Helmut Kohl geb. 1930

Helmut Kohl ist ein deutscher CDU-Politiker und von 1982 bis 1998 der sechste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Der „Kanzler der Einheit“ gestaltet den Prozess der deutschen Wiedervereinigung maßgeblich mit und setzt die Erweiterung der Europäischen Union unter anderem mit der Einführung des Euro fort. Sein politisches Ansehen wird von der CDU-Parteispendenaffäre (1999) überschattet.

  • 1930

    3. April: Helmut Josef Michael Kohl wird als jüngstes von drei Kindern des Finanzbeamten Hans Kohl und seiner Frau Cäcilie (Geburtsname: Schnur) in Ludwigshafen am Rhein geboren.

  • 1946
  • 1947

    Mitbegründer der Jungen Union in Ludwigshafen.

  • 1950

    Abitur an der Oberrealschule in Ludwigshafen.

  • 1950-1956

    Studium der Rechts-, Sozial- und Staatswissenschaften sowie der Geschichte an den Universitäten Frankfurt/Main und Heidelberg.

  • 1953

    Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der CDU Rheinland-Pfalz.

  • 1954-1961

    Stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union Rheinland-Pfalz.

  • 1955-1966

    Mitglied des Landesvorstandes der CDU Rheinland-Pfalz.

  • 1956-1958

    Wissenschaftlicher Mitarbeiter des politischen Seminars im Alfred-Weber-Institut der Universität Heidelberg.

  • 1958

    Promotion zum Dr. phil. mit einer Arbeit über "Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945".

  • 1958/59

    Direktionsassistent bei einer Ludwigshafener Eisengießerei.

  • 1959-1962

    Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Ludwigshafen.

  • 1959-1969

    Referent des "Industrieverbandes Chemie" in Ludwigshafen.

  • 1959-1976

    Mitglied des Landtages von Rheinland-Pfalz, wo er ab 1961 stellvertretender Vorsitzender und ab 1963 Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion ist.

  • 1960

    Heirat mit der Diplomdolmetscherin Hannelore Renner. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor.

  • 1960

    Kohl wird Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion in Ludwigshafen.

  • 1966-1973

    Landesvorsitzender der CDU Rheinland-Pfalz.

  • 1966-2000

    Mitglied des Bundesvorstandes der CDU.

  • 1969-1973

    Stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU.

  • 1969-1976

    Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Von 1969 bis 1971 regiert Kohl mit einer christlich-liberalen Koalition. Nach den Landtagswahlen im Mai 1971, bei denen die CDU die absolute Mehrheit erreicht, kann Kohl eine CDU-Alleinregierung bilden. In dieser Zeit initiiert er vor allem eine umfangreiche Gebiets- und Verwaltungsreform in Rheinland-Pfalz und reformiert zusammen mit Heiner Geißler (geb. 1930) das Sozial- und Gesundheitswesen des Landes.

  • 1973-1998

    Parteivorsitzender der CDU. 1971 unterliegt Kohl bei der Wahl für den Parteivorsitz noch Rainer Barzel.

  • 1975

    Die Präsidien von CDU und Christlich Sozialer Union (CSU) tragen Kohl die Kanzlerkandidatur an. Veröffentlichung der Schrift "Die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland".

  • 1976-2002

    Mitglied des Bundestages.

  • 1976-1982

    Kohl gibt das Amt des Ministerpräsidenten in Rheinland-Pfalz ab und wird in Bonn als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Oppositionsführer.

    Nach den Bundestagswahlen 1976, die nicht zu einem Regierungswechsel führen, beschließt die CSU die Trennung von der CDU. Kohl besteht aber auf der gemeinsamen Fraktion unter seiner Führung und setzt sich damit gegen Franz Josef Strauß und die CSU durch. Dafür wird der Schwesterpartei ein größeres Gewicht in den Fraktionsgremien zugesprochen.

  • 1980

    Kohls Favorit, der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (geb. 1930), unterliegt im Ringen um die Kanzlerkandidatur Franz Josef Strauß.

    Bei den Bundestagswahlen muss die CDU/CSU hohe Verluste hinnehmen. Kohl bleibt danach Oppositionsführer in Bonn, pflegt persönliche Kontakte zum Vorsitzenden der Freien Demokratischen Partei (FDP), Hans-Dietrich Genscher und kritisiert weiterhin die Politik der Regierung Schmidt.

  • 1981

    Veröffentlichung der Schrift "Die CDU - Portrait einer Volkspartei".

  • 1982

    20. September: Die CDU/CSU und die FDP nehmen Koalitionsgespräche auf und einigen sich darauf, Bundeskanzler Helmut Schmidt am 1. Oktober 1982 durch ein konstruktives Misstrauensvotum zu stürzen.

    Als Kanzlerkandidat der Union wird Helmut Kohl nominiert.

    1. Oktober: Der Bundestag wählt durch ein konstruktives Misstrauensvotum Helmut Kohl zum 6. Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

    13. Oktober: Kohl gibt seine Regierungserklärung ab. Darin bekennt er sich zum NATO-Nachrüstungsbeschluss und zur Fortführung guter Beziehungen zur DDR bei entsprechenden Gegenleistungen.

    17. Dezember: In einer verfassungsrechtlich fragwürdigen Abstimmung über die von Kohl gestellte Vertrauensfrage im Bundestag erreicht Kohl, gemäß vorheriger Absprache, keine Mehrheit. Damit wird der Weg zu Neuwahlen am 6. März 1983 geebnet.

  • 1983

    20./21. Januar: Im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Freundschaftsvertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich nimmt Kohl an einer Feierstunde im Pariser Élysée-Palast teil.

    6. März: Bei den vorgezogenen Neuwahlen können die CDU/CSU und die FDP einen klaren Sieg verzeichnen. Am 29. März wird Kohl vom Bundestag als Bundeskanzler bestätigt.

    4. Mai: Bundeskanzler Kohl bezeichnet in seiner Regierungserklärung den Abbau der Arbeitslosigkeit, die Wiedergewinnung wirtschaftlichen Wachstums und die Sanierung der Bundesfinanzen als Schwerpunkte der Regierungstätigkeit.

    4.-7. Juli: Bundeskanzler Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher statten der Sowjetunion einen offiziellen Besuch ab, der eine neue und bessere Qualität der gegenseitigen Beziehungen begründen soll.

    Veröffentlichung der Schrift "Der Weg zur Wende. Von der Wohlfahrtsgesellschaft zur Leistungsgemeinschaft".

  • 1984

    24. Januar: Kohl trifft zu einem fünftägigen Besuch in Israel ein. In den Gesprächen mit der israelischen Regierung kommt es zu ernsten Auseinandersetzungen über die Nahostpolitik der Bundesrepublik. Streitpunkt sind geplante Waffenverkäufe der Bundesrepublik an Saudi-Arabien.

    13. Februar: Am Vorabend der Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen sowjetischen Staats- und Parteichef Jurij Andropow (1914-1984) treffen Kohl und der Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, in Moskau erstmals persönlich zusammen.

    22. September: Kohl und der französische Staatspräsident François Mitterrand gedenken in Verdun gemeinsam der Toten beider Weltkriege. Dabei kommt es zu einer international viel beachteten Szene: Während die Nationalhymnen erklingen, stehen beide Politiker minutenlang Hand in Hand nebeneinander und demonstrieren so die Verbundenheit beider Völker.

    7. Oktober: In Begleitung zahlreicher Vertreter der deutschen Wirtschaft trifft Kohl zu einem sechstägigen Besuch der Volksrepublik China in Peking ein. Im Verlauf der Visite werden eine Reihe von Vereinbarungen über eine intensivere Zusammenarbeit auf ökonomischem Gebiet getroffen.

  • 1985

    18. April: In seiner Regierungserklärung unterstützt Kohl das amerikanische Forschungsprojekt für ein Weltraumraketenabwehrsystem (SDI), lässt aber die Beteiligung der Bundesrepublik offen.

    5. Mai: Kohl legt gemeinsam mit US-Präsident Ronald Reagan Kränze an der Gedenkstätte Bergen-Belsen und auf dem Soldatenfriedhof Bitburg nieder. Dies stößt in der Öffentlichkeit auf Kritik, weil in Bitburg auch Angehörige der Waffen-SS beerdigt sind.

    16. Juni: Kohl nimmt am Deutschlandtreffen der Schlesier teil, obwohl Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Verbandsorgan "Der Schlesier" wegen seiner Rede am 8. Mai massiv angegriffen worden war. Kohl bekräftigt auf dem Schlesiertreffen in Hannover die Unverletzlichkeit der Grenzen.

  • 1986

    3. Februar: Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, dass der Bundestagsabgeordnete Otto Schily (Die Grünen) gegen Kohl Strafanzeige wegen des Verdachts der Falschaussage vor den Untersuchungsausschüssen im Bundestag und im Mainzer Landtag in der Parteispenden-Affäre erstattet hat. Am 20. Februar nimmt die Koblenzer Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Kohl auf, das am 20. Mai aus Mangel an Beweisen eingestellt wird.

    15. Oktober: In einem Interview mit dem US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" stellt Kohl den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow in engen Zusammenhang mit NS-Propagandaminister Joseph Goebbels: "Er ist ein moderner kommunistischer Führer, der sich auf Public Relations versteht. Goebbels, einer von jenen, die für die Verbrechen der Hitler-Ära verantwortlich waren, war auch ein Experte für Public Relations". Am 6. November distanziert Kohl sich von seinen Aussagen, ist jedoch nicht zu einer offiziellen Entschuldigung bereit. Das Interview belastet die deutsch-sowjetischen Beziehungen erheblich.

    26. November: Gegen die Howaldtwerke-Deutsche Werft (HDW) in Kiel wird ermittelt, weil sie Konstruktionspläne für U-Boote illegal an Südafrika verkauft haben soll. Zwei Tage später wird in Bonn bestätigt, dass Kohl informelle Gespräche über den Verkauf von U-Booten an Südafrika geführt hat. Am 18. Dezember setzt der Bundestag einen Untersuchungsausschuss ein, der sich mit den Vorgängen befassen soll.

  • 1987

    4. Januar: Auf dem Deutschlandtreffen der CDU in Dortmund bezeichnet Helmut Kohl die DDR als Regime, das "politische Gefangene in Gefängnissen und Konzentrationslagern hält". Wegen des Begriffs Konzentrationslager legt der Ständige Vertreter der DDR in Bonn zwei Tage später offiziellen Protest ein.

    11. März: Nach den Bundestagswahlen vom 25. Januar, bei denen sich die christlich-liberale Koalition mit einer klaren Mehrheit behauptet, wählt der Bundestag Kohl erneut zum Bundeskanzler.

    4. Juni: In einer Regierungserklärung plädiert Kohl für die sogenannte doppelte Null-Lösung zum Abbau der Mittelstreckenraketen in Europa.

    5. Juli: Bundeskanzler Kohl und der französische Ministerpräsident Jacques Chirac gedenken in Reims und Colombey-les-deux-Eglises gemeinsam der Aussöhnung zwischen Frankreich und der Bundesrepublik vor 25 Jahren durch Charles de Gaulle und Konrad Adenauer.

    7.-11. September: Bundeskanzler Kohl trifft mit dem Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, zusammen, der zum ersten Mal die Bundesrepublik Deutschland besucht. Es werden Abkommen zum Umwelt- und Strahlenschutz sowie über die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik vereinbart.

  • 1988

    1. November: Bundeskanzler Kohl und der französische Staatspräsident François Mitterrand werden für ihre Verdienste um die europäische Einigung mit dem Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet.

  • 1989

    10. November: Aufgrund der Öffnung der innerdeutschen Grenzen bricht Kohl einen Polen-Besuch ab, um am Abend vor dem Schöneberger Rathaus in West-Berlin auf einer Kundgebung zu sprechen.

    11. November: Kohl und SED-Generalsekretär Egon Krenz sprechen telefonisch über eine Intensivierung der Zusammenarbeit und einigen sich auf eine baldige persönliche Begegnung.

    16. November: Kohl sichert der DDR wirtschaftliche Hilfe zu, sobald ein grundlegender Wandel des politischen und wirtschaftlichen Systems in der DDR beschlossen ist.

    28. November: Kohl legt ein "Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas" vor, das letztendlich zur Wiedervereinigung Deutschlands führen soll, vor.

    19./20. Dezember: Kohl trifft zu Gesprächen mit DDR-Ministerpräsident Hans Modrow in Dresden zusammen. Beide Regierungschefs vereinbaren Verhandlungen über eine deutsch-deutsche Vertragsgemeinschaft. Kohl wird bei seiner Ansprache vor der Ruine der Frauenkirche von der Bevölkerung bejubelt.

  • 1990-1998

    Kohl wird unter anderem die Ehrendoktorwürde der Universitäten Tel Aviv, Maryland, Lublin, Harvard/USA (1990), Salamanca (1991), der philippinischen Anteno-Universität (1996) und der jüdisch-amerikanischen Brandeis-Universität (1998) verliehen.

  • 1990

    5. Februar: In West-Berlin einigen sich die CDU der DDR, die Deutsche Soziale Union (DSU) und der Demokratische Aufbruch (DA) auf das Wahlbündnis "Allianz für Deutschland" für die Volkskammerwahlen am 18. März. Kohl kündigt die Unterstützung seiner Partei für das Wahlbündnis an.

    7. Februar: Unter Vorsitz von Kohl konstituiert sich ein Kabinettsausschuss "Deutsche Einheit". Kohl schlägt der DDR sofortige Verhandlungen über eine Währungsunion mit Wirtschaftsreform vor. Anlass ist der nicht abreißende Übersiedlerstrom aus der DDR.

    10. Februar: Bei einem Treffen zwischen Kohl und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow in Moskau gibt Gorbatschow die Zusicherung, dass die UdSSR einer Wiedervereinigung Deutschlands nicht im Wege stünde.

    13./14. Februar: In Bonn vereinbaren DDR-Ministerpräsident Hans Modrow und Kohl die Einsetzung einer gemeinsamen Kommission zur Vorbereitung der angebotenen Währungsunion mit Wirtschaftsreform. Sie finden keine Einigung über eine Soforthilfe der Bundesregierung zur wirtschaftlichen Stabilisierung der DDR und über die Bündniszugehörigkeit eines geeinten Deutschlands.

    14.-16. Juli: Kohl trifft in der Sowjetunion mit Präsident Gorbatschow zu Gesprächen zusammen: Gorbatschow billigt dabei einem vereinten Deutschland die volle Souveränität und die freie Wahl der Bündniszugehörigkeit zu.

    1./2. Oktober: Nach dem Zusammenschluss der beiden christdemokratischen Parteien Deutschlands in Hamburg wird Kohl zum Vorsitzenden der CDU Deutschlands und Lothar de Maizière zu seinem Stellvertreter gewählt.

    9. November: In Bonn unterzeichnen Bundeskanzler Kohl und der sowjetische Staatspräsident Gorbatschow den "Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit".

    2. Dezember: Bei den ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen erreicht die CDU/CSU 43,8 Prozent und die FDP 11 Prozent der Stimmen. Damit bleibt die christlich-liberale Regierungskoalition bestehen.

    Veröffentlichung der Schrift "Deutschlands Zukunft in Europa".

  • 1991

    17. Januar: Wiederwahl zum Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und zugleich erster Regierungschef des wiedervereinigten Deutschland.

    16. Oktober: Kohl und der französische Staatspräsident François Mitterrand präsentieren das Projekt eines gemeinsamen Armeecorps mit 50.000 Soldaten.

  • 1992

    27. März: Trotz Kritik des Jüdischen Weltkongresses trifft Kohl in München den österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim (1918-2007), der wegen seiner Vergangenheit als Wehrmachtsoffizier international isoliert ist.

    Juli: Die Bundesregierung beschließt die Teilnahme von Schiffen der Bundesmarine an der Überwachung des UN-Embargos gegen Restjugoslawien.

