1989/90

 

Der Fall der Mauer

Zeitung: Kioskanschlag der "Berliner Morgenpost" zur Öffnung der Mauer, 1989
Bekleidung: T-Shirt "9.11.'89 Gor bat show Man. Danke",  1989
Schild:  Wir sind ein Volk, 1989

Als Nachfolger des zurückgetretenen Erich Honecker wählt das Zentralkomitee der SED am 19. Oktober Egon Krenz zum Generalsekretär. Die Volkskammer wählt ihn am 24. Oktober zum Staatsratsvorsitzenden. Die Bürger sind enttäuscht, denn er gilt als "Kronprinz" Honeckers. Immer mehr Menschen demonstrieren und fordern politische Reformen. Am 4. November 1989 versammeln sich mehr als 500.000 Demonstranten zur Kundgebung auf dem Alexanderplatz. Nur vier Tage später tritt das Politbüro geschlossen zurück. Durch die anhaltende Massenausreise und deren Folgen gerät die DDR-Regierung weiter unter Druck. Am Abend des 9. November verkündet Politbüromitglied Günter Schabowski auf einer internationalen Pressekonferenz überraschend einschneidende Reiseerleichterungen für Privatreisende, die "sofort, unverzüglich" in Kraft treten. Noch in derselben Nacht strömen Tausende an die Grenze nach West-Berlin, wo die Grenzsoldaten ohne eindeutigen Befehl zahlreiche Übergänge öffnen.

Die Maueröffnung beschleunigt den Machtzerfall der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Am 13. November kündigt die neue Regierung unter Ministerpräsident Modrow tiefgreifende Reformen und eine Vertragsgemeinschaft mit der Bundesrepublik an. Aus dem bisherigen Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wird nun das Amt für Nationale Sicherheit. Am 1. Dezember beschließt die Volkskammer, den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung zu streichen, und am 3. Dezember tritt unter dem Druck der eigenen Partei das neu gewählte SED-Politbüro mit Generalsekretär Krenz zurück. Die SED beschließt auf einem Sonderparteitag am 8. Dezember, mit der stalinistischen Vergangenheit zu brechen. Die Generalstaatsanwaltschaft leitet wegen Amtsmißbrauchs und Korruption Ermittlungsverfahren gegen ehemalige SED-Spitzenpolitiker wie Erich Honecker und Erich Mielke ein.

Am Zentralen Runden Tisch verhandeln seit dem 7. Dezember Repräsentanten der Bürgerbewegungen mit Vertretern der "alten Kräfte" über eine demokratische Umgestaltung der DDR. Im Dezember 1989 wird jedoch von immer mehr Demonstranten die Deutsche Einheit gefordert. Aus der ursprünglichen Parole "Wir sind das Volk!" wird immer häufiger "Wir sind ein Volk!". Doch gibt es auf Seiten der Bürgerbewegungen und Intellektuellen auch kritische Stimmen, die vor einer Wiedervereinigung warnen und für die Eigenständigkeit der DDR plädieren. Die Gegner der Einheit werden jedoch während der Demonstrationen ausgepfiffen und ziehen sich zurück. Die Mehrheit der Bevölkerung fordert eine rasche Wiedervereinigung.

(ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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