geb. 1918

 

Helmut Schmidt

Photo: Helmut Schmidt, um 1974
Gemälde: Bernhard Heisig "Porträt von Bundeskanzler Helmut Schmidt", 1986

Politiker

1918
23. Dezember: Helmut Heinrich Waldemar Schmidt wird in Hamburg-Barmbek als Sohn des Studienrats und Diplomhandelslehrers Gustav Schmidt und seiner Frau Ludovika (Geburtsname: Koch) geboren.
1937
Abitur an der Hamburger Lichtwark-Schule.
1937-1939
Reichsarbeitsdienst und Wehrdienst.
1939-1942
Schmidt ist Soldat im Zweiten Weltkrieg. Zunächst wird er bei der Bremer Luftabwehr eingesetzt. 1941 kommt er an die Ostfront.
1942
Schmidt heiratet seine ehemalige Klassenkameradin Hannelore (Loki) Glaser.
1942-1944
Referent für Ausbildungsvorschriften der leichten Flakartillerie im Reichsluftfahrtministerium in Berlin und in Bernau.
1944/45
Dezember-April: Fronteinsatz als Oberleutnant und Batteriechef an der Westfront.
1945
April: In der Lüneburger Heide gerät Schmidt in britische Kriegsgefangenschaft.
31. August: Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft.
1946-1949
Studium der Volkswirtschaft und Staatswissenschaft in Hamburg, unter anderem bei dem späteren Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller (SPD).
Abschluss als Diplomvolkswirt mit der Arbeit "Die Währungsreformen in Japan und Deutschland im Vergleich".
1946
März: Eintritt in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).
1947/48
Bundesvorsitzender des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS).
1949-1953
Zunächst Referent, dann Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung, ab 1952 Verkehrsdezernent in der Behörde für Wirtschaft und Verkehr in Hamburg unter Senator Karl Schiller.
1953-1962
Mitglied des Deutschen Bundestages für die SPD.
1957
Schmidt wird Mitglied des Fraktionsvorstands der SPD.
Im Bundestag entwickelt er sich als glänzender Redner zu einem der profiliertesten Vertreter der jüngeren Generation.
Als Verkehrs- und Militärexperte übt er scharfe Kritik an der Bundesregierung, insbesondere an Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß. Sein Auftreten bringt ihm bei seinen politischen Gegnern den Spitznamen "Schmidt-Schnauze" ein.
1958
Schmidt wird Mitglied im SPD-Bundesvorstand.
Im Rahmen der Kontroverse um die Atombewaffnung und der Anti-Atomtod-Kampagne der SPD tritt er entschieden gegen eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr ein.
Oktober: Wehrübung in der Flugabwehrschule Rendsburg. Beförderung zum Hauptmann der Reserve. Noch während der Wehrübung wird Schmidt aus dem SPD-Fraktionsvorstand abgewählt.
1961
Veröffentlichung seines militär-strategischen Buches "Verteidigung oder Vergeltung".
Schmidt übernimmt das Amt des Hamburger Polizeisenators und legt Anfang 1962 sein Bundestagsmandat nieder.
1962
17. Februar: Bei der Hochwasserkatastrophe in Hamburg zieht Schmidt alle Entscheidungsvollmachten an sich und koordiniert die Rettungsarbeiten und Hilfsmaßnahmen. Er bittet europaweit um Hilfe und fordert Teile der Bundeswehr zur Rettung von Betroffenen an. Formal gesehen begeht Schmidt einen Verfassungsbruch, da ein Einsatz der Bundeswehr bei zivilen Aufgaben im Innern zu diesem Zeitpunkt nicht im Grundgesetz verankert ist. Mit seinem energischen und umsichtigen Eingreifen macht er sich einen Namen als Krisenmanager.
Juni: Die Polizeibehörde wird zur Innenbehörde mit erweiterten Befugnissen umstrukturiert. Helmut Schmidt wird Innensenator.
1964
Schmidt wird in die zehnköpfige Regierungsmannschaft Willy Brandts für die Bundestagswahlen 1965 aufgenommen.
1965-1987
Schmidt ist erneut Mitglied des Bundestages.
1967-1969
Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion.
1968-1983
Stellvertretender Vorsitzender der SPD.
1969
Veröffentlichung des verteidigungspolitischen Buches "Strategie des Gleichgewichts".
1969-1972
Bundesverteidigungsminister im ersten sozial-liberalen Kabinett Brandt.
1972
Frühjahr: Schmidt erleidet eine schwere Schilddrüsenerkrankung.
Juli-November: Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen als Nachfolger Karl Schillers im 1. Kabinett Brandt.
15. Dezember: Vereidigung als Bundesfinanzminister im 2. Kabinett Brandt.
1973
Veröffentlichung der Schrift "Auf dem Fundamt des Godesberger Programms".
1974
16. Mai: Nach dem Rücktritt Brandts wird Schmidt zum 5. Bundeskanzler gewählt.
Von Beginn an steht Schmidts Kanzlerschaft unter dem Schatten der Rezession und der Weltwirtschaftskrise. In seiner Regierungserklärung hebt er die Themen Stabilität und Vollbeschäftigung hervor.
Engen Kontakt pflegt er mit dem französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing (geb. 1926).
Oktober: Besuch in Moskau und Begegnung mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnew (1906-1982).
Dezember: Besuch in Washington bei Präsident Gerald Ford (geb. 1913).
1975
1. August: Unterzeichnung der Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki. Auf der Konferenz trifft Schmidt erstmals mit DDR Staats- und Parteichef Erich Honecker zusammen.
Oktober: Bei seinem Besuch in China Begegnung mit dem chinesischen Staatschef Mao Tse-tung.
Die britische Zeitung "Financial Times" erklärt Schmidt zum "Mann des Jahres 1975".
1976
Mai: Besuch in Saudi-Arabien.
15. Dezember: Nach dem Wahlsieg der sozial-liberalen Koalition bei den Bundestagswahlen 1976 wird Schmidt erneut zum Bundeskanzler gewählt.
Veröffentlichung der Schriften "Kontinuität und Konzentration" und "Als Christ in der politischen Entscheidung".
1977
Juli: Besuch in Washington bei Präsident James (Jimmy) Carter (geb. 1924).
September-Oktober: Eine Welle terroristischer Aktionen erreicht in der Bundesrepublik ihren Höhepunkt. Bundeskanzler Schmidt reagiert mit Unnachgiebigkeit:
5. September: Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer.
13. Oktober: Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut".
18. Oktober: Schmidt gibt den Befehl zur Erstürmung der "Landshut" in Mogadischu/Somalia durch eine Sondereinheit des Bundesgrenzschutzes. Daraufhin begehen die führenden Mitglieder der Rote Armee Fraktion (RAF) am gleichen Tag in ihren Gefängniszellen Selbstmord. Schleyer wird einen Tag später im Kofferraum eines Wagens ermordet aufgefunden. Schmidt übernimmt die Verantwortung für den Tod Schleyers und erläutert vor dem Bundestag "Zu dieser Verantwortung stehen wir auch in der Zukunft. Gott helfe uns!"
November: Besuch in Warschau.
Auszeichnung mit dem Theodor-Heuss-Preis.
1978
Mai: Während seines Besuches in Bonn ist der sowjetische Staats- und Parteichef Breschnew auch Gast im Hause Schmidt in Hamburg-Langenhorn.
Juni: Besuche in Nigeria und Sambia.
1979
Januar: Gipfeltreffen in Guadeloupe mit US-Präsident Carter, dem französischen Staatspräsidenten Giscard d'Estaing und dem britischen Premierminister James Callaghan (1912-2005). Bei diesem "Vierer-Gipfel" erreicht Schmidt die politische Entscheidung zugunsten des NATO-Doppelbeschlusses. Der von Schmidts Parteifreunden heftig kritisierte Doppelbeschluss wird im Dezember offizielles NATO-Konzept.
Juni: Besuch in Washington bei Präsident Carter.
1980
Februar: Schmidt und Giscard d'Estaing fordern in einem gemeinsamen Kommuniqué die Sowjetunion auf, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen.
März: Besuch in Washington bei Präsident Carter.
Juni/Juli: Besuch in Moskau.
9. Juli: Der Jüdische Weltkongress zeichnet in Amsterdam Schmidt für seine Verdienste um Frieden und Menschenrechte mit der Goldman-Medaille aus.
5. November: Nach dem Wahlsieg der sozial-liberalen Koalition bei den Bundestagswahlen wird Schmidt erneut zum Bundeskanzler gewählt.
1981
16./17.Mai: Schmidt verknüpft sein politisches Schicksal mit der Zustimmung der SPD zum NATO-Doppelbeschluss. Vor SPD-Funktionären in Recklinghausen spricht er eine indirekte Rücktrittsdrohung aus, indem er sagt, er "stehe oder falle" mit dem NATO-Doppelbeschluss. Schmidt erhält daraufhin die Unterstützung seiner Partei.
Oktober: Schmidt wird mit schweren Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus eingeliefert und bekommt einen Herzschrittmacher.