    25. August: In Berlin unterzeichnen Kohl, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen (geb. 1941) und der brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe (geb. 1936) den "Hauptstadt-Vertrag".

  • 1993

    2. Februar: Der russische Präsident Boris Jelzin und Bundeskanzler Kohl rufen in einem Briefwechsel anlässlich des 50. Jahrestages der Beendigung der Schlacht von Stalingrad zu Versöhnung und Partnerschaft zwischen Deutschland und Russland auf.

    2. Juli: Der Bundestag billigt den Einsatz von rund 1.700 Bundeswehrsoldaten bei der UNO- Friedensaktion in Somalia.

  • 1994

    14. Januar: Eine Allparteienrunde unter Kohls Leitung einigt sich auf den Umzug von Regierung und Parlament nach Berlin spätestens zum Jahr 2000.

    8. September: Anlässlich der Abschiedsfeier für die seit 1945 in Deutschland stationierten westalliierten Truppen der USA, Großbritanniens und Frankreichs begrüßt Kohl in Berlin den französischen Staatspräsidenten François Mitterrand (1916-1996), den britischen Premierminister John Major (geb. 1943) und US-Außenminister Warren Christopher (geb. 1925).

    15. November: Der Bundestag wählt Kohl zum fünften Mal zum Bundeskanzler.

  • 1995

    8./9. Mai: In Europa wird an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 50 Jahren erinnert. Die Gedenkfeiern stehen im Zeichen der Versöhnung mit der Vergangenheit, das zeigt sich besonders darin, dass auch der deutsche Bundespräsident Roman Herzog und Bundeskanzler Kohl zu den Feiern der Siegermächte geladen werden.

    Das Institut für hebräische Studien an der Hebräischen Universität Jerusalem wird nach Kohl benannt.

  • 1996

    31. Oktober: Kohl feiert sein Amtsjubiläum: An diesem Tag überrundet er als nun dienstältester Kanzler mit 5145 Amtstagen jeden seiner Vorgänger.

    9. Dezember: Bundeskanzler Kohl und der französische Staatspräsident Jacques Chirac beschließen eine gemeinsame deutsch-französische Konzeption zur Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

    Kohl unterstützt die Einrichtung eines von früheren DDR-Dissidenten gegründeten Bürgerbüros für ehemalige SED-Opfer.

  • 1997

    21. Januar: Kohl und der tschechische Regierungschef Václav Klaus (geb. 1941) unterzeichnen in Prag die deutsch-tschechische Aussöhnungserklärung.

    3. April: Kohl kündigt in Bad Hofgastein/Österreich seine Kandidatur für die Bundestagswahl 1998 an.

    17. Juni: Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU) beenden ihr Gipfeltreffen mit der Einigung auf den Vertrag von Amsterdam, in dem mehr Kooperation in der Beschäftigungs-, Außen- und Justizpolitik vereinbart wird.

    17. Juli: Kohl, der italienische Ministerpräsident Romano Prodi (geb. 1939) und Österreichs Regierungschef Viktor Klima (geb. 1947) vereinbaren in Innsbruck/Österreich die Abschaffung der österreichischen Grenzkontrollen zu den beiden Nachbarstaaten zum 1. April 1998.

  • 1998

    13. Mai: Anlässlich der Feiern zum 50. Jahrestag der Berliner Luftbrücke empfängt Bundeskanzler Kohl US-Präsident Bill Clinton zu einem Deutschlandbesuch.

    23. April: Der Bundestag stimmt mit großer Mehrheit für die Teilnahme Deutschlands an der Europäischen Währungsunion, mit der am 1. Januar 1999 der Euro eingeführt wird.

    27. September: Bei der Bundestagswahl wird erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine amtierende Regierung abgelöst. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) erreicht zusammen mit Bündnis 90/Die Grünen die Mehrheit. Noch am Wahlabend übernimmt Kohl die Verantwortung für die Wahlniederlage seiner Partei und erklärt, dass er auf dem vorgezogenen Parteitag im November nicht wieder für den Parteivorsitz kandidieren werde.

    20. Oktober: Kohl wird vom polnischen Staatspräsidenten für seine Verdienste um die deutsch-polnische Zusammenarbeit mit der höchsten polnischen Auszeichnung, dem Orden des Weißen Adlers, geehrt.

    25. Oktober: Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union beschließen, Kohl zum Ehrenbürger Europas zu ernennen. Diese Ehrung ist zuvor nur Jean Monnet zuteil geworden.

    26. Oktober: Mit der Konstituierung des neuen Bundestages endet die Amtszeit von Kohl als Bundeskanzler.

    Bundespräsident Roman Herzog verleiht Kohl das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik mit Lorbeerkranz. Diese Auszeichnung ist zuvor nur an Konrad Adenauer vergeben worden.

    7. November: Wolfgang Schäuble wird als Nachfolger von Kohl neuer Parteivorsitzender der CDU.

  • 1999

    5. November: Der wegen Verdachts der Steuerhinterziehung von der Augsburger Staatsanwaltschaft mit Haftbefehl gesuchte frühere CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep (geb. 1926) stellt sich der Justiz. Er erklärt, die am 26. August 1991 von Karlheinz Schreiber (geb.1934) in einem Koffer bar in der Schweiz übergebene Million sei als Parteispende an die CDU gegangen. In diesem Zusammenhang stellt sich heraus, dass sowohl die Bundes-CDU als auch die CDU Hessens über Jahre weitere Spenden auf geheime Konten geleitet und nicht nach dem Parteiengesetz deklariert hat.

    6. November: Kohl versichert, er habe keine Kenntnis von der Spende des Jahres 1991.

    21. November: Kohl weist den Vorwurf von Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit der Lieferung von Panzern an Saudi-Arabien zurück. Es sei der Eindruck geweckt worden, die Entscheidung des Bundessicherheitsrates sei erkauft worden: "Diese Unterstellungen sind falsch und verleumderisch."

    30. November: Kohl räumt ein, dass in der CDU während seiner Amtszeit als Vorsitzender der Partei eine von den offiziellen Parteienfinanzen getrennte Kontenführung existiert habe. Er entschuldigt sich für mangelnde Transparenz der Spenden, fehlende Kontrolle und mögliche Verstöße gegen das Parteiengesetz.

    16. Dezember: Während eines Fernsehinterviews im ZDF erklärt Kohl, zwischen 1993 und 1998 Spenden von 1,5 bis zwei Millionen D-Mark illegal angenommen zu haben. Er beteuert, sich nicht persönlich bereichert zu haben.

  • 2000

    3. Januar: Die Bonner Staatsanwaltschaft eröffnet ein Ermittlungsverfahren gegen Kohl wegen des Verdachts der Untreue zum Nachteil seiner Partei.

    18. Januar: Auf einer Krisensitzung der CDU-Führung in Berlin wird Kohl aufgefordert, den Ehrenvorsitz der Partei solange ruhen zu lassen, bis er seinen Beitrag zur Aufklärung der Spendenaffäre geleistet hat. Am Abend legt Kohl das Ehrenamt nieder. Nach eigenen Angaben sieht er sich nicht in der Lage, die Namen der Spender zu nennen, da er ihnen sein Wort gegeben habe.

    Juni: Als Ausgleich für den der Partei entstandenen materiellen Schaden - der Bundestagspräsident hatte gegen die CDU eine Geldstrafe von 6,5 Millionen D-Mark verhängt - überweist Kohl aus privaten Spenden aufgebrachte acht Millionen D-Mark an die Parteikasse.

    14. August: Kohl lehnt die Teilnahme an der offiziellen Feier zum zehnten Jahrestag der deutschen Einheit in Dresden ab. Kohl ist zu den Feierlichkeiten eingeladen, aber ist nicht als Redner vorgesehen.

    Veröffentlichung von "Mein Tagebuch 1998-2000". Kohl befasst sich darin mit der CDU-Spendenaffäre .

  • 2001

    Das Ermittlungsverfahren gegen Kohl wird gegen Zahlung einer Geldbuße von 300.000 D-Mark eingestellt.

