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Politiker
- 1915
- 6. September: Franz Josef Strauß wird in München als zweites
Kind eines Metzgers geboren.
- 1935-1939
- Nach dem bayernweit besten Abitur und dem Arbeitsdienst studiert
Strauß Altphilologie, Geschichte und Volkswirtschaft in München.
- 1939-1945
- Soldat im Zweiten Weltkrieg an
der West-
und an der Ostfront.
Während verschiedener Fronturlaube legt er 1939 das Staatsexamen
für das höhere Lehramt, 1940 das Assessorexamen und 1943 die
Studienratsprüfung ab. Nach schweren Erfrierungen an der Ostfront
wird Strauß Ausbildungsoffizier und Abteilungsadjutant an der Flakschule
Altenstadt bei Schongau in Bayern. Seine Funktion als "Offizier für wehrgeistige Führung" wird mit dem Erlass vom 22. Dezember 1943 ersetzt durch den "Nationalsozialistischen Führungsoffizier" (NSFO), der nur im Einvernehmen mit der NSDAP berufen werden kann. Strauß weigert sich nach eigener Aussage, das Amt unter diesen Bedingungen zu behalten. Ob es tatsächlich zu einer Neubesetzung kam, ist jedoch unklar.
- 1945
- Nach Kriegsende
wird der als politisch unbelastet eingestufte Strauß von der amerikanischen
Besatzungsmacht zum stellvertretenden Landrat in Schongau bestellt.
Er beteiligt sich an der Gründung des Kreisverbandes der Christlich-Sozialen
Union (CSU) in Schongau.
- 1946-1949
- Landrat in Schongau.
- 1946-1948
- Mitglied des CSU-Landesvorstandes.
- 1948
- Strauß wird Mitglied des Wirtschaftsrates der Bizone
in Frankfurt/Main.
- 1949-1952
- Generalsekretär der CSU.
- 1949
- Leiter des bayerischen Landesjugendamtes.
- 1949-1978
- Mitglied des Bundestages.
- 1950
- Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion
im Deutschen Bundestag.
Vorsitzender des Ausschusses für Jugendfürsorge.
- 1952/1953
- Leiter des Ausschusses der
Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) im Deutschen
Bundestag.
- 1952-1961
- Stellvertretender Vorsitzender der CSU.
- 1953-1955
- Bundesminister für besondere Aufgaben im zweiten Kabinett Adenauer.
- 1955/56
- Bundesminister für Atomfragen.
- 1956-1962
- Bundesverteidigungsminister in Nachfolge von Theodor
Blank.
Als Verteidigungsminister treibt Strauß verstärkt den Aufbau
der Bundeswehr voran.
- 1956-1985
- Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universitäten Detroit
(1956), Cleveland und Kalamazoo (1962), Chicago (1964), Santiago de
Chile (1977), Maryland und Dallas (1980) sowie München (1985).
- 1957
- Heirat mit Marianne Zwicknagl. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor.
- 1961-1988
- Vorsitzender der CSU.
- 1962
- Strauß muss sich in der sogenannten FIBAG-Affäre vor dem
Untersuchungsausschuss verantworten. Die SPD-Fraktion hatte die Einrichtung
des Untersuchungsausschusses beantragt, nachdem das Nachrichtenmagazin
" Spiegel" 1961 über Vorteilsnahme im Amt zugunsten der Baufirma
FIBAG berichtet hatte; die Baufirma hatte den Auftrag zum Kasernenbau
für die in der Bundesrepublik stationierte 7. amerikanische Armee
erhalten. Der Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses, demzufolge
Strauß keine Verfehlungen nachgewiesen werden können, wird
vor allem von der Fraktion der Freien
Demokratischen Partei (FDP) heftig kritisiert und führt zu
einer ernsten Regierungskrise, die ihren Höhepunkt mit der sogenannten
Spiegel-Affäre
erreicht.
