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- Januar
- 1.1. Mit der Proklamation der Tschechischen Republik und der
Slowakischen Republik wird die Teilung der Tschechischen und Slowakischen
Föderativen Republik (CSFR) in zwei souveräne Staaten verwirklicht.
Zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft (EG)
tritt der Europäische Binnenmarkt in Kraft, der den freien Verkehr
von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital im gemeinsamen Wirtschaftsraum
gewährleistet.
- 2.1. In Genf wird die Internationale Jugoslawienkonferenz mit
Teilnehmern der drei Bürgerkriegsparteien in Bosnien-Herzegowina
eröffnet. Auch während der Friedensverhandlungen dauern die
Kämpfe in Bosnien-Herzegowina unvermindert an.
- 3.1. Der russische Präsident Boris
Jelzin und der US-amerikanische Präsident George Bush (geb.
1924) unterzeichnen in Moskau das START-II-Abkommen (Strategic Arms
Reduction Talks), das eine weitere drastische Verringerung der strategischen
Atomwaffen vorsieht.
Bundeswirtschaftsminister Jürgen W. Möllemann (FDP) tritt
wegen seiner Verstrickung in die "Briefbogenaffäre" zurück.
Er hatte - nach eigenen Angaben unwissentlich - auf offiziellem Papier
seines Ministeriums Werbung für das Produkt eines Verwandten betrieben.
- 4.1. In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba nimmt
die UNO-Friedenskonferenz für Somalia ihre Beratungen auf, an denen
erstmals alle 14 Bürgerkriegsparteien beteiligt sind.
- 13.1. Nachdem das Berliner Verfassungsgericht die Fortsetzung
des Prozesses und der Haft als Verletzung der Menschenwürde des
todkranken Erich Honecker
gewertet und das Berliner Landgericht das Verfahren gegen ihn eingestellt
hat, wird der inhaftierte frühere Staats- und Parteichef der DDR
aus dem Gefängnis entlassen. Honecker reist nach Chile aus, wo
seine Tochter und seine Frau Margot Honecker (geb. 1927) leben.
- 14.1. Vertreter der Regierung Russlands und der Tschetschenischen
Republik nehmen in Grosny Verhandlungen über die Unabhängigkeit
des nordkaukasischen Landes auf.
- 16.1. Nach einem Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins
"Der Spiegel" unterhält der saarländische Ministerpräsident
Oskar Lafontaine
(SPD) Kontakte zur Unterwelt. Lafontaine weist alle Vorwürfe in
der "Rotlichtaffäre" zurück.
- 18.1. Zum dritten Mal innerhalb von fünf Tagen unternehmen
Kampfflugzeuge der Golfkriegsalliierten Angriffe auf den Südirak.
Ziel der Attacken sind die innerhalb der Flugverbotszone errichteten
Raketenabschussrampen.
In München erscheint die erste Ausgabe des Nachrichtenmagazins
"Focus", das vom Burda-Verlag herausgegeben wird.
- 20.1. Der Demokrat Bill
Clinton wird in Washington als 42. Präsident der Vereinigten
Staaten vereidigt.
- 22.1. In Kroatien wird der schon mehr als ein Jahr andauernde
Waffenstillstand gebrochen, als kroatische Verbände in der Krajina
Teile der von Serbien besetzten Gebiete zurückerobern.
Nach dem Rücktritt zweier Minister der Regierung Kohl
werden im Rahmen einer Kabinettsumbildung vier neue Bundesminister vereidigt.
Günter Rexrodt (geb. 1941) (FDP) wird Wirtschaftsminister, Wolfgang
Bötsch (geb. 1938) (CSU) Minister für Post und Telekommunikation,
Jochen Borchert (geb. 1940) (CDU)
Landwirtschaftsminister und Matthias Wissmann (geb. 1949) (CDU) Minister
für Forschung und Technologie.
- 25.1. In Köln nimmt der private Fernsehkanal Vox mit einem
informationsorientierten Vollprogramm seinen Sendebetrieb auf. Der Nachrichtenkanal
versucht den Erfolg des US-Senders CNN zu kopieren, die Einschaltquoten
bleiben jedoch hinter den Erwartungen zurück.
- 26.1. Das tschechische Parlament in Prag wählt Vaclav
Havel, bis zum 20. Juli 1992 Staatsoberhaupt der CSFR, zum Staatspräsidenten
der Tchechischen Republik.
- 28.1. Bernhard Jagoda (geb. 1940) (CDU) tritt in Nürnberg
die Nachfolge von Heinrich Franke (geb. 1928) als Präsident der
Bundesanstalt für Arbeit an.
- 30.1. Der Parteitag der Partei des Demokratischen Sozialismus
(PDS) wählt auf seiner Tagung in Berlin Lothar Bisky (geb. 1941)
zum neuen Parteivorsitzenden. Er tritt die Nachfolge von Gregor
Gysi an.
- Februar
- 1.2. In Brüssel beginnen die Verhandlungen über die
Aufnahme Österreichs, Schwedens und Finnlands in die Europäische
Gemeinschaft. Anfang 1995 soll der Beitritt vollzogen werden.
- 2.2. Anlässlich des 50. Jahrestages der Beendigung der
Schlacht von Stalingrad
finden in der Bundesrepublik und in Russland Gedenkfeiern statt. Der
russische Präsident Boris Jelzin und der Bundeskanzler Helmut
Kohl rufen in einem Briefwechsel zu Versöhnung und Partnerschaft
zwischen ihren Völkern auf.
- 6.2. Über Kroatien wird ein deutsches Transportflugzeug
mit Hilfsgütern für die belagerte bosnische Hauptstadt Sarajewo
an Bord beschossen und schwer beschädigt. Dabei wird ein Soldat
verletzt.
- 7.2. Im Rahmen des Treffens "Internationale Frauen-Solidarität"
protestieren Frauen aus 15 europäischen Staaten und den USA gegen
die brutalen Massenvergewaltigungen im bosnischen Bürgerkrieg.
- 9.2. Die Gesellschaft für deutsche Sprache in Dresden
erklärt die Formulierung "ethnische Säuberung" zum
Unwort des Jahres 1992. Der Begriff umschreibt die Politik der bosnischen
Serben, Angehörige anderer Volksgruppen aus den von ihnen beanspruchten
Gebieten brutal zu vertreiben.
- 10.2. Am Berliner Ensemble wird das Theaterstück "Wessis
in Weimar" von Rolf
Hochhuth in der Inszenierung von Einar Schleef (geb. 1944) uraufgeführt,
nachdem es dem Autor nicht gelungen ist, die Aufführung mangels
Werktreue zu verbieten. Hochhuth distanziert sich von der Regiearbeit
Schleefs und erkennt erst die spätere Inszenierung am Ernst-Deutsch-Theater
in Hamburg als Uraufführung an.
- 14.2. Bei den ersten Direktwahlen in Litauen wird der frühere
KP-Chef und jetzige Führer der aus der Kommunistischen Partei hervorgegangenen
Demokratischen Arbeiterpartei (LDAP), Algirdas Brazauskas (geb. 1932),
mit 60,1 Prozent der Stimmen zum litauischen Staatspräsidenten
gewählt.
- 15.2. Der slowakische Nationalrat wählt in Bratislawa
Michail Kovac (geb. 1930) zum ersten Staatspräsidenten der neuen
slowakischen Republik.
Bei den ersten freien Parlamentswahlen in Niger seit mehr als 20 Jahren
geht das oppositionelle Bündnis "Kräfte des Wandels"
als Sieger hervor.
- 17.2. Im Ruhrgebiet demonstrieren Stahlarbeiter in der "Nacht
der 1000 Feuer" gegen drohende Massenentlassungen und blockieren
zahlreiche Verkehrsverbindungen.
- 22.2. In New York verabschiedet der Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen eine Resolution zur Schaffung eines internationalen Gerichtshofs
zur Aburteilung von Kriegsverbrechern im ehemaligen Jugoslawien.
- 26.2. Bei einem Bombenanschlag auf das World Trade Center in
New York finden sechs Menschen den Tod. Vermutliche Drahtzieher des
Attentats sind islamische Fundamentalisten.
- 27.2. Die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer
einigen sich in der brandenburgischen Hauptstadt Potsdam auf den sogenannten
Solidarpakt zur Finanzierung
der Deutschen Einheit.
- März
- 2.3. Nach der Ermordung zweier Israelis durch einen palästinensischen
Extremisten in Tel Aviv riegeln israelische Sicherheitskräfte den
Gaza-Streifen ab.
- 3.3. Nachdem die UNO eine Verstärkung ihrer Friedenstruppen
zugesagt hat, unterzeichnet der bosnische Präsident Alija Izetbegovic
(geb. 1925) bei den Friedensgesprächen in New York ein Waffenstillstandsabkommen,
dem Kroatien und Serbien bereits beigetreten sind. Über die Grenzziehungen
kann jedoch keine Einigung erzielt werden.
- 4.3. Der frühere Anwalt der Roten
Armee Fraktion (RAF), Klaus Croissant, wird wegen Agententätigkeit
für die ehemalige DDR zu 21 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.
- 5.3. Die Vertreter der südafrikanischen Parteien einigen
sich in Johannesburg darauf, die Gespräche über die zukünftige
Verfassung des Landes wieder aufzunehmen.
- 7.3. Die Führer von acht afghanischen Bürgerkriegsparteien
unterzeichnen ein Friedensabkommen, die Kämpfe gehen jedoch weiter.
- 13.3. Nach dreitägigen Verhandlungen einigen sich die
Bundesregierung, die oppositionelle SPD und die Ministerpräsidenten
der Bundesländer auf einen Solidarpakt zur Finanzierung der Folgen
der deutschen Einheit. Durch die Neuordnung des Länder-Finanzausgleichs
und des Umsatzsteueraufkommens wird der Bund zum Hauptlastenträger
des wirtschaftlichen Aufbaus in Ostdeutschland.
- 15.3. Bei der sächsischen Foron Hausgeräte GmbH in
Niederschmiederberg geht der weltweit erste Kühlschrank ohne Fluorkohlenwasserstoffe
und Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FKW und FCKW) in Serienproduktion.
- 16.3. Die russische Regierung gibt bekannt, dass die frühere
Sowjetunion zwischen 1964 und 1991 rund 4.900 Atomcontainer und 16 Atom-U-Boote
im Nordmeer versenkt hat.
- 19.3. Die bosnischen Serben protestieren mit einer Note an
das UNO-Kommando in Bosnien und das US-Oberkommando in Europa gegen
eine mögliche deutsche Beteiligung an der Versorgungsluftbrücke
für Bosnien.
Die Hamburger Kunsthalle eröffnet eine Ausstellung mit Selbstportraits
des Künstlers Max
Beckmann.
- 20.3. Der russische Präsident Boris Jelzin unterstellt
Russland der Präsidialherrschaft. Sie soll bis zur für den
25. April vorgesehenen Volksabstimmung über eine Erweiterung der
präsidialen Machtbefugnisse gelten.
Mit einem Sieg nach Punkten über den amtierenden Titelverteidiger
Charles Williams (geb. 1962) (USA) wird der deutsche Profiboxer Henry
Maske (geb. 1964) in Düsseldorf Weltmeister im Halbschwergewicht.
- 23.3. Das russische Verfassungsgericht in Moskau erklärt
die von Präsident Boris Jelzin verkündete Präsidialherrschaft
für teilweise verfassungswidrig.
Gegen heftige Proteste aus der Bevölkerung beschließen die
Bundesregierung und der Berliner Senat den Abriss des asbestverseuchten
Palastes der Republik, in dem seit 1976 die Volkskammer
der DDR untergebracht war.
Der deutsche Schriftsteller Hans
Werner Richter stirbt 84jährig in München.
Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern kauft für 27,5 Mio. D-Mark
den künstlerischen Nachlass des Bildhauers Ernst
Barlach an.
- 24.3. Das israelische Parlament wählt in Jerusalem den
ehemaligen Verteidigungsminister Ezer Weizman (geb. 1924) zum Nachfolger
des seit 1993 amtierenden Staatspräsidenten Chaim Herzog (1918-1997).
- 25.3. Der bosnische Präsident Alija Izetbegovic und der
Kroatenführer Mate Boban unterzeichnen im Rahmen der Bosnien-Friedensgespräche
den Friedensplan der UNO. Der bosnische Serbenführer Radowan Karadzic
(geb. 1945) verweigert jedoch seine Zustimmung.
- 26.3. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschließt
die Entsendung von mehr als 30.000 Blauhelm-Soldaten
nach Somalia, um die internationalen Truppen unter Führung der
USA zum 1. Mai abzulösen.
- 27.3. Mitglieder der terroristischen RAF verüben einen
Bombenanschlag auf den Gefängnisneubau in der südhessischen
Kleinstadt Weiterstadt. Der Anschlag, bei dem ein Sachschaden von rund
100 Millionen D-Mark entsteht, wird als Signal betrachtet, dass die
RAF den vom früheren Bundesjustizminister Klaus Kinkel (geb. 1936)
(F.D.P.) im Januar 1992 angebotenen Dialog mit dem Staat nicht halten
will.
- 31.3. Bei Enthaltung Chinas billigt der Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen in New York die militärische Durchsetzung des
Flugverbots über Bosnien-Herzegowina.
In Kopenhagen billigt das dänische Parlament den Vertrag
von Maastricht zur Gründung einer Europäischen Union.
Über die endgültige Annahme soll die Bevölkerung in einem
Referendum entscheiden.
- April
- 1.4. Die Regierung von Bosnien-Herzegowina erhebt vor dem Internationalen
Gerichtshof in Den Haag Anklage gegen Rest-Jugoslawien wegen der Vertreibung
von zwei Millionen Bosniern und der Ermordung von 250.000 Zivilisten.
- 5.4. Die Außen- und Verteidigungsminister der Westeuropäischen
Union (WEU) beschließen in Luxemburg Maßnahmen zur Durchsetzung
des UN-Embargos gegen Rest-Jugoslawien. Die Bundesrepublik stellt hierfür
vier Patrouillenboote und 50 Beamte von Bundesgrenzschutz
und Zollfahndung zur Verfügung.
- 6.4. Das Bundesverfassungsgericht
in Karlsruhe erklärt den Einsatz von Beamten als sogenannte
Streikbrecher bei rechtmäßigen Streiks für verfassungswidrig.
Damit wird ein entgegengesetzt lautendes Urteil des Bundesarbeitsgerichts
ungültig.
- 8.4. Das Bundesverfassungsgericht weist die Anträge von
SPD und F.D.P. auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen die Beteiligung
deutscher Soldaten an AWACS-Aufklärungsflügen (AWACS = Airborne
Warning and Control System; engl.: Luftgestütztes Frühwarn-
und Einsatzführungssystem) zur Durchsetzung des Flugverbots über
Bosnien zurück.
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen nimmt Mazedonien in die
Weltorganisation auf. Die offizielle Bezeichnung lautet "Ehemalige
jugoslawische Republik Mazedonien".
- 10.4. Der schwarze Generalsekretär der mit dem Afrikanischen
Nationalkongreß (ANC) verbündeten Kommunistischen Partei
Südafrikas, Chris Hani (1942-1993), wird in Johannesburg ermordet.
Als Täter werden Rechtsextremisten vermutet. Der Mord löst
bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen ANC-Anhängern und der
Polizei aus, die 17 Tote fordern und die Verfassungsgespräche gefährden.
- 12.4. AWACS-Flugzeuge der NATO beginnen mit der Überwachung
des bosnischen Luftraums. An den Aufklärungsflügen beteiligen
sich auch 162 Angehörige der Bundeswehr. Dies ist der erste Kampfeinsatz
deutscher Soldaten seit Ende des Zweiten
Weltkriegs, da der Adria-Einsatz der Bundesmarine im Sommer 1992
nur Kontrollcharakter hatte.
- 14.4. Bei einem Sondergipfel in Tokyo vereinbaren die Außen-
und Finanzminister der sieben führenden Industrienationen Finanzhilfen
für Russland in Höhe von 70 Milliarden D-Mark.
- 17.4. Im zweiten Prozess um die Misshandlung des Farbigen Rodney
King durch Angehörige der Polizei von Los Angeles befinden die
Geschworenen zwei der vier angeklagten Polizisten für schuldig.
Das am 4. August verkündete Strafmaß lautet auf 30 Monate
Haft.
- 19.4. Nach 51tägiger Belagerung stürmt die amerikanische
Bundespolizei FBI das Anwesen der Davidianer-Sekte in Waco (US-Bundesstaat
Texas). Mehr als 80 Menschen sterben, als aus ungeklärter Ursache
kurz danach ein Feuer ausbricht und die festungsähnlich ausgebaute
Farm innerhalb kurzer Zeit niederbrennt.
Bei einer Volksabstimmung über die künftige Regierungsform
in Brasilien entscheiden sich zwei Drittel der Teilnehmer für den
Erhalt der Präsidialdemokratie. Lediglich 12 Prozent votieren für
die Wiedereinführung der 1889 abgeschafften Monarchie.
- 23.-25.4. In Eritrea befürworten 99 Prozent der Stimmen
in einer dreitägigen Volksabstimmung die Unabhängigkeit des
ostafrikanischen Landes von Äthiopien.
- 25.4. In einem vier Fragen umfassenden Referendum, an dem sich
64,5 Prozent der wahlberechtigten russischen Bevölkerung beteiligen,
sprechen 58,7 Prozent der Wähler Boris Jelzin und dessen Reformpolitik
ihr Vertrauen aus.
- 27.4. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschließt
eine Verschärfung der Sanktionen gegen Rest-Jugoslawien, nachdem
das selbst ernannte Parlament der bosnischen Serben tags zuvor den Vance-Owens-Friedensplan,
der einen einheitlichen Staat Bosnien-Herzegowina mit neun autonomen
Provinzen vorsieht, abgelehnt hat.
- 28.4. Die Bundesregierung beschließt die Umsetzung der
Basler Konvention zum Verbot illegaler Müllexporte. Deutscher Müll
darf nur noch in Staaten ausgeführt werden, die der Europäischen
Gemeinschaft oder der Europäischen Freihandelszone angehören.
- 30.4. Die 19jährige Serbin Monica Seles (geb. 1973), die
die Weltrangliste im Damen-Tennis anführt, wird beim internationalen
Tennisturnier am Hamburger Rothenbaum von einem geistig verwirrten Deutschen
mit einem Messer verletzt. Der Attentäter gibt an, er habe Seles
spielunfähig machen wollen, damit die deutsche Tennisspielerin
Steffi Graf wieder
auf Platz eins der Weltrangliste vorrücken könne.
- Mai
- 1.5. In Nevers/Frankreich begeht der frühere französische
Ministerpräsident Pierre Bérégovoy (geb.1925), dessen
Sozialistische Partei bei den Parlamentswahlen am 28. März eine
schwere Niederlage erlitten hatte, Selbstmord.
Der Staatspräsident von Sri Lanka, Ranasinghe Premadasa (1924-1993),
wird Opfer eines Bombenanschlags, zu dem sich tamilische Rebellen bekennen,
die für einen unabhängigen Staat kämpfen.
- 3.5. Björn
Engholm tritt wegen seiner Falschaussage im Kieler Barschel-Untersuchungsausschuss
als schleswig-holsteinischer Ministerpräsident und als Vorsitzender
der SPD zurück.
- 4.5. Das Verfassungsgericht der Hansestadt Hamburg erklärt
die Bürgerschaftswahl vom 2. Juni 1991 für ungültig,
weil die Kandidatenaufstellung bei der CDU nicht demokratischen Grundsätzen
entsprochen habe.
- 6.5. Bundesverkehrsminister Günther Krause (geb. 1953)
(CDU) erklärt wegen angeblich ungerechtfertigter Bereicherungen
im Amt seinen Rücktritt. Unter anderem hatte Krause sich einen
Privatumzug vom Staat erstatten lassen.
In Lübeck wird das neue Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum
im Buddenbrookhaus eröffnet.
- 14.5. Im somalischen Mogadischu treffen die ersten Transportmaschinen
der Bundeswehr mit Material für die Ausrüstung der deutschen
"Blauhelm-Soldaten" ein. Die Bundeswehr soll Versorgungsaufgaben
im Raum Belet-Huen übernehmen.
Ein gemeinsamer Parteitag von Grünen
und Bündnis 90 in Leipzig beschließt die Vereinigung beider
Organisationen, nachdem der Zusammenschluss zuvor von den Parteimitgliedern
in einer Urabstimmung gebilligt worden ist.
- 15.5. In Bitterfeld treffen die letzten Waggons mit Giftmüll
aus DDR-Produktion ein, der zwischen September 1991 und Mai 1992 nach
Rumänien geschmuggelt worden war. Bundesumweltminister Klaus Töpfer
(geb. 1938) (CDU) hatte den Rücktransport bereits im Mai 1992 zugesagt,
ein Streit zwischen dem Bund und den Ländern über die Finanzierung
der Sondermüllentsorgung hatte die Aktion jedoch verzögert.
- 18.5. Bei einer zweiten Volksabstimmung billigen 56,8 Prozent
der dänischen Wähler den Vertrag
von Maastricht, der im Juni 1992 noch mit knapper Mehrheit abgelehnt
worden war. Zum Meinungswandel in der dänischen Bevölkerung
trugen vor allem die zahlreichen Ausnahmeregelungen bei, die die EG
Dänemark zubilligte.
Der frühere Regierende Bürgermeister von Berlin und Theologe
Heinrich Albertz (1915-1993) stirbt im Alter von 78 Jahren in Bremen.
- 19.5. In Schleswig-Holstein wird die bisherige Finanzministerin
Heide Simonis (geb. 1943) (SPD) als Nachfolgerin des am 3. Mai zurückgetretenen
Ministerpräsidenten Björn Engholm als erste Frau zur Regierungschefin
eines deutschen Bundeslandes gewählt.
- 20.5. Das britische Unterhaus, das sein Abstimmungsverhalten
vom Ausgang des dänischen Referendums abhängig gemacht hatte,
billigt in London gleichfalls den Maastrichter
Vertrag.
- 21.5. Die Friedensverhandlungen im angolanischen Bürgerkrieg
zwischen den beiden Konfliktparteien um den Rebellenführer Jonas
Savimbi (geb. 1934) und Staatspräsident José Eduardo dos
Santos (geb. 1942) enden ohne Ergebnisse. Der Bürgerkrieg entbrennt
aufs neue und bedroht rund zwei Millionen Angolaner mit dem Hungertod.
- 22.5. Die Partei von Prinz Norodom Sihanouk (geb. 1922) wird
stärkste Kraft bei den unter Aufsicht der Vereinten Nationen durchgeführten
Wahlen in Kambodscha.
- 24.5. Wim Wenders (geb. 1945) Film "In weiter Ferne, so
nah", eine Fortsetzung von "Der Himmel über Berlin",
erhält bei den Filmfestspielen in Cannes den Großen Preis
der Jury.
In Asmara wird die Unabhängigkeit der ehemaligen äthiopischen
Provinz Eritrea ausgerufen. Erster Staatspräsident ist der Führer
der Befreiungsbewegung, Issayas Afeworki (geb. 1945).
- 25.5. Franz Steinkühler (geb. 1937) tritt wegen umstrittener
Insider-Aktiengeschäfte von seinem Amt als Vorsitzender der Industriegewerkschaft
Metall zurück. Zu seinem Nachfolger wird am 2. Oktober sein bisheriger
Stellvertreter Klaus Zwickel (geb. 1939) gewählt.
- 26.5. Mit 521 gegen 132 Stimmen beschließt der Deutsche
Bundestag eine Gesetzesänderung zum Asylrecht.
Zukünftig sollen Asylbewerber, die über ein Land der Europäischen
Gemeinschaft oder aus einem anderen sogenannten sicheren Drittland kommen,
zurückgewiesen werden. Dazu zählen neben den EG-Ländern
alle an die Bundesrepublik angrenzenden Staaten. Das in der Öffentlichkeit
teilweise stark kritisierte Gesetz tritt am 1. Juli 1993 in Kraft.
- 28.5. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe erklärt
die im Juni 1992 vom Bundestag verabschiedete Neuregelung des Abtreibungsrechts
für teilweise verfassungswidrig. Bis zur gesetzlichen Nachbesserung
gilt eine Fristenlösung, nach der eine Abtreibung bis zur 12. Schwangerschaftswoche
rechtswidrig ist, aber straffrei bleibt.
- 29.5. Bei einem von rechtsextremen Gewalttätern verübten
Brandanschlag
auf ein von Türken bewohntes Haus sterben in Solingen fünf
Menschen im Alter zwischen vier und 27 Jahren. Zwei Tage nach dem Anschlag
nimmt die Polizei als Tatverdächtigen einen 16jährigen Schüler
fest, der ein Geständnis ablegt und drei weitere Personen im Alter
von 16 und 23 Jahren als Mittäter belastet.
- Juni
- 3.6. Bei der Trauerfeier für die Opfer des Brandanschlags
in Solingen fordert Bundespräsident Richard
von Weizsäcker mehr Rechte für die in der Bundesrepublik
Deutschland lebenden Ausländer. Bundeskanzler Helmut Kohl nimmt
an den Gedenkveranstaltungen für die Opfer rechtsextremistischer
Gewalt nicht teil.
- 5.6. Am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga entscheidet
der SV Werder Bremen unter Trainer Otto Rehhagel (geb. 1938) die deutsche
Fußballmeisterschaft 1992/93 für sich.
Bei einem Überfall bewaffneter Somalis auf ein pakistanisches UN-Kontingent
kommen in Mogadischu 23 Blauhelm-Soldaten
ums Leben.
- 11.6. Auf dem in Münster tagenden Parteitag der F.D.P.
wird Bundesaußenminister Klaus Kinkel als Nachfolger von Otto
Graf Lambsdorff zum neuen Parteivorsitzenden gewählt.
- 12.6. Als Reaktion auf die gewalttätigen Überfälle
auf Einheiten der UN-Friedenstruppe in Mogadischu beginnen US-amerikanische
Kampfhubschrauber mit Angriffen auf Stützpunkte des somalischen
Rebellenführers Mohammed Farah Aidid (1936-1996).
Bei den ersten freien Präsidentschaftswahlen in Nigeria nach fast
zehnjähriger Militärdiktatur zeichnet sich ein Sieg für
den sozialdemokratischen Kandidaten ab. Die Militärjunta annuliert
daraufhin das Wahlergebnis.
- 13.6. In Venedig eröffnet die 45. Kunstbiennale, auf der
Werke von 715 Künstlern aus 53 Ländern präsentiert werden.
- 16.6. Das schwedische Institut für Friedensforschung (SIPRI)
bezeichnet in seinem Jahresbericht die Bundesrepublik nach den USA und
Rußland als drittgrößten Waffenexporteur der Welt mit
einem Ausfuhrvolumen von 3,1 Milliarden DM.
- 17.6. Die Regierungen von Rußland und der Ukraine einigen
sich nach jahrelangem Streit über die Zukunft der Schwarzmeerflotte
der früheren Sowjetunion. Beide Staaten erhalten jeweils die Hälfte
der Flotte, gemeinsame Basis bleibt der Hafen von Sewastopol.
Der sogennante Vance-Owen-Friedensplan, der einen einheitlichen Staat
Bosnien-Herzegowina mit neun autonomen Provinzen vorsieht, wird vom
EG-Vermittler Lord David Owen (geb. 1938) in Genf offiziell für
gescheitert erklärt.
- 22.6. Unter dem Zwang von Haushaltskürzungen verfügt
der Berliner Senat die Schließung des fast 100 Jahre alten Schiller-Theaters
zum Ende der Saison.
- 23.6. In Bonn verabschiedet das Bundeskabinett ein Gesetzespaket
zur Einführung der Pflegeversicherung, die das finanzielle Risiko
einer Pflegebedürftigkeit im Alter absichern soll.
Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe billigt den Bundeswehreinsatz
in Somalia unter der Bedingung. daß der Bundestag diesen mit einfacher
Mehrheit beschließt.
- 24.6. In Belgien beschließt die Regierung eine Teilnahme
ihrer Streitkräfte am sogenannten Eurokorps, dem bisher französische
und deutsche Truppeneinheiten angehören.
In München nimmt eine Gruppe von 13 Kurden im türkischen Generalkonsulat
23 Geiseln, um auf die Unterdrückung der Kurden in der Türkei
zu protestieren. Die Polizei kann die Geiselnahme ohne Blutvergießen
beenden.
- 25.6. Auf dem Sonderparteitag der SPD in Essen wählen
die SPD-Delegierten den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten
Rudolf Scharping
zum Nachfolger des zurückgetretenen SPD-Vorsitzenden Björn
Engholm. Zuvor hatte sich auch die Parteibasis in einer Mitgliederbefragung
mehrheitlich für Scharping als neuen Parteivorsitzenden ausgesprochen.
