1963-74 |
Unruhige Jahre: Fernsehen in der DDR |
|
![]() ![]() ![]() |
In den 60er Jahren löst
das Fernsehen auch in der DDR den Rundfunk in seiner Bedeutung ab. Zwischen
1960 und 1970 steigt der Anteil der Haushalte mit einem Fernsehgerät
von 17 auf 69 Prozent. Die SED nutzt das Fernsehen vor allem als Mittel
zur Agitation und Propaganda und fordert seine Mitwirkung bei der Entwicklung
eines sozialistischen Bewusstseins. Dieser Auftrag bestimmt auch die Programmgestaltung:
politische Sendungen überwiegen. Dem politischen Auftrag des Fernsehens fühlt sich vor allem der seit 1960 ausgestrahlte "Schwarze Kanal" des Chefkommentators Karl-Eduard von Schnitzler verpflichtet, der die westliche Berichterstattung als "Methoden kapitalistischer Massenmedien" entlarven will. Wegen seines offenkundigen Agitationscharakters findet das Magazin jedoch kaum positive Resonanz. Große Popularität auch im Westen genießt dagegen das von Gerhard Behrendt (geb. 1929) entworfene Sandmännchen, das seit November 1959 allabendlich den jüngsten Fernsehzuschauern seinen "Gute-Nacht-Gruß" entbietet. Seit Oktober 1969 strahlt das DDR-Fernsehen ein zweites Programm aus, das erstmals auch Farbsendungen zeigt. Anders als die Bundesrepublik benutzt die DDR wie die Sowjetunion das französische Farbfernsehsystem SECAM. Bis in die 70er Jahre versucht die SED vergeblich, durch Antennenrichtaktionen und andere Maßnahmen den Konsum von Westfernsehen, das fast überall in der DDR zu empfangen ist, zu unterbinden. Mit Beginn der Ära Honecker kommt es zu größeren Zugeständnissen an den Publikumsgeschmack. Es werden vermehrt Kriminalfilme wie "Polizeiruf 110", westliche Serien und Spielfilme wie "Die Gentlemen bitten zur Kasse" und Unterhaltungssendungen wie "Schlager-Studio" ausgestrahlt.
(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |