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- Januar
- 1.1. In West-Berlin wird die sogenannte Kommune 1 gegründet.
Aus dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) entstanden, versteht
sich die Kommune 1 als eine in das Alltagsleben umgesetzte Form der
Außerparlamentarischen
Opposition. Außerdem streben die Mitglieder der Kommune 1
mit ihrer gemeinsamen Lebensform eine "Revolutionierung des Alltags"
an, in der die bürgerlichen Beziehungen zwischen den Geschlechtern
und zu den Kindern aufgehoben werden sollen.
- 2.1.
Der Bayerische Rundfunk strahlt die erste Unterrichtseinheit des Telekollegs aus. Über
Fernsehsendungen mit schriftlichem Begleitmaterial soll Absolventen der
Volksschule die Möglichkeit gegeben werden, in ca. drei Jahren die Fachschul- oder
Fachhochschulreife zu erlangen.
- 25.1.
Über 1.000 Demonstranten empfangen Bundeskanzler
Kurt Georg Kiesinger mit einem
Pfeifkonzert in West-Berlin. Sie protestieren damit gegen die Erhöhung der Studiengebühren und
das Demonstrationsverbot in der Berliner Innenstadt.
- 27.1.
Unter UN-Vermittlung unterzeichnen 63 Staaten, darunter die USA, die UdSSR und
Großbritannien, den Vertrag über die friedliche Nutzung des Weltraums.
- 31.1.
Die Bundesrepublik vereinbart mit Rumänien die Aufnahme diplomatischer Beziehungen.
- Februar
- 10.2.
Deutschlands bis dato erfolgreichster Schlagersänger,
Freddy Quinn, erhält in West-Berlin
seine zehnte Goldene Schallplatte.
- 14.2. Auf Initiative des Bundeswirtschaftsministers Karl
Schiller kommen Vertreter von Arbeitnehmer- und Unternehmerverbänden
sowie des volkswirtschaftlichen Sachverständigenrates und der Bundesregierung zu informellen Gesprächen über eine "Konzertierte Aktion"
zusammen, mit der die Rezession
bekämpft werden soll.
- 20.2. Die Volkskammer
der DDR verabschiedet das Gesetz
über die Staatsangehörigkeit der Deutschen Demokratischen
Republik und proklamiert damit eine eigene DDR-Staatsnation. Damit
reagiert die DDR unter anderem auf den Alleinvertretungsanspruch
der Bundesrepublik und grenzt sich konsequent von dieser ab.
- März
- 12.3.
Die Flucht der Tochter
Josef W. Stalins, Swetlana Allilujewa (geb. 1924),
in die Schweiz sorgt weltweit für Aufsehen. Am 22. März reist Allilujewa weiter in die USA.
- 13.3. Nach vierjähriger Ermittlungsarbeit erhebt die Aachener
Staatsanwaltschaft Anklage gegen Angestellte der Firma Chemie Grünenthal
GmbH, den Herstellern des Schlafmittels "Contergan", welches bei Einnahme
durch Schwangere in etwa zu Missbildungen der Neugeborenen führen
kann. Der Prozess endet erst am 18. Dezember 1970.
- 14.3.
Helmut Schmidt
wird als Nachfolger des im Februar verstorbenen Fritz Erler (1913-1967) zum neuen
Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion gewählt.
- 21.3. Bundesdeutsche Premiere des Spielfilms "Mahlzeiten" von Edgar Reitz (geb. 1932).
Der Film erhält auf der Biennale in Venedig einen Preis als bester Erstlingsfilm.
- 26.3. In der Nähe von Cornwall läuft der Supertanker "Torrey Canyon" auf ein Riff und verursacht die
erste große Ölkatastrophe vor einer europäischen Küste.
- April
- 1.4.
Die Deutsche Bundesbank hebt die seit 1936 geltende Zinsverordnung auf. Damit können die
Banken und Sparkassen selbst entscheiden, welche Guthabenzinsen sie festlegen.
- 3./4.4.
Zwischen der DDR und der UdSSR wird ein längerfristiges Wirtschaftsabkommen
geschlossen.
- 4.4. Im früheren Salzbergwerk Asse im Landkreis Wolfenbüttel
werden zum ersten Mal in der Bundesrepublik radioaktive Abfälle
"entsorgt".
- 12.4. Der Bundespräsident
ernennt erstmals sieben Parlamentarische Staatssekretäre. Diese
müssen Mitglieder des Deutschen
Bundestages sein und sollen den Mitgliedern der Bundesregierung
zur Unterstützung beigeordnet werden.
- 15.4.
In New York/USA demonstrieren unter der Führung des Bürgerrechtlers Martin Luther King (1929-1968)
mehr als 125.000 Menschen gegen den Krieg in Vietnam.
- 19.4.
Altbundeskanzler
Konrad Adenauer stirbt im Alter von 91 Jahren in Rhöndorf.
- 29.4. Uraufführung des Rock-Musicals "Hair" in New York.
Die Presse reagiert auf das Werk zunächst empört, von den
Jugendlichen in aller Welt wird es hingegen innerhalb kürzester
Zeit zu einem Kultstück erhoben. Das Werk zeigt das Leben einer
Hippie-Gemeinschaft, die gegen das US- amerikanische Bürgertum,
die Rassendiskriminierung und den Vietnamkrieg protestiert.
50 Brauereien in der Bundesrepublik propagieren in einer Werbeaktion
unter dem Motto "Ex und Hopp" die Einwegflasche und wollen das Bierflaschenpfand
abschaffen.
- 30.4.
In Düsseldorf wird der Neubau der Kunsthalle und des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen
feierlich eröffnet.
- Mai
- 9.5. Die Verteidigungsminister von 14 NATO-Mitgliedsstaaten
(ohne Frankreich) legen neue Leitlinien für das strategische Konzept
des Bündnisses bis 1972 fest. Die wichtigste Neuerung liegt in
der Aufgabe der bisher geltenden Politik der "massiven Vergeltung" zugunsten
der "flexiblen Verteidigung" (flexible response).
- 22.-23.5. Auf dem Bundesparteitag der CDU
wird Bundeskanzler Kiesinger zum Vorsitzenden und Ludwig
Erhard zum Ehrenvorsitzenden gewählt.
- 26.5.
Der Deutsche Sportbund und die Deutsche Olympische Gesellschaft gründen die Stiftung
Deutsche Sporthilfe, deren Ziel in der materiellen Unterstützung der Sportler liegt.
- 27.5.
An verschiedenen Orten Kölns veranstaltet der Künstler
Wolf Vostell ein
Happening unter dem Titel "Miss Vietnam".
- 27.5.-4.6.
Besuch des persischen Schahs Mohammad Resa Pahlawi (1919-1980) und seiner Frau Farah Diba
(geb. 1938) in der Bundesrepublik und in West-Berlin.
- Juni
- 2.6.
In West-Berlin kommt es zu Ausschreitungen bei einer
Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien. Auf den Befehl des Berliner Polizeipräsidenten
"Knüppel frei, räumen" schlagen Polizisten wahllos auf Demonstranten und Schaulustige
vor der Deutschen Oper ein. In dem Tumult wird der 26jährige Student Benno Ohnesorg von einem
Polizisten erschossen.
Eintracht Braunschweig wird Deutscher Fußballmeister.
- 5.6. Beginn des dritten Israelisch-Arabischen Krieges seit
Bestehen Israels. Im "Sechstage-Krieg" besetzen israelische Truppen
unter anderem die Altstadt von Ostjerusalem, den Gazastreifen und die
Golanhöhen.
- 13.6.
Die Bundesregierung erklärt sich bereit, im gesamtdeutschen Sportverkehr die Flagge der
DDR zu dulden.
- 23.-25.6. Gipfeltreffen zwischen dem US-amerikanischen Präsidenten
Lyndon B. Johnson (1908-1973) und dem sowjetischen Ministerpräsidenten
Alexei N. Kossygin (1904-1980) in Glasboro/USA. Schwerpunkte der Gespräche
liegen auf den Kriegen im Nahen Osten und in Vietnam.
- Juli
- 1.7. Inkrafttreten des Vertrages über die Fusion der drei
europäischen Kommissionen, das heißt der Exekutivbehörden
der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), der Europäischen Atomgemeinschaft
(EAG, Euratom) und der Europäischen
Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS).
- 2.7. Bei den Wahlen zur Volkskammer der DDR erlangen die Einheitslisten
der Nationalen Front nach offiziellen Angaben 99,93 Prozent der abgegebenen
Stimmen.
- August
- 3.8.
Zwischen der Bundesrepublik und der Tschechoslowakei wird die Errichtung von
Handelsvertretungen vereinbart.
- 20.8.
Die Deutsche Lufthansa eröffnet nach über 20jähriger Pause den planmäßigen
Linienflugverkehr in die osteuropäischen Hauptstädte Belgrad, Budapest und Bukarest.
- 25.8. ARD und ZDF treten in das Farbfernseh-Zeitalter ein. Die Live-Fernsehshow "Der Goldene Schuss" ist die erste Farbsendung,
die das ZDF ausstrahlt.
- 28.8.
In der DDR wird die 5-Tage-Arbeitswoche bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 43¾ Stunden eingeführt.
- September
- 8.9.
Eröffnung des Europäischen Datenzentrums für Weltraumforschung (ESDAC) in Darmstadt.
- 13.9.-29.10.
Die erste große
Joseph Beuys-Retrospektive findet im Städtischen
Museum Abteiberg, Mönchengladbach statt.
- 14.9. Der Ministerrat der DDR beschließt eine Verordnung "über die Lenkung des Wohnraumes".
- 15.9.
Auf Initiative des Künstlers
Karl Schmidt-Rottluff wird in
West-Berlin das
Brücke-Museum eröffnet, das Werke der 1905
gegründeten Künstlergemeinschaft präsentiert.
- Oktober
- 9.10.
Der Guerrilla-Kämpfer
Ernesto "Che" Guevara Serna stirbt bei einem Gefecht mit
bolivianischen Regierungstruppen.
Premiere der Tragödie "Soldaten" von Rolf Hochhuth an der Freien Volksbühne in Berlin.
- 10.-25.10. Zusammenschluss von 77 Entwicklungsländern
zur "Gruppe 77", um die eigenen Belange besser gegenüber den Industrieländern
koordinieren zu können. So werden vor allem gemeinsame Grundpositionen
für Verhandlungen ausgearbeitet.
- 14.10. In Hamburg wird die größte sowjetische Ausstellung in der Bundesrepublik mit dem Titel
"50 Jahre Sowjetstaat" eröffnet.
- 15.10. Aufgrund einer Einladung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gastiert das Berliner
Ensemble erstmals in West-Berlin mit dem Stück "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" von Bertolt Brecht.
- 20.10. Die erste Folge der neuen Serie "Aktenzeichen XY ungelöst..."
wird im ZDF ausgestrahlt. In der Sendung werden unaufgeklärte Kriminalfälle
präsentiert und die Zuschauer um Mithilfe gebeten.
- 22.10.
Heinrich Böll wird in Darmstadt mit dem
Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet.
- 29.10. In Ost-Berlin findet die bisher größte gemeinsame
Truppenparade von DDR- und sowjetischem Militär anlässlich
des 50. Jahrestages der russischen Okoberrevolution statt.
- November
- 20.11.
In Liechtenau bei Weilheim wird der Grundstein für die erste bundesdeutsche
Satellitenempfangsstation gelegt.
- 27.11. In West-Berlin geht die Polizei mit Reitern und Wasserwerfern
gegen rund 1.000 Demonstranten vor, die sich vor dem Kriminalgericht
in Moabit versammelt haben. In dem Prozess wird ein Mitglied der Kommune
1, Fritz Teufel (1943-2010), wegen Landfriedensbruchs angeklagt.
- Dezember
- 1.12. Der Bundestag verabschiedet das Filmförderungsgesetz mit der umstrittenen
"Sittenklausel". Danach sind die Filme, die gegen die Verfassung oder die Gesetze verstoßen oder
das sittliche und religiöse Gefühl verletzen, von der Förderung ausgenommen.
- 3.12.
In Kapstadt wird zum ersten Mal einem Menschen ein fremdes menschliches Herz
eingepflanzt. Obwohl der Eingriff gelingt, stirbt der Patient 18 Tage später an einer
Lungenentzündung.
- 7.12. Premiere des Theaterstückes "Die Zimmerschlacht"
von Martin Walser.
Das Stück, in dem ein Ehepaar ungeniert seine Aggressionen auslebt,
wird Walsers erfolgreichstes Bühnenwerk.
- 10.12.
Bei der Verleihung der
Nobelpreise wird wie im Vorjahr der
Friedensnobelpreis nicht vergeben.
- Außerdem
- Alfred Andersch:
Efraim (Roman).
Margarete (geb. 1917) und Alexander
Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern (gesellschaftsanalytisches
Werk).
In der Bundesrepublik wird eine Gemeindereform durchgeführt. Die
bisher rund 24.357 Gemeinden werden zu rund 8.500 Verwaltungseinheiten
zusammengefasst und neu gegliedert.
Seit 1965 ist die Geburtenziffer in der Bundesrepublik rückläufig
und nimmt weiterhin ab. Die Erklärung, die Einführung der
Anti-Baby-Pille sei für die abnehmende Geburtenzahl verantwortlich
("Pillenknick"), ist nicht haltbar, da Ende der 60er Jahre erst 20 Prozent
der Frauen das hormonale Verhütungsmittel benutzen. Die Gründe
liegen eher in langfristigem sozialen Wandel, gestiegenem Wohlstand
und veränderten Werten.
Eine
neue Kunstgattung etabliert sich unter der Bezeichnung "Multiple Objekte". Das Kunstwerk
soll nicht mehr Ausdruck einer individuellen Schöpferkraft sein, sondern für die
Massengesellschaft in Serie hergestellt werden.
(iz/cwg/reh)
© Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
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