Bei einer Stimmbeteiligung von 56,6 Prozent entfielen auf Scharping
40,3 Prozent, auf seine Gegenkandidaten, den niedersächsischen
Ministerpräsidenten Gerhard
Schröder und das SPD-Präsidiumsmitglied Heidemarie Wieczorek-Zeul
(geb. 1942), 33,2 bzw. 26,5 Prozent der Stimmen.
In Ankara stellt die erste türkische Ministerpräsidentin Tansu
Ciller (geb. 1946), die seit dem 13. Juni Vorsitzende der konservativen
Partei des rechten Weges ist, ihr Kabinett vor. Ciller setzt die Regierungskoalition
mit der sozialdemokratischen Volkspartei fort.
- 26.6. In 120 deutschen Städten bekunden Tausende Bundesbürger
in einer "Nacht der Wohnungslosen" ihre Solidarität mit
Obdachlosen, deren Zahl nach offiziellen Angaben bei 40.000 liegt.
- 27.6. Bei einer von Pannen begleiteten Verhaftungsaktion des
Bundesgrenzschutzes
werden auf dem Bahnhof der mecklenburgischen Kleinstadt Bad Kleinen
das mutmaßliche Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF), Wolfgang
Grams, und ein Beamter der Bundesgrenzschutztruppe GSG-9 erschossen.
Die ungeklärten Umstände des umstrittenen Einsatzes lösen
eine politische Krise aus. Ein späteres Gutachten schließt
jedoch eine vorsätzliche Tötung des mutmaßlichen Terroristen
durch GSG-9-Beamte aus.
- 30.6. Der Förderverein Berliner Stadtschloss lässt
für die Dauer von 100 Tagen den Palast der Republik mit Polyester
verkleiden, der mit der Fassade des Hohenzollern-Schlosses bemalt ist.
Der Verein will damit für sein Anliegen werben, das 1950 von den
damaligen DDR-Behörden gesprengte Stadtschloss an seinem ursprünglichen
Standort neu zu errichten.
- Juli
- 1.7. In der Bundesrepublik wird das frühere vierstellige
Postleitzahlensystem durch neue, fünfstellige Ziffernkombinationen
abgelöst. Die Neuordnung des seit 1961 bestehenden vierstelligen
Systems war notwendig geworden, weil seit der deutschen Wiedervereinigung
zahlreiche Postleitzahlen doppelt vorhanden waren.
- 2.7. Der Bundestag beschließt mit der Mehrheit von 337
Stimmen bei 185 Gegenstimmen und 13 Enthaltungen den Einsatz von rund
1700 Bundeswehrsoldaten bei der UNO-Friedensaktion in Somalia.
- 4.7. Bundesinnenminister Rudolf Seiters (geb. 1937) (CDU) tritt
wegen der ungeklärten Begleitumstände beim Anti-Terror-Einsatz
der GSG-9 in Bad Kleinen zurück.
- 6.7. Generalbundesanwalt Alexander von Stahl wird wegen der
verwirrenden Informationspolitik seiner Behörde zum GSG-9-Einsatz
gegen den mutmaßlichen Terroristen Wolfgang Grams in Bad Kleinen
von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (geb.
1951) (F.D.P.) in den einstweiligen Ruhestand versetzt.
- 7.-9.7. Auf dem Weltwirtschaftsgipfel
in Tokyo kündigen die Staats- und Parteichefs der sieben führenden
Industrienationen verstärkte Hilfe für die früheren Ostblockländer
an. An den Beratungen nimmt zeitweise auch der russische Präsident
Boris Jelzin als
Gast teil.
- 8.7. In Torgau wird eine neue Elbbrücke dem Verkehr übergeben.
Sie ersetzt die historische Brücke, auf der am 25. April 1945 Soldaten
der US-Armee und sowjetische Truppen im Kampf gegen das nationalsozialistische
Deutsche Reich erstmals zusammentrafen.
- 9.7. Die serbischen Justizbehörden setzen den Oppositionsführer
Vuk Draskovic (geb. 1946) nach fünfwöchiger Haft wieder auf
freien Fuß.
- 12.7. Die russische Verfassungsversammlung stimmt mit großer
Mehrheit dem von Präsident Boris Jelzin vorgelegten Entwurf einer
neuen Verfassung zu, der die Machtbefugnisse des Präsidenten stark
erweitert.
- 19.7. Der frühere DDR-Unterhändler in Menschenrechtsfragen,
Rechtsanwalt Wolfgang Vogel (geb. 1925), wird wegen des Verdachts auf
Steuerhinterziehung und Meineid bei Berlin verhaftet. Die gegen ihn
erhobenen Vorwürfe, ausreisewillige DDR-Bürger erpreßt
zu haben, kann Vogel in einem späteren Prozess größtenteils
entkräften.
- 20.7. Die Außenminister der Mitgliedsländer der
Europäischen Gemeinschaft einigen sich in Brüssel auf eine
Neuordnung des Strukturfonds für die ärmsten Regionen Europas.
Für die neuen Bundesländer sollen bis 1999 Regionalhilfen
in Höhe von rund 27 Milliarden D-Mark bereitgestellt werden.
- 21.7. Erstmals stattet Bundeskanzler Helmut Kohl mit dem Besuch
des Korps- und Territorialkommandos Ost in Potsdam einem Bundeswehrkommando
in den neuen Bundesländern einen offiziellen Besuch ab.
- 29.7. Aus Mangel an Beweisen hebt der Oberste Gerichtshof Israels
in einem Revisionsverfahren das Todesurteil gegen John Demjanjuk auf,
der im Verdacht stand, als "Iwan der Schreckliche" im Konzentrationslager
Treblinka am Tod zahlreicher Menschen mitverantwortlich zu sein. Am
22. September wird Demjanjuk in die USA abgeschoben.
- 30.7. Vertreter der Bürgerkriegsparteien im ehemaligen
Jugoslawien einigen sich in Genf auf einen Verfassungsentwurf für
Bosnien-Herzegowina, der eine Union aus drei Republiken vorsieht.
- 31.7. Mit 19,6 Prozent Sehbeteiligung erreicht der Kölner
Privatsender RTL im Juli 1993 die meisten Zuschauer unter den deutschen
Fernsehanbietern. Die Zuschauerquote der öffentlich-rechtlichen
Sendeanstalten ARD und ZDF liegt bei 16,6 bzw. 17,7 Prozent.
- August
- 1.8. Nach dem Konkursantrag entlässt die Saarstahl AG
in Völklingen, eines der traditionsreichsten Unternehmen der deutschen
Stahlbranche, 2.150 der noch verbliebenen 7.200 Mitarbeiter.
- 2.8. In Brüssel beschließen die Finanzminister und
Notenbankchefs der Mitgliedsstaaten des Europäischen
Währungssystems (EWS) die Schwankungsbreite der Wechselkurse
zu erweitern, um die in Turbulenzen geratenen Finanzmärkte zu stabilisieren.
Das EWS wird damit praktisch außer Kraft gesetzt.
- 3.8. Mit der Eroberung des Berges Igman gelingt den bosnischen
Serben faktisch die vollständige Einkesselung der bosnischen Hauptstadt
Sarajewo. Die Hilfskonvois der UN sind damit wesentlich von der Kooperationsbereitschaft
der Serben abhängig.
- 5.8. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschließt
in New York die Entsendung von Militärbeobachtern in die georgische
Krisenregion Abchasien.
- 6.8. Der libanesische Terrorist und Anhänger der schiitischen
Hisbollah-Organisation, Abbas Hamadi, der 1988 unter anderem wegen Beteiligung
an der Entführung zweier Deutscher im Libanon zu 13 Jahren Haft
verurteilt worden war, wird in Saarbrücken vorzeitig entlassen
und in seine Heimat abgeschoben.
In Berlin wird das erste jüdische Gymnasium seit dem Zweiten
Weltkrieg eröffnet.
- 14.8. Das Stahlwerk Duisburg-Rheinhausen des Krupp-Hoesch-Konzerns
wird trotz des jahrelangen, zum Teil spektakulären Kampfes um den
Erhalt der Arbeitsplätze endgültig geschlossen. Die Rohstahlerzeugung
des 1992 aus der Fusion von Krupp und Hoesch hervorgegangenen Konzerns
konzentriert sich zukünftig auf die Standorte Dortmund und Duisburg-Huckingen.
- 16.8. In Bonn nimmt das Bundesamt für Naturschutz seine
Arbeit auf. Die Aufgabenschwerpunkte der dem Bundesumweltministerium
angegliederten Behörde liegen vor allem im Bereich Natur- und Artenschutz.
- 17.8. Das Landgericht Berlin stellt das Verfahren gegen den
früheren Ministerpräsidenten der DDR, Willi
Stoph, aus Gesundheitsgründen ein.
- 20.8. In Genf legen die Bosnien-Vermittler Lord David Owen
und Thorvald Stoltenberg (geb. 1931), einen Friedensplan vor, der unter
anderem die Teilung Bosniens in drei unabhängige Republiken vorsieht.
- 23.8. Im brasilianischen Sao Paulo wird nach siebenjähriger
Unterbrechung die Produktion des legendären VW-Käfers wiederaufgenommen,
um die Massenmotorisierung der Bevölkerung Lateinamerikas voranzutreiben.
- 26.8. Der tschechische Präsident Vaclav
Havel und der russische Präsident Boris Jelzin unterzeichnen
in Prag einen Freundschaftsvertrag. Obwohl darin die Rechtsnachfolge
Russlands für die Sowjetunion hervorgehoben wird, weigert sich
Jelzin, sich für den Einmarsch sowjetischer Streitkräfte während
des Prager
Frühlings 1968 in die Tschechoslowakei zu entschuldigen.
- 27.8. Der deutsche Verteidigungsminister Volker Rühe (geb.
1942) (CDU) und sein französischer Amtskollege François
Léotard (geb. 1942) verabschieden in Rastatt das Oberkommando
der in Deutschland stationierten französischen Truppen. Gleichzeitig
zieht das II. Französische Korps aus Deutschland ab.
- 30.8. Der israelische Premierminister Yitzhak Rabin (1922-1995)
legt vor den Abgeordneten der Knesset offen, dass in den letzten Monaten
25 Geheimtreffen zwischen Regierungsvertretern und Delegierten der Palästinensischen
Befreiungsorganisation PLO - meist in Oslo - stattfanden.
- September
- 1.9. Im zweiten sogenannten Mauerschützenprozess werden
vier ehemalige Grenzsoldaten der DDR aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
- 2.9. In den bundesdeutschen Kinos läuft der Spielfilm
"Jurassic Park" des US-amerikanischen Regisseurs Steven Spielberg
(geb. 1947) an. Seine revolutionäre Trickfilmtechnik, mit deren
Hilfe riesige Dinosaurier "lebensecht" in Szene gesetzt werden,
lässt den Film zum bis dahin erfolgreichsten Film der Geschichte
werden.
- 3.9. Handel, Industrie, Entsorgungswirtschaft und kommunale
Spitzenverbände einigen sich auf eine finanzielle Unterstützung
für das vom Konkurs bedrohte privatwirtschaftliche Abfallentsorgungsunternehmen
Duales System Deutschland (DSD). Gegen eine Geldleistung vergibt das
DSD den grünen Punkt, der Verpackungsmaterial als wiederverwertbar
kennzeichnet. Im Gegenzug ist das Entsorgungsunternehmen verpflichtet,
Verpackungsmaterial zu sammeln, zu sortieren und der Wiederverwertung
zuzuführen.
- 9.9. Die israelische Regierung gestattet der Hälfte der
rund 400 im Dezember 1992 nach Südlibanon ausgewiesenen Palästinenser
die Rückkehr.
- 13.9. Der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin
und der Vorsitzende der Palästinensischen Befreiungsorganisation
PLO, Yasir Arafat (geb. 1929), unterzeichnen in der US-amerikanischen
Hauptstadt Washington das Gaza-Jericho-Abkommen über die palästinensische
Teilautonomie in den von Israel besetzten Gebieten Gazastreifen und
Jericho. Das Abkommen sieht die schrittweise Übergabe von Verwaltungskompetenzen
in palästinensische Hände vor.
- 16.9. Das Berliner Landgericht verurteilt den ehemaligen Verteidigungsminister
der DDR, Heinz Keßler (geb. 1920), dessen Stellvertreter und den
früheren DDR-Bezirkschef von Suhl, Hans Albrecht (geb. 1919), wegen
der Todesschüsse an der innerdeutschen
Grenze zu mehrjährigen Haftstrafen.
- 17.9. Der Vorstand des größten deutschen Industrie-Unternehmens
Daimler-Benz AG, das 1993 einen deutlichen Umsatzrückgang erlebt,
kündigt an, im Zuge von Sparmaßnahmen weltweit bis Ende 1994
44.000 Arbeitsplätze abzubauen, davon ca. 35.000 in der Bundesrepublik.
- 21.9. Reformgegner unter Führung von Parlamentspräsident
Ruslan Chasbulatow (geb. 1944), Vizepräsident Alexander Ruzkoj
(geb. 1947) und Generaloberst a.D. Albert Makaschow besetzen das russische
Parlamentsgebäude, nachdem Präsident Jelzin die Auflösung
des Parlaments verfügt und Neuwahlen im Dezember angekündigt
hat.
- 23.9. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) vergibt auf
seiner Sitzung in Monte Carlo die Olympischen Sommerspiele im Jahr 2000
an die australische Hafenstadt Sydney. Für diese Entscheidung waren
vier Wahlgänge notwendig, zuletzt gewinnt Sydney mit 45 : 43 Stimmen
gegen die chinesische Hauptstadt Peking. Berlin, das sich ebenfalls
beworben hatte, scheidet bereits im zweiten Wahlgang aus.
In Kapstadt beschließt das südafrikanische Parlament die
Einsetzung einer Übergangsregierung, an der erstmals auch Vertreter
der schwarzen Bevölkerungsmehrheit vertreten sind.
- 24.9. Neun der elf Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft Unabhängiger
Staaten (GUS) schließen sich in Moskau zu einer Wirtschaftsunion
zusammen. Turkmenistan und die Ukraine wählen den Status eines
assoziierten Mitgliedslandes.
In Phnom Penh tritt die neue Verfassung für die konstitutionelle
Monarchie Kambodschas in Kraft. Zugleich wird Prinz Sihanouk (geb. 1922)
als König vereidigt. Damit endet das Mandat der UNO, die mit 22.000
Blauhelm-Soldaten
die Überleitung des politischen Systems ermöglicht hatte.
- 27.9. Im Kampf um die zu Georgien gehörende autonome Republik
erobern separatistische Truppenverbände die Hauptstadt Abchasiens,
Suchumi, in der der georgische Präsident Eduard Schewadnadse (geb.
1928) bis zuletzt mit Regierungstruppen ausgeharrt hatte.
- 29.9. Bundesaußenminister Klaus Kinkel (F.D.P.) äußert
erstmals in einer Rede vor der UN- Vollversammlung den Wunsch der Bundesregierung
nach einem ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.
- Oktober
- 1.10. Der Bundestag verabschiedet mit den Stimmen von CDU,
CSU und F.D.P. das sogenannte Entgeltfortzahlungsgesetz, nach dem der
Arbeitgeberanteil bei der Finanzierung der Pflegeversicherung durch
Lohnkürzungen um 20 Prozent an bundeseinheitlichen Feiertagen ausgeglichen
werden soll.
- 3.10. Am Tag der Deutschen
Einheit nominiert der CDU-Bundesvorstand in Bonn einstimmig den
sächsischen Justizminister Steffen Heitmann (geb. 1944) (CDU) als
Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten.
- 4.10. Die russischen Reformgegner ergeben sich im Moskauer
Parlamentsgebäude regierungstreuen Truppen. Damit ist der Umsturzversuch
reformfeindlicher Nationalisten und Altkommunisten gegen Präsident
Boris Jelzin gescheitert.
- 6.10. Das Bundesgesundheitsamt informiert Bundesgesundheitsminister
Horst Seehofer (geb. 1949) (CSU), dass es in der Bundesrepublik Deutschland
373 Verdachtsfälle einer Infektion mit dem AIDS-Virus HIV durch
verseuchte Blutpräparate gibt. Im Verlauf der Ermittlungen werden
kriminelle Laborpraktiken im Umgang mit Blutspendern und Spenderblut
aufgedeckt. Mitarbeiter des Bundesgesundheitsamtes hatten die Verdachtsfälle
offensichtlich jahrelang verschwiegen. Als Konsequenz aus der mangelhaften
Information durch das Amt kündigt Seehofer am 13. Oktober eine
Auflösung der Berliner Gesundheitsbehörde bis Ende 1993 an.
- 8.10. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen beschließt
in New York die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika.
Sie reagiert damit auf den eingeleiteten Prozess der Abschaffung des
Apartheidsystems.
Der georgische Präsident Eduard Schewadnadse kündigt in Tiflis
den Beitritt seines Landes zur Gemeinschaft Unabhängiger Staaten
(GUS) an.
- 12.10. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe billigt den Maastrichter
Vertrag zur Schaffung einer Europäischen Union. Der deutsche
Bundestag ratifiziert daraufhin als letztes Parlament der EG- Mitgliedsstaaten
das europäische Vertragswerk.
- 13.10. Das Bundesverfassungsgericht erklärt die Ehe zwischen
gleichgeschlechtlichen Partnern für unzulässig.
- 14.10. In der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh wird
ein deutscher Feldwebel als erster Soldat der Bundeswehr bei einem Einsatz
der UN-Friedensmission von Unbekannten erschossen.
- 16.10. Der russische Reformpolitiker und stellvertretende Ministerpräsident
Jegor Gaidar gründet mit Gleichgesinnten ein Bündnis mit dem
Namen Rußlands Wahl, das sich für eine rasche Demokratisierung
und radikale marktwirtschaftliche Reformen einsetzt.
- 18.10. Der Theologe und Publizist Helmut Gollwitzer (1908-1993)
stirbt 84jährig in Berlin.
- 20.10. Die Bundesregierung lehnt die Aufforderung der Vereinten
Nationen ab, für eine UN-Friedensmission in Ruanda Sanitätssoldaten
der Bundeswehr abzustellen.
- 23.10. Bei einem Bombenattentat der katholischen Untergrundorganisation
Irisch-Republikanische Armee (IRA) in einem protestantischen Stadtteil
von Belfast sterben zehn Menschen, 59 werden verletzt. Der Anschlag
zerstört die Hoffnung, die mit der Friedensinitiative des irischen
Sozialdemokraten John Hume (geb. 1937) und des Führers der der
IRA nahestehenden Partei Sinn Fein, Gerry Adams (geb. 1948), verbunden
war.
- 25.10. Das Land Berlin erwirbt den Nachlass der 1992 in Paris
verstorbenen deutschstämmigen Filmschauspielerin Marlene
Dietrich.
- 26.10. Das Landgericht Berlin verurteilt den ehemaligen Minister
für Staatssicherheit
der DDR, Erich Mielke,
wegen eines Doppelmordes im Jahr 1931 zu sechs Jahren Haft.
Als erster deutscher Konzern beschließt das Volkswagenwerk in
Wolfsburg die Einführung der Vier-Tage-Woche bei entsprechendem
Lohnverlust.
Nachdem US-amerikanische Forscher Klonexperimente an Embryonen vorgenommen
haben, fordert Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) ein Verbot
solcher Experimente in den EG-Staaten.
- 28.10. Der deutsche Bundestag beschließt eine Neuregelung
des Namensrechtes, das die Pflicht von Eheleuten abschafft, einen gemeinsamen
Familiennamen zu führen.
- 29.10. Auf einem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs
der Europäischen Gemeinschaft wird Frankfurt am Main zum Standort
für das Europäische Währungsinstitut bestimmt, den Vorläufer
der EU-Zentralbank.
- 31.10. Der italienische Filmregisseur Frederico Fellini (1920-1993)
stirbt im Alter von 73 Jahren in Rom.
- November
- 1.11. Der in Maastricht von den EG-Ländern geschlossene
Vertrag über eine Europäische Union tritt nach der Ratifizierung
durch alle Unterzeichnerstaaten in Kraft.
- 4.11. Bei Gewaltaktionen gegen türkische Einrichtungen
in vier Ländern Westeuropas und mehr als 30 bundesdeutschen Städten
werden ein Mann getötet und 18 Menschen verletzt. Als Täter
werden Anhänger der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) vermutet.
- 5.11. Das Landgericht der Freien und Hansestadt Hamburg erteilt
dem Senat die Erlaubnis, 19 Wohnungen in ehemals besetzten Häusern
räumen zu lassen.
Der Europarat in Straßburg erklärt die schwedische Hauptstadt
Stockholm und Weimar zu Kulturhauptstädten für die Jahre 1998
und 1999.
- 8.11. Rund 200 Mitglieder der Umweltorganisation Greenpeace
besetzen das Atommüll-Endlager in Morsleben/Sachsen-Anhalt und
fordern seine Schließung wegen angeblicher akuter Sicherheitsmängel.
- 9.11. Im bosnischen Mostar wird das Wahrzeichen der Stadt,
die 1566 erbaute sogenannte Türkenbrücke über den Fluß
Neretva, durch kroatische Artillerie zerstört.
- 12.11. Der Bundestag beschließt mit den Stimmen von CDU,
CSU, F.D.P. und SPD eine Neuregelung der Parteienfinanzierung.
- 14.11. In Berlin wird die umgestaltete Neue Wache des preußischen
Baumeisters Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) als "Zentrale Gedenkstätte
der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft"
eingeweiht.
- 17.11. In Den Haag werden die von der UN-Vollversammlung gewählten
Richter und der Chefankläger des internationalen Tribunals für
Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien vereidigt. Sie sollen diejenigen
Personen zur Rechenschaft ziehen, die dort seit Januar 1991 schwere
Verbrechen gegen die Menschenrechte begangen haben.
Das US-Repräsentantenhaus billigt mehrheitlich das umstrittene
Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) mit Kanada und Mexiko.
