1989/90 |
Wandel im Osten: Der 40. Jahrestag |
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Die DDR-Führung verkennt die Wirklichkeit. Während Fluchtwelle und Demonstrationen die Grundfesten des Staates erschüttern, feiert sie in altgewohnter Weise am 7. Oktober 1989 den 40. Gründungstag der DDR. In mehreren größeren Städten kommt es zu Protesten und Demonstrationen. Die Sicherheitsorgane gehen mit massiver Gewalt gegen die Demonstranten vor. Mehr als 1.000 Menschen werden verhaftet. Die staatlichen Feierlichkeiten enden in einem Fiasko, die Unruhen treffen das Regime empfindlich. Die Fiktion einer Einheit von Volk und Partei ist sichtbar zerbrochen. Aufgrund der sich zuspitzenden Krisensituation entscheidet sich Erich Honecker zunächst gegen die geplante Großinszenierung des 40. Jahrestages der DDR. Trotzdem soll mit Hilfe der Feierlichkeiten der Schein gewahrt bleiben. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) weiß, dass Unruhen zu erwarten sind. Sie beschließt, einen Aufstand notfalls mit Gewalt niederzuschlagen, und inszeniert die gewohnten Jubelfeiern und Volksfeste in Berlin: der Fackelzug der FDJ am 6. Oktober und die Militärparade am 7. Oktober. Die Aufmärsche sind nur noch Fassade, denn FDJ, die Pionierorganisation "Ernst Thälmann", SED und FDGB haben keinen Zulauf mehr. Die "Stützen der sozialistischen Gesellschaft" geben keinen Halt. Auf den Straßen protestieren die Menschen offen gegen das SED-Regime. Am 7. Oktober werden die Demonstrationen in Leipzig ebenso wie in Plauen, Magdeburg, Karl-Marx-Stadt und Potsdam von den Sicherheitskräften mit massiver Gewalt beendet. Auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz entwickelt sich eine große Demonstration. Vor dem Palast der Republik, wo die offziellen Feierlichkeiten stattfinden, rufen Demonstranten: "Gorbi, Gorbi, hilf uns!" Michail Gorbatschow, Ehrengast der "Jubelfeier", warnt die SED-Führung: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". (ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |