1989/90

 

Wandel im Osten

Plakat: Solidarnosc, 1980
Spielzeug: Gesellschaftsspiel Glasnost, 1989
Photo: Montagsdemonstration in Leipzig, 1989

"Wandel durch Annäherung" ist die Leitidee der neuen Ostpolitik seit Ende der 1960er Jahre. Das Wettrüsten in Ost und West geht weiter. 1979 fasst die NATO den "Doppelbeschluss" zur Stationierung von Mittelstreckenwaffen, verbunden mit einem Verhandlungsangebot an die UdSSR. Da diese darauf nicht eingeht, sind zunächst Pershing II und Cruise Missiles die Antwort auf die sowjetischen SS 20-Raketen. Rund ein Jahrzehnt später hat sich die Welt verwandelt: Der Kalte Krieg ist zu Ende, der Ostblock zusammengebrochen, die DDR der Bundesrepublik beigetreten. Angefangen mit dem Prager Frühling 1968, bilden sich Oppositionsbewegungen: "Solidarnosc" in Polen, "Charta 77" in der CSSR, "Initiative Frieden und Menschenrechte" in der DDR.

Der Ruf nach Einhaltung der Menschenrechte und nach "demokratischem Sozialismus" wird lauter. Überall werden fehlende politische Freiheit und die schlechte Wirtschaftslage kritisiert. Die Verhängung des Kriegsrechtes in Polen 1981 zeigt die Hilflosigkeit des herrschenden Systems. 1985 leitet der Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow, eine neue Ära in der Sowjetunion ein. Seine Politik von Glasnost und Perestroika, Transparenz und Umgestaltung, sieht grundlegende Reformen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft der Sowjetunion vor. Zudem öffnet Gorbatschow den Weg zur Demokratisierung der Ostblock-Staaten außerhalb der UdSSR.

Opposition und Machtverlust charakterisieren die tiefe Krise in der DDR Ende der 1980er Jahre. Die DDR-Führung klammert sich weiterhin an den Führungsanspruch der SED. Doch auch hier ist der Wandel nicht aufzuhalten. Unter dem Dach der Kirche verstärken Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen ihre Aktivitäten. Ausreisewille und Opposition in der DDR-Bevölkerung nehmen zu. Die DDR-Führung antwortet mit zunehmender Unterdrückung und Bespitzelung. Als Ungarn im Mai 1989 mit dem Abbau der westlichen Grenzsperren beginnt und am 11. September schließlich seine Grenze zu Österreich vollständig öffnet, fliehen mehr und mehr DDR-Bürger in den Westen. Im Zuge dieser Massenflucht kommen bis zum Fall der Mauer am 9. November mehr als 200.000 Übersiedler aus der DDR in die Bundesrepublik. Ausreisewelle und innergesellschaftliche Opposition in der DDR führen schließlich im Sommer und Herbst 1989 zur Bildung von Bürgerbewegungen und zu Demonstrationen. Der 40. Jahrestag der Gründung der DDR endet im Oktober 1989 für das DDR-Regime in einem Fiasko. Während die Regierung mit den offiziellen Feierlichkeiten den Schein wahren will, kommt es in mehreren Städten zu Demonstrationen, auf die die Sicherheitskräfte mit Gewalt und Verhaftungen antworten. Die Losung "Wir sind das Volk!" zeigt das gewachsene Selbstbewusstsein, mit dem die Demonstranten im Herbst 1989 Reformen fordern.

(ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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