1989/90 |
Wandel im Osten: Ausreisewelle |
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Die tiefe Krise der DDR ist offenkundig: Oppositionsbewegungen werden unterdrückt, Wahlen gefälscht, Versprechungen nicht gehalten. Jetzt wächst der Mut zum Aufbegehren. Die DDR- Führung verkennt die Situation, betont die "Verbundenheit von Volk und Partei" und täuscht wirtschaftliche Fortschritte vor. Die Bevölkerung kehrt ihrem Staat den Rücken. Als Ungarn ab Mai 1989 die Grenzanlagen zu Österreich abbaut, setzt eine Fluchtbewegung ein. Die Massenflucht von DDR-Bürgern ist einer der Auslöser für die weiteren politischen Entwicklungen des Herbstes 1989. Am 2. Mai 1989 beginnt Ungarn mit dem Abbau der westlichen Grenzbefestigungen. In einem symbolischen Akt schneiden die Außenminister Ungarns und Österreichs am 27. Juni bei Sopron eine "Öffnung in den Eisernen Vorhang" und beseitigen die Grenzsperren. Am 8. August flüchten 130 DDR- Bürger in die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin, die daraufhin vorübergehend ihren Publikumsverkehr einstellt. Insgesamt nehmen die Botschaften der Bundesrepublik in Budapest, Prag und Warschau von August bis Oktober Tausende von Flüchtlingen auf. Wie vor dem Mauerbau fliehen meist junge Leute. Als Ungarn am 11. September seine Grenze zu Österreich öffnet, fliehen innerhalb von drei Tagen etwa 15.000 Menschen. Nach Verhandlungen mit der UdSSR und der DDR verkündet Außenminister Hans-Dietrich Genscher am 30. September in Prag die Ausreiseerlaubnis für etwa 6.000 Flüchtlinge, die sich in der bundesdeutschen Botschaft in Prag aufhalten. Die von der DDR "Ausgewiesenen" reisen mit Sonderzügen über DDR-Territorium in die Bundesrepublik. Während der zweiten Massenausreise aus Prag und Warschau kommt es am 4. Oktober auf dem Dresdner Hauptbahnhof zu Unruhen. Am 3. November gestattet die DDR-Regierung eine direkte Ausreise der DDR-Bürger über die Grenze zur CSSR in die Bundesrepublik. Innerhalb von zwei Tagen kommen rund 15.000 Flüchtlinge über die CSSR in die Bundesrepublik. Ebenso hält der Flüchtlingsstrom über Ungarn an. Als die Mauer am 9. November fällt, sind mehr als 200.000 Übersiedler aus der DDR in der Bundesrepublik angekommen. (ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |