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- Januar
- 1.1.
Durch den Beitritt von Österreich, Finnland und Schweden wird die
Europäischen Union
(EU) eine Gemeinschaft von 15 Staaten.
In Bosnien-Herzegowina tritt ein viermonatiger Waffenstillstand in Kraft.
- 17.1.
Die Region um die japanischen Millionenstädte Kobe und Osaka wird in den Morgenstunden
von einem Erdbeben der Stärke 7,2 auf der Richterskala erschüttert. Mehr als 5.000 Menschen
kommen ums Leben und fast 27.000 erleiden Verletzungen.
- 19.1. Bei den Kämpfen zwischen russischen Truppen und
tschetschenischen Freischärlern um die tschetschenische Hauptstadt
Grosny nehmen russische Soldaten den Präsidentenpalast ein. Obwohl
der russische Präsident Boris
Jelzin daraufhin den militärischen Einsatz praktisch für
beendet erklärt, gehen die Kämpfe weiter. Der Militäreinsatz
wird wegen der Brutalität des Vorgehens der russischen Truppen
von der internationalen Staatengemeinschaft missbilligt.
- 23.1. In Los Angeles wird der Mordprozess gegen den US-amerikanischen
Football-Star O. J. Simpson (geb. 1948) eröffnet. Der 47jährige
wird beschuldigt, seine Frau sowie deren Begleiter mit zahlreichen Messerstichen
getötet zu haben. Simpson war fünf Tage darauf nach einer
spektakulären Verfolgungsjagd mit dem Auto von der Polizei festgenommen
worden. Der Fall wird zu einem Medienereignis. Am 3. Oktober wird Simpson
vom Verdacht des Doppelmordes freigesprochen.
- 27.1.
Zum 50. Jahrestag der Befreiung des
Konzentrationslagers Auschwitz durch Truppen der
Roten Armee gedenken Überlebende und Angehörige sowie Politiker aus aller Welt der
Judenvernichtung in den NS-Lagern.
Zuvor hatte eine Rede des polnischen Präsidenten
Lech Walesa (geb. 1943) bei einer Gedenkfeier in Krakau zu Verstimmung geführt, da er die polnischen Opfer
in den Vordergrund gestellt und die Judenvernichtung nicht erwähnt hatte.
- Februar
- 2.2. In Kairo kommt es zum ersten israelisch-arabischen Vierergipfel:
Der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin (1922-1995), Jordaniens
König Hussein II (1952-1999), der ägyptische Staatschef Husni
Mubarak (geb. 1928) und PLO-Chef Jassir Arafat (192-2004) bekräftigen
ihren festen Willen, den Friedensprozess im Nahen Osten trotz aller
Schwierigkeiten weiter voranzutreiben.
- 3.2. Mit einem militärischen Zeremoniell auf dem Truppenübungsplatz
bei Potsdam wird die Eingliederung
der ehemaligen NVA-Truppenteile der Bundeswehr in die NATO besiegelt.
- 6.2.
Die Annäherung der US-amerikanischen Raumfähre "Discovery" an die russische Raumstation
"Mir" bis auf elf Meter wird als Auftakt einer neuen russisch-amerikanischen Zusammenarbeit im
All, deren Ziel der Aufbau einer internationalen Weltraumstation ist, gewertet.
- 13.2.
Deutsche, britische und US-amerikanische Politiker und Militärs gedenken in Dresden der
Zerstörung
der Stadt durch britische Bomberverbände im Jahr 1945.
- 16.2.
Im ersten Doping-Urteil der Fußball-Bundesliga verurteilt das DFB-Bundesgericht in
Frankfurt/Main den Bochumer Roland Wohlfahrt wegen grob fahrlässiger Einnahme verbotener
Substanzen zu einer Sperre bis zum 23. März 1995.
- 22.2.
Der britische Premierminister John Major (geb. 1943) und sein irischer Amtskollege
John Bruton (geb. 1947) einigen sich auf ein Rahmenabkommen für Nordirland. Sie versprechen,
den Willen der Menschen in der britischen Provinz zu achten.
- März
- 2.3. Auf dem Frankfurter Flughafen wird der britische Finanzjongleur
Nick Leeson (geb. 1967) festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, dass er
die britische Baring Bank durch Spekulationsverluste in den Ruin getrieben
hat. Am 22. November wird Leeson nach Singapur ausgeliefert und am 2.
Dezember zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.
- 3.3. Die letzten 2.400 Blauhelm-Soldaten
verlassen Somalia. Im Verlauf der 1992 begonnenen Friedensmission
starben 132 von ihnen bei Anschlägen. Die Operation kostete die
UNO umgerechnet rund 2,5 Milliarden D-Mark. Nach dem Abzug der Truppen
geht der Bürgerkrieg in Somalia weiter.
- 11.3.
Nach der Ermordung zweier Politiker kommt es in dem afrikanischen Land Burundi zu einer
neuen Welle der Gewalt zwischen Bevölkerungsgruppen der Hutu und der Tutsi.
- 12.3.
In Kopenhagen endet der Weltsozialgipfel, an dem Vertreter aus 185 Staaten teilnehmen.
Die von der Konferenz ausgearbeiteten Projekte, darunter Verpflichtungen zur Ausarbeitung
nationaler Programme gegen Armut, Kinder- und Müttersterblichkeit sind völkerrechtlich nicht
bindend.
- 20.3.
Bei Giftgasanschlägen auf die U-Bahn in Tokyo sterben zwölf Menschen, mehr als 5.000
müssen ärztlich behandelt werden. Der Verdacht der Sicherheitsbehörden konzentriert sich auf die
militante Aum-Sekte. Am 16. Mai wird der Chef der Sekte, Shoko Asahara (geb. 1956),
festgenommen.
Türkische Truppen überschreiten völkerrechtswidrig die Grenze zum Irak, um gegen Mitglieder der
kurdischen Arbeiterpartei (PKK) vorzugehen.
- 21.3. In Paris endet eine Konferenz der Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). In einem Europäischen
Stabilitätspakt wird die Epoche der Aussöhnung, des Dialogs
und des Vertrauens in Europa proklamiert. Außerdem werden unter
anderem Nachbarschaftsstreitigkeiten zwischen mittel- und osteuropäischen
Staaten enschärft.
- 26.3.
Zehn Jahre nach der Unterzeichnung tritt in sieben EU-Staaten das
Schengener Abkommen
in Kraft, mit dem die systematischen Personenkontrollen an den Binnengrenzen
zwischen Deutschland, Frankreich, den Benelux-Staaten, Spanien und Portugal wegfallen.
Zugleich werden schärfere Überprüfungen an den Außengrenzen eingeführt.
- 28.3. In Berlin beginnt die UN-Klimakonferenz.
Die Verhandlungen offenbaren tiefe Gegensätze zwischen den 160
teilnehmenden Nationen, wobei sich insbesondere die USA gegen konkrete
Vereinbarungen zur Reduktion von Treibhausgasen sperren. Im Schlussdokument
wird festgelegt, dass vor allem die Industrieländer bis 1997 Ziele
zur Beschränkung der klimaschädigenden Gase ausarbeiten.
- 29.3.
Der Schriftsteller
Ernst Jünger feiert seinen 100. Geburtstag.
Jünger ist wegen seiner
einem "kriegerischen Männlichkeitskult" huldigenden Prosa und seiner Haltung während der
NS-Zeit umstritten.
- April
- 8.4. Nach mehreren Übergriffen der Serben auf die in Sarajevo
stationierten UNO-Blauhelm-Soldaten
und der Beschießung eines Flugzeugs des UNO-Flüchtlingswerkes
"United Nations High Commissioner for Refugees" (UNHCR) wird
der Flughafen der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas geschlossen.
- 10.4. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" wirft
dem Bundesnachrichtendienst (BND) vor, den 1994 aufgedeckten Fall von
Plutoniumschmuggel inszeniert zu haben. Am 26. April beschließt
der Bundestag
die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Aufklärung
der Plutonium-Affäre. Der Ausschuss soll prüfen, inwieweit
der Bundesnachrichtendienst oder andere Stellen über den Transport
von Plutonium von Moskau nach München im August 1994 informiert
waren.
- 19.4. In Oklahoma City/USA kommen bei einem Bombenanschlag
168 Menschen ums Leben und über 400 werden verletzt. Durch die
Explosion einer Autobombe ist die Fassade eines neunstöckigen Regierungsgebäudes
herabgerissen worden. Die mutmaßlichen Täter sind zwei US-Amerikaner,
von denen der eine ein Golfkriegsveteran ist, der mit rechtsextremen
Kreisen in Verbindung stehen soll. Es wird vermutet, dass das Attentat
aus Rache für die Stürmung der Festung der Davidianer-Sekte
in Waco (April 1993) begangen worden ist.
- 21.4.
Zwischen der EU und Kanada wird ein Abkommen über die Aufteilung der Fangquoten für
den selten gewordenen Schwarzen Heilbutt unterzeichnet. Damit wird der Anfang März
begonnene sogenannte "Fischereikrieg" beendet.
Das Landgericht Karlsruhe verurteilt den NPD-Vorsitzenden
Günter Deckert (geb. 1940) wegen Volksverhetzung und Anstachelung
zum Rassenhass zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung.
- 22.4.
Bei einem Massaker ruandischer Regierungstruppen im Flüchtlingslager von Kibeho werden
nach Schätzungen der UNO etwa 2.000 Hutu-Flüchtlinge getötet.
- 25.4.
Der erste CASTOR-Behälter mit Atommüll wird aus dem Kernkraftwerk Philippsburg/Baden-
Württemberg ins Zwischenlager nach Gorleben/Niedersachsen gebracht. Ein Großaufgebot an
Sicherheitskräften geht mit Wasserwerfern und teilweise auch Schlagstöcken gegen die
Kernkraftgegner
vor, die den Transport zu verhindern suchen.
- 27.4.
Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (geb. 1936) und der Berliner Regierende Bürgermeister
Eberhard Diepgen (geb. 1941) unterzeichnen den Staatsvertrag über die Gründung eines gemeinsamen
Bundeslandes.
- 28.4. In einer gemeinsamen Gedenkstunde erinnern
Bundesrat und Bundestag an das Kriegsende
vor 50 Jahren. Hauptredner ist der polnische Außenminister Wladyslaw
Bartoszewski (geb. 1922), der deutliche Zeichen der Versöhnung
setzt.
- 29.4.
In Cottbus wird die Bundesgartenschau eröffnet. Es ist die erste Ausstellung dieser Art in
den neuen Bundesländern.
- 30.4. Greenpeace-Mitglieder besetzen die Ölplattform "Brent
Spar" des britisch-niederländischen Ölkonzerns Shell
im Atlantik. Der Konzern plant, die ausgediente Plattform, die mit ölhaltigem
Schlamm, hochgiftigen PCB (polychlorierte Biphenyle) und Schwermetallen
verseucht ist, im Atlantik zu versenken. Am 24. Mai lässt Shell
die Aktivisten von der Ölplattform vertreiben. Am 16. Juni gehen
eneut Greenpeace-Mitglieder auf die Plattform.
- Mai
- 1.5.
Nach Ablauf des Waffenstillstandes werden die Kämpfe in Bosnien wiederaufgenommen.
- 7.5. In Berlin wird das Centrum Judaicum in der Neuen Synagoge
eingeweiht. Es soll als Ort jüdischen Lebens und Lehrens nicht
nur den Gemeindemitgliedern, sondern auch der Öffentlichkeit zur
Verfügung stehen.
Der Neogaullist Jacques Chirac (geb. 1932) wird zum französischen
Präsidenten gewählt. Er tritt damit die Nachfolge des 14 Jahre
amtierenden Sozialisten François Mitterrand (geb.1916) an. Neuer
Premierminister wird am 17. Mai der bisherige Außenminister Alain
Juppé (geb. 1945) (RPR/Rassemblement pour la République).
- 7./9.5. Überall in Europa wird an das Ende
des Zweiten Weltkriegs vor 50 Jahren erinnert. Die Gedenkfeiern
stehen im Zeichen der Versöhnung mit der Vergangenheit: erstmalig
werden auch der deutsche Bundespräsident Roman
Herzog und Bundeskanzler
Helmut Kohl zu
den Feiern der Siegermächte eingeladen.
