1955-63 |
Wirtschaftswunder |
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Die politische Bindung an den Westen und die Verflechtung mit der Weltwirtschaft erleichtern der Bundesrepublik in den 50er Jahren den raschen Wiederaufstieg. Während die Produktions- und Exportdaten rasant steigen, sinkt die Zahl der Arbeitslosen 1961 auf unter 1 Prozent. Für breite Schichten der Bevölkerung verbessern sich die Lebensverhältnisse dank erheblicher Lohnzuwächse und einer aktiven staatlichen Sozialpolitik. Alltag und Konsumverhalten verändern sich deutlich. Gegen die Wohlstandsorientierung der Erwachsenen protestiert die Jugend, die ihr Lebensgefühl im Rock 'n' Roll ausgedrückt sieht. Der wachsende Wohlstand verändert Wünsche und Lebensgewohnheiten der Konsumenten. Das Einkommen kann zunehmend für früher unbezahlbare Luxusgüter ausgegeben werden. Elektrische Haushaltsgeräte und das eigene Auto stehen an der Spitze der Wunschlisten. Eine Urlaubsreise wird zum erschwinglichen Freizeitvergnügen. Von den Anfängen des Massentourismus werden zunächst die inländischen Ferienorte erfasst. Die zunehmende Motorisierung fördert nicht nur den Drang zu touristischen Fernzielen, sondern auch den Individualreiseverkehr. Protest gegen den "Wohlstandsmief" und den Lebensstil der Erwachsenen äußert die Jugend. Sie sucht nach neuen Leitbildern. Coca-Cola, Jeans und Rock 'n' Roll sind Ausdruck ihres Lebensgefühls. Eine neue, amerikanisch geprägte Jugendkultur entsteht. Nicht alle Bevölkerungsgruppen können zunächst vom Wirtschaftswunder profitieren. Dazu gehören nicht nur soziale Randgruppen, sondern auch kinderreiche Familien und Rentner. Mit Hilfe von besonderen Gesetzen und Sozialreformen gelingt ihnen der Anschluