1989/90 |
Wandel im Osten: Montagsdemonstrationen |
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Als Beginn der sogenannten Montagsdemonstrationen gilt der 4. September 1989, als es im Anschluss an eines der traditionellen Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche zu einer großen Menschenansammlung auf dem Kirchenvorplatz kommt. Etwa 1.000 Menschen fordern "Stasi raus" und "Reisefreiheit statt Massenflucht". Seitdem versammeln sich jeden Montag mehr und mehr Menschen zu Demonstrationen, die von den Sicherheitskräften beobachtet, behindert und gewaltsam aufgelöst werden. In den Montagsdemonstrationen offenbart sich der SED ein bisher unterschätztes Protestpotential in der Bevölkerung. Am 11. und 18. September versuchen die Sicherheitskräfte, mit brutaler Gewalt und Verhaftungen weitere Montagsdemonstrationen zu verhindern. Dennoch beteiligen sich am 25. September etwa 8.000 Menschen an der Demonstration nach dem Friedensgebet. Als am 2. Oktober etwa 20.000 Menschen demonstrieren, kommt es erneut zu brutalen Ausschreitungen, die allerdings die Demonstranten nicht aufhalten können. Am selben Tag wird eine Mahnwache in der Berliner Gethsemanekirche für die politischen Gefangenen in der DDR eingerichtet. Am 9. Oktober wird vor der Montagsdemonstration in den Kirchen und im Leipziger Stadtfunk zu Gewaltlosigkeit aufgerufen. Über 70.000 Menschen ziehen nach Friedensgebeten in vier Leipziger Kirchen über den gesamten Innenstadtring. Statt "Wir wollen raus!" skandieren sie "Wir bleiben hier!". Mit Parolen wie "Wir sind das Volk", "Keine Gewalt", "Neues Forum zulassen", "Freiheit, freie Wahlen" oder "Lasst die Gefangenen frei" fordern die Demonstranten Meinungsfreiheit und politische Reformen. Das massive Aufgebot an Sicherheitskräften greift angesichts der Menschenmassen nicht ein. Eine Woche später nehmen bereits 120.000 Menschen aus der ganzen DDR an der Montagsdemonstration teil. Erneut halten sich die Sicherheitskräfte zurück, obgleich Vorbereitungen für ihren massiven Einsatz getroffen sind. Zwei Tage später, am 18. Oktober, tritt Honecker nach 18jähriger Regierungszeit, offiziell aus "gesundheitlichen Gründen", von seinen Posten zurück. (ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |