Jahreschronik 1992

JANUAR
  • 01.01.

    Der Ägypter Boutros Boutros-Ghali (1922-2016) wird als erster Afrikaner Generalsekretär der Vereinten Nationen.

    Die neugegründeten Sendeanstalten im Gebiet der ehemaligen DDR, der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) und der Mitteldeutsche Rundfunk, der für Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt produziert, starten ihre Programme.

    Das Stasi-Unterlagengesetz, nach dem Opfer des DDR-Staatssicherheitsdienstes Einblick in die über sie geführten Akten nehmen können, tritt in Kraft. Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die Stasi-Akten wird Joachim Gauck.

  • 03.01.

    Im jugoslawischen Bürgerkrieg tritt nach Vermittlung des UN-Sonderbotschafters Cyrus Vance (1917-2002) der 15. Waffenstillstand in Kraft, der jedoch nicht eingehalten wird.

  • 06.01.

    Oppositionelle Milizen stürzen nach zweiwöchigem Gefecht den georgischen Präsidenten Swiad Gamsachurdia (1939-1993), der nach Armenien flüchtet.

  • 09.01.

    In Bosnien-Herzegowina ruft die serbische Minderheit einen eigenen Staat, die "Serbische Republik Bosnien-Herzegowina", aus und beansprucht die Hälfte des bisherigen Staatsgebietes.

  • 11.01.

    Nach dem Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis im Oktober 1991 wird dem Kirchenkritiker Eugen Drewermann durch den Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt (1926-2002) auch ein Predigtverbot erteilt. Am 26.3. wird ihm darüber hinaus die Ausübung des Priesteramtes untersagt.

  • 12.01.

    Im Martin-Gropius-Bau in Berlin wird die mit 2500 Exponaten bestückte Ausstellung "Jüdische Lebenswelten" eröffnet.

  • 13. - 16.01.

    In Washington findet die dritte Runde der Nahost-Friedenskonferenz statt.

  • 14.01.

    Die ersten von geplanten 10.000 UN-Friedenssoldaten treffen in Belgrad und Zagreb ein, um die Stationierung ihrer Kameraden vorzubereiten.

  • 15.01.

    Kroatien und Slowenien werden auf Drängen der deutschen Bundesregierung von der EG als unabhängige Staaten anerkannt.

  • 16.01.

    In Mexiko-Stadt unterzeichnen der Präsident von El Salvador, Alfredo Cristiani, und die Führer der Nationalen Befreiungsorganisation Farabundo Marti (FMLN) einen Friedensvertrag, der den zwölfjährigen Bürgerkrieg beendet.

  • 18.01.

    Der brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) erläutert im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" seine Kontakte zum Staatssicherheitsdienst der DDR als früherer Konsistorialpräsident der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg.

  • 19.01.

    In Berlin wird die erste zentrale deutsche Gedenkstätte zur Erinnerung an den Holocaust in der Villa am Wannsee eröffnet. Die Villa war im Januar 1942 Schauplatz der berüchtigten "Wannsee-Konferenz", auf der SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, der Chef des Reichssicherheitshauptamtes, mit Staatssekretären und hohen Parteifunktionären die verwaltungsmäßige Umsetzung der "Endlösung der Judenfrage" besprochen hatte.

  • 20.01.

    Im ersten Mauerschützenprozess gegen ehemalige Grenzsoldaten der DDR werden zwei der vier Angeklagten wegen bedingt vorsätzlichen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb bzw. zwei Jahren mit Bewährung verurteilt. Weitere Prozesse gegen Mauerschützen folgen. Im August werden Mauerschützen erstmals des Mordes angeklagt.

  • 24.01.

    Der südafrikanische Präsident Frederik Willem De Klerk kündigt in Kapstadt die Bildung einer Übergangsregierung an, an der auch Vertreter der schwarzen Bevölkerungsmehrheit beteiligt werden sollen.

  • 28.01.

    Das Bundesverfassungsgericht erklärt das Verbot der Nachtarbeit für Frauen für verfassungswidrig, weil es gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoße.

  • 30.01.

    Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) nimmt bei ihrer zweiten Außenministerkonferenz in Prag zehn neue Mitglieder auf. Zukünftig gehören der Organisation, die nun insgesamt 48 Länder umfasst, auch alle in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) zusammengeschlossenen ehemaligen Sowjetrepubliken, bis auf Georgien, an.

  • 31.01.

    Eine Jury aus Germanisten und Sprachwissenschaftlern erklärt das Wort "ausländerfrei" zum "Unwort des Jahres 1991", weil der Ausdruck ein herausragendes Beispiel für den "inhumanen" Gebrauch der deutschen Sprache sei.

FEBRUAR
  • 01.02.

    Russland und Litauen schließen ein Abkommen über den umgehenden Abzug der ehemaligen sowjetischen Streitkräfte aus dem baltischen Staat. Einen Tag später schließt Moskau eine entsprechende Vereinbarung mit Lettland. Verhandlungen mit Estland scheitern allerdings an Verfahrensfragen.

  • 02. - 22.02.

    Im französischen Albertville finden die 16. Olympischen Winterspiele statt.

  • 03.02.

    Der argentinische Präsident Carlos Menem übergibt bisher geheimgehaltene Akten über den Aufenthalt prominenter Nationalsozialisten in Argentinien an das Generalarchiv seines Landes.

  • 05.02.

    Zum Nachfolger des zurückgetretenen thüringischen Ministerpräsidenten Josef Duchac CDU), dem Verstrickungen im SED-Regime vorgeworfen werden, wird der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Bernhard Vogel (CDU), gewählt.

  • 06.02.

    In Budapest wird der deutsch-ungarische Vertrag über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa unterzeichnet. Er regelt unter anderem die wirtschaftliche, finanzielle, wissenschaftliche und regionale Zusammenarbeit beider Staaten sowie den Status und die Rechte der deutschen Minderheit in Ungarn.

  • 07.02.

    Die Außen- und Finanzminister der EG-Mitgliedsstaaten unterzeichnen den 1991 vereinbarten Vertrag von Maastricht über den Ausbau der Gemeinschaft zu einer europäischen Union mit einheitlicher Währung sowie Gemeinsamer Außen- und Sicherheitspolitik (GASP).

    Der ehemalige Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Klaus Kuron, wird vom Düsseldorfer Oberlandesgericht wegen Landesverrats zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Kuron war von 1982 bis 1990 Agent des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR und erhielt für seine Spionagedienste mindestens 692.000 D-Mark.

  • 10.02.

    Vor dem Berliner Landgericht beginnt der Prozess gegen den ehemaligen DDR-Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, wegen eines Doppelmordes im Jahre 1931.

  • 14.02.

    Egon Klepsch (1930-2010) (CDU) wird mit 253 von 446 Stimmen als erster Deutscher zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt.

  • 15.02.

    Der Deutsche Leichtathletik-Verband verhängt über die Sprinterinnen Katrin Krabbe, Grit Breuer und Silke Möller eine Sperre. Der DLV wirft den Sportlerinnen vor, zur Doping-Kontrolle bestimmte Urinproben manipuliert zu haben.

  • 19.02.

    Beide koreanischen Staaten setzen in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang den Nichtangriffspakt und die Erklärung Koreas zur atomwaffenfreien Zone in Kraft.

  • 21.02.

    Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschließt, eine 14.000 Mann starke Friedenstruppe nach Kroatien zu entsenden.

  • 27.02.

    Bundeskanzler Helmut Kohl und Staatspräsident Vaclav Havel schließen in Prag den Vertrag zwischen der Bundesrepublik und der Tschechischen und Slowakischen Föderation über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit. In der Präambel wird unter anderem der Opfer von "Gewaltherrschaft, Krieg und Vertreibung" gedacht und die Nichtigkeit des Münchner Abkommens im Sinne des Prager Vertrages vom 11. Dezember 1973 bestätigt.

  • 28.02.

    Der UN-Sicherheitsrat beschließt die Entsendung von 15.900 Blauhelm-Soldaten nach Kambodscha, um dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land bei der Rückkehr zur Normalität zu helfen. Weitere 5.000 UN-Beamte sollen eine Übergangsverwaltung aufbauen.

MÄRZ
  • 01.03.

    In einer Volksabstimmung entscheiden sich zwei Drittel der Bevölkerung von Montenegro für die Gründung eines neuen jugoslawischen Staates gemeinsam mit Serbien.

  • 03.03.

    Präsident Alija Izetbegovic (1925-2003) verkündet die Unabhängigkeit der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik Bosnien-Herzegowina.

    In einer Sondersitzung der UN-Vollversammlung werden acht Staaten der GUS und San Marino als neue Mitglieder aufgenommen.

  • 04.03. - 31.05.

    Das Alte Museum in Berlin zeigt die Ausstellung "Entartete Kunst - Das Schicksal der Avantgarde im Nazi-Deutschland".

  • 06.03.

    Am 517. Geburtstag des italienischen Bildhauers, Malers, Architekt und Dichters Michelangelo Buonarotti (1475-1564) wird ein Computervirus aktiviert, der die auf EDV-Anlagen gespeicherten Informationen unwiederbringlich löscht.

  • 09.03.

    China tritt formell dem Atomwaffensperrvertrag bei.

  • 10.03.

    Nach dem Sturz des georgischen Präsidenten Swiad Gamsachurdia (1939-1993) wird der frühere sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse (1928-2014) vom georgischen Militärrat an die Spitze des neugebildeten Staatsrats berufen.

  • 12.03.

    Der Bundestag setzt eine Enquete-Kommission aus Abgeordneten und Sachverständigen unter Leitung des ehemaligen DDR-Bürgerrechtlers Rainer Eppelmann (CDU) ein, die die Geschichte der SED erforschen soll.

  • 14.03.

    Die UNO und die KSZE beschließen die Entsendung eines Sonderbeauftragten und einer Delegation, die die Möglichkeiten zur Beendigung des Bürgerkriegs in der mehrheitlich von Armeniern bewohnten aserbeidschanischen Enklave Berg-Karabach prüfen sollen. In dem Krieg zwischen christlichen Armeniern, die den Anschluss an Armenien befürworten, und den moslemischen Aserbeidschanern starben seit 1988 2.000 Menschen.

  • 17.03.

    Bei einem Bombenanschlag auf die israelische Botschaft in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires kommen 28 Menschen ums Leben, 252 Personen werden verletzt. Zu dem Attentat bekennt sich die proiranische Schiitenbewegung "Islamischer Heiliger Krieg".

    68,7 Prozent der weißen Bevölkerung in Südafrika votieren in einem Referendum für die Abschaffung der Rassentrennung und die Fortsetzung der Reformpolitik des südafrikanischen Präsidenten Frederik Willem de Klerk.

  • 18.03.

    Der finnische Reichstag stimmt mit der Mehrheit von 108 gegen 55 Stimmen bei 32 Enthaltungen für einen Beitritt des Landes zur Europäischen Gemeinschaft. Unmittelbar im Anschluß wird die Aufnahme formell in Brüssel beantragt.

  • 23.03.

    Bundespräsident Richard von Weizsäcker eröffnet in Speyer die große Ausstellung "Das Reich der Salier".

  • 27.03.

    Trotz Kritik des Jüdischen Weltkongresses trifft Bundeskanzler Helmut Kohl in München den österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim (1918-2007), der wegen seiner Vergangenheit als Wehrmachtsoffizier international isoliert ist.

  • 31.03.

    Bundesverteidigungsminister Gerhard Stoltenberg (1928-2001) tritt wegen nicht genehmigter Panzerlieferungen an die Türkei von seinem Amt zurück. Die Waffen stammen aus Beständen der Bundeswehr und der Nationalen Volksarmee (NVA) und waren unberechtigt an die Türkei geliefert worden, da der Bundestag am 7. November 1991 die Lieferung von militärischem Material an die Türkei wegen Menschenrechtsverletzungen untersagt hatte.

APRIL
  • 02.04.

    Die französische Premierministerin Edith Cresson reicht nach nur elfmonatiger Amtszeit ihren Rücktritt ein.

  • 04.04.

    Die Nordelbische Landessynode wählt mit klarer Mehrheit die Pröpstin Maria Jepsen zur weltweit ersten evangelisch-lutherischen Bischöfin.

  • 06.04.

    Die Europäische Gemeinschaft erkennt auf einer Konferenz der Außenminister die Unabhängigkeit Bosnien-Herzegowinas an.

  • 07.04.

    Die serbische Minderheit in Bosnien-Herzegowina ruft die "Serbische Republik Bosnien-Herzegowina" aus und fordert den Anschluss an das aus Serbien und Montenegro bestehende, völkerrechtlich nicht anerkannte Rest-Jugoslawien.

  • 09.04.

    Die britischen Konservativen gewinnen mit klarer Mehrheit die Wahlen zum Unterhaus. Der unterlegene Labour-Chef Neil Kinnock gibt am 13. April seinen Rücktritt bekannt.

  • 12.04.

    Bei Paris eröffnet die Walt Disney Company ihren neuen Freizeitpark "Euro-Disneyland".

  • 13.04.

    Präsident Eduard Schewardnadse (1928-2014) und Außenminister Hans-Dietrich Genscher vereinbaren die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen Georgien und der Bundesrepublik Deutschland, die damit als erster westlicher Staat Georgien anerkennt.

  • 15.04.

    Der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen setzt ein Luftverkehrs- und Waffenembargo gegen Libyen in Kraft, um die Auslieferung zweier Flugzeugentführer an die USA oder Großbritannien zu erwirken.

  • 16.04.

    In Afghanistan erzwingen die Mudschaheddin den Rücktritt und die Flucht des kommunistischen Staatspräsidenten Mohammad Nadschibullah (1947-1996), der bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion von dieser unterstützt wurde.

  • 20.04.

    In der spanischen Stadt Sevilla wird die bislang größte Weltausstellung "Expo '92" eröffnet, die bis zum 12. Oktober rund 12 Millionen Besucher anlockt.

  • 24.04.

    Der UN-Sicherheitsrat beschließt die Entsendung von 500 "Blauhelm-Soldaten" nach Somalia, die in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land die Lieferung von Nahrungsmitteln überwachen sollen.

  • 27.04.

    Serbien und Montenegro proklamieren in Belgrad die neue "Bundesrepublik Jugoslawien", die international nicht anerkannt wird.

    Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst kommt es erstmals seit 1974 wieder zu einem flächendeckenden Streik der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), der sich zum längsten Arbeitskampf der ÖTV in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland entwickelt. Am 7. Mai einigen sich die Tarifparteien auf einen Kompromiss, den allerdings 55,9 Prozent der ÖTV-Mitglieder in einer Urabstimmung ablehnen.

  • 28.04.

    Nach dem Rücktritt der Regierung Giulio Andreotti (1919-2013) am 27. April, der die Verstrickung in Korruptionsvorgänge vorgeworfen wird, legt auch der italienische Staatspräsident Francesco Cossiga (1928-2010) zwei Monate vor dem regulären Ende seiner Amtszeit sein Amt nieder.

  • 29.04.

    In der kalifornischen Stadt Los Angeles brechen Rassenunruhen aus, nachdem weiße Polizisten trotz schwerer körperlicher Misshandlungen des schwarzen US-Bürgers Rodney King von einem Gericht freigesprochen wurden. Im Verlauf der Unruhen kommen 58 Menschen ums Leben. Im April 1993 wird ein neues Urteil gesprochen.

MAI
  • 01.05.

    Am Maifeiertag demonstrieren rund 50.000 Altkommunisten und Nationalisten in Moskau gegen den russischen Präsidenten Boris Jelzin und seine Reformpolitik.

  • 02.05.

    Im portugiesischen Porto unterzeichnen Vertreter der Europäischen Gemeinschaft und der Europäischen Freihandelszone (EFTA) einen Vertrag zur Gründung des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR).

  • 03.05.

    Auf ihrem ersten Bundesparteitag entscheiden sich die Delegierten von Bündnis 90 für ein Zusammengehen mit den Grünen.

  • 06.05.

    Im Alter von 90 Jahren stirbt in Paris die Schauspielerin Marlene Dietrich.

  • 08.05.

    SPD und FDP legen einen fraktionsübergreifenden Antrag zur Neuregelung des Abtreibungsrechtes vor, der einen Abbruch bis zur zwölften Schwangerschaftswoche nach vorangegangener Beratung zulässt. Laut Einigungsvertrag muss bis Ende 1992 eine einheitliche Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Ost- und Westdeutschland vorliegen.

  • 11.05.

    In München verabschiedet Bundesverteidigungsminister Volker Rühe die ersten deutschen Soldaten, die sich an einer Friedensmission der UNO beteiligen. Die Sanitätssoldaten sollen im Rahmen der UNO-Aktion in Kambodscha die medizinische Versorgung der "Blauhelm-Soldaten" unterstützen. Auch die SPD stimmt diesem Einsatz von deutschen Soldaten außerhalb des NATO-Gebietes zu.

  • 13.05.

    Das Europäische Patentamt in München erteilt erstmals ein Patent für ein gentechnisch verändertes Tier, die "Harvard-Krebsmaus".

  • 16.05.

    Durch einen Sieg über Bayer Leverkusen am letzten Spieltag wird der VfB Stuttgart Deutscher Fußballmeister.

  • 17.05.

    Auf ihrer Delegiertenkonferenz in Berlin votieren die Grünen für einen Zusammenschluss mit dem ostdeutschen Bündnis 90.

    Der mit 18 Amtsjahren derzeit dienstälteste Außenminister der Welt, Hans-Dietrich Genscher (FDP), tritt zurück. Am darauffolgenden Tag ernennt Bundespräsident Richard von Weizsäcker den bisherigen Justizminister Klaus Kinkel (FDP) zum neuen Außenminister der Bundesrepublik Deutschland. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) wird neue Bundesjustizministerin.

  • 18.05.

    Der ehemalige SS-Oberscharführer Josef Schwammberger wird vom Stuttgarter Landgericht wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

  • 19.05.

    Der französische Konzern Générale des Eaux übernimmt die traditionsreichen DEFA-Filmstudios in Babelsberg bei Berlin.

  • 20.05.

    Im Bundestag wird der am 6. Februar unterzeichnete Freundschaftsvertrag mit Ungarn einstimmig angenommen. Der am 27. Februar geschlossene Freundschaftsvertrag mit der CSFR wird mehrheitlich mit einer von der CSU vorgeschlagenen Resolution verabschiedet. Darin wird der Vertrag gewürdigt, aber die Hoffnung geäußert, dass die CSFR den Sudetendeutschen in der Frage ihrer Rechte entgegen kommt.

  • 22.05.

    Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slowenien werden in die UNO aufgenommen, der nun insgesamt 178 Staaten angehören.

  • 23.05.

    Der sizilianische Richter und Mafiagegner Giovanni Falcone (1939-1992) wird Opfer eines Bombenanschlags der Mafia.

  • 28.05.

    Die Europäische Gemeinschaft beschließt ein Handelsembargo gegen Serbien und Montenegro, um sie zur Einstellung des Krieges in Bosnien-Herzegowina zu zwingen. Auch der Weltsicherheitsrat verhängt am 31. Mai Sanktionen gegen Restjugoslawien, darunter ein Handels- und Ölembargo.

  • 30.05.

    Der frühere Bundespräsident Karl Carstens stirbt im Alter von 77 Jahren in Meckenheim bei Bonn.

JUNI
  • 02.06.

    In einem Referendum lehnen die Dänen mit der knappen Mehrheit von 50,7 Prozent der Stimmen den Vertrag von Maastricht und die Europäische Union ab.

  • 03.06.

    In der brasilianischen Stadt Rio de Janeiro wird der UNO-Umweltgipfel eröffnet. Auf der größten politischen Konferenz in der Geschichte beraten rund 100 Staats- bzw. Regierungschefs und 3.000 Diplomaten aus 170 Ländern über die drängendsten Umweltprobleme.

  • 04.06.

    Bei ihrer Frühjahrstagung in Oslo beschließen die Außenminister der NATO-Staaten, die Truppen des Militärbündnisses künftig auch "out of area", das heißt außerhalb des NATO-Territoriums einzusetzen, falls die KSZE einen Einsatzauftrag hierzu erteilt.

  • 05.06.

    Helmut Dietls (1944-2015) Komödie "Schtonk", die Verfilmung des Skandals um die Veröffentlichung der gefälschten Hitlertagebücher durch die Zeitschrift "stern" im Jahre 1983, erhält den begehrten Deutschen Filmpreis in Gold 1992.

    Der Bundestag beschließt mit den Stimmen der Regierungsfraktionen und fast aller SPD- Abgeordneten das sogenannte Asylbeschleunigungsgesetz, das am 1. Juli in Kraft tritt.

  • 06.06.

    Bei den Parlamentswahlen in der Tschechoslowakei siegt die Demokratische Bürgerpartei (KDS) unter der Führung von Václac Klaus in der tschechischen Teilrepublik, die Bewegung für eine demokratische Slowakei (HZDS) unter dem Vorsitz von Vladimir Meciar in der slowakischen. Am 17. Juni einigen sich beide Wahlsieger auf die Bildung einer Übergangsregierung.

  • 08.06.

    Bei den bisher schwersten Kämpfen zwischen serbischen Freischärlern, die die bosnische Hauptstadt seit Monaten von den umliegenden Bergen aus unter Beschuss nehmen, und bosnischen Regierungstruppen, die eine Gegenoffensive starten, kommen über 30 Menschen ums Leben.

  • 09.06.

    Der UN-Sicherheitsrat beschließt die Entsendung von 1.100 "Blauhelm-Soldaten" nach Bosnien-Herzegowina. Sie sollen den Flughafen von Sarajewo sichern, um die Lieferung von Hilfsgütern für die Bevölkerung zu ermöglichen.

  • 13.06.

    Die Kunstausstellung "documenta 9", bei der 186 Künstler aus aller Welt rund 1.000 Werke präsentieren, öffnet in Kassel für 100 Tage ihre Tore. Bis zum 20. September besuchen 585.000 Besucher die von Jan Hoet (1936-2014) organisierte Schau zeitgenössischer Kunsttendenzen. Erstmals schließt eine "Documenta" ohne Defizit ab.

  • 17.06.

    In Bonn werden die neue Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland und das Kunstmuseum Bonn feierlich eröffnet.

  • 19.06.

    In ihrer "Petersberger Erklärung" beschließen die Außen- und Verteidigungsminister der Westeuropäischen Union (WEU) , der UNO und der KSZE erstmals Truppen zu friedenschaffenden Kampfeinsätzen zur Verfügung zu stellen.

  • 20.06.

    Das Staatspräsidium von Bosnien-Herzegowina ruft offiziell den Kriegszustand aus.

  • 23.06.

    Bei den Parlamentswahlen in Israel siegt die oppositionelle Arbeitspartei von Yitzhak Rabin (1922-1995).

  • 24.06.

    Der russische Präsident Boris Jelzin und der georgische Staatschef Eduard Schewardnadse (1928-2014) vereinbaren einen Waffenstillstand im georgischen Bürgerkrieg um Südossetien, das sich von Georgien trennen und Russland anschließen will.

  • 25.06.

    Elf Regierungschefs der Schwarzmeerregion unterzeichnen in Istanbul eine "Deklaration über wirtschaftliche Zusammenarbeit am Schwarzen Meer".

  • 26.06.

    Nach einer 14-stündigen Debatte über die Neuregelung des Abtreibungsrechts votieren 356 von insgesamt 662 Abgeordneten des Bundestags in einer Abstimmung, bei der der Fraktionszwang aufgehoben wird, für eine Fristenlösung mit Beratungspflicht.

  • 28.06.

    100.000 Menschen fordern bei einer Demonstration in Belgrad den Rücktritt des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic (1941-2006), Neuwahlen zu einem verfassungsgebenden Parlament und die Bildung einer Regierung der "Nationalen Rettung".

  • 29.06.

    Nur wenige Monate nach seiner Rückkehr aus dem Exil in Marokko wird der neuernannte algerische Präsident Mohammed Boudiaf (1919-1992), Symbolfigur des Unabhängigkeitskrieges gegen die französische Kolonialmacht, Opfer eines Mordanschlags.

  • 30.06.

    Die Bonner Regierungskoalition beschließt die Einführung der Pflegeversicherung ab 1. Januar 1995 bzw. 1. Januar 1996.

JULI
  • 02.07.

    Die UNO richtet eine internationale Luftbrücke ein, um die Bevölkerung in der eingeschlossenen Stadt Sarajewo mit Hilfsgütern zu versorgen.

    100.000 Anhänger der Opposition demonstrieren in Belgrad für den Rücktritt des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic (1941-2006). Zwei Tage später nehmen wiederum 100.000 Menschen an entsprechenden Kundgebungen teil.

  • 03.07.

    Der tschechoslowakische Präsident und Schriftsteller Václav Havel tritt von seinem Amt zurück, weil ihm die slowakischen Abgeordneten die für eine weitere Amtszeit notwendige Zustimmung versagen.

    Die kroatische Minderheit in Bosnien-Herzegowina ruft im südwestlichen Teil der Republik einen eigenen Staat "Herceg-Bosna" aus.

  • 04.07.

    An der Luftbrücke für die bosnische Stadt Sarajewo beteiligen sich erstmals auch Flugzeuge der Bundeswehr. Die SPD stimmt diesen Hilfsmaßnahmen im Bundestag ausdrücklich zu.

  • 06.07.

    Zum ersten Mal seit der Teilung Irlands 1921 findet in London ein Treffen von Politikern der Republik Irland und Nordirlands statt.

    Am Rande des 18. Weltwirtschaftsgipfels in München kommt es zu einer Einkesselung von Demonstranten durch die Polizei, die zu heftigen Kontroversen führt.

    Die versammelten Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industriestaaten drohen den jugoslawischen Bürgerkriegsparteien mit "militärischen Mitteln" und bieten Russland "Hilfe zur Selbsthilfe" an.

  • 13.07.

    Das Bundesverfassungsgericht weist Klagen von Vertriebenen gegen den deutsch-polnischen Grenzvertrag zurück und erklärt die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als deutsche Ostgrenze für verfassungsgemäß.

  • 15.07.

    Die Bundesregierung beschließt die Teilnahme von Kriegsschiffen der Bundesmarine an der Überwachung des UN-Embargos gegen Rest-Jugoslawien.

  • 17.07.

    Auf dem kroatischen Flughafen Zadar kommen zwei französische UN-Soldaten ums Leben, als sie mit ihrem Wagen auf eine Landmine fahren.

  • 18.07.

    Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, stirbt im Alter von 79 Jahren in Berlin.

  • 20.07.

    Bund und Länder einigen sich auf humanitäre Hilfeleistungen für Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina. Die ersten Opfer des jugoslawischen Bürgerkriegs kommen am 25. Juli in der Bundesrepublik an.

  • 21.07.

    Die Präsidenten Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas vereinbaren in Zagreb ein Militärbündnis und die gegenseitige Anerkennung.

  • 24.07.

    Die für ostdeutsche Leser entworfene Boulevard-Zeitung "Super" stellt ihr Erscheinen ein.

  • 25.07.

    In Barcelona eröffnet der spanische König Juan Carlos die 25. Olympischen Sommerspiele, an denen erstmals seit 1960 auch wieder eine Mannschaft aus Südafrika teilnimmt.

  • 27.07.

    Der UN-Sicherheitsrat beschließt die Entsendung von weiteren "Blauhelm-Soldaten" nach Somalia, um den Hungertod von 1,5 Millionen Menschen durch eine Luftbrücke zu verhindern.

  • 29.07.

    Der ehemalige Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, wird nach fast achtmonatigem Aufenthalt in der chilenischen Botschaft in Moskau von der russischen Regierung zur Rückkehr in die Bundesrepublik gezwungen.

AUGUST
  • 02.08.

    Bei den ersten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Kroatien stimmen 57 Prozent der Wähler für den bisherigen Präsidenten Franjo Tudjman (1922-1999).

  • 03.08.

    Russland und die Ukraine einigen sich im Streit um die ehemals sowjetische Schwarzmeerflotte auf eine gemeinsame Kontrolle bis 1995.

  • 04.08.

    Der Weltsicherheitsrat verurteilt die Verletzung von Menschenrechten in Gefangenlagern auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawiens.

    Das Bundesverfassungsgericht stoppt auf Antrag des Landes Bayern und von 247 CDU/CSU-Abgeordneten das Inkrafttreten des am 25. Juni verabschiedeten neuen Abtreibungsgesetzes per einstweiliger Verfügung.

  • 12.08.

    In Washington einigen sich die USA, Kanada und Mexiko auf die Bildung einer Freihandelszone (NAFTA).

  • 13.08.

    Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet eine Resolution, um die militärische Sicherung von Hilfslieferungen für Bosnien-Herzegowina zu ermöglichen.

  • 14.08.

    Der ehemalige DDR-Ministerpräsident Willi Stoph wird vom Berliner Kammergericht aus gesundheitlichen Gründen aus der Untersuchungshaft entlassen.

  • 19.08.

    Der deutsche Schwulenverband demonstriert mit der "Aktion Standesamt" für die gleichgeschlechtliche Ehe. Etwa 250 homosexuelle Paare beantragen demonstrativ bei den Standesämtern ihre Eheschließung.

  • 24.08.

    In Rostock kommt es zu den bisher schwersten Gewalttaten gegen Ausländer in Deutschland. Rechtsextreme Jugendliche zünden unter dem Beifall erwachsender Sympathisanten und ungehindert von der Polizei einen Wohnblock an, in dem vor allem Vietnamesen leben.

  • 25.08.

    In Berlin unterzeichnen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen (CDU), sowie der brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) den Hauptstadt-Vertrag.

  • 27.08.

    Die vom Hamburger Bauer-Verlag herausgegebene und 1948 gegründete Illustrierte "Quick" wird wegen großer Einbußen im Anzeigengeschäft eingestellt.

  • 29.08.

    Armenien und Aserbaidschan vereinbaren einen 60tägigen Waffenstillstand im Kampf um die armenische Enklave Berg-Karabach.

  • 30.08.

    Als weltweit erste evangelisch-lutherische Bischöfin wird die Theologin Maria Jepsen in ihr Amt eingeführt. Sie betreut den Sprengel Hamburg der Nordelbischen Kirche.

    Der deutsche Formel-1-Rennfahrer Michael Schumacher gewinnt in Spa den Großen Preis von Belgien. Dies ist der dritte Grand-Prix-Sieg eines Deutschen.

SEPTEMBER
  • 03.09.

    Die Genfer Abrüstungskonferenz verabschiedet nach 24-jährigen Verhandlungen einen Vertrag über die weltweite Vernichtung aller chemischen Waffen. Der Vertrag wird vom 13. bis 15. Januar 1993 in Paris von 130 Staaten unterzeichnet. Das Abkommen verbietet weltweit die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und den Einsatz chemischer Waffen.

  • 09.09.

    Der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin (1922-1995) bietet Syrien im Tausch gegen einen "wirklichen Frieden" die Rückgabe eines Teils der 1967 im Sechs-Tage-Krieg eroberten Golanhöhen an.

  • 12.09.

    Der Führer der maoistischen Terrorbewegung "Leuchtender Pfad", Abimael Guzmán, wird in einem Vorort der peruanischen Hauptstadt Lima von Sicherheitskräften festgenommen.

  • 15. - 18.09.

    In Berlin tagt die Sozialistische Internationale (SI). Sie wählt den ehemaligen französischen Regierungschef Pierre Mauroy (1928-2013) zum Nachfolger des seit 16 Jahren amtierenden Vorsitzenden Willy Brandt, der wegen einer schweren Erkrankung seine geplante Abschiedsrede nicht selbst halten kann.

  • 16.09.

    Das britische Pfund und die italienische Lira scheiden aus dem Wechselkurssystem des Europäischen Währungssystems (EWS) aus. Sie bleiben nach dem Austritt dem freien Spiel der Märkte überlassen.

  • 17.09.

    In Berlin fallen vier iranische Oppositionspolitiker, die am Kongress der Sozialistischen Internationale teilnehmen, einem Attentat zum Opfer. Als mutmaßliche Täter verhaftet die Polizei in Rheine/Westfalen zwei libanesische Asylbewerber.

  • 20.09.

    Die französische Bevölkerung stimmt mit der knappen Mehrheit von 51,04 Prozent für die Verträge von Maastricht über eine künftige Europäische Union. An der Abstimmung beteiligen sich nur 69,7 Prozent der hierzu berechtigten Franzosen.

    Ignatz Bubis wird in Bonn als Nachfolger des verstorbenen Heinz Galinski zum Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt.

  • 22.09.

    Die UN-Vollversammlung lehnt mit großer Mehrheit eine Anerkennung der aus Serbien und Montenegro bestehenden "Bundesrepublik Jugoslawien" als Nachfolgestaat Jugoslawiens ab.

  • 24.09.

    Die sechste Runde der Nahost-Friedensgespräche in Washington endet ohne Ergebnis, weil sich die Unterhändler nicht auf einen gemeinsamen Prinzipienkatalog einigen können.

  • 26.09.

    Bei einem Brandanschlag auf die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Oranienburg wird ein Museumsgebäude zerstört.

  • 29.09.

    In namentlicher Abstimmung votieren 441 der 503 brasilianischen Abgeordneten für die Entlassung von Präsident Fernando Collor de Mello, dem illegale Bereicherung, Korruption und Amtsmissbrauch vorgeworfen werden. Er muss sein Amt für 180 Tage ruhen lassen, bis der Senat über die Vorwürfe gegen ihn entschieden hat, und tritt am 29. Dezember zurück.

  • 30.09.

    Bei den ersten freien Wahlen in Angola gewinnt die seit 1975 regierende Volksfront zur Befreiung Angolas (MPLA).

OKTOBER
  • 08.10.

    Der frühere Bundeskanzler und SPD-Vorsitzende Willy Brandt stirbt in seinem Wohnort Unkel bei Bonn im Alter von 78 Jahren.

  • 09.10.

    Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Flugverbot über Bosnien-Herzegowina, um serbische Luftangriffe zu unterbinden.

  • 11.10.

    Der georgische Staatschef Eduard Schewardnadse (1928-2014) wird bei den Präsidentenwahlen mit rund 95 Prozent der abgegebenen Stimmen im Amt bestätigt.

  • 15.10.

    Nach einer Einigung der Regierungsparteien spricht sich der Bundestag mit den Stimmen der Koalition aus CDU/CSU und FDP für eine Änderung des Asylartikels im Grundgesetz aus. Die SPD bleibt der Abstimmung fern, Bündnis 90 und PDS lehnen die Grundgesetzänderung ab.

  • 16.10.

    Im ukrainischen Tschernobyl, das 1986 den weltweit größten Kernreaktorunfall erlebte, wird der dritte Block des Kernkraftwerks wieder gestartet.

  • 17.10.

    Nach einem Staatsakt im Reichstagsgebäude wird der frühere Bundeskanzler und ehemalige SPD-Vorsitzende Willy Brandt auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof in Berlin beigesetzt.

  • 19.10.

    Die Politiker der Grünen Petra Kelly und Gert Bastian (1923-1992) werden in ihrem Wohnhaus in Bonn-Tannenbusch tot aufgefunden. Polizeiermittlungen legen die Möglichkeit nahe, dass Gert Bastian zunächst seine Lebensgefährtin und anschließend sich selbst erschossen hat. Das Motiv der Tat bleibt ungeklärt, ein Abschiedsbrief wird nicht gefunden.

  • 22.10.

    Die britische Königin Elisabeth II. besucht das im Februar 1944 von britischen Bomben weitgehend zerstörte Dresden. Trotz des kühlen Empfangs durch die Bevölkerung gilt die Reise der Königin, die sie auch nach Leipzig und Potsdam führt, als positives Signal für die seit dem Austritt Großbritanniens aus dem Europäischen Währungssystem belasteten deutsch-britischen Beziehungen.

  • 25.10.

    Die früheren Kommunisten unter der Führung von Algirdas Brazauskas (1932-1992) gewinnen überraschend die Parlaments- und Präsidentenwahlen in Litauen.

  • 26.10.

    Die kanadische Bevölkerung lehnt eine geplante Reform der Verfassung, die unter anderem den Provinzen größere Eigenständigkeit geben soll, in einer Volksabstimmung ab.

  • 28.10.

    Die brandenburgische Bildungsministerin Marianne Birthler (Bündnis 90) tritt wegen des Verhaltens von Ministerpräsident Manfred Stolpe im Zusammenhang mit dessen ungeklärten Stasi-Kontakten zurück.

    Bei der Internationalen Jugoslawienkonferenz in Genf wird als wichtigstes Ergebnis der "Vance-Owen-Friedensplan", benannt nach den beiden Vermittlern Cyrus Vance für die UNO und Lord David Owen für die EG, bekannt. Er sieht einen einheitlichen, demokratischen Staat Bosnien-Herzegowina mit neun autonomen und nach Nationen aufgeteilten Provinzen vor.

  • 30.10.

    Der Bundestag hält seine erste Sitzung in dem von Günter Behnisch (1922-2010) konzipierten neuen Plenarsaal am Bonner Rheinufer ab.

NOVEMBER
  • 01.11.

    In Frankreich wird ein strenges Antirauchergesetz eingeführt, das unter anderem Rauchen an öffentlichen Plätzen untersagt.

  • 02.11.

    Bei seinem Besuch in der chinesischen Hauptstadt Peking erklärt Außenminister Klaus Kinkel, dass die deutsch-chinesischen Beziehungen wieder als normalisiert angesehen werden könnten. Kinkel ist der erste deutsche Spitzenpolitiker, der die Volksrepublik nach der blutigen Unterdrückung der chinesischen Demokratiebewegung im Jahr 1989 besucht.

  • 03.11.

    Der Kandidat der Demokraten und Gouverneur des US-amerikanischen Bundesstaates Arkansas, Bill Clinton, setzt sich gegen den republikanischen Amtsinhaber George Bush und den unabhängigen Kandidaten Ross Perot durch und gewinnt die amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Der 46-jährige ist nach Theodore Roosevelt und John F. Kennedy der drittjüngste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

  • 07.11.

    Der tschechoslowakische Reformpolitiker Alexander Dubcek, Symbolfigur des Prager Frühlings, stirbt an den Folgen eines Autounfalls.

  • 08.11.

    Unter dem Motto "Die Würde des Menschen ist unantastbar" demonstrieren rund 350.000 Menschen in Berlin gegen die zunehmende Ausländerfeindlichkeit in der Bundesrepublik. Einige hundert Gegendemonstranten stören die von Bundespräsident Richard von Weizsäcker gehaltene Rede bei der Abschlusskundgebung.

  • 12.11.

    Vor dem Berliner Landgericht beginnt der Prozess gegen den ehemaligen Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, und fünf weitere führende SED-Politiker. Neben Honecker werden der ehemalige Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, der frühere Verteidigungsminister Heinz Keßler, sein Stellvertreter Fritz Streletz, Willi Stoph, der ehemalige DDR-Ministerpräsident, und der frühere SED-Bezirkssekretär von Suhl, Hans Albrecht (1919-2008), angeklagt.

  • 14.11.

    Mehr als 100.000 Menschen demonstrieren in Bonn unter dem Motto "Grundrechte verteidigen, Flüchtlinge schützen, Rassismus bekämpfen" gegen den wachsenden Fremdenhass.

  • 16.11.

    Der UN-Sicherheitsrat verschärft die bislang nicht eingehaltene Handelsblockade gegen Rest-Jugoslawien.

  • 17.11.

    Auf ihrem Sonderparteitag in Bonn verabschieden die SPD-Delegierten Grundsatzbeschlüsse zur Änderung des Asylrechts und zur Beteiligung von deutschen Soldaten an UNO-Einsätzen.

  • 23.11.

    In der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Mölln kommen drei Türkinnen bei einem Brandanschlag rechtsextremer Gewalttäter ums Leben, sieben Personen werden verletzt.

    Die Parteien Die Grünen und Bündnis 90 unterzeichnen in Bonn einen Vertrag über die Vereinigung beider Gruppierungen.

  • 27.11.

    Als Reaktion auf den Brandanschlag in Mölln verbietet Bundesinnenminister Rudolf Seiters die rechtsextremistische Organisation "Nationalistische Front". Bei der Durchsuchung von Wohnungen und Büros wird zahlreiches Propagandamaterial sichergestellt.

    Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingskommissariats sind im Bürgerkriegsgebiet des früheren Jugoslawiens etwa drei Millionen Menschen auf der Flucht. Die Hälfte der Flüchtlinge stammt aus Bosnien-Herzegowina. Knapp 600.000 Flüchtlinge sind in andere europäische Länder geflohen, vor allem nach Deutschland.

  • 30.11.

    Die UN-Menschenrechtskommission verurteilt die bosnischen Serben wegen ihrer Politik der "ethnischen Säuberungen" und anderer Menschenrechtsverletzungen.

DEZEMBER
  • 02.12.

    Mit 543 gegen 17 Stimmen billigen die Abgeordneten des Deutschen Bundestags das Vertragswerk von Maastricht zur Gründung einer Europäischen Union.

  • 06.12.

    In München protestieren mehr als 400.000 Menschen mit einer 45 Kilometer langen Lichterkette gegen Ausländerfeindlichkeit in Deutschland.

    Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP einigt sich mit der größten Oppositionspartei SPD über eine Änderung des Artikels 16 im Grundgesetz zum Asylrecht. Nach dem neuen Grundgesetzartikel 16a sollen Asylbewerber aus anderen EG-Staaten und sogenannten sicheren Drittländern ohne Gerichtsverfahren zurückgeschickt werden.

    Bei einer Volksabstimmung lehnen die stimmberechtigten Schweizer den Beitritt ihres Landes zum Europäischen Wirtschaftsraum mehrheitlich ab.

    Bei den ersten freien Wahlen in der unabhängigen Republik Slowenien siegt der bisherige Staatspräsident und ehemalige Reformkommunist Milan Kucan mit 64 Prozent der Stimmen. Stärkste Fraktion im Parlament sind die Liberaldemokraten mit 23,3 Prozent der Stimmen.

  • 07.12.

    In Washington beginnt die achte Runde der Nahost-Friedensgespräche, die nach zehn Tagen ohne greifbare Ergebnisse beendet wird.

  • 08.12.

    Durch eine Großoffensive serbischer Truppen wird die bosnische Hauptstadt Sarajewo von der Außenwelt abgeschnitten.

  • 09.12.

    In der somalischen Hauptstadt Mogadischu landen die ersten Soldaten einer multinationalen Friedenstruppe unter militärischer Leitung der USA, die im Auftrag der UNO aufgrund eines Weltsicherheitsrats-Beschlusses vom 3. Dezember 1992 den Transport und die Verteilung von Lebensmitteln sichern soll. Es ist die erste UN-Militärmission zur Durchsetzung humanitärer Ziele.

    Mit breiter Mehrheit billigt der Bundestag die von vielen Ärzten und Apothekern bekämpfte Gesundheitsreform.

  • 10.12.

    Bundesinnenminister Rudolf Seiters verbietet die rechtsextreme Vereinigung "Deutsche Alternative", deren rund 350 Mitglieder vor allem in Brandenburg leben.

  • 13.12.

    Bei einer Volksabstimmung entscheiden sich 55,8 Prozent der Liechtensteiner für den Beitritt ihres Landes zum Europäischen Wirtschaftsraum.

  • 14.12.

    Der russische Volksdeputiertenkongress wählt den ehemaligen sowjetischen Energieminister Wiktor Tschernomyrdin (1938-2010), einen Kritiker der forcierten Privatisierungspolitik, zum neuen Ministerpräsidenten.

    Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling tritt aus Protest gegen die Jugoslawien-Politik der Bundesregierung von seinem Ministeramt zurück.

  • 16.12.

    Der UN-Sicherheitsrat billigt die Entsendung von 7.500 Blauhelm-Soldaten und Zivilbeamten nach Mosambik zur Überwachung des Waffenstillstandes und des Bürgerkriegsendes.

  • 17.12.

    Bundeskanzler Helmut Kohl kündigt an, dass sich die Bundesrepublik mit 1.500 Soldaten an der UN-Mission in Somalia beteiligen wird.

    Der serbische Präsident Slobodan Milosevic (1941-2006) wird bei den vorgezogenen Präsidentschaftswahlen mit 56,3 Prozent der Stimmen in seinem Amt bestätigt. Seine Sozialistische Partei verliert jedoch bei den Parlamentswahlen die absolute Mehrheit und muss künftig mit der extrem nationalistischen Radikalen Partei regieren.

  • 22.12.

    Die USA heben das 1989 nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung gegen China verhängte Waffenembargo auf.

  • 23.12.

    Der neue Privatsender RTL 2 geht auf Sendung, nachdem er die notwendige Lizenz von der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk erhalten hat.

  • 28.12.

    Der Schriftsteller Günter Grass tritt wegen der Kursänderung der SPD in der Asylfrage aus der Partei aus.

  • 29.12.

    Die USA und Russland einigen sich in Genf auf den START (Strategic Arms Reduction Talks) -II-Vertrag zur weltweiten Reduzierung der strategischen Nuklearwaffen.

(ahw/cwg) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 12.09.2014
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Hinz-Wessels, Annette/Wagner, Claudia: Jahreschronik 1992, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/jahreschronik/1992.html
Zuletzt besucht am: 30.09.2016

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