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MfS-Gefangenentransportwagen

In der DDR betreibt das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), die Geheimpolizei, eigene Untersuchungshaftanstalten. Dort nimmt es Verdächtige vor deren Gerichtsprozess in Gewahrsam. Soll ein Häftling an einen anderen Ort verlegt werden, wird er mit einem Gefangenentransportwagen befördert. Von außen ist die Funktion dieser Transporter nicht erkennbar. Sie werden als zivile Lieferwagen getarnt, um kein Aufsehen zu erregen. Der Gefangenentransportwagen steht beispielshaft für die Überwachungsmethoden und die Arbeit des MfS. Mit dem Originalobjekt kann der Einstieg ins Thema „Arbeit und Methoden der Staatssicherheit" erfolgen.

Für den Unterricht

Beschreiben und untersuchen: Anhand der Objekt-Informationen inklusive Foto zum Gefangenentransportwagen können Schülerinnen und Schüler eine Objektbeschreibung mit folgenden Kategorien anfertigen: Farbe, Material, Baujahr, Hersteller, Anzahl der Zellen, Besonderheiten.

Herausarbeiten und Diskutieren: In den Artikeln Aufbau des MfS und Überwachung erfahren Schülerinnen und Schüler, für welche Aufgaben die Staatsicherheit zuständig ist und welche Methoden sie anwendet. Anhand dieser Informationen lässt sich diskutieren: Welche Grundrechte, die auch die DDR-Verfassung garantiert, verletzt das MfS bei seiner Arbeit regelmäßig?

Erschließen: Die Zeitzeugen Gustave Roosen und Christine Resties berichten von persönlichen Erfahrungen mit der Staatssicherheit. Die Schülerinnen und Schüler können unter anderem herausarbeiten, wie das MfS Inoffizielle Mitarbeiter zu gewinnen versucht und wie es aus dem Hintergrund Einfluss auf Menschen ausübt. Gleichzeitig regen die persönlichen Urteile von Rossen und Resties dazu an, den quellenkritischen Umgang mit Zeitzeugenaussagen zu diskutieren.

Stellung nehmen: Die Staatssicherheit legt Geruchsproben von zehntausenden Personen an und sammelt diese. Die Schülerinnen und Schüler können zunächst eigene Überlegungen darüber anstellen, wofür diese Proben verwendet werden. Anschließend diskutieren sie in Gruppen, ob heutige Geheimdienste ähnliche, gegebenenfalls moderne Methoden nutzen und arbeiten Unterschiede und Gemeinsamkeiten heraus.

Für den Museumsbesuch

In der Dauerausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig können die Schülerinnen und Schüler den Gefangenentransportwagen genau beschreiben: Ist er von außen als solcher zu erkennen? Welche Größe haben die Zellen? Wie halten sich die Gefangenen darin auf? Was macht es ihnen unmöglich, sich während der Fahrt zu orientieren?

Auf dem Bildschirm im Fahrzeug erklären Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, wie sie den Transport und die Haft beim MfS erlebt haben. Die Schülerinnen und Schüler können herausarbeiten, was die Zeitzeugen über ihre persönlichen Erfahrungen mit der Staatssicherheit berichten. Dabei können sie auch den quellenkritischen Umgang mit Zeitzeugenaussagen diskutieren.

Am Fahrzeug zeigt eine DDR-Karte, wo sich Dienststellen des Ministeriums für Staatssicherheit befinden. Die Schülerinnen und Schüler können sich einen Überblick über die regionale Struktur des MfS verschaffen und die Zahl der Mitarbeiter 1965 und 1989 vergleichen. Anhand der Ergebnisse schätzen sie ein, wie real das in den 1980er Jahren häufig beschriebene Gefühl ständiger Überwachung für die Menschen in der DDR ist.

Arbeitsmittel der Geheimpolizei finden die Schülerinnen und Schüler in der Raumecke, die dem Gefangenentransportwagen gegenüberliegt. Anhand dieser Gegenstände können sie beschreiben, welche Methoden die Staatssicherheit anwendet.

Warum überwacht das MfS in den 1980er zahllose Akteure und Initiativen, die aus heutiger Sicht gesellschaftlich sinnvolle Ziele verfolgen? Rechts neben den Überwachungsmonitoren werden mehrere solcher Aktionen vorgestellt. Die Schülerinnen und Schüler können anhand der originalen Quellen einzuschätzen versuchen, warum die Staatssicherheit sie für gefährlich hält.

lo