1974-89 |
Entwicklungen in der Kultur: Schatten der Vergangenheit |
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Die Ausstrahlung der amerikanischen Filmserie "Holocaust" 1979 und ihr Echo in der Presse lassen den Völkermord an den Juden Europas wieder ins öffentliche Bewusstsein treten. Die Entdeckung angeblicher "Hitler-Tagebücher" durch die Illustrierte Stern 1983, die Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation und auch der Besuch des amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan 1985 auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg geben der Auseinandersetzung immer wieder neue Impulse. Selbst eine wissenschaftliche Kontroverse, der sogenannte "Historiker-Streit", über die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenverfolgung beschäftigt die Öffentlichkeit stark. Die amerikanische Serie "Holocaust", die im Januar 1979 in fünf Dritten Programmen ausgestrahlt wird,
erschüttert ein Millionenpublikum. Mehr als 20 Millionen Deutsche verfolgen das Schicksal zweier deutschen
Familien in der NS-Zeit am Fernseher. Der aus der Bibel stammende Begriff "Holocaust"
wird durch die Serie weltweit zum Synonym für politisch-motivierten Massenmord. Die Darstellung der Judenvernichtung in Form einer "Seifenoper" - so der Schriftsteller
Elie Wiesel (geb. 1928) - löst jedoch auch Kritik aus. 1986 entzündet sich der
"Historiker-Streit" an den Thesen des Berliner Historikers Ernst Nolte (geb.
1923), der die nationalsozialistische Massenvernichtung zu den stalinistischen
Verbrechen in Beziehung setzt und Parallelen zwischen Nationalsozialismus
und Stalinismus aufzeigt. Kritiker wie Jürgen
Habermas sehen darin den Versuch, die Einzigartigkeit des Judenmordes
zu relativieren. Nolte stößt mit diesen Thesen auf heftigen Widerspruch
im In- und Ausland. Dabei geht es in dieser weitreichenden Kontroverse immer
auch um das politisch-historische Selbstverständnis der Deutschen. (ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |