NATO auf, auf den Ersteinsatz von Atomwaffen
zu verzichten und löst damit eine diplomatische Krise der rot-grünen
Regierung aus. Bundesverteidigungsminister Rudolf
Scharping erklärt dazu bei seinem Amtsantrittsbesuch in den
USA, Fischer habe die NATO-Strategie "verengt aus Landessicht" betrachtet.
Veröffentlichung der Schrift "Für einen neuen Gesellschaftsvertrag.
Eine politische Antwort auf die globale Revolution".
- 1999
- Januar: Zu Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft erklärt
Fischer die Verwirklichung der Finanz- und Agrarreform der EU, die sogenannte
Agenda 2000, und die Lösung der Kosovo-Krise zu den vorrangigen
Zielen der EU.
Februar: Fischer reist nach Israel und führt dort Gespräche
mit dem israelischen Präsidenten Ezer Weizman (geb. 1924) und mit
Premierminister Benjamin Netanyahu (geb. 1949). Anschließend trifft
er in Gaza-Stadt mit Palästinenserführer Yasir Arafat (geb.
1929) zusammen.
März: Fischer kritisiert vor der UN-Menschenrechtskommission im
Namen der Europäischen Union die Volksrepublik China wegen anhaltender
Menschenrechtsverletzungen.
April: Fischer legt einen Friedensplan vor, der die Entsendung einer
schlagkräftigen Streitmacht mit einem UN-Mandat nach einem Waffenstillstand
im Kosovo vorsieht.
17. April: Fischer heiratet die Journalistin Nicola Leske.
Mai: Auf einem Sonderparteitag von Bündnis 90/Die Grünen in
Bielefeld stellt sich die Mehrheit der Parteimitglieder hinter den Kurs
von Fischer. Der Parteitag ist von heftigen Auseinandersetzungen gekennzeichnet.
So wird Fischer von einem Farbbeutel getroffen, der einen Riss des Trommelfells
verursacht.
10. Juni: Die G-8-Staaten verabschieden den Balkan-Stabilitätspakt,
an dem Fischer federführend beteiligt war.
11. Juni: Der Deutsche Bundestag billigt den Einsatz von bis zu 8.500
Soldaten der Bundeswehr im Rahmen der Kosovo-Friedenstruppe.
Juli: Fischer trifft in Frankfurt/Main zu einem Gespräch über
den Ausstieg aus der Kernenergie mit den Chefs der Energiekonzerne Veba,
Viag, RWE und EnBW zusammen.
Anlässlich eines Staatsbesuches in der Türkei betont Fischer,
dass er sich für die volle Mitgliedschaft der Türkei in der
Europäischen
Union einsetzten wird.
- Mit seiner ersten Rede vor der UNO-Vollversammlung in New York wirbt
er für die Weiterentwicklung des UN-Systems hinsichtlich Konfliktprävention
und Stärkung der regionalen Sicherheitssysteme.
22. September: Fischer fordert bei seinem ersten Auftritt vor der Generalversammlung
der Vereinten Nationen (UN) in New York, das Vetorecht der Mitglieder
des Sicherheitsrates zu verändern und eine Begründungspflicht
einzuführen.
7. Oktober: Der Deutsche Bundestag billigt den von Fischer geforderten
Einsatz von Soldaten der Bundeswehr zur medizinischen Hilfe in Ost-Timor.
20. Oktober: Der Bundessicherheitsrat stimmt der Lieferung eines Leopard-II-Panzers
an die Türkei zu. Obwohl der Sicherheitsrat geheim tagt, wird bekannt,
dass Fischer und die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul (geb. 1942), gegen die Lieferung
gestimmt haben.
- November: Fischer nimmt am New York-Marathon teil und bewältigt
die Strecke in 3 Stunden und 45 Minuten.
Dezember: Fischer legt die Leitlinien seiner auswärtigen Kulturpolitik
im Kulturausschuss des Bundestags vor. Danach sollen die Wiedervereinigung,
die Entstaatlichung vieler Lebensbereiche und die Globalisierung im
Mittelpunkt stehen.
Veröffentlichung des Buches "Fit und schlank. Mein langer
Lauf zu mir selbst". Darin beschreibt er unter anderem seine Gewichtsreduzierung
von rund 35 Kilogramm 1996.
- 2000
- Fischer äußert
angesichts des Tschetschenien-Krieges, dass Russland nicht isoliert
werden dürfe und es legitim sei, gegen Terror vorzugehen. Diese
Stellungnahme stößt auf heftige Kritik, zumal Fischer 1995
als Bundestagsabgeordneter das "grausame Morden einer Supermacht
gegen ein kleines Volk im Norden des Kaukasus" verurteilt hatte.
Veröffentlichung der Schrift: "Vom Staatenbund zur Föderation:
Gedanken über die Finalität der europäischen Integration".
- 2001
- September: Nach den Terror-Anschlägen
in den USA sichert Fischer den Amerikanern deutschen Beistand im
Kampf gegen den Terror zu.
Oktober: Auf einer Reise durch zahlreiche Länder des Nahen und
Mittleren Ostens sondiert er Chancen einer internationalen Anti-Terror-Allianz.
Innerparteilich wirbt er um Unterstützung für eine deutsche
Beteiligung an Militärschlägen gegen Terrornetzwerke.
November: Auf dem Bundesparteitag von Bündnis90/Die Grünen
erhält Fischer eine Zweidrittel-Mehrheit für seine Anti-Terrorpolitik.
November/Dezember: Auf dem Petersberg bei Bonn tagt erstmals die maßgeblich
von Fischer initiierte erste Afghanistan-Konferenz, deren Ziel die Planung
des Wiederaufbaus des Landes ist.
- 2002
- Januar: Fischer kritisiert
die Haftbedingungen der Taliban- und Al Qaida-Kämpfer auf dem US-Stützpunkt
Guantánamo Bay/Kuba. Weiterhin äußert er Vorbehalte
gegenüber einem möglichen militärischen Vorgehen der
Amerikaner gegen den Irak. Im Kampf gegen den Terror sieht er keinen
"Freibrief" für eine Invasion und einen gewaltsamen Regimewechsel
im Irak. Fischer empfiehlt, über die UN-Resolutionen Druck auf
Irak auszuüben.
Mai: Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Haifa/Israel
und des Gottlieb-Duttweiler-Preises der Schweiz.
September: Bei der Bundestagswahl können Bündnis90/Die Grünen
ihr Ergebnis um 1,9 Prozentpunkte auf 8,6 Prozent verbessern. Sie ermöglichen
damit der Regierungskoalition einen knappen Sieg.
Oktober: Erneute Ernennung zum Bundesminister des Auswärtigen.
November: Reise nach Washington, wo er versucht, das angespannte deutsch-amerikanische
Verhältnis zu entkrampfen.
Fischer wird für sein Engagement bei der Bekämpfung des Antisemitismus
und seine Bemühungen um die deutsch-israelischen Beziehungen mit
dem Heinz-Galinski-Preis der
Jüdischen Gemeinde zu Berlin ausgezeichnet.
Dezember: In einem Interview mit der Zeitschrift "Der Spiegel"
schließt Fischer ein deutsches Ja zu einem Militäreinsatz
bei einer Abstimmung im UN-Sicherheitsrat nicht aus.
Veröffentlichung des Buches "Die Weisheit der Mitte: Deutschland,
Nationalstaat und europäische Integration".
- 2003
- Januar: Der Parteirat von
Bündnis90/Die Grünen verabschiedet eine auch von Fischer unterstützte
Anti-Kriegs-Resolution, in der u.a. die "inakzeptable" amerikanische
Informationspolitik gegenüber den UN-Waffeninspektoren kritisiert
wird.
Februar: Auf der Münchner Sicherheitskonferenz bringt Fischer einen
mit Frankreich abgestimmten Vorschlag für einen UN-Blauhelmeinsatz
im Irak vor, der auch von Russland unterstützt wird. Wie Belgien
und Frankreich weigert sich Deutschland, dem Einsatz von Patriot-Abwehrraketen
zum Schutz der Türkei im Falle eines Irak-Krieges zuzustimmen,
was innerhalb der NATO zu erheblichen Konflikten führt. US-Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld wirft Fischer und Kanzler Schröder vor, ihr Land
mit dem "deutschen Sonderweg" in die politische Bedeutungslosigkeit
zu manövrieren.
März: Auszeichnung mit der Buber-Rosenzweig-Medaille
des Deutschen Koordinierungsrates der Deutschen Gesellschaften für
Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.
Scheidung von seiner vierten Ehefrau Nicola Leske.
- 2005
- Februar: Beginn der sogenannten "Visa-Affäre". Fischer wird für die missbräuchliche Vergabe von Einreisevisa durch deutsche Botschaftsangehörige in Osteuropa verantwortlich gemacht.
25. April: Als verantwortlicher
Minister sagt Fischer vor dem Visa-Untersuchungsausschuss aus: Im Rahmen
einer liberaleren Ausländerpolitik hatte die rot-grüne Regierung
im Jahr 2000 mit dem "Volmer-Erlass" Einreisen in die Bundesrepublik
erleichtert. Fischer wird vorgeworfen, zu spät auf Missstände
bei der Visa-Vergabe reagiert und damit indirekt Schleuserkriminalität
gefördert zu haben. Allerdings hatte die rot-grüne Regierung
den "Volmer-Erlass" nach Bekanntwerden der Missstände
bereits im Jahr 2004 zurückgenommen. Fischer übernimmt die
politische Verantwortung in der "Visa-Affäre", lehnt
aber politische Konsequenzen ab.
10. Mai: Fischer erhält den Leo-Baeck-Preis des Zentralrates der Juden in Deutschland für seine Vermittlungsbemühungen im Nahost-Konflikt und sein Eintreten für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland.
Juni: Unter dem Titel "Die Rückkehr der Geschichte: Die Welt nach dem 11. September und die Erneuerung des Westens" veröffentlicht Fischer eine Analyse der aktuellen weltpolitischen Lage.
7. September: Der Visa-Ausschuss beendet seine Arbeit ohne ein eindeutiges Ergebnis.
18. Oktober: Bei den vorgezogenen Bundestagswahlen erzielt die SPD unter Gerhard Schröder 34,2 Prozent, Bündnis90/Die Grünen erreichen 8,1 Prozent. Die CDU geht mit 35,2 Prozent knapp als Siegerin aus der Wahl hervor und bildet auf Grund der schwierigen Mehrheitsverhältnisse eine Große Koalition mit der SPD. Fischers Amtszeit als Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland endet damit.
29. Oktober: Heirat mit der deutsch-iranischen Filmemacherin Minu Barati.
- 2006
- 20. Mai: Auszeichnung mit der Ehrendoktorwürde der Universität von Tel Aviv.
Im Herbst übernimmt Fischer eine einjährige Gastprofessur für internationales Wirtschaftsrecht an der amerikanischen Princeton University.
- 2007
- Gründung der Beraterfirma "Joschka Fischer Consulting".
(nc/lb)
© Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
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