1929 - 2011

 

Christa Wolf

Photo: Christa Wolf, 1968

Schriftstellerin

1929
18. März: Christa Wolf wird als Tochter eines Kaufmanns in Landsberg an der Warthe/Neumark im heutigen Polen geboren.
1945
Flucht der Familie nach Mecklenburg. Anschließend Besuch der Oberschule in Gammeln bei Schwerin.
1949
Abitur in Bad Frankenhausen/Thüringen und Eintritt in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED).
1949-1953
Studium der Germanistik in Jena und Leipzig.
1951
Heirat mit dem Schriftsteller Gerhard Wolf. Aus der Ehe gehen zwei Töchter hervor.
1953-1962
Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Schriftstellerverband (1953-1959).
Ab 1956 ist sie zusätzlich Cheflektorin des Verlages "Neues Leben" in Berlin und 1958/59 Redakteurin der Zeitschrift "Neue Deutsche Literatur".
Von 1959 bis 1962 arbeitet sie als freie Mitarbeiterin des "Mitteldeutschen Verlages" in Halle.
1961
Veröffentlichung ihres ersten Prosawerkes "Moskauer Novelle", das in der DDR große Beachtung erlangt, in der Bundesrepublik allerdings nicht veröffentlicht wird.
seit 1962
Arbeit als freiberufliche Schriftstellerin. Ihren ersten großen Erfolg erzielt sie mit dem Roman "Der geteilte Himmel", der sich mit der Problematik des geteilten Deutschlands auseinandersetzt. 1963 wird sie dafür mit dem Heinrich-Mann-Preis ausgezeichnet und 1964 wird die Geschichte verfilmt.
1963-1967
Kandidatin des Zentralkomitees der SED. Nach einer kritischen Rede scheidet sie aus dem Gremium aus.
1968
Ihre Etablierung im Literaturbetrieb erreicht Christa Wolf mit der Erzählung "Nachdenken über Christa T". Darin wird der Konflikt zwischen der historischen Entwicklung der Gesellschaft und den individuellen Ansprüchen der Protagonistin geschildert.
1974
Mitglied der Akademie der Künste der DDR. Ab 1981 auch Mitglied der gleichnamigen Akademie in West-Berlin.
1976
Mitinitiatorin des Protestes gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann.
seit 1978
Gastvorträge in den USA, Schottland, Italien, der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland.
1980
Auszeichnung mit dem Georg-Büchner-Preis.
1983
Veröffentlichung ihres Romans "Kassandra", der nach eigenen Angaben eine "Schlüsselerzählung" ist. Inhaltlicher Schwerpunkt liegt auf der Darstellung des Geschlechterkonfliktes und der Gefährdung des Friedens, wofür sie die homerische Figur der Kassandra zur Hilfe nimmt.
1987
Auszeichnung mit dem Nationalpreis I. Klasse der DDR.
1989/90
Austritt aus der SED. Christa Wolf spricht sich dafür aus "aus dem eigenen Land heraus Veränderungen" zu bewirken.
28. November: Wolf gehört mit Stefan Heym und Friedrich Schorlemmer zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs "Für unser Land". Sie setzt sich darin für die Weiterexistenz der DDR und gegen die befürchtete "Vereinnahmung" durch die Bundesrepublik ein.
Die Veröffentlichung der Erzählung "Was bleibt" (1990), die mit autobiographischen Zügen die Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR schildert, führt zu einer Diskussion über die Mitschuld der Intellektuellen in der DDR.
Nachdem sie als "Verfechterin des Sozialismus" und "Opponentin" des SED-Staates angegriffen wird, zieht sie sich aus der politischen Öffentlichkeit zurück.
1990
Die Universität Hildesheim verleiht ihr die Ehrendoktorwürde.
1992/93
Stipendiatin des Getty Centers in Santa Monica (Kalifornien/USA).
1993
In einem Interview bekennt Christ Wolf sich öffentlich dazu, zwischen 1959 und 1962 "Informelle Mitarbeiterin" des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR gewesen zu sein. Unter dem Titel "Akteneinsicht Christa Wolf" veröffentlicht sie die Akte, die sich mit dieser Zeit beschäftigt. Daneben liegen 42 Bände vor, die die auf sie angesetzte Stasi-Überwachung zwischen 1969 und 1989 dokumentieren. Aus der Akademie der Künste tritt sie aufgrund der Diskussion um ihre Person aus, wird aber 1994 wieder aufgenommen.
1994
Veröffentlichung einer Sammlung von Texten aus den letzten vier Jahren, die sehr intim ihre Empfindungen und Verletzungen seit der Wiedervereinigung Deutschlands wiedergeben.
1996
Veröffentlichung des Romans "Medea - Stimmen", in dem sie wie bei "Kassandra" eine Gestalt aus der antiken Sagenwelt für sich sprechen lässt.
1999
In "Hierzulande, Andernorts", einer Sammlung von Reden, Aufsätzen und Erzählungen zieht Wolf zehn Jahre nach dem Fall der Mauer und dem Scheitern "ihres" Staates Bilanz: Sie erklärt die Trauerarbeit für beendet, geblieben sei ein "Phantomschmerz".
2002
Erscheinen der autobiographisch gefärbten Erzählung "Leibhaftig". Darin wird der kranke Körper der Heldin zum Symbol des allgemeinen Zusammenbruchs der DDR.
Ehrung mit dem Deutschen Bücherpreis, verliehen vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.
2003
Veröffentlichung von "Ein Tag im Jahr: 1960-2000". Es handelt sich um ein biografisches Dokument, das neben der persönlichen Geschichte der Autorin auch den Alltag und die politische Situation in der DDR beleuchtet.
2010
In ihrem letzten Roman "Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud" stellen die Hinterlassenschaften der DDR wieder das zentrale Thema dar. Wolf wählt als Hauptschauplatz Kalifornien und reflektiert ihre Erfahrungen in der Nachwendezeit mit dem Erschrecken über die Auswirkungen des Kapitalismus wie dem Elend der Schwarzen in Kalifornien.
2011
1. Dezember: Christa Wolf stirbt nach langer schwerer Krankheit in einem Krankenhaus in Berlin.

(iz/nc/reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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