1989/90

 

Wandel im Osten: Glasnost und Perestroika

Spielzeug: Gesellschaftsspiel Glasnost, 1989
Sachbuch: Michail Gorbatschow, Perestroika, 1987

In der kommunistischen Welt gärt es. Ob Polen, die CSSR oder Ungarn - die Ursachen gleichen sich: fehlende Demokratie, Wirtschaftskrisen, Menschenrechtsverletzungen, Reisebeschränkungen. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit diesen Zuständen ist spürbar. Unvergessen sind die Aufstände und Reformbewegungen - 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn, 1968 in Prag, 1970 in Polen, 1971 in Litauen - sowie ihre gewaltsame Niederschlagung. In der UdSSR wird nun von der politischen Führung nach neuen Wegen gesucht: Ab 1985 wirkt Michail Gorbatschow entscheidend als Wegbereiter für Reformen im Ostblock. Mit seinen Forderungen nach Glasnost und Perestroika, Transparenz und Umgestaltung, leitet er eine neue Ära in der Sowjetunion ein.

Angesichts der schwierigen Situation der Wirtschaft in der UdSSR kündigt Generalsekretär Gorbatschow grundlegende Reformen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft an. Im Januar 1987 kritisiert er in einer programmatischen Rede die Fehler der KPdSU und fordert eine demokratische Umgestaltung von Partei und Gesellschaft. Entscheidend ist die Aufhebung der "Breschnew- Doktrin": Gorbatschow sichert den Ostblock-Staaten außerhalb der UdSSR zu, deren Eigenständigkeit zu achten sowie in keinem Fall militärisch einzugreifen und öffnet damit faktisch den Weg zur Demokratisierung dieser Staaten. Als erste führen Polen und Ungarn politische Reformen durch.

In der DDR hält die SED-Regierung an ihrem starren Kurs fest. Jeder Fortschritt in den "Bruderstaaten" wird jedoch von den DDR-Bürgern registriert. Ferienreisen in die Reformländer verstärken den Trend. Da die SED sie nicht verbieten kann, werden sie zum heiklen Problem für das DDR-Regime. Dieses verbietet im November 1988 sogar eine Ausgabe der vielgelesenen sowjetischen Zeitschrift "Sputnik", damit das neue Denken nicht um sich greift. Im Juni 1989 kommt Gorbatschow zu einem Staatsbesuch in die Bundesrepublik. In einer "gemeinsamen Erklärung" bekräftigt die UdSSR zum erstmals das Recht eines jeden Staates, "das eigene politische und soziale System frei zu wählen".

(ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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