Damit entsteht am 1. Januar 1994 in Nordamerika ein Binnenmarkt mit
rund 370 Millionen Verbrauchern.
- 18.11. Eine Konferenz mit Vertretern von 21 Gruppierungen einigt
sich in Kapstadt auf eine neue Verfassung, die allen Bürgern Südafrikas
ungeachtet ihrer Hautfarbe die gleichen Rechte einräumt.
- 21.11. Bei den Kommunalwahlen in Italien (zweiter Wahlgang
5.12.) bestätigt sich der Zerfall des alten Parteiensystems. Wahlgewinner
sind die aus der Kommunistischen Partei hervorgegangene Partei der demokratischen
Linken (PDS) sowie die rechtsgerichtete Lega Nord und das neofaschistische
Movimento Sociale Italiano (MSI).
- 25.11. Der sächsische Innenminister Steffen Heitmann (CDU)
erklärt wegen der zunehmenden Kritik an seiner Person seinen Verzicht
auf eine Kandidatur zum Bundespräsidentenamt.
Unter anderem hatte Heitmann in einem Zeitungsinterview die Forderung
erhoben, man dürfe aus der Judenvernichtung
im Nationalsozialismus keine dauernde "Sonderrolle" Deutschlands ableiten.
- 26.11. Als Reaktion auf die Anschlagswelle militanter Kurden
gegen türkische Einrichtungen verbietet Innenminister Manfred Kanther
(geb. 1939) (CDU) die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) in der Bundesrepublik
mit der Begründung, sie verletze deutsche Strafgesetze und gefährde
die innere Sicherheit der Bundesrepublik.
- 28.11. Die Regierung von Sachsen-Anhalt tritt zurück,
nachdem gegen die vier aus den alten Bundesländern stammenden Landesminister
der Vorwurf erhoben wurde, sie hätten unrechtmäßig rund
900.000 D-Mark Gehalt bezogen.
Aus Protest gegen das von Innenminister Manfred Kanther (CDU) verfügte
PKK-Verbot besetzen 200 Kurden das von der Polizei geschlossene Kurdische
Zentrum in Frankfurt am Main.
- 29.11. In Genf werden unter Teilnahme der Präsidenten
von Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien die Bosnien-Friedensgespräche
wiederaufgenommen. Grundlage der Verhandlungen ist ein deutsch-französischer
Plan, der die begrenzte Aussetzung des Wirtschaftsembargos gegen Rest-Jugoslawien
vorsieht, falls sich die bosnischen Serben zu Gebietsabtretungen an
die Moslems bereit erklären.
In der Bundesrepublik Deutschland tritt ein Gesetz gegen sogenannte
Geldwäsche in Kraft, mit dem durch die verschärfte Kontrolle
des Bargeschäfts bei Kreditinstituten anonyme Bargeldeinzahlungen
z.B. aus Waffen- und Drogengeschäften erschwert werden sollen.
- Dezember
- 4.12. Der Bürgermeister der österreichischen Hauptstadt
Wien, Helmut Zilk (geb. 1927), wird durch ein Briefbombenattentat schwer
verletzt. Das Attentat ist das fünfte einer Serie von Briefbombenanschlägen
gegen Personen, die sich in Österreich für Minderheiten und
Ausländer einsetzen. Die Täter werden im neonazistischen Umfeld
vermutet.
Der US-amerikanische Rockmusiker Frank Zappa (geb.1940) stirbt im Alter
von 52 Jahren in Los Angeles an Krebs.
- 6.12. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilt den
früheren Spionagechef der DDR, Markus
Wolf, wegen Landesverrats und Bestechung von Amtsträgern zu
sechs Jahren Gefängnis. Markus Wolf bleibt jedoch auf freiem Fuß,
da der Haftbefehl nicht vollstreckt wird.
- 8.12. Das Oberlandesgericht in Schleswig verhängt gegen
die rechtsextremen Attentäter, die im November 1992 ein von Türken
bewohntes Haus in Mölln anzündeten, wegen dreifachen Mordes,
versuchten Mordes in 39 Fällen und besonders schwerer Brandstiftung
die Höchststrafe.
Die Bundesregierung stimmt einem Finanzierungskonzept der Industrie
für den Bau der Magnetschwebebahn "Transrapid" zwischen Hamburg
und Berlin zu.
- 10.12. Auf ihrer Konferenz in Brüssel verabschieden die
zwölf Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union einen
Aktionsplan zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Europa.
In Oslo werden der Führer des African National Congress (ANC),
Nelson Mandela (geb. 1918), und der südafrikanische Präsident
Willem de Klerk (geb. 1936) für die friedliche Beendigung des Apartheidregimes
und die Schaffung der Grundlagen für ein neues, demokratisches
Südafrika mit dem Friedensnobelpreis
ausgezeichnet.
- 12.12. Bei den ersten demokratischen Wahlen in Russland wird
die rechtsextremistische Liberal-Demokratische Partei (LDPR) unter der
Führung von Wladimir Schirinowski (geb. 1946) mit 64 von 450 Parlamentssitzen
zweitstärkste Fraktion hinter der Reformpartei Rußlands Wahl,
die 70 Mandate erringt. Parallel zur Wahl wird mit 58,4 Prozent der
Stimmen eine Verfassung angenommen, die den russischen Präsidenten
mit umfangreichen Machtkompetenzen ausstattet.
- 13.12. Der im Gaza-Jericho-Abkommen festgelegte Termin für
den israelischen Truppenabzug aus dem Gaza-Streifen und Jericho im Westjordanland
wird nicht eingehalten, weil in Detailfragen keine Einigung erzielt
werden kann. Strittig sind vor allem die Kontrolle der Grenzen, die
Größe des autonomen Jerichos und die Sicherheit der jüdischen
Siedler.
- 14.12. In Genf unterzeichnen die Vertreter der GATT-Mitgliedstaaten
(General Agreement on Tariffs and Trade) nach langen, mühevollen
Verhandlungen ein neues Welthandelsabkommen.
- 17.12. Der mehrheitlich mit SPD-regierten Bundesländern
besetzte Bundesrat
lehnt das Pflegegesetz in der vom Vermittlungsausschuss von Bundestag
und Bundesrat vorgelegten Fassung ab. Das Gesetz ist damit - vorerst
- gescheitert.
Der Bundesrat billigt die Zusammenlegung der westdeutschen Bundesbahn
und der ostdeutschen Reichsbahn sowie deren privatwirtschaftliche Neuorganisation
als Deutsche Bahn AG. Die geplante Bahnreform tritt am 1. Januar 1994
in Kraft.
- 22.12. Nach tagelangen schweren Regenfällen tritt der
Rhein bei Köln über die Ufer und überschwemmt die Altstadt.
In Bonn erreicht das Hochwasser die Tiefgarage des Bundestags. Auch
im Süden und Südwesten Deutschlands kommt es zu zahlreichen
Überschwemmungen, die Millionenschäden verursachen.
- 29.12. Die Bundesregierung verweigert dem ultranationalistischen
russischen Politiker Wladimir Schirinowski (geb. 1946) die Einreise
in die Bundesrepublik.
Erstmals werden deutsche Blauhelm-Soldaten bei ihrem UN-Einsatz von
einheimischen Somalis gezielt angegriffen.
- 30.12. Israel und der Vatikan schließen einen Grundlagenvertrag
ab, der unter anderem die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vorbereiten
soll.
(iz/cwg/reh)
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