1989/90

 

Der Fall der Mauer: Zentraler Runder Tisch

Photo: Runder Tisch in Leipzig, 1990
Möbel: Einer der Sitzungstische des "Zentralen Runden Tisches", 1989

Bürgerbewegungen und Repräsentanten der Kirche fordern Verhandlungen zur demokratischen Umgestaltung der DDR. Die Modrow-Regierung versucht, mit den bis dahin kriminalisierten Oppositionsgruppen ins Gespräch zu kommen. Am 7. Dezember wird deswegen in Ost-Berlin der Zentrale Runde Tisch eingerichtet, an dem Abgesandte der "alten Kräfte" den Repräsentanten von zunächst sieben Oppositionsgruppierungen gegenübersitzen. Kirchenvertreter übernehmen die Moderation. Der Zentrale Runde Tisch bietet die Möglichkeit, die Forderung der Oppositionsbewegungen nach einer neuen Verfassung, freien Wahlen und Auflösung des bisherigen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) - nun Amt für Nationale Sicherheit - an die breite Öffentlichkeit zu bringen.

Auch auf lokaler Ebene, in vielen Bezirken und Kreisen der DDR, werden Runde Tische gebildet. Nach dem Vorbild Polens und Ungarns soll der Zentrale Runde Tisch ("Schule der Demokratie") die DDR-Regierung bis zu neuen Volkskammerwahlen kontrollieren. Die 33 Delegierten des Runden Tisches verstehen sich nicht als "Nebenparlament" und wollen keine Regierungsfunktionen wahrnehmen, wohl aber an allen wichtigen Entscheidungen mitwirken. Während der ersten Sitzung wird unter anderem beschlossen, die Regierung aufzufordern, das Amt für Nationale Sicherheit aufzulösen, die politische Eigenständigkeit der DDR zu erhalten sowie eine neue Verfassung und ein neues Wahlgesetz zu erarbeiten.

In der Folge vereinbart der Runde Tisch mit Ministerpräsident Hans Modrow freie Volkskammerwahlen für den 18. März 1990 und arbeitet einen Verfassungsentwurf für eine erneuerte DDR aus, in den die Reformvorstellungen der Oppositonsbewegungen mit einfließen. Deutschland soll nach vertraglicher Regelung stufenweise und allmählich zusammenwachsen. Währenddessen wird in der Bevölkerung der Ruf nach Wiedervereinigung immer lauter. Während der Beratungen des Runden Tisches am 15. Januar 1990 stürmen DDR-Bürger die Stasi-Zentrale in Berlin Lichtenberg und machen ihrem Ärger über das frühere MfS und die zögerliche Politik der Übergangsregierung Modrow Luft. Auf seiner letzten Sitzung am 12. März nimmt der Runde Tisch schließlich zur Kenntnis, dass der Apparat der Staatssicherheit beinahe vollständig aufgelöst ist.

Dokument Aufruf: Zentraler Runder Tisch, 1989

(ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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