"Purer Luxus"
Neue Wechselausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

Was ist Luxus? Ein Diamant, ein Sportwagen, eine Kreuzfahrt? Oder doch eher ein Tag ohne Arbeitsstress? Die neue Wechselausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums zeigt: Was wir als Luxus wahrnehmen, hängt von der jeweiligen individuellen, aber auch von der gesellschaftlichen Situation ab und hat sich in der Geschichte häufig verändert. Rund 400 Objekte, Dokumente, Fotografien sowie interaktive Elemente und audiovisuelle Medien erzählen Geschichten vom historischen Wandel des Phänomens in Deutschland seit 1945. Zu den Glanzlichtern gehören der aus den Brustfedern von 300 Schwänen hergestellte Mantel von Marlene Dietrich oder ein in der DDR in Handarbeit gefertigter Nachbau des legendären Porsche 326 aus den 1950er Jahren.
Die Ausstellung ist vom 10. September 2019 bis 13. April 2020 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Was als Luxus gilt, kann individuell sehr verschieden sein, lässt aber immer auch Rückschlüsse auf die Gesellschaft zu. Das zeigt ein Blick in die unmittelbare Nachkriegszeit: Auf dem Schwarzmarkt dienen einstige Luxusgüter nur noch als Tauschobjekte für Lebensnotwendiges, während ein bloßes Stück Butter für viele unerreichbarer Luxus geworden ist.

Vom Luxus zum Standard
In den Aufbaujahren beruht der wachsende Wohlstand der Bundesrepublik Deutschland auf der sozialen Marktwirtschaft. Der Traum vom Kühlschrank, Fernsehgerät oder Auto befördert sowohl die individuelle Leistungsbereitschaft als auch den industriellen Fortschritt. Der wirtschaftliche Aufstieg breiter Bevölkerungskreise verstärkt aber auch den Wunsch nach Exklusivität - Vorreiter ist die "bessere Gesellschaft" der Reichen und Schönen. Ebenso treibt Werbung das Bedürfnis nach gehobenem Konsum an. Dem Trend zu Überfluss und Verschwendung stehen jedoch immer auch moralische und ökonomische Bedenken gegenüber.

Gesellschaft ohne Luxus?
In der DDR erhält Luxus eine ganz andere Bedeutung. Durch Planwirtschaft, subventionierte Grundversorgung und das propagierte Ideal der Gleichheit setzt der SED-Staat darauf, alles Maßlose und die Unterscheidung durch individuellen Besitz einzudämmen. Doch das Bedürfnis nach Luxus als Medium des Individuellen, des Besonderen und Begehrten lässt sich nicht unterdrücken. Zudem bleiben aufgrund der Abschottung der DDR viele Träume unerfüllt. Die Mangelwirtschaft und ein System von Privilegien lassen für die Bevölkerung sogar manches Alltagsprodukt zum Luxus werden, während die SED-Führung sich mit allen sonst kaum erreichbaren Annehmlichkeiten in der Regierungssiedlung Wandlitz versorgt. Die daraus entstehende "Zwei-Klassen-Gesellschaft" verletzt das Gerechtigkeitsgefühl großer Teile der ostdeutschen Bevölkerung.

Alles deluxe?
In Deutschland ist Luxus heute angesichts der Globalisierung und medialen Vernetzung scheinbar immer und überall erreichbar. Viele nutzen die Möglichkeiten zur Selbstdarstellung, manche provozieren damit Neid und Empörung. Ist Luxus ein Symptom unserer Zeit? Vertieft Luxus die Kluft zwischen Arm und Reich? Ist weniger vielleicht mehr? Diese Fragen begleiten die Geschichte des Luxus und zeigen ihn als Phänomen, das die Gesellschaft bewegt: als Zeichen von sozialem Status, als Wohlstandsindikator und Wirtschaftsfaktor, als Ausdruck von Lebensstilen und als Inbegriff der Ungleichheit.