November: Nachdem Verteidigungsminister Strauß Verstrickungen
in Zusammenhang mit der Durchsuchung der Redaktionsräume des "Spiegel"
und der Verhaftung des Herausgebers Rudolf
Augstein sowie des Redakteurs Conrad
Ahlers eingesteht und die fünf FDP-Minister aus Protest gegen
die Rücktrittsweigerung von Strauß die Zusammenarbeit im
Kabinett Adenauer aufkündigen, erklärt Strauß, dass
er in der neuen Regierung Adenauer nicht mehr als Minister antreten
werde.
- 1963-1966
- Vorsitzender der CSU-Landesgruppe
im Bundestag.
- Nach seinem Rücktritt als Bundesminister kümmert sich Strauß
als CSU-Vorsitzender verstärkt um die Umstrukturierung der Partei
von einer Honoratioren- zu einer Massenpartei. Als Sprachrohr für
seine Ideen und seine Politik nutzt er den 1950 gegründeten "Bayernkurier".
- 1966-1969
- In Kurt Georg Kiesingers
Kabinett der Großen
Koalition ist Strauß Bundesfinanzminister.
Als Finanzminister arbeitet er eng mit dem SPD-Wirtschaftsminister Karl
Schiller zusammen: Durch Steuersenkungen verzichtet er trotz leerer
Staatskasse auf Einnahmen. Diese antizyklische Finanzpolitik trägt
wesentlich zu einer gemeinsamen Konjunkturpolitik bei, die schließlich
die Überwindung
der Rezession ermöglicht. Die ungleichen Partner werden im
Volksmund "Plisch und Plum" genannt.
- 1969-1972
- Nach Bildung der sozial-liberalen
Koalition kritisiert Strauß als maßgebender Sprecher
der CDU/CSU-Opposition in Bonn wiederholt die Finanz- und Wirtschaftspolitik
der neuen Regierung.
Er zählt von Anfang an zu den entschiedensten Gegnern der Neuen
Ostpolik der Regierung Brandt.
Damit befindet sich Strauß in scharfem Gegensatz zum Fraktionsvorsitzenden
Rainer Barzel, der einer Ratifizierung
der Ostverträge
im Jahre 1972 unter bestimmten Bedingungen zustimmt.
- 1975
- Januar: Strauß' Reise in die Volksrepublik China wird eine
politische Sensation: Überraschend wird er von Mao
Tse-tung und Regierungschef Chou En-Lai empfangen und führt
mit beiden einen außenpolitischen Gedankenaustausch.
- 1976
- Im Bundestagswahlkampf
engagiert sich Strauß - selbst in der Führungsmannschaft
des Kanzlerkandidaten Helmut Kohl
für den Posten des Vizekanzlers und Finanzministers vorgesehen
- unter der Parole "Freiheit oder Sozialismus" für eine grundsätzliche
geistes- und ideengeschichtliche Auseinandersetzung mit dem politischen
Gegner.
Die Wahlniederlage führt Strauß auf das zögerliche Verhalten
der Christlich
Demokratischen Union (CDU) zurück. Er verkündet daraufhin
die Auflösung der CDU/CSU-Fraktionsgemeinschaft im Bundestag. Erst
als die CDU droht, einen eigenen Landesverband in Bayern zu gründen,
lenkt Strauß im Dezember desselben Jahres ein.
- 1978-1988
- Strauß ist bayerischer Ministerpräsident. Den Schwerpunkt
seiner Tätigkeit legt er auf wirtschaftspolitische Fragestellungen.
Die Verbesserung des Wirtschaftsstandorts Bayern sucht er durch intensive
Auslandskontakte und direkten Kontakt zu großen Industrieunternehmen
zu erreichen.
Persönlich ist Strauß - selbst leidenschaftlicher Flieger
- als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Airbus GmbH an der Weiterentwicklung
der Luftfahrt interessiert.
