1914-1999

 

Willi Stoph

Photo: Willi Stoph, 1957
Photo: Willi Stoph, 1981

Politiker

1914
9. Juli: Willi Stoph wird in Berlin als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren.
1928-1931
Nach Besuch der Volksschule absolviert Stoph eine Maurerlehre in Berlin.
Er ist Mitglied im Kommunistischen Jugendverband Deutschland (KJVD), in dem er verschiedene Funktionen einnimmt.
1931
Eintritt in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD).
1931-1934
Stoph nimmt verschiedene Gelegenheitsarbeiten als Maurer an.
Er arbeitet beim KPD-Nachrichtendienst und beteiligt sich am kommunistischen Widerstand gegen das NS-Regime.
1935-1937
Militärdienst im Artillerieregiment in Brandenburg/Havel, zuletzt Oberkanonier.
1939-1940
Bautechniker in einem Architekturbüro in Berlin.
1940-1945
Stoph ist Soldat im Zweiten Weltkrieg. 1942 wird er verwundet.
1945
April-Juli: Stoph ist sowjetischer Kriegsgefangener.
1945-1947
Leiter der Abteilung Baustoffindustrie und Bauwirtschaft.
1948-1950
Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik beim SED-Parteivorstand.
1950-1952
Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Volkskammer.
Leiter des Büros für Wirtschaftsfragen beim Ministerrat der DDR, das unter anderem auch für die Ausrüstung der bewaffneten Kräfte zuständig ist.
Beteiligung an der Gründung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und dem Ausbau der Kasernierten Volkspolizei (KVP).
1950-1989
Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der SED.
Abgeordneter der Volkskammer.
1950-1953
Sekretär des Zentralkomitees (ZK) der SED.
1952-1955
Minister des Inneren. In dieser Funktion hat Stoph offiziell die Verfügung über alle bewaffneten Kräfte der DDR.
1953-1989
Nach der Unterdrückung des Aufstandes am 17. Juni 1953 wird Stoph Mitglied des Politbüros der SED.
1954
Auszeichnung mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold.
1954-1962
Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates.
ab 1955
Stoph ist verantwortlich für die Kasernierte Volkspolizei, das Ministerium für Staatssicherheit, das Amt für Technik, das Amt für Kernforschung und Kerntechnik sowie für den Wissenschaftlichen Rat für die friedliche Anwendung der Atomenergie.
1956-1960
Minister für Nationale Verteidigung und in dieser Funktion einer der Stellvertreter des Oberkommandierenden der Vereinten Streitkräfte der Warschauer Pakt-Staaten.
1956
Ernennung zum Generaloberst.
1959
Ernennung zum Armeegeneral.
1960
Stoph wird mit der Koordinierung und Kontrolle der Durchführung der Beschlüsse des ZK der SED und des Ministerrates im Staatsapparat beauftragt.
1962-1964
1. Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates.
1963/64
Mitglied des Staatsrates.
1964
Auszeichnung mit dem Titel "Held der Arbeit".
1964-1973
Vorsitzender des Ministerrates in der Nachfolge des verstorbenen Otto Grotewohl.
Stellvertretender Vorsitzender des Staatsrats.
1965
Auszeichnung mit der Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden in Gold.
1967
Stoph versucht mit einer brieflichen Initiative bei Bundeskanzler Kiesinger deutsch-deutsche Gespräche in Gang zu bringen.
1969
Auszeichnung mit dem Karl-Marx-Orden.
1970
Durch seine Treffen mit Bundeskanzler Willy Brandt in Erfurt und Kassel bringt er den Entspannungsprozess zwischen beiden deutschen Staaten ein Stück voran.
1973-1976
Nach dem Tod Walter Ulbrichts ist Stoph Vorsitzender des Staatsrates und damit Staatsoberhaupt der DDR.
1976-1989
Nach den Volkskammerwahlen von 1976 kommt es zur Umgestaltung der Staats- und Parteispitze. Erich Honecker wird - wie vor ihm Ulbricht - nach sowjetischem Vorbild in Personalunion Vorsitzender des Staatsrats und Parteichef. Stoph kehrt auf den Posten des Ministerratsvorsitzenden zurück und wird wieder stellvertretender Vorsitzender des Staatsrats.
1984
Auszeichnung mit dem Lenin-Orden und dem Karl-Marx-Orden.
1986
Stoph lässt unter Mitwisserschaft von Erich Mielke dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow vertraulich eine Analyse über den Zustand der DDR zukommen und schlägt die Ablösung Honeckers vor. Er erhält darauf keine Antwort.
1989
18. Oktober: Den Rücktritt Erich Honeckers leitet Stoph in der Volkskammer mit den Worten ein: "Erich, es geht nicht mehr. Du musst gehen."
7. November: Unter andauerndem Druck durch Massenflucht und Demonstrationen tritt Stoph gemeinsam mit seiner Regierung vom Amt des Ministerratsvorsitzenden zurück.
Bis zur Neubildung der Regierung unter Hans Modrow bleibt Stoph geschäftsführend im Amt. Vor der Volkskammer bekennt er, dass der Ministerrat seine politische Verantwortung gemäß der Verfassung nicht wahrgenommen habe. Honecker und Günter Mittag bezeichnet er als die Hauptverantwortlichen für das Scheitern der bisherigen Politik.
8. November: Das Politbüro und mit ihm Stoph, tritt geschlossen zurück.
17. November: Stoph wird als Mitglied des Staatsrates abberufen und scheidet aus der Volkskammer aus.
3. Dezember: Parteiausschluss durch das ZK der SED.
8. Dezember: Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch den Generalstaatsanwalt und später Festnahme unter dem Verdacht durch Amtsmissbrauch und Korruption die Volkswirtschaft geschädigt und sich persönlich bereichert zu haben. Im November war ein komfortables Jagdhaus Stophs entdeckt worden, das sich inmitten eines Naturschutzgebietes östlich der Müritz in Mecklenburg befand.
1990
Februar: Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen.
1991
Mai: Verhaftung in Zusammenhang mit den Ermittlungen zu den Schüssen an der innerdeutschen Grenze.
1992
August: Zunächst Haftverschonung aus gesundheitlichen Gründen.
November: Eröffnung des Verfahrens vor dem Berliner Landgericht gegen Stoph und fünf weitere DDR-Spitzenpolitiker.
1993
Juli: Endgültige Einstellung des Verfahrens wegen Verhandlungsunfähigkeit.
1994
10. Oktober: Das Berliner Verwaltungsgericht entscheidet, dassStoph sein 1990 beschlagnahmtes Sparguthaben in Höhe von 200.000 D-Mark nicht zurückerhält. Der Politiker habe das Geld durch Missbrauch seiner staatlichen Stellung erworben. Stoph hatte vor dem Verwaltungsgericht auf die nachträgliche Umstellung seines Guthabens auf D-Mark geklagt, um so einen Teil seines früheren Vermögens zurückzuerhalten.
1999
13. April: Willi Stoph stirbt in Berlin.

(db/iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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