- 11.5. Per Akklamation wird auf einer Konferenz in New York,
auf der alle 178 Unterzeichnerstaaten vertreten sind, der Atomwaffensperrvertrag
von 1968 (in Kraft 1970) auf unbegrenzte Zeit verlängert. Das Abkommen
bestätigt die fünf Atommächte USA, Russland, die Volksrepublik
China, Frankreich und Großbritannien.
- 13.-21.5.
Im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe findet die Multimediale 4 statt.
- 18.5. Der seit 1994 an unbekanntem Ort lebende Immobilienmakler
Jürgen Schneider (geb. 1934) wird in Miami/Florida festgenommen.
Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schneider wegen des
Verdachts des schweren Kreditbetrugs und des betrügerischen Bankrotts.
Schneider soll kurz vor dem Zusammenbruch seines Unternehmens 245 Millionen
D-Mark beiseite geschafft haben.
- 25.5. Die Situation in Bosnien-Herzegowina eskaliert, als die
bosnischen Serben sich weigern, die von Blauhelm-Soldaten
erbeuteten schweren Waffen abzugeben. NATO-Flugzeuge bombardieren daraufhin
ein Munitionslager der bosnischen Serben, die wiederum mit Granatangriffen
auf UN-Schutzzonen reagieren. Zugleich nehmen sie UN-Soldaten als Geiseln
und ketten sie als lebende Schutzschilder an Militärobjekte.
- 27.5. Im Boxduell in der Dortmunder Westfalenhalle verteidigt
Henry Maske (geb. 1964) seinen Weltmeistertitel im Halbschwergewicht
in zwölf Runden gegen den deutschen Herausforderer Graciano Roccigiani
(geb. 1963). Auch am 14. Oktober in München siegt Maske durch einen
Punktsieg über Roccigiani.
- 31.5. Russland erklärt sich auf der NATO-Frühjahrstagung
im niederländischen Nordseebad Nordwijk bereit, der NATO-Initiative
"Partnerschaft für den Frieden" beizutreten und damit
an einer neuen Sicherheitsarchitektur für Europa mitzuwirken.
- Juni
- 3.6.
In Paris beschließen 15 Verteidigungsminister aus den Staaten der NATO und der
Europäischen Union die Bildung einer Schnellen Eingreiftruppe für den Schutz der UNO-Truppen in
Bosnien.
- 10.6.
Der hessische F.D.P.-Chef Wolfgang Gerhardt (geb. 1943) wird auf dem Bundesparteitag der Liberalen
in Mainz zum neuen Parteivorsitzenden gewählt
- 12.6.
In Deutschland beginnt ein Boykott von Shell-Tankstellen. Am 13. und 16. Juni kommt es
zu Anschlägen auf Shell-Tankstellen in Mörfelden-Walldorf, Hamburg und Essen. Die Aktionen
richten sich gegen die geplante Versenkung der Ölplattform "Brent Spar" im Atlantik.
- 13.6.
In der Geschäftsstelle der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Lübeck explodiert eine in Salzburg
aufgegebene Briefbombe und verletzt den Fraktionsgeschäftsführer Thomas Rother (geb. 1959) an der Hand.
Adressat war der stellvertretende Bürgermeister Dietrich Szameit (1952-1999). Am 9. Juni wurde ein ähnlicher
Anschlag mit einer Briefbombe auf die farbige TV-Moderatorin Arabella Kiesbauer (geb. 1969) in München
verübt. Hinter den Attentaten werden rechtsradikale Täter vermutet.
- 15.6.
Der 21.
Weltwirtschaftsgipfel
wird im kanadischen Halifax eröffnet. An den Beratungen
nimmt auch der russische Präsident Boris Jelzin teil.
- 17.6.
Zum ersten Mal nach 32 Jahren wird Borussia Dortmund wieder Deutscher Fußballmeister.
- 20.6. Der Erdölkonzern Shell beugt sich dem Druck von
Politik und Verbrauchern und gibt bekannt, dass die ausgediente Ölplattform
"Brent Spar" nicht in der Nordsee versenkt, sondern an Land
entsorgt wird.
- 22.6. Russland und Tschetschenien vereinbaren eine Feuerpause,
und am 30. Juli wird ein Militärabkommen unterzeichnet, das ein
Ende der Kämpfe, den schrittweisen Rückzug der russischen
Truppen und die Entwaffnung der tschetschenischen Milizen vorsieht.
Die Unabhängigkeitsbestrebungen Tschetscheniens bleiben ausgeklammert.
- 23.6.
Das Reichstagsgebäude in Berlin wird nach den Plänen der Künstler Christo (geb. 1935) und Jeanne
Claude (geb. 1935) verhüllt. Die Kunstaktion, die bis zum 6. Juli dauert, entwickelt sich zu einer
Publikumsattraktion und wird von etwa 5 Millionen Menschen besucht.
- 26./27.6.
Auf dem Gipfeltreffen der Europäischen Union in Cannes/Frankreich wird der Übergang
zu einer
einheitliche Währung zum 1. Januar 1999 beschlossen.
- 28.6. Die Polizei stürmt in Berlin eine Filiale der Commerzbank,
in der 18 Stunden zuvor schwerbewaffnete Gangster 16 Menschen in ihre
Gewalt gebracht haben. Die Beamten können die Geiseln unverletzt
befreien. Die Täter entkommen durch einen Tunnel, der lange vor
der Tat angelegt worden war, mit 5 Millionen D-Mark Lösegeld und
der Beute aus den Schließfächern und Tresoren.
- 29.6. Der Bundestag billigt eine Neuregelung des
Abtreibungsrechts. Entsprechend dem Bundesverfassungsgerichtsurteil
von 1993 ist eine Fristenregelung mit Beratungspflicht vorgesehen. Danach
bleibt Abtreibung grundsätzlich ein Verbrechen. In bestimmten Fällen
wird jedoch ein Abbruch nicht bestraft.
- Juli
- 8.7.
Steffi Graf gewinnt zum sechsten Mal das Tennisturnier von Wimbledon/England.
- 11.7. Bosnische Serben erobern die zur UN-Schutzzone erklärte
Moslem-Enklave Srebrenica und vertreiben fast 40.000 muslimische Zivilisten.
Augenzeugen berichten von massenhaften Hinrichtungen und Vergewaltigungen.
Frankreich, Großbritannien und die USA drohen daraufhin mit Vergeltungsschlägen.
Da sich die drei Staaten jedoch nicht über die Form der Einsätze
verständigen können, bringen die bosnischen Serben am 25.
Juli mit der Moslem-Enklave Zepa auch die zweite UN-Schutzzone unter
ihre Kontrolle.
- 18.7.
Mit hysterischen Anfällen und Selbstmorddrohungen reagieren vor allem weibliche Fans der
britischen Pop-Gruppe "Take That" auf die Ankündigung von Sänger Robbie Williams (geb. 1974),
die Gruppe zu verlassen. Bundesweit werden unter anderem "Nottelefone" für die verzweifelten Fans
eingerichtet.
- 21.7. Auf einer internationalen Krisenkonferenz über Bosnien
sprechen sich Frankreich, Großbritannien und die USA gegen den
Widerstand Russlands für massive Luftangriffe auf Stellungen der
bosnischen Serben aus.
- 25.7.
Der bosnische Serbenführer Radovan Karadzic (geb. 1945) und sein Militärchef Ratko Mladic (geb. 1943) werden
wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag unter
Anklage gestellt.
In Paris beginnt eine Reihe von Bombenattentaten. Bei einer Bombenexplosion
in der Pariser Vorortbahn RER kommen sieben Menschen ums Leben. Am 17.
August explodiert eine weitere Bombe unweit des Arc de Triomphe, und
am 3. September werden bei einer Bombenexplosion auf einem Markt nahe
der Bastille vier Menschen verletzt. Die Täter werden in den Reihen
militanter algerischer Fundamentalisten vermutet.
- August
- 1.8. Der frühere Leiter des Ministeriums
für Staatssicherheit (MfS), Erich
Mielke, wird aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus der
Haftanstalt Moabit in Berlin entlassen. Wegen eines 1931 begangenen
Mordes an zwei Polizisten war Mielke 1993 zu sechs Jahren Freiheitsstrafe
verurteilt worden.
