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Philosoph und Ökologe
- 1923
- 9. Dezember: Wolfgang Harich wird in Königsberg/Ostpreußen
als Sohn des Literaturhistorikers und Schriftstellers Walther Harich
geboren.
- 1930-1942
- Harich besucht Grundschule und Gymnasium in Neuruppin und Berlin.
- 1942/43
- Ende 1942 wird Harich zum Wehrdienst eingezogen und 1943 unter dem
Vorwurf unerlaubter Entfernung von der Truppe zu einer Haftstrafe verurteilt.
- 1944
- Harich desertiert und engagiert sich in den kommunistisch geführten
"Widerstandsgruppen Berlin Ernst".
- 1945
- Eintritt in die wiedergegründete Kommunistischen
Partei Deutschlands (KPD).
- 1946-1951
- Harich studiert Philosophie und Literatur an der Humboldt-Universität
in Ost-Berlin und promoviert mit einer Arbeit über Johann Gottfried
Herder (1744-1803)1951 zum Dr. phil. Er knüpft Beziehungen zu Bertolt
Brecht, Ernst
Bloch und Georg Lukács (1885-1971).
Harich arbeitet als Literaturkritiker bei der sowjetamtlichen "Täglichen
Rundschau" und der "Neuen Welt".
- 1946
- Eintritt in die Sozialistische
Einheitspartei Deutschlands (SED).
Harich hält an der pädagogischen Fakultät der Humboldt-Universität
Einführungsvorlesungen in den dialektischen und historischen Materialismus.
- 1951-1956
- Harich lehrt an der Humboldt-Universität Geschichte der Philosophie.
Neben seiner Tätigkeit als Hochschullehrer arbeitet er im Aufbau-Verlag
zunächst als Lektor, ab 1954 als Cheflektor.
Er freundet sich mit den Schriftstellern Gerhard
Zwerenz und Erich
Loest an.
- 1953
- Harich gründet zusammen mit Ernst Bloch und anderen die "Deutsche
Zeitschrift für Philosophie".
Auszeichnung mit dem Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste
der DDR.
- 1956
- Veröffentlichung der Schrift "Heinrich Heine und das Schulgeheimnis
der deutschen Philosophie".
Obgleich er sich bis zu seinem Tod zum Marxismus bekennt, steht er der
Regierungspraxis der DDR in vielen Punkten kritisch gegenüber.
Als Mittelpunkt einer Oppositionsgruppe innerhalb der SED vertritt er
einen "menschlichen Sozialismus" als sogenannten Dritten
Weg in Abgrenzung vom kapitalistischen Gesellschaftssystem und dem
bürokratischen Herrschaftssystem der DDR. Unter dem Einfluss von
Lukács, Brecht und Bloch verfasst er eine "Plattform über
den besonderen deutschen Weg zum Sozialismus", die in Auszügen
auf Umwegen im Westen an die Öffentlichkeit gelangt.
November: Kurz nach dem Ungarn-Aufstand
wird Harich verhaftet.
- 1957
- März: Harich wird wegen "Bildung einer konspirativen staatsfeindlichen
Gruppe" zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.
- 1964
- Dezember: Harich fällt unter eine Amnestie und wird aus der
Haft entlassen.
- 1965
- Als freischaffender Wissenschaftler und Lektor ist Harich mit der
Herausgabe der Feuerbach- Gesamtausgabe betraut und widmet sich der
Jean-Paul-Forschung.
Harich heiratet die Chansonette Gisela May.
- 1968
- Veröffentlichung der Schrift "Jean Pauls Kritik des philosophischen
Egoismus"
- 1971
- Veröffentlichung der Schrift "Zur Kritik der revolutionären
Ungeduld. Eine Abrechnung mit dem alten und neuen Anarchismus".
- 1972
- Harich wendet sich zunehmend der ökologisch fundierten Zukunftsforschung
zu.
- 1975
- Harich muss sich einer Herzoperation unterziehen. 1979 wird er aufgrund
seiner Herzbeschwerden in den Ruhestand versetzt.
Veröffentlichung der Schrift "Kommunismus ohne Wachstum? Babeuf
und der Club of Rome".
- 1979-1981
- Harich erhält ein Langzeitvisum, und reist nach Österreich,
Spanien, die Bundesrepublik Deutschland und die Schweiz. In der Bundesrepublik
Deutschland engagiert er sich in der Umweltschutz-
und Friedensbewegung.
- 1981
- Er kehrt in die DDR zurück und beschäftigt sich mit philosophischen
Arbeiten über Nicolai Hartmann (1882-1950), Friedrich
Nietzsche und Georg Lukács.
- 1989
- Die Wiedervereinigung
begrüßt Harich grundsätzlich, kritisiert jedoch, dass
die Schuld an der deutschen Teilung nicht nur der DDR gegeben werden
dürfe, sondern auch westdeutschen Politikern.
Harich verweigert im Prozess gegen führende DDR-Beamte eine diese
belastende Zeugenaussage über die Umstände seiner Verhaftung
im Jahre 1956. Er spricht der Bundesrepublik das Recht ab, DDR-Unrecht
juristisch zu verfolgen und die DDR- Vergangenheit aufzuarbeiten.
- 1990
- 30. März: Das Oberste Gericht der DDR rehabilitiert Harich von
den Anklagepunkten des Jahres 1957.
- 1990/91
- Harich beginnt einen Verleumdungs- und Widerrufprozess gegen seinen
früheren oppositionellen Mitstreiter Walter Janka (1914-1994).
In Folge des Schauprozesses 1957 war es zu Kontroversen über Harichs
Rolle als Zeuge im Prozess gegen Janka gekommen. Janka hatte diese Auseinandersetzungen
in seinem Buch "Schwierigkeiten mit der Wahrheit" 1989 dargestellt.
Das Verfahren endet mit einem Vergleich. Janka muss die Aussage unterlassen,
Harich sei als Kronzeuge gegen ihn aufgetreten.
- 1991
- Harich erhält für ein Semester einen Lehrauftrag an der
Philosophischen Fakultät der FU Berlin.
- 1992
- Gründung der "Alternativen Enquetekommmission Deutsche Zeitgeschichte"
mit dem Ziel, die seiner Meinung nach "falsch laufende" Beschäftigung
mit der ostdeutschen Vergangenheit zu korrigieren.
- 1993
- Harich wird als Belastungszeuge beim Amtsgericht Tiergarten/Berlin
zwangsvorgeführt. Er soll unter anderem über die Verhältnisse
im Aufbau-Verlag berichten. Harich weigert sich erneut auszusagen und
wird zur Zahlung von Ordnungsgeld verpflichtet.
Harich veröffentlicht die Schrift "Keine Schwierigkeiten mit der
Wahrheit" als Erwiderung auf die Memoiren von Walter Janka.
- 1994
- Harich ist überzeugter PDS-Wähler und tritt der Partei
bei.
Veröffentlichung der Schrift "Nietzsche und seine Brüder".
- 1995
- 15. März: Wolfgang Harich, der unter einer schweren Herzerkrankung
leidet, stirbt in Berlin.
- 1996
- 21. März: In Berlin wird ein "Wolfgang-Harich-Gedenk-Kolloquium"
veranstaltet, dessen Protokoll unter dem Titel "Ein Streiter für
Deutschland. Auseinandersetzung mit Wolfgang Harich" veröffentlicht
wird.
(bs/iz)
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