1955-63

 

Unzufriedene Republik: Das Godesberger Programm -
eine neue SPD

Dokument: Mitgliedsbuch der SPD, nach 1959
Plakat zum SPD-Parteitag in Bad Godesberg, 1959
Broschüre: Godesberger Programm der SPD, 1959

Nach dem für sie enttäuschenden Ergebnis der Bundestagswahl von 1957 diskutiert die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) selbstkritisch über ihre Zukunft. Sie muss sich neue Wählerschichten erschließen, um endlich auch im Bund Regierungsverantwortung übernehmen zu können. Mit dem "Godesberger Programm" reagiert die SPD 1959 auf den gesellschaftlichen und politischen Wandel. Die Unvereinbarkeit ihrer Ziele mit den Ideen des Kommunismus unterstreicht die SPD auch farblich: Das Rot der Arbeiterbewegung hat ausgedient, fortan prägt "Godesberger Blau" Plakate, Broschüren und Mitgliedsausweise der Partei.

Ein außerordentlicher SPD-Parteitag, der vom 13. bis 15. November 1959 in Bad Godesberg stattfindet, verabschiedet mit 324 gegen 16 Stimmen das neue Grundsatzprogramm. Darin bekennt sich die SPD zur Bundeswehr und zur Landesverteidigung im Rahmen der NATO. Sie bejaht die Soziale Marktwirtschaft und das Privateigentum an Produktionsmitteln und sucht die Zusammenarbeit mit den Kirchen. Die Lehre von Karl Marx , einst wichtiger Teil des Parteiprogramms, hat endgültig ihre Überzeugungskraft verloren. Mit dem Godesberger Programm wird aus der alten Arbeiterpartei programmatisch eine moderne Volkspartei.

Der neue Kurs der SPD hat auch personelle Konsequenzen. Auf dem Parteitag von Hannover 1960 wird der 46jährige Willy Brandt zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 1961 gewählt und löst Erich Ollenhauer in dieser Funktion ab. Die Rechnung geht auf. Nach dem Godesberger Parteitag haben die Sozialdemokraten bei allen Landtagswahlen Erfolg. In Hamburg, Bremen, West-Berlin, Hessen und Niedersachsen stellten sie schon zuvor den Regierungschef. Gegen diese Entwicklung opponiert am linken Flügel der SPD vor allem der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS).

Dokument Programm: Godesberger Programm, 1959

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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