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Politiker
- 1922
- 24. Juli: Hans-Jürgen Wischnewski wird in Allenstein/Ostpreußen
als Sohn eines Zollbeamten geboren. Wischnewski beschreibt sein Elternhaus
als "ausgeprägt preußisch, sehr protestantisch und antinazistisch".
- 1927
- Übersiedlung der Familie nach Berlin.
- 1941
- Abitur am Berliner Theodor-Körner Real-Gymnasium.
- 1940-1945
- Wischnewski wird zur Wehrmacht eingezogen. Er dient als Oberleutnant
bei den Panzergrenadieren an der Ostfront.
1945 gerät er in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Die Erfahrungen
des Krieges sind die Basis seines lebenslangen Engagements für
Demokratie und friedliche Konfliktlösungen.
- 1946
- Wischnewski zieht von Berlin nach Straubing in Bayern und wird Metallarbeiter.
Er tritt in die Sozialdemokratische
Partei Deutschlands (SPD) und die IG-Metall
ein.
- 1952
- Nach einer Ausbildung in Arbeits- und Sozialrecht betreut er im Auftrag
der Gewerkschaft Betriebsräte in Köln.
- 1953-1959
- Gewerkschaftssekretär der IG-Metall in Köln.
- 1957
- Wischnewski wird über die Landesliste Nordrhein-Westfalen Mitglied
des Deutschen
Bundestages, dem er bis 1990 - meist als direkt gewählter Abgeordneter
seiner Heimatstadt Köln - angehören wird.
- 1957-1968
- Mitglied des SPD-Bezirksvorstandes Mittelrhein. Auslandsaufenthalte
führen Wischnewski in nahezu alle europäischen Länder.
Er setzt sich für den algerischen Freiheitskampf ein und wird Präsident
der Deutsch-Algerischen Gesellschaft sowie Mitglied des Präsidiums
der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft.
- 1959-1968
- Bundesvorsitzender der Jungsozialisten (JuSos).
- 1961-1965
- Abgeordneter des Europäischen Parlaments.
- 1964-1966
- Wischnewski wird Präsident des Kuratoriums der Deutschen Stiftung
für Entwicklungshilfe. Er bekleidet dieses Amt erneut 1970-1971.
- 1966-1968
- Obwohl ursprünglich Gegner der Großen
Koalition, wird Wischnewski im Kabinett Kurt
Georg Kiesinger als Nachfolger von Walter
Scheel Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit.
- 1968-1972
- Bundesgeschäftsführer der SPD. In dieser Funktion mahnt
er bei seiner Partei Geschlossenheit an und fordert eine deutliche Abgrenzung
zum Kommunismus. Wischnewski leitet 1969 den erfolgreichen Wahlkampf
seiner Partei, die schließlich den Machtwechsel
in Bonn schafft. Seine Hoffnung, in der SPD/FDP-Koalitionsregierung
unter Willy Brandt erneut
mit dem Entwicklungsressort betraut zu werden, erfüllt sich nicht.
- 1970
- September: Wischnewski, der wegen seiner guten Kontakte zur arabischen
Welt auch "Ben Wisch" genannt wird, fliegt nach Amman/Jordanien.
Er setzt sich dort für die Freilassung der Passagiere aus drei
von palästinensischen Terroristen gekidnappten Flugzeugen ein.
Die Geiseln werden dank seiner Intervention freigelassen.
Reisen in verschiedene arabische Staaten, um die Wiederaufnahme diplomatischer
Beziehungen zu erreichen.
- 1970-1985
- Mitglied des Parteivorstandes der SPD und des Parteipräsidiums.
- 1972
- 18. Juli: Wischnewski wird einer der 18 Beisitzer der SPD-Fraktion
und übernimmt im Parteivorstand den Vorsitz der Kommission für
internationale Beziehungen.
- 1974-1976
- In der sozialliberalen Regierung von Helmut
Schmidt ist Wischnewski Staatsminister im Auswärtigen Amt.
- 1976-1979
- Dezember 1976: Wischnewski wechselt als Staatsminister ins Kanzleramt
und ist Bevollmächtigter der Bundesregierung
in Berlin. Immer wieder wird er mit diplomatischen Sondermissionen betraut.
- 1977
- Oktober: Wischnewski wirkt in Zusammenhang mit der Entführung
von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin
Schleyer und der Lufthansa-Maschine "Landshut" als Krisenmanager.
Durch seine Verhandlungen mit der somalischen Regierung können
90 von palästinensischen Terroristen festgehaltene Geiseln auf
dem Flughafen von Mogadischu von der deutschen Anti-Terror-Gruppe "GSG-
9" befreit werden. Die Presse feiert ihn als "Held von Mogadischu".
- 1978
- Heirat mit Katharina de
Kiff, einer Kölner Lederfabrikantin.
- 1979
- Dezember: Wischnewski wird auf dem Berliner Parteitag der SPD zum
Stellvertreter des Parteivorsitzenden Willy Brandt gewählt. Innerparteilich
prägt er entscheidend den "Seeheimer Kreis" mit, der
sich für eine pragmatische, an den finanziellen Machbarkeiten des
Sozialstaats orientierte Politik einsetzt.