November: Der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid I. Breschnew besucht die Bundesrepublik. Im Mittelpunkt der Gespräche mit Schmidt steht die Frage der Abrüstung der Mittelstreckenraketen in Europa.
Dezember: Schmidt reist zum dritten innerdeutschen Gipfel in die DDR. Die Treffen mit dem DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker finden am Werbellinsee und in Güstrow statt.
1982
Januar: Schmidt reist zu Gesprächen mit US-Präsident Reagan über die Lage in Polen in die USA.
5. Februar: Bundeskanzler Schmidt stellt im Bundestag die Vertrauensfrage, die mit einem einstimmigen Votum der Koalition für Schmidt beantwortet wird.
17. September: Die vier Minister der Freien Demokratischen Partei (FDP), Hans-Dietrich Genscher, Gerhart Baum (geb. 1932), Otto Graf Lambsdorff (1926-2009) und Josef Ertl (1925-2000), treten aus der Regierung aus. Schmidt bildet ein SPD-Minderheitskabinett und schlägt vorgezogene Neuwahlen vor.
1. Oktober: Nach dem Bruch der sozial-liberalen Koalition wird Schmidt mit einem konstruktiven Misstrauensvotum als Bundeskanzler abgewählt; sein Nachfolger wird Helmut Kohl (CDU).
1983
1. Mai: Schmidt wird Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit".
22. Dezember: Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Freien und Hansestadt Hamburg.
Mitbegründer des InterAction Councils, eines Rates ehemaliger Staats- und Regierungschefs.
1985-1989
Geschäftsführer von "Die Zeit", danach weiterhin Mitherausgeber.
1986
10. September: Abschiedsrede im Deutschen Bundestag.
18. September: Der Norddeutsche Rundfunk sendet Schmidts persönliches Hamburg-Portrait "Ein Mann und seine Stadt. Ein Film über Hamburg".
Dezember: Gemeinsam mit Giscard d'Estaing gründet Schmidt den Ausschuss für die Europäische Währungsunion und unterstützt in der Folgezeit die Bestrebungen zur Errichtung einer Europäischen Zentralbank.
Publikation von "Eine Strategie für den Westen".
1987
Veröffentlichung von "Menschen und Mächte".
1989
Ernennung zum Ehrenbürger der Städte Berlin, Bonn, Bremerhaven und Hamburg.
1995
Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Güstrow wegen seiner Verdienste um den Erhalt der Barlach-Stiftung.
1998
20. Dezember: Anlässlich seines 80. Geburtstages am 23. Dezember wird Helmut Schmidt die Ehrenbürgerwürde des Landes Schleswig-Holstein verliehen.
2002
Ehrenvorsitzender der von ihm gegründeten Nationalstiftung in Weimar.
Verleihung der Martin-Buber-Plakette und des Dolf-Sternberger-Preises für öffentliche Rede.
2003
Dezember: Die Universität der Bundeswehr in Hamburg wird in Helmut-Schmidt-Universität umbenannt. Außerdem erhält Schmidt die Ehrendoktorwürde dieser Hochschule.
Mitunterzeichner eines offenen Briefes von 17 ehemaligen europäischen Spitzenpolitikern, die nach dem Irak-Krieg zur Einigkeit mit den USA aufrufen.
2005
1. Oktober: Verleihung des „Prix des Générations“ der Initiative VIVA 50plus für seine Verdienste um das Zusammenleben der Generationen und die Förderung des Verständnisses zwischen den Altersgruppen.
Oktober: Auszeichnung mit dem Oswald-von-Nell-Breuning-Preis der Stadt Trier, womit Schmidts Eintreten für die Fragen des gerechten sozialen Ausgleichs gewürdigt wird.
2006
24. Februar: Schmidt erhält gemeinsam mit dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing den Adenauer-de-Gaulle-Preis für sein Bemühen um die deutsch-französische Zusammenarbeit.
2007
8. Juni: Die American Academy ehrt Schmidt als Publizist für seine herausragende Rolle in der transatlantischen Kommunikation und verleiht ihm den erstmalig ausgelobten Henry-Kissinger-Preis.
Dokument Rede: Regierungserklärung Bundeskanzler Helmut Schmidt, 17. Mai 1974
Weitere Veröffentlichungen:
  • Die Deutschen und ihre Nachbarn, 1990
  • Kindheit und Jugend unter Hitler, 1992
  • Weggefährten, 1996
  • Auf der Suche nach einer öffentlichen Moral, 1998
  • Die Selbstbehauptung Europas, 2000
  • Die Mächte der Zukunft. Gewinner und Verlierer in der Welt von morgen, Siedler Verlag, München 2004.
  • Auf dem Weg zur deutschen Einheit, Rowohlt Verlag, Reinbek 2005.
(db/iz/reh/lb)

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