- 2.8. Der Vater der Tennisspielerin Steffi
Graf, Peter Graf (geb. 1939), wird unter dem dringenden Verdacht
der Steuerhinterziehung in Haft genommen.
- 4.8. Die kroatische Armee beginnt eine Großoffensive
gegen das mehrheitlich von Serben bewohnte, auf kroatischem Territorium
gelegene Gebiet Krajina. Binnen drei Tagen bringen die Kroaten das Gebiet
wieder in ihre Gewalt. Die Offensive löst die größte
Flüchtlingswelle auf dem Balkan seit dem Zerfall Jugoslawiens aus:
120.000 Krajina-Serben verlassen ihre Heimat in Richtung Ostbosnien
und Serbien. Auf ihrer Flucht werden sie von bosnisch-muslimischen Truppen
teilweise beschossen und von Zivilisten ausgeplündert. Als Vergeltung
vertreiben die bosnischen Serben am 14. August die noch verbliebenen
45.000 Muslime und 15.000 Kroaten aus der nordbosnischen Stadt Banja
Luka.
- 5.-7.8.
In Hannover finden die "Chaostage '95" statt, an denen Punker aus dem gesamten
Bundesgebiet teilnehmen. Es kommt zu Straßenschlachten mit der Polizei, bei denen ganze
Straßenzüge durch brennende Barrikaden verwüstet werden.
- 10.8.
Das Bundesverfassungsgericht erklärt das bayerische Schulrecht in jenem Passus, der die
Anbringung eines Kreuzes in jedem Grundschul-Klassenzimmer anordnet, für verfassungswidrig.
- 11.8.
US-Präsident Bill Clinton
gibt die Einstellung aller US-amerikanischen Atomwaffentests bekannt.
- 15.8.
Der Wiener Erzbischof Kardinal Hans Hermann Groer (geb. 1919) kündigt seinen Rücktritt an. Gegen
Groer waren Anschuldigungen wegen lange zurückliegender sexueller Übergriffe auf Minderjährige
laut geworden. Er selbst äußert sich nicht zu den Vorwürfen, was auch innerhalb der Amtskirche
eine Krise herauf beschwört. 1998 gelobt Groer, keine Handlungen mehr als Kardinal oder Bischof
auszuüben, ein Fehlverhalten gesteht er nicht ein.
- 17.8. Zwei Tage, nachdem Greenpeace-Aktivisten in Peking auf
dem Platz des Himmlischen Friedens gegen die chinesischen Atombombenversuche
protestiert haben, zündet die Volksrepublik China ihren zweiten
Atombombentest in diesem Jahr.
- 31.8.
SPD-Chef
Rudolf Scharping
entzieht dem niedersächsischen Ministerpräsidenten
Gerhard Schröder
das Amt des wirtschaftspolitischen Sprechers der Partei, nachdem dieser die
SPD-Spitze kritisiert und erklärt hatte, es gehe nicht mehr um sozialdemokratische, sondern um
moderne Wirtschaftspolitik. Zuvor hatte Schröder bereits Scharpings Anwartschaft auf die
Kanzlerkandidatur bestritten und Zweifel an dessen Führungsqualitäten geäußert.
- September
- 1.9. Nachdem Greenpeace-Aktivisten wiederholt versucht haben,
per Boot in die Sperrzone um das Mururoa-Atoll im Südpazifik einzudringen,
um gegen die geplanten Atombombentests zu protestieren, entert die französische
Marine die "Rainbow Warrior II". Das Greenpeace-Flaggschiff
und die "MV Greenpeace" werden zum 600 km entfernten Hoa-Atoll
abgeschleppt.
- 4.9. In Peking wird die Weltfrauenkonferenz, an der 10.000
Delegierte aus 185 Staaten und 20.000 Mitglieder Regierungsunabhängiger
Organisationen (NGO) teilnehmen, eröffnet. Die Delegierten einigen
sich auf eine Aktionsplattform für Frauenrechte.
- 5.9. Trotz internationaler Proteste lässt die französische
Regierung unter dem Muroroa-Atoll im Südpazifik eine Atombombe
zünden. Daraufhin kommt es in Papeete, der Hauptstadt von Französisch-Polynesien,
zu anti-französischen Protesten und Ausschreitungen der Bevölkerung.
