geb. 1939

 

Jens Reich

Photo: Jens Reich, 1990/91

Molekularbiologe, Arzt, Essayist und Bürgerrechtler

1939
26. März: Jens Reich wird als Sohn eines Arztes und einer Heilgymnastin in Göttingen geboren und wächst in Halberstadt auf.
1956
Abitur an der Dom- und Ratschule Halberstadt.
1956-1962
Studium der Medizin und Molekularbiologie an der Humboldt-Universität Berlin.
Anschließend Tätigkeit als Assistenzarzt am Salvator-Krankenhaus Halberstadt.
1961-1968
Reich absolviert zusätzlich eine biochemische Fachausbildung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo er ab 1964 als Wissenschaftler tätig wird.
1964
Promotion zum Dr. med. an der Humboldt-Universität Berlin und 1976 zum Dr. sc.
seit 1968
Wissenschaftler am Zentralinstitut für Molekularbiologie der Akademie der Wissenschaften in Berlin-Buch.
seit 1969/70
Mitbegründer und Teilnehmer des privaten "Freitagskreises", der aus rund 30 Oppositionellen besteht, die sich heimlich treffen und eine "Analyse des verrotteten Systems" vornehmen. Der Kreis wird ab den 80er Jahren systematisch vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) abgehört und protokolliert.
1974/75 und 1979/80
Forschungsaufenthalte am Institut für Biophysik der sowjetischen Akademie der Wissenschaften in Puschtschino bei Moskau.
1980
Professor für Biomathematik und zeitweise Abteilungsleiter im Zentralinstitut für Molekularbiologie der Akademie der Wissenschaften in Berlin-Buch. Reich spezialisiert sich auf dem Gebiet der Computeranwendungen in der Biologie und Medizin.
1984
Rückstufung zum wissenschaftlichen Mitarbeiter, wegen der Weigerung, seine Kontakte zu Bundesbürgern abzubrechen und in eine der Blockparteien einzutreten. Reich werden außerdem Reisen in westliche Länder verweigert.
1988
Unter dem Pseudonym "Thomas Asperger" veröffentlicht Reich in der Zeitschrift "Lettre International" Artikel, die sich der kritischen Analyse der DDR widmen.
1989
September: Koautor des Aufrufs "Aufbruch 89 - Neues Forum".
1990
März-Oktober: Abgeordneter der Volkskammer für das Neue Forum in der Fraktion Bündnis 90/GRÜNE.
Oktober-Dezember: Mitglied des Bundestages.
Nach der Wiedervereinigung arbeitet Reich wieder als Abteilungsleiter für Biomathematik am Zentralinstitut für Molekularbiologie in Berlin. Wahl zum Vorsitzenden der DDR-Sektion der Internationalen Organisation "Ärzte zur Verhinderung eines Nuklearkrieges" (IPPNW).
seit 1990
Veröffentlichung zahlreicher Arbeiten und Essays, wie "Rückkehr nach Europa. Zur neuen Lage der Deutschen Nation" (1991), Abschied von den Lebenslügen. Die Intelligenz und die Macht" (1992) und "Deutschland - Chance und Risiko" (1994).
1991
Auszeichnung mit dem Theodor-Heuss-Preis, stellvertretend für die vielen Bürgerrechtler in der ehemaligen DDR.
1994
Mai: Unabhängiger Kandidat zur Wahl des Bundespräsidenten. Befürworter seiner Kandidatur sind die Jugendorganisationen der drei Bonner Parteien SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
Persönlicher Berater des SPD-Kanzlerkandidaten Rudolf Scharping.
Reich hält den Kontakt zur SPD und den Bündnisgrünen, hat aber auch keine Berührungsängste mit der PDS.
1997
Gründungsmitglied des " Willy-Brandt-Kreises" in Berlin, der von Günter Grass und Egon Bahr initiiert wird.
seit 2001
Mitglied des Nationalen Ethikrates.

(iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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