1974-89

 

Ökologie und Ökonomie: Umweltpolitik in der DDR

Photo: Braunkohlekraftwerk Espenhain in Sachsen, 1991
Photo: Einleitung von Abwässern bei Bitterfeld, 1991
Alltagskultur: Schulheft aus Altpapier, 1980er Jahre

Die Umweltpolitik der DDR erscheint auf den ersten Blick fortschrittlich. Bereits in der Verfassung von 1968 wird der Schutz der Natur und der Umwelt zur Pflicht des Staates und der Gesellschaft erklärt. Auf dieser Verfassungsnorm aufbauend folgt 1970 das Landeskulturgesetz, das die Aufgaben und Ziele der DDR-Umweltpolitik grundsätzlich regelt. Als einer der ersten Staaten weltweit errichtet die DDR bereits 1972 ein Ministerium für Umweltschutz- und Wasserwirtschaft. Diese Maßnahmen verdecken jedoch nur die verheerenden ökologischen Probleme, insbesondere die hohe Luftverschmutzung in den großen Industrieregionen. Für die Staatsführung der DDR hat die ökonomische Entwicklung eindeutig Vorrang vor Fragen des Umweltschutzes.

Aufgrund ihrer Devisen- und Rohstoffknappheit muss die DDR vorrangig heimische Braunkohle als Energieträger abbauen, zumal die Sowjetunion Anfang der 80er Jahre ihre Erdöllieferungen kürzt. Die Verbrennung von Braunkohle führt jedoch zu einer besonders hohen Luftverschmutzung durch Schwefeldioxid, Staub und Asche, die vor allem in den großen Industriezentren Halle, Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt zu spüren ist. In den 70er und 80er Jahren weist die DDR die höchste Schwefeldioxid-Belastung in Europa auf. Auch die Wasserverschmutzung ist in dem von chemischen Betrieben dichtbesiedelten Raum Halle, Leipzig und Bitterfeld enorm hoch.

Lediglich das Müllproblem gestaltet sich einfacher als in den westlichen Industrieländern, da die DDR wegen ihres chronischen Rohstoffmangels und der knappen Verpackungsmaterialien auf die Verwertung von Siedlungsmüll und industriellen Abfallprodukten angewiesen ist. Seit 1980 sammelt das Kombinat "Sekundärrohstoff-Erfassung" (SERO) Abfälle aus den Haushalten, um sie wiederzuverwerten. Die DDR verknüpft Umweltproblematik und Wirtschaftssystem ideologisch. Der Raubbau an der natürlichen Umwelt wird als ein typisches Merkmal des Kapitalismus gebrandmarkt und die Existenz von Umweltproblemen als Hinterlassenschaft des Imperialismus bezeichnet. Initiativen und Gruppen, die auf die Gefährdung der Umwelt in der DDR aufmerksam machen, zählen zur Opposition gegen das SED-Regime.

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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