Die aufgebrachte Menge setzt mehrere Gebäude in Brand, darunter
den Flughafen der Stadt.
- 14.9.
Die bosnischen Serben verpflichten sich, gemäß NATO-Forderung ihre schweren Waffen
aus der 20-km-Zone um Sarajevo abzuziehen. Daraufhin unterbricht die NATO zunächst für 72
Stunden ihre Luftangriffe auf Stellungen der bosnischen Serben und nimmt sie danach, da ihr
Ultimatum weitgehend erfüllt wird, nicht wieder auf.
- 26.9. In Palermo/Italien beginnt der als "Prozess des
Jahrhunderts" bezeichnete Prozess gegen Guilio Andreotti (geb.
1919), den einflußreichsten Nachkriegspolitiker Italiens. Ihm
wird vorgeworfen, bereits seit den 70er Jahren mit der Mafia liiert
gewesen zu sein. Andreotti selbst sieht sich als Opfer einer Verschwörung
und beteuert seine Unschuld. 1999 wird er von allen Vorwürfen freigesprochen.
- 28.9. Israels Premierminister Yitzhak Rabin und der Chef der
Palästinensischen Befreiungsfront (PLO) Jassir Arafat unterzeichnen
in Washington ein Abkommen über die Ausweitung der Autonomie für
die im Westjordanland lebenden Palästinenser. Der Vertrag sieht
die Unterstellung der Zivilbevölkerung unter palästinensische
Verwaltung, die Wahl eines Autonomierates und den Abzug der israelischen
Truppen aus dem Westjordanland, mit Ausnahme Hebrons, vor.
- Oktober
- 10.10.
Bei der 47. Frankfurter Buchmesse stößt die Sonderausstellung Electronic Publishing auf das besondere
Interesse des Publikums.
- 13.10. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilt vier
Angeklagte im sogenannten Solinger Prozess wegen gemeinschaftlich begangenen
fünffachen Mordes und 14fachen Mordversuches sowie besonders schwerer
Brandstiftung
zu einer Haftstrafe von 15 Jahren beziehungsweise in drei Fällen
zu je zehn Jahren Jugendstrafe. Das Gericht sieht es als erwiesen an,
dass die vier Männer im Mai 1993 ein von Türken bewohntes
Haus in Solingen in Brand gesetzt haben. Dabei starben fünf Frauen
und Mädchen.
- 16.10.
Über 400.000 schwarze Amerikaner demonstrieren beim "Million Man March" in
Washington für eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen.
- 17.10. Der Europäische Gerichtshof erklärt die Frauenquote
im öffentlichen Dienst, wie sie in mehreren deutschen Bundesländern
zur Anwendung kommt, für unvereinbar mit dem EU-Recht. Im November
1997 wird dieses Urteil durch eine entgegengesetzte Entscheidung ersetzt.
- 23.10.
Bei ihrem Gipfeltreffen im Staat New York einigen sich US-Präsident Bill Clinton und sein
russischer Amtskollege Boris Jelzin auf eine Beteiligung russischer Soldaten an einer Bosnien-
Friedenstruppe.
- 27.10.
Der Bundestag verkürzt den Grundwehrdienst von zwölf auf zehn Monate.
- November
- 4.11.
Ein rechtsradikaler Israeli ermordet während einer Friedenskundgebung in Tel Aviv den
israelischen Regierungschef Yitzhak Rabin.
- 7.11.
Das Bundesverfassungsgericht konkretisiert das sogenannte Soldatenurteil vom August
1994: Wird das
Kurt Tucholsky-Zitat "Soldaten sind
Mörder" allgemein zitiert, ist es durch die
Meinungsfreiheit gedeckt. Wird hingegen ein einzelner Soldat als "Mörder" tituliert, kann dies als
Beleidigung strafrechtlich verfolgt werden.
- 16.11. Der SPD Parteitag in Mannheim wählt Oskar
Lafontaine in einer Kampfabstimmung zum neuen Parteivorsitzenden.
- 19.11.
Bei den Präsidentschaftswahlen in Polen setzt sich der Ex-Kommunist Aleksander
Kwasniewski (geb. 1954) gegen Amtsinhaber Lech Walesa durch.
Nach Mitteilung der Initiative "Wir sind die Kirche" haben
fast 1,5 Millionen katholische Gläubige in Deutschland das KirchenVolksBegehren,
dessen Ziel eine Reform der katholischen Kirche ist, unterzeichnet.
Die Amtskirche lehnt die Initiative ab.
- 20.11.
In einem viel beachteten Interview im britischen Fernsehen äußert sich Prinzessin Diana (1961-1997)
über ihre Ehe mit Prinz Charles (geb. 1948). Das Ehepaar lebt seit 1992 offiziell getrennt.
25 Jahre nach ihrer Trennung und 15 Jahre nach dem Tod von John Lennon (1940-1980) erscheint der erste
gemeinsame Song der Beatles, die nachgelassene Lennon-Komposition "Free as a Bird".
- 25.11. Norwegen liefert die Palästinenserin Souhaila Andrawes
(geb. 1953), eigentlich Soraya Ansari, aus. Die einzige überlebende
Entführerin
der Lufthansa-Maschine "Landshut", die 1977 in Mogadischu
von der GSG
9 gestürmt worden war, soll in Deutschland vor ein Gericht
gestellt werden.
- Dezember
- 1.12.
Die Kultusminister der deutschen Bundesländer billigen eine Rechtschreibreform, die vom 1. August 1998
an gelten soll. Die Rechtschreib- und Kommaregeln werden stark vereinfacht,
verzichtet wird jedoch weitgehend auf das umstrittene Eindeutschen von Fremdwörtern.
- 6.12.
Der Bundestag billigt die Entsendung von 4.000 deutschen Soldaten in das ehemalige
Jugoslawien. Sie sollen der 60.000 Mann starken internationalen Friedenstruppe für Bosnien
angehören. Die ersten Bundeswehrsoldaten werden am 22. Dezember an die kroatische
Adriaküste geflogen.
- 10.12. Der Friedensnobelpreis
wird an den britischen Atomphysiker Joseph Rotblat (geb. 1908) und die
von ihm gegründete Pugwash-Konferenz, die sich für den Abbau
von Atomwaffen einsetzt, vergeben. Mit Christiane Nüsslein-Volhard
(geb. 1942) wird erstmals eine deutsche Wissenschaftlerin mit einem
Nobelpreis geehrt. Zusammen mit ihrem amerikanischen Kollegen Edward
B. Lewis (geb. 1918) und Eric Wieschaus (geb. 1947) erhält sie
den Nobelpreis für Medizin für ihre Forschungen im Bereich
der frühen Embryonalentwicklungen.
- 14.12.
Der im US-amerikanischen Dayton ausgehandelte Friedensvertrag für Bosnien-Herzegowina
wird in Paris feierlich unterzeichnet. Bereits am 21. November hatten der serbische Präsident
Slobodan Milosevic (geb. 1941), der kroatische Präsident Franjo Tudjman (1922-1999) und
der Präsident von Bosnien-Herzegowina Alija Izetbegowic (geb. 1925) das Friedensabkommen in Dayton paraphiert.
- 16.12.
In Madrid/Spanien endet ein zweitägiger Gipfel der Staats- und Regierungschefs der
Europäischen Union. Die künftige europäische Währungseinheit soll die Bezeichnung
Euro erhalten.
- 20.12.
Die "Internationale Friedenstruppe für Bosnien" (IFOR) übernimmt offiziell die
Befehlsgewalt über die UNO-Schutztruppen (UNPROFOR).
- 30.12.
Der Dramatiker und Regisseur
Heiner Müller stirbt in Berlin an Krebs.
- Außerdem
-
Günter Grass: Ein weites Feld (Roman)
Die Bahn beginnt im März mit dem Angebot, in Nahverkehrszügen für 15 DM am Wochenende
mit maximal sechs Personen durch das ganze Bundesgebiet reisen zu können. Hunderttausende
nutzen das Angebot, was in vielen Fällen zur Überlastung der Bahn führt. Im Mai verdoppelt die
Bahn den Preis des Wochenendtickets.
(iz)
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