Reisefreiheit

Sehnsucht nach Italien klingt im Text der Postkarte aus Aserbaidschan an: "Sie kennen das, ich weiß. Trotzdem sozialistische Grüße vom Kaspischen Meer! Kaffee mäßig - Kognak gut - (...) Klima: Breite von Neapel. Bilden wir uns den Rest ein!". Geschrieben hat sie ein ostdeutscher Urlauber im Sommer 1984. Mit der westdeutschen Fluggesellschaft Condor sind gleichzeitig Urlaubsreisen weltweit möglich, wie die Karte der Interkontinental-Flüge zeigt: Badeurlaub in der Karibik, Safari in Afrika oder Städtetrips in die USA. Besitzt man das nötige Geld, sind exotische Reiseziele erreichbar. Menschen in der DDR können nicht an ihre Wunschziele verreisen. Auslandsreisen sind nahezu ausschließlich in "sozialistische Bruderstaaten" möglich. Um Fluchten zu verhindern, untersagt das SED-Regime Reisen in den Westen. Von einem Urlaub in Westeuropa können die meisten Menschen in der DDR daher nur träumen. Für sie liegt Aserbaidschan "näher" als Italien.

(mw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 29.02.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Würz, Markus: Reisefreiheit, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, URL: http://www.hdg.de/lemo/themen/demokratie-und-diktatur/wie-frei-bin-ich/reisefreiheit.html
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  • Rückseite der Postkarte. Oben links kurzer vorgedruckter Text in kyrillischer Schrift. Darunter: blauer handschriftlicher Text; Wortlaut: vgl. Haupttext dieser Seite. Oben rechts: abgestempelte Briefmarke; darunter: Anschrift D 6242 Kronberg.
    Urlaubskarte von einem ostdeutschen Urlauber aus Aserbaidschan
  • Weltkarte mit dem Streckennetz der westdeutschen Fluggesellschaft Condor
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