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Freie Volkskammerwahl

Die Wahl zur Volkskammer der DDR am 18. März 1990 ist der erste Urnengang unter demokratischen Bedingungen. Sie ist zunächst für den 6. Mai 1990 geplant, aber aufgrund der schlechten wirtschaftlichen und politischen Lage beschließt der "Runde Tisch", die Wahl vorzuverlegen. Erstmals haben die Menschen in der DDR die Wahl zwischen 24 Parteien und Wahlbündnissen. Der Wahlkampf ist bestimmt von Fragen nach einer baldigen Wirtschafts- und Währungsunion sowie der Deutschen Einheit.

Wahlkampf

Die Wahl verändert die Parteienlandschaft der DDR. CDU-Ost, Liberale und Sozialdemokratische Partei schließen sich CDU, FPD und SPD im Westen an. Bürgerrechtsgruppen bilden das "Bündnis 90". Die ehemalige SED tritt als "Partei des demokratischen Sozialismus" (PDS) an. Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) will die deutsche Einheit rasch verwirklichen, indem die DDR nach Artikel 23 dem Geltungsbereich des Grundgesetzes beitritt. Er verspricht eine baldige Wirtschafts- und Währungsunion nach der Wahl. Große Teile der SPD sehen eine schnelle Wiedervereinigung skeptisch, die PDS lehnt sie ab.

Ergebnis

Die Wahlbeteiligung liegt bei über 93 Prozent. Wahlsieger ist die "Allianz für Deutschland", ein Bündnis aus CDU, Demokratischem Aufbruch (DA) und Deutscher Sozialer Union (DSU). Sie erhält 48 Prozent der Stimmen, während auf die SPD 21,9 Prozent entfallen. Die PDS ist mit 16,3 Prozent drittstärkste Kraft. Bündnis 90, die Träger der friedlichen Revolution erhalten nur 2,9 Prozent. Die Wähler stimmen damit für die Deutsche Einheit, westliche Demokratie und Soziale Marktwirtschaft.

Regierung Lothar de Maizière

Die Volkskammer wählt am 12. April 1990 Lothar de Maizière (CDU) zum Ministerpräsidenten. Seine Große Koalition aus CDU, SPD, DSU, DA und Liberalen bereitet den Beitritt der DDR nach Art. 23 Grundgesetz vor. Die erste freie Volkskammerwahl der DDR ist damit auch die letzte.

(ap) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 29.02.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Petschow, Annabelle: Freie Volkskammerwahl, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/deutsche-einheit/weg-zur-einheit/freie-volkskammerwahl.html
Zuletzt besucht am: 11.12.2016

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