In sieben Themenbereichen widmet sich die Ausstellung verschiedenen Vorstellungen von Luxus sowohl in historischer Perspektive als auch mit Blick auf die Gegenwart: von materiellen Beispielen wie Auto, Schmuck und Mode über immaterielle Bedürfnisse wie Zeit, Ruhe oder Sicherheit bis hin zu Lebensentwürfen, die bewusst auf Luxus und Konsum verzichten. Angeregt von unterschiedlichen Meinungsäußerungen können die Besucherinnen und Besucher der neuen Ausstellung ihre eigene Einstellung zum Luxus überprüfen.

Pressevorbesichtigung: 10.9.2019, 10.00 Uhr
Pressegespräch: 10.9.2019, 11.00 Uhr
Eröffnung: 10.9.2019, 19.00 Uhr, mit Silke Wagler, Modemacherin, und
Siegfried Bülow, ehemaliger Leiter des Porsche-Werks Leipzig

Ausstellung "Purer Luxus"
(10.9.2019 - 13.4.2020)
Öffnungszeiten: Di-Fr, 9-18 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr, Eintritt frei

Medienanfragen richten Sie bitte an
Pressereferent
Leipzig
Dr. Daniel Kosthorst

Eine Veröffentlichung der Fotos ist nur im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Ausstellung und unter Angabe des Copyright-Hinweises zulässig. Für höher aufgelöste Vorlagen wenden Sie sich bitte an den oben genannten Ansprechpartner.

Plakat "Purer Luxus"
© Claudia Grotefendt, Bielefeld
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Ein Traum in Weiß: Der Bühnenmantel von Marlene Dietrich aus den späten 1950er Jahren ist aus den Brustfedern von 300 Schwänen gefertigt.
© Deutsche Kinemathek, Marlene Dietrich Collection, Berlin
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Wie das Streben nach Luxus in die Überflussgesellschaft führt, stellen Schüler einer Realschule in Gerolzhofen 2015 als Altarbild dar.
Foto: Punctum/Bertram Kober
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Mehr Schein als Sein: Als Statussymbole eignen sich für manche auch banale Gegenstände wie eine goldene Toilette.
Foto: Punctum/Bertram Kober
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Aus Fallschirmseide lässt sich eine Braut 1947 ihr Hochzeitskleid nähen, um ihrem Jawort auch in der Armut der unmittelbaren Nachkriegszeit ein wenig luxuriösen Glanz zu verleihen.
Foto: Punctum/Bertram Kober
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1953 setzt Marilyn Monroe Maßstäbe in der Verkörperung eines „Luxusweibchens“, das sich nichts sehnlicher wünscht, als auf Kosten eines reichen Mannes zu leben.
© Verlag Film-Bühne GmbH, München
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Als "roter Dior" wird der DDR-Modeschöpfer Heinz Bormann in den 1960er Jahren bezeichnet. Dieses Kostüm stammt aus dem Besitz von Petra Quermann.
Foto: Punctum/Bertram Kober
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Der Deckel eines Apfelmusglases als Schmuckstück: Ob unser alltäglicher Konsum nicht vielfach purer Luxus ist, fragt die Journalistin Greta Taubert, die ein Jahr lang nur von Selbstgemachtem oder Getauschtem lebt.
Foto: Punctum/Bertram Kober
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Wertewandel: Bis zu Protesten von Tierschützern in den 1980er Jahren gilt Schildkrötensuppe als luxuriöse Delikatesse.
Foto: Punctum/Bertram Kober
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Den Traum vom Sportwagen erfüllen sich in der DDR 1956 zwei Studenten durch eine in Handarbeit nachgebaute Kopie des Porsche 356 und fahren damit sogar nach Paris und Rom.
© Alexander Diego Fritz
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Die Verbindung von Luxus und Konsum hinterfragt der Künstler Torsten Mühlbach mit seinem glitzernden Einkaufswagen.
Foto: Punctum/Bertram Kober
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Was ist Luxus, wenn man fast nichts besitzt? Skulptur des Künstlers Andreas Slominski, 1994
Foto: Punctum/Bertram Kober
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