    5. Juli: Suizid seiner Frau Hannelore, die seit vielen Jahren an einer unheilbaren Krankheit gelitten hat.

  • 2002

    September: Mit dem Ende der Legislaturperiode scheidet Kohl nach insgesamt 26 Jahren als Mitglied aus dem Bundestag aus.

  • 2004

    Januar: Der polnische Staatspräsident Kwasniewski (geb.1954) verleiht Kohl den Internationalen Adalbert-Preis.

    März: Kohl stellt den ersten Teil seiner Memoiren "Erinnerungen 1930-1982" vor.

  • 2005

    30. März: Nach jahrelangem Rechtsstreit gibt die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, bekannt, dass Teile von Kohls Stasi-Akte an ausgewählte Wissenschaftler und Journalisten herausgegeben werden.

    Das Ministerium für Staatssicherheit trug jahrzehntelang auf gut 7000 Seiten Material über Kohl zusammen. Gegen eine Veröffentlichung wehrt sich der Altkanzler lange.

    November: Kohl veröffentlicht den zweiten Teil seiner Memoiren: "Erinnerungen. 1982-1990".

  • 2005

    September: Kohl wird Ehrenbürger seiner Heimatstadt Ludwigshafen.

    Ehrung mit dem Franz Josef Strauß-Preis der "Hanns-Seidel-Stiftung".

    Oktober: Verleihung der Quadriga. Mit der Auszeichnung ehrt der Verein "Werkstatt Deutschland" herausragende Europäer der Nachkriegsgeschichte.

  • 2007

    Der dritte Teil von Kohls Memoiren "Erinnerungen. 1990-1994" erscheint.

  • 2008

    Februar: Bei einem Sturz in seinem Haus in Ludwigshafen verletzt Kohl sich schwer und erleidet ein Schädel-Hirn-Trauma. Seitdem ist er auf einen Rollstuhl angewiesen.

    8. Mai: Kohl heiratet seine Lebensgefährtin Maike Richter. Die Volkswirtin hatte von 1994 bis 1998 als Referentin in der Wirtschaftsabteilung des Kanzleramts gearbeitet. Seit 2005 sind die beiden offiziell ein Paar.

    Als Trauzeugen bei der Hochzeit anwesend sind der Medienunternehmer Leo Kirch und BILD-Chefredakteur Kai Diekmann.

  • 2009

    31. Oktober: Auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung kommen bei einer Festveranstaltung zur Wiedervereinigung die „Väter der deutschen Einheit“ zusammen. Außer Kohl sind unter anderem der frühere Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow und Ex-US-Präsident George Bush anwesend. Bundespräsident Horst Köhler würdigt ihre Leistungen in einer Festrede.

    26. November: Helmut Kohl wird für sein Lebenswerk mit dem "Bambi" ausgezeichnet.

  • 2014

    1. August: Im Streit mit seinem ehemaligen „Ghostwriter“ und Journalisten Heribert Schwan kann Kohl vor dem Oberlandesgericht Köln einen Sieg davontragen.

    Schwan muss die Mitschnitte, die zwischen 2001 und 2002 anlässlich der Autobiografie Kohls aufgenommen wurden und über 600 Stunden Aufzeichnungen von Gesprächen mit dem Altkanzler enthalten, übergeben. Am 13. November verbietet das Landgericht Köln Heribert Schwan auch die Verwendung von mehr als einhundert Zitaten Kohls in dem Buch "Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle". Der Verlag darf Schwans Buch nicht weiter vertreiben, da die Veröffentlichung der Zitate vom Gericht als Bruch der Vertraulichkeit gewertet wird.

    3. November: Helmut Kohl und Maike Kohl-Richter stellen in Frankfurt ihr Buch „Aus Sorge um Europa: Ein Appell“ vor. In dem Sachbuch kritisiert Kohl die Europa-Politik nach seiner Amtszeit.

 

(iz/se) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 22.06.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Zündorf, Irmgard/Eimermacher, Stefanie: Biografie Helmut Kohl, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/helmut-kohl.html
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