1927-1995

 

Günter Guillaume

Photo: Günter Guillaume, 1993

Journalist und Spion

Günter Guillaume ist Geheimdienstmitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR, Journalist und von 1972 bis 1974 Referent des Bundeskanzlers Willy Brandt. 1974 wird Guillaume als Spion der DDR enttarnt, Bundeskanzler Brandt tritt kurz darauf von seinem Amt zurück.

1927
1. Februar: Günter Guillaume wird als Sohn eines Musikers in Berlin geboren.
1944/45
Flakhelfer im Zweiten Weltkrieg.
1945
Rückkehr nach Berlin, wo er zunächst als Fotograf arbeitet.
1950-1956
Mitarbeiter im Ost-Berliner Verlag "Volk und Wissen". In dieser Zeit läßt sich Guillaume vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) anwerben und ausbilden.
1951
Heirat mit der Sekretärin Christel Boom, die ebenfalls vom MfS als Agentin ausgebildet wird.
1952
Beitritt zur SED.
1956
Zusammen mit seiner Ehefrau siedelt Guillaume im Auftrag des MfS in die Bundesrepublik nach Frankfurt/Main über. Hier betreibt er zunächst einen Kaffee- und Tabakladen "Boom am Dom" und wird auch wieder als Fotograf tätig. Seine Frau arbeitet weiter als Sekretärin.
1957
Auf Weisung des MfS tritt das Ehepaar Guillaume in die SPD ein.
1959
Christel Guillaume wird Sekretärin im Parteibüro Hessen-Süd.
1963-1968
Sekretär des SPD-Unterbezirks Frankfurt/Main.
ab 1968
Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Stadtrat und Stadtverordneter in Frankfurt/Main.
1968/1969
Wahlkampfbeauftragter des Bundesministers für Verkehr, Georg Leber. Nach dem gelungenen Wahlkampf wird Guillaume ins Bundeskanzleramt vermittelt. Die Sicherheitsüberprüfung verläuft ohne große Schwierigkeiten. Guillaume erweist sich als kontaktfreudig und vertrauenswürdig.
ab 1970
Referent in der Abteilung Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik im Bundeskanzleramt.
ab 1972
Referent des Bundeskanzlers Willy Brandt. Guillaume wird Verbindungsmann zum Bundeskanzleramt, zum SPD-Parteibüro im Ollenhauerhaus und zur SPD-Bundestagsfraktion. Er begleitet Brandt auf Wahlkampf- und Informationsreisen, die er auch selbst organisiert. In dieser Zeit hat er Zugang zu geheimen Akten und den Gesprächsrunden im engeren Kreis um den Bundeskanzler. Aufgrund des guten persönlichen Verhältnisses zu Brandt hat Guillaume Einblick in dessen Privatsphäre.
1974
24. April: Das Ehepaar Guillaume wird verhaftet. Am 6. Mai übernimmt Brandt die politische Verantwortung für die Agenten-Affäre und tritt zurück. Guillaume behauptet stets, dies nicht im Auge gehabt zu haben.
1975
Dezember: Verurteilung durch das Oberlandesgericht Düsseldorf wegen Landesverrats zu dreizehn Jahren Gefängnis. Frau Guillaume wird zu acht Jahren Haft verurteilt.
1981
Unter Hinweis auf Guillaumes schlechte Gesundheit wird ein Agentenaustausch vereinbart und Guillaume aus der Haft entlassen. In der DDR wird er als "Kundschafter des Friedens" gefeiert und arbeitet als Ausbilder für Agenten.
1985
Verleihung des Dr. jur. h.c. der Juristischen Hochschule (JHS) des MfS Potsdam-Eiche.
1988
Veröffentlichung seines Lebensberichtes unter dem Titel "Die Aussage".
1995
10. April: Günter Guillaume stirbt in Berlin an Herzversagen.

(iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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