- 1981
- April: Im Auftrag der Sozialistischen Internationalen sondiert er
auf einer Mittelamerika-Reise Chancen für eine politische Lösung
in El Salvador. Wischnewski trifft auch mit dem kubanischen Präsidenten
Fidel Castro (geb.1926) zusammen.
November: Wischnewski übernimmt den Vorsitz des außenpolitischen
Arbeitskreises der SPD.
- 1982
- April: Auf dem SPD-Parteitag verzichtet er auf eine erneute Kandidatur
für das Amt des Stellvertretenden Parteivorsitzenden und kehrt
auf Wunsch von Helmut Schmidt als Staatsminister in das Kanzleramt zurück.
Oktober: Mit der Abwahl von Bundeskanzler Schmidt endet auch Wischnewskis
Amtszeit als Staatsminister.
- 1983
- März: Nach dem Wahlsieg
der CDU übernimmt Wischnewski
- den stellvertretenden Vorsitz des Auswärtigen Ausschusses der
SPD-Fraktion.
August: Besuch mehrerer arabischer Staaten und Israels.
November: Auf dem SPD-Parteitag in Köln wendet sich Wischnewski
gemeinsam mit Helmut Schmidt und 14 weiteren Genossen gegen das Nein
des Parteivorstands in der Frage des NATO-Doppelbeschlusses
und der Stationierung von US-Atomraketen in Deutschland.
- 1984-1985
- SPD-Schatzmeister ("Ben Scheck"). Er fordert die Einstellung
des verlustreichen Parteiorgans "Vorwärts" und andere
Einsparungen im Parteihaushalt. Seine Bemühungen scheitern. Differenzen
mit dem Vorsitzenden der Fraktion im Bundestag, Hans-Jochen
Vogel führen zu seinem Rücktritt als Schatzmeister. Wischnewski
legt auch seinen Sitz in Präsidium und Vorstand der SPD nieder.
- 1986-1996
- Vorsitzender des Nahost-Ausschusses der Sozialistischen Internationale.
Als Krisenmanager ist Wischnewski jedoch weit über den Nahen Osten
hinaus aktiv:
1986 erreicht er in Nicaragua die Freilassung von acht durch die Contras
entführten Deutschen. Außerdem vermittelt er zwischen der
nicaraguanischen Regierung und den Contras einen Waffenstillstand, der
den Weg zu freien Wahlen in dem mittelamerikanischen Land ebnet.
1987 setzt er sich in Teheran und Beirut für die Freilassung der
deutschen Firmenrepräsentanten Rudolf Cordes und Alfred Schmidt
ein. Wischnewski tritt bei der Bundesregierung für die Wiederaufnahme
von Entwicklungs- und Kapitalhilfe an Nicaragua ein. In Lateinamerika
wird er unter dem Namen "Comandante Hans" bekannt.
1990: Als Sonderbeauftragter der NRW-Landesregierung setzt er sich in
Jugoslawien für die Rückkehr von 5000 in nordrhein-westfälischen
Übergangslagern lebenden Roma in ihre Heimat ein. Wischnewski ist
obendrein Verfechter des Selbstbestimmungsrechts der Palästinenser.
Anfang der 1990er Jahre vermittelt er Kontakte zwischen der israelischen
Regierung und der PLO.
- 1990
- Bei der ersten Gesamtdeutschen
Bundestagswahl kandidiert Wischnewski nicht mehr.
- 1996
- Im Auftrag des angeschlagenen Kölner Klöckner-Humboldt-Deutz-(KHD)-Konzerns
verhandelt er gemeinsam mit der Bundesregierung in Saudi Arabien für
die Rettung des Konzerns.
- 1997
- Auszeichnung mit dem höchsten palästinensischen Orden durch
Palästinenserpräsident Jassir Arafat (1929-2004). Außerdem
bringt die Autonomiebehörde anlässlich seines 75. Geburtstages
eine Briefmarke mit seinem Konterfei heraus, was Wischnewski als leidenschaftlicher
Briefmarkensammler besonders freut: "Briefmarken sind das Geschichtsbuch
eines Landes".
- 2002
- Tod seiner zweiten Frau.
- 2004
- Obwohl nach zwei Herzinfarkten und mehreren Hüftoperationen
an den Rollstuhl gefesselt, besucht Wischnewski den libyschen Revolutionsführer
Muammar al-Gaddafi (geb.1942) und reist zur Trauerfeier für Jassir
Arafat nach Kairo.
- 2005
- Wischnewski wird mit Atemproblemen ins Krankenhaus eingeliefert.
24. Februar: Hans-Jürgen Wischnewski stirbt mit 82 Jahren in Köln.
Aus seiner ersten Ehe hatte er drei Kinder.
Veröffentlichungen:
- Nord-Süd-Konflikt -
Beitrag zur Entwicklungspolitik, 1969
- SPD-CDU-CSU - Ein synoptischer
Vergleich der programmatischen Erklärungen der drei Parteien (Hrsg.)
- Mit Leidenschaft und Augenmaß.
Politische Memoiren, 1989
(sw)
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