geb. 1929

 

Günter Schabowski

Photo: Günter Schabowski, 1981

Politiker

1929
4. Januar: Günter Schabowski wird in Anklam/Mecklenburg als Sohn eines Klempners geboren.
1946/47
Volontär bei "Die freie Gewerkschaft".
1946
Eintritt in den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB).
1947-1967
Schabowski arbeitet bei der Gewerkschaftszeitung "Tribüne". Zunächst ist er Hilfsredakteur, 1952 wird er Mitglied des Redaktionskollegiums und Abteilungsleiter für Gesamtdeutsche Gewerkschaftspolitik. Von 1953 bis 1967 ist er stellvertretender Chefredakteur.
1950
Schabowski tritt in die Freie Deutsche Jugend (FDJ) ein und wird Kandidat der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).
ab 1952
Mitglied der SED.
1962
Abschluss eines Fernstudiums an der Karl-Marx-Universität Leipzig als Diplomjournalist.
1967/68
Besuch der Parteihochschule der KPdSU in Moskau.
1968-1985
Schabowski arbeitet bei dem SED Zentralorgan "Neues Deutschland". Zunächst ist er stellvertretender Chefredakteur, ab 1974 Erster stellvertretender Chefredakteur und von 1978 bis 1985 Chefredakteur der Zeitung.
1977
Auszeichnung mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold.
1978-1985
Mitglied des Agitationskomitees beim Politbüro des Zentralkomitees (ZK) der SED und der Zentralvorstands des Verbandes der Journalisten der DDR (VDJ).
1981-1990
Abgeordneter der Volkskammer.
1981-1989
Mitglied des ZK der SED, ab 1984 Mitglied des Politbüros der SED und ab 1986 Sekretär des ZK. Mit zunehmendem politischen Einfluss wird Schabowski neben Egon Krenz als einer der denkbaren Nachfolger im Amt des Parteichefs der SED angesehen.
1985-1989
Erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin.
1989
Schabowski wird mit dem Karl-Marx-Orden ausgezeichnet.
November: Schabowski empfängt Abgesandte des Neuen Forums und stellt sich bei der Großkundgebung auf dem Alexanderplatz am 4.11.1989 den aufgebrachten Demonstranten.
8. November: Auf der 10. Tagung des ZK der SED tritt das Politbüro zurück. Anschließend wird ein verkleinertes Politbüro gewählt.
9. November: Schabowski verkündet während einer vom Fernsehen direkt übertragenen internationalen Pressekonferenz, dass für Privatreisen ab "sofort, unverzüglich" vereinfachte Genehmigungsverfahren gelten. Noch in derselben Nacht geben die Grenzposten dem Druck der Menschen nach und öffnen die Grenzübergänge innerhalb Berlins und zur Bundesrepublik.
14. November: Wahl zum Sekretär des ZK der SED für Informationswesen und Medienpolitik.
Dezember: Rücktritt mit dem Zentralkomitee der SED.
1990
Januar: Ausschluss aus der SED-PDS.
1991
Veröffentlichung des Buches "Der Absturz".
1992-1999
Mitarbeiter der "Heimatnachrichten" in Bebra.
1993
Bei einer Anhörung durch die Enquete-Kommission zur "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur" äußert Schabowski sich kritisch über die ehemalige DDR.
1993-1997
Gegen Schabowski läuft ein Verfahren wegen "Fälschung der Ergebnisse der DDR-Kommunalwahlen", das 1997 eingestellt wird.
1994
Veröffentlichung der Schrift "Abschied von der Utopie".
1995
Januar: Die Berliner Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Schabowski wegen "Totschlag und Mitverantwortung für das Grenzregime der DDR". Der Prozess beginnt im November vor dem Berliner Landgericht.
1996
In seiner Erklärung vor dem Gericht beteuert Schabowski, dass er Schuld und Schmach gegenüber den Maueropfern empfinde, aber eine juristische Verantwortung ablehne.
1997
Schabowski räumt eine moralische Schuld an den Todesfällen an der innerdeutschen Grenze ein.
25. August: Verurteilung zu drei Jahren Haft wegen des Totschlags in drei Fällen. Schabowski geht in Revision.
1999
November: Der Bundesgerichtshof bestätigt die Haftstrafe, die das Landgericht Berlin 1997 gegen Schabowski verhängt hat.
Dezember: Schabowski tritt seine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Hakenfelde in Berlin-Spandau an.
2000
September: Berlins Regierender Bürgermeister, Eberhard Diepgen, begnadigt Schabowski.
2. Oktober: Schabowski wird aus der Haft entlassen.

(iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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