- 1979
- Strauß erklärt sich bereit, bei den Bundestagswahlen 1980
als Kanzlerkandidat der Union anzutreten. Der CDU-Vorsitzende Kohl schlägt
hingegen den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht
(geb. 1930) vor. Bei einer Probeabstimmung entscheiden sich 135 der
CDU/CSU-Abgeordneten für Strauß und nur 102 für Albrecht
als Kanzlerkandidaten. Strauß wird daraufhin zum Kanzlerkandidaten
von CDU und CSU ernannt.
- 1980
- Oktober: Nach dem Misserfolg als Kanzlerkandidat - die CDU bleibt
mit 44,5 Prozent der Stimmen weit unter dem Ergebnis von 1976 - verzichtet
Strauß auf sein Bundestagsmandat. Er macht jedoch immer wieder
ein Mitspracherecht in bundespolitischen Fragen der CDU/CSU-Fraktion
und eine Koordinierungsfunktion der unionsgeführten Länder
im Bundesrat geltend.
- 1982
- Entgegen der vorherigen Ankündigungen entscheidet sich Strauß
nach dem Kanzlerwechsel
in Bonn, keinen Ministerposten im Kabinett Kohl zu übernehmen und
bleibt Ministerpräsident in Bayern.
Auszeichnung mit dem europäischen Karlspreis der Stadt Aachen.
- 1983
- März: Bei den vorgezogenen
Neuwahlen kandidiert Strauß erneut für ein Bundestagsmandat,
verzichtet nach dem Wahlsieg der CDU/CSU aber wiederum auf sein Bundestagsmandat
und einen Ministerposten.
Aus der Bundespolitik hält sich Strauß keineswegs heraus.
Er kritisiert vor allem die Außen- und Sicherheitspolitik des
FDP-Vizekanzlers Hans-Dietrich
Genscher und entwickelt in den folgenden Jahren zunehmend eigene
außenpolitische "Manöver".
Bislang erbitterter Gegner jeglicher Annäherung an die DDR, vermittelt
Strauß überraschend einen Milliardenkredit an die DDR.
Juli: Im Rahmen einer als privat bezeichneten Reise in die Tschechoslowakei,
Polen und in die DDR trifft Strauß mit dem Staats- und Parteichef der
DDR, Erich Honecker, im Schloß
Hubertusstock am Werbellinsee zusammen.
- 1984
- Strauß wird mit dem südafrikanischen Orden der Guten Hoffnung
ausgezeichnet.
- 1987
- Januar: Nach erneuter Kandidatur bei den Bundestagswahlen verzichtet
Strauß nach Fortsetzung der Koalition mit der F.D.P. wiederum
auf sein Mandat und auf einen Ministerposten. Trotzdem meldet er sich
weiter kritisch zu bundespolitischen Ereignissen zu Wort. Vor allem
ist er ein scharfer Gegner der von Bundeskanzler Kohl eingeleiteten
Abrüstungspolitik.
März: Im Gespräch auf der Leipziger Messe stellt Staats- und
Parteichef Erich Honecker Strauß eine großzügigere
Handhabung der Ausreisegenehmigungen und eine Regelung bei der Zusammenführung
von Familien und in Härtefällen in Aussicht.
Dezember: Zu einem ersten Gespräch mit Michail
Gorbatschow in Moskau reist Strauß mit selbstgesteuerter Cessna
an. Er zeigt sich im Nachhinein von der Offenheit der Gespräche
überrascht.
- 1988
- 1. Oktober: Auf einem Jagdausflug beim Fürsten von Thurn und
Taxis in Regensburg erleidet Strauß einen Zusammenbruch mit kurzfristigem
Herzstillstand.
3. Oktober: Ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben, stirbt Franz
Josef Strauß in einem Regensburger Krankenhaus.
Die Reaktionen im In- und Ausland auf den unerwarteten Tod verdeutlichen
die besondere Rolle des Politikers, der wie wenige die Nachkriegsgeschichte
der Bundesrepublik mitgeprägt und Bayern sein besonderes Profil
gegeben hat.
(db/iz/reh)
© Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
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