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1974-89

 

Neue Herausforderungen

Photo: Teilstück der Autobahn Köln/Bonn, 1973
Zeitschrift: "Der Spiegel" zur Entführung der  "Landshut" durch Terroristen, 1977
Photo: Helmut Schmidt und Erich Honecker auf der KSZE-Abschlusssitzung in Helsinki, 1975
Photo: Braunkohlekraftwerk der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke AG (RWE), 1974
Zeitschrift: "Stern" zur Veröffentlichung der angeblichen Hitler-Tagebücher, 1983
Karikatur: Jupp Wolter zu den Auseinandersetzungen zwischen Bundeskanzler Schmidt und Außenminister Genscher

Die 1970er und 1980er Jahre sind für die Bundesrepublik Deutschland eine Zeit der Bewährung. Wirtschaftskrisen, knapper werdende Energie und Umweltprobleme dämpfen den Fortschrittsglauben. Wirtschaftliches Wachstum ist nun nicht mehr selbstverständlich. Die Ölkrise von 1973 ist Auslöser der schwersten Wirtschaftskrise seit Kriegsende. In den westlichen Industriestaaten wächst die Zahl der Arbeitslosen und die Verschuldung der öffentlichen Haushalte. Durch internationale Absprachen und gemeinsames Handeln versuchen die sieben führenden Industrieländer der Weltwirtschaftskrise entgegenzusteuern.

Im Mai 1974 kommt es in Bonn zum Kanzlerwechsel: Als Günter Guillaume als Agent der DDR im Bundeskanzleramt entlarvt wird, tritt Bundeskanzler Willy Brandt zurück. Sein Nachfolger Helmut Schmidt setzt die sozial-liberale Koalition fort. Die ersten Jahre seiner Kanzlerschaft werden durch die Auseinandersetzung mit dem Linksterrorismus überschattet. Die Attacken der RAF können jedoch abgewehrt und die terroristischen Gruppen zerschlagen werden. Der Rechtsstaat übersteht weitgehend unbeschadet die Herausforderung durch den Terrorismus.

In der Außen- und Deutschlandpolitik setzen Bundeskanzler Schmidt und Außenminister Hans-Dietrich Genscher die Entspannungspolitik Willy Brandts fort. Ein hoffnungsvolles Zeichen gibt die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit (KSZE) in Europa. Die am 1. August 1975 unterzeichnete Schlussakte von Helsinki wird in allen 35 Teilnehmerstaaten veröffentlicht. In der Folgezeit mahnen vor allem Bürgerrechtsgruppen in den Ländern des Ostblocks die in der Akte niedergelegten Menschenrechte und Grundfreiheiten an.

Aufgrund der immer deutlicher werdenden Umweltschäden, wächst in den 1970er Jahren das Bewusstsein über den Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie. Bürgerinitiativen und Umweltverbände versuchen, Einfluss auf die Politik zu nehmen und Großprojekte - wie etwa den Bau von Atomkraftwerken - zu verhindern. Doch nicht nur aus Sorge vor der Zerstörung der Umwelt entstehen in der Bundesrepublik Bürgerbewegungen. Als Ende der 1970er Jahre die Spannungen zwischen Ost und West wieder zunehmen und ein neuer Rüstungswettlauf beginnt, bildet sich aus Angst vor einem Atomkrieg eine weitreichende Friedensbewegung.

Wegen wachsender Spannungen bricht die sozial-liberale Koalition 1982 auseinander. Die FDP geht daraufhin eine Koalition mit der CDU/CSU ein. Am 1. Oktober 1982 wird Bundeskanzler Helmut Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt und der CDU-Vorsitzende Helmut Kohl zum neuen Bundeskanzler gewählt. Bei den vorgezogenen Bundestagswahlen im März 1983 bestätigt auch die Mehrheit der Wähler die neuen politischen Konstellationen. Erstmals gelingt dabei der neuen Partei Die Grünen der Einzug in den Bundestag.

Die 1970er und 1980er Jahre sind in der Bundesrepublik eine Zeit wachsender Bewusstseinsbildung. Vor allem die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte spiegelt sich in allen Bereichen der Kultur und führt zu einem wahren Geschichts- und Ausstellungsboom. Dabei wird auch die Zeit des Nationalsozialismus nicht ausgeblendet. Großes Aufsehen erregt besonders die amerikanische Fernsehserie "Holocaust" im Jahre 1979 und die angebliche Entdeckung der Hitler -Tagebücher 1983.

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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