Jahreschronik 1961

JANUAR
  • 01.01.

    Der Interzonenhandel zwischen der Bundesrepublik und der DDR wird wiederaufgenommen.

  • 03.01.

    Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA.

  • 04.01.

    Der letzte Band des Deutschen Wörterbuches der Brüder Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859), die vor 123 Jahren mit der Arbeit begonnen hatten, wird fertiggestellt.

FEBRUAR
  • 12.02.

    Die DDR-Behörden hindern zahlreiche evangelische Bischöfe, die am Eröffnungsgottesdienst der gesamtdeutschen Synode in der Ost-Berliner Marienkirche teilnehmen wollen, am Betreten des östlichen Stadtteils.

  • 23.02.

    Verabschiedung des "Bundesangestelltentarifvertrages" (BAT). Darin werden die Arbeitsbedingungen und die Sozialleistungen für rund 500.000 Angestellte des Bundes, der Länder und Gemeinden geregelt.

  • 28.02.

    Das Bundesverfassungsgericht legt fest, dass Rundfunk Ländersache ist. Die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geplante "Deutschland Fernsehen GmbH", die dem Bund unterstellt werden sollte, wird als verfassungswidrig erklärt.

MÄRZ
  • 16. - 19.03.

    Das Zentralkomitee der SED beschließt den "Plan Neue Technik", mit dem nach der Kollektivierung der Landwirtschaft die Entwicklung der Industrie vorangetrieben werden soll.

  • 18.03.
    Franz Josef Strauß wird zum neuen Vorsitzenden der Christlich-Sozialen Union (CSU) gewählt.
  • 28. - 29.03.

    Der Politische Beratende Ausschuss des Warschauer Paktes in Moskau beschließt die Erhöhung der Verteidigungsbereitschaft der DDR durch Lieferung modernster Waffen an die Nationale Volksarmee (NVA).

  • 30.03.

    Atomwaffengegner nehmen in zahlreichen Städten der Bundesrepublik an Ostermärschen gegen die Aufrüstung teil.

APRIL
  • 03.04.

    Die ersten Zivildienstleistenden nehmen in der Bundesrepublik ihren Dienst in sozialen Einrichtungen auf.

  • 11.04.

    Prozessbeginn gegen den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann in Jerusalem.

  • 12.04.

    Die Volkskammer beschließt das "Gesetzbuch der Arbeit". Es regelt die Positionen des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) im Rahmen der DDR-Planwirtschaft und die Positionen der Arbeiter in den Betrieben. Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin (1934-1968) startet als erster Mensch ins Weltall.

  • 17. - 20.04.

    Eine vom amerikanischen Geheimdienst CIA geplante Invasion von Exilkubanern in der Schweinebucht auf Kuba scheitert. Kuba reagiert mit einer stärkeren Anlehnung an die Sowjetunion.

  • 23.04.
    Herbert Wehner gibt die Koalitionsbereitschaft der SPD mit der CDU bekannt. In Sachsenhausen wird eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus eingeweiht.
  • 25.04.

    Konrad Adenauer lehnt eine Zusammenarbeit mit der SPD ab.

MAI
  • 04.05.

    Der Bundestag billigt den im August 1959 unterzeichneten Truppenvertrag zwischen der Bundesrepublik und den NATO-Mitgliedsstaaten. Der neue Truppenvertrag enthält wesentliche Verbesserungen für die deutsche Seite gegenüber den bisherigen Regelungen. Unter anderem werden die alliierten Manöverrechte eingeschränkt und die Zuständigkeiten der deutschen Gerichtsbarkeit erweitert.

  • 05.05.

    Der US-Amerikaner Alan B. Shepard (1923-1998) fliegt als zweiter Mensch nach dem sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin in den Weltraum.

  • 19.05.

    Gründung der "Stiftung Volkswagenwerk" zur Förderung von Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre.

JUNI
  • 03. - 04.06.

    Der sowjetische Partei- und Regerierungschef Nikita S. Chruschtschow und der amerikanische Präsident John F. Kennedy treffen in Wien zu einem zweitägigen Meinungsaustausch über Abrüstungsfragen und das Berlin-Problem zusammen, ohne eine Einigung zu erzielen.

  • 04.06.

    Chruschtschow überreicht Kennedy in Wien ein Memorandum zur Deutschlandpolitik, das sogenannte Berlin-Memorandum. Darin schlägt er die Umwandlung West-Berlins in eine entmilitarisierte und neutrale Stadt vor und fordert den Abschluss eines Friedensvertrages. Das Memorandum wird erst am 10. Juni veröffentlicht. Bundeskanzler Adenauer lehnt eine Entmilitarisierung Berlins ab; auch die drei Westmächte zeigen eine ablehnende Haltung.

  • 06.06.

    Gründung des "Zweiten Deutschen Fernsehens" (ZDF) mit Sitz in Mainz durch einen Staatsvertrag der Länder der Bundesrepublik als gemeinnützige Anstalt des öffentlichen Rechtes.

  • 15.06.

    Der DDR Staats- und Parteichef Walter Ulbricht erklärt in einer internationalen Pressekonferenz zu innerdeutschen Absperrmaßnahmen: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten".

  • 17.06.

    In Bayern liefert nach drei Jahren Bauzeit das erste deutsche Atomkraftwerk, das Kernkraftwerk Kahl, Strom.

  • 24.06.

    Der 1. FC Nürnberg wird nach einem 3:0-Sieg über Borussia Dortmund Deutscher Fußballmeister.

  • 28.06.

    Der Bundestag beschließt das Familienrechts-Änderungsgesetz, mit dem eine Ehescheidung erschwert wird.

  • 30.06.

    Verabschiedung des Bundessozialhilfegesetzes. Es tritt als drittes Grundprinzip der sozialen Sicherung neben die staatliche Sozialversicherung und das Vorsorgegesetz. Aufgabe der Sozialhilfe ist es, Hilfsbedürftigen ein menschenwürdiges Leben zu sichern.

JULI
  • 01.07.

    Im bundesdeutschen Bankengewerbe wird die Fünf-Tage-Woche eingeführt; samstags bleiben die Banken von nun an geschlossen.

  • 05.07.

    Der Ministerrat der DDR beschließt die Bildung des Volkswirtschaftsrates.

  • 12.07.

    Der Bundestag verabschiedet das "Gesetz zur Förderung der Vermögensbildung der Arbeitnehmer", das sogenannte "312-Mark-Gesetz".

  • 18.07.

    Gesetz über die Gewährung von Kindergeld und die Errichtung von Kindergeldkassen in der Bundesrepublik.

  • 19. - 23.07.

    Der Evangelische Kirchentag wird nur in West-Berlin abgehalten, in Ost-Berlin wird er von der DDR-Regierung verboten.

  • 25.07.

    Der US-amerikanische Präsident John F. Kennedy erklärt in einer Fernsehrede seine Entschlossenheit, die Anwesenheit westlicher Truppen in West-Berlin, den freien Zugang von und nach Berlin sowie die Freiheit und Lebensfähigkeit der Stadt zu verteidigen.

AUGUST
  • 01.08.

    Die Regierung der DDR kündigt Beschränkungen im innerdeutschen Reiseverkehr an.

  • 03. - 05.08.

    Die Ersten Sekretäre der kommunistischen Parteien und Arbeiterparteien der Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes beraten in Moskau über "Maßnahmen zur Sicherung des Friedens". Sie geben ihre unveröffentlichte Zustimmung zur Abriegelung der Fluchtwege nach West-Berlin.

  • 09.08.

    In Ost-Berlin werden die Grenzgänger, die im Westteil der Stadt arbeiten, registriert.

  • 11.08.

    Die Volkskammer beauftragt den Ministerrat, die auf der Tagung der Warschauer Pakt-Staaten beschlossenen Maßnahmen zur Grenzsicherung in und um Berlin "vorzubereiten und durchzuführen".

  • 13.08.

    Bewaffnete Volkspolizisten der DDR riegeln Ost-Berlin gegen West-Berlin ab. Der Mauerbau beginnt.

  • 14.08.

    Das Brandenburger Tor, zunächst Grenzübergang, wird seitens der DDR zum Westen hin geschlossen. Die Telefonverbindungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR werden vorübergehend unterbrochen. Auch West-Berlin ist von dieser Sperre betroffen.

  • 16.08.

    Für alle Bewohner der DDR und Ost-Berlins wird die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland gesperrt.

  • 19. - 21.08.

    Besuch des US-Vizepräsidenten Lyndon B. Johnson (1908-1973) in Bonn und Berlin. Johnson bekräftigt in einer Rede vor dem Schöneberger Rathaus die US-amerikanischen Sicherheitsgarantien.

  • 30.08.

    US-Präsident Kennedy kündigt die Ernennung des früheren amerikanischen Militärgouverneurs Lucius D. Clay zum Sonderbeauftragten für West-Berlin an.

  • 31.08.

    Die Sowjetunion beschließt, die Atomwaffenversuche wieder aufzunehmen. Dadurch wird die Konferenz über die kontrollierte Einstellung der Atomwaffenversuche in Genf vorzeitig beendet.

SEPTEMBER
  • 01.09.

    In einer Wahlkampfrede fordert Bundeskanzler Adenauer die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen. Das Außenwirtschaftsgesetz der Bundesrepublik tritt in Kraft. Mit dem Gesetz wird die Devisenbewirtschaftung und die staatliche Kontrolle des Wirtschaftsverkehrs mit dem Ausland beendet.

  • 05.09.

    In einer FDJ-Aktion werden die nach Westen gerichteten Fernsehantennen beseitigt.

  • 07.09.

    Ost-Berlin wird als Hauptstadt der DDR zum 15. Bezirk der DDR erklärt.

  • 17.09.
    Wahlen zum 4. Deutschen Bundestag. Die CDU/CSU verliert mit 45,3 Prozent die absolute Mehrheit, bleibt aber führende politische Kraft in der Bundesrepublik. Die SPD erringt 36,2 prozent und die FDP 12,8 Prozent der Stimmen.
  • 20.09.

    Die Volkskammer verabschiedet das "Gesetz zur Verteidigung der DDR". Es beinhaltet die Regelung des militärischen und zivilen Einsatzes im Verteidigungsfall. In Ost-Berlin werden die Gebäude entlang der Grenze zu West-Berlin gewaltsam geräumt.

  • 30.09.

    Gründung der "Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung" (OECD) in Paris, in der Nachfolge der "Organisation für Europäische Zusammenarbeit" (OEEC). Ziel der Organisation ist es, die wirtschaftliche Zusammenarbeit des Atlantischen Bündnisses zu koordinieren.

OKTOBER
  • 10. - 11.10.

    Auf der Wirtschaftskonferenz des Zentralkomitees der SED und des Ministerrates werden Maßnahmen zur "Störfreimachung" der Wirtschaft beraten.

  • 17.10.

    Bundeskanzler Adenauer gibt bekannt, dass er nicht die volle Legislaturperiode Kanzler bleiben wird.

  • 27.10.

    Am Berliner Sektorengrenzübergang "Checkpoint Charlie" stehen sich erstmals amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber.

  • 30.10.

    Anwerbevereinbarungen für Gastarbeiter zwischen der Bundesregierung und der Türkei. Der Parteitag der KPdSU beschließt die Entfernung von Stalins Leichnam aus dem Mausoleum am Roten Platz in Moskau.

NOVEMBER
  • 05.11.

    Auf der 6. Bezirkskunstausstellung in Leipzig werden Werke von Bernhard Heisig, Werner Tübke (geb. 1929) und Wolfgang Mattheuer präsentiert.

  • 07.11.

    Konrad Adenauer wird zum vierten Mal zum Bundeskanzler gewählt.

  • 14.11.

    Die neue Bundesregierung wird aus der Regierungskoalition von CDU, CSU und FDP gebildet. Erstmals in der Bundesrepublik übernimmt eine Frau einen Ministerposten: Elisabeth Schwarzhaupt (1901-1986) übernimmt das neugeschaffene Ressort für Gesundheit.

  • 24.11.

    Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, das für die Entwicklungspolitik zuständig ist, wird gegründet.

  • 30.11.

    In einem Brief schlägt der DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl Bundeskanzler Adenauer vor, Schritte zur Normalisierung der Beziehungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik einzuleiten.

DEZEMBER
  • 03.12.

    Das Bundeskanzleramt verweigert die Annahme des Briefes der DDR-Regierung vom 30.11. mit Vorschlägen über Gespräche zwischen "beiden deutschen Staaten".

  • 10.12.

    Verleihung der Nobelpreise in Stockholm. Den Physiknobelpreis erhält der deutsche Rudolf Ludwig Mößbauer (geb. 1929) zusammen mit dem US-Amerikaner Robert Hofstadter (1915-1990). Mößbauer erforscht die Gammastrahlen. Der von ihm formulierte Mößbauer-Effekt ermöglicht feinste Energiedifferenz- und Frequenzmessungen, mit denen Teile von Albert Einsteins Relativitätstheorie nachgewiesen werden können. Hofstadter hat den Schalenaufbau der Atomkerne erkannt und 1953 bewiesen, dass die Elementarteilchen aus sogenannten Quarks aufgebaut sind.

  • 15.12.

    Der ehemalige SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann wird in Jerusalem als einer der Organisatoren des Völkermordes an den europäischen Juden zum Tode verurteilt.

  • 30.12.

    In einem Interview äußert sich Ulbricht zur Massenflucht aus der DDR und beklagt, dass der DDR durch sie ein Schaden von rund 30 Milliarden Mark entstanden sei.

(iz/cwg) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 19.02.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Zündorf, Irmgard/Wagner, Claudia: Jahreschronik 1961, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/jahreschronik/1961.html
Zuletzt besucht am: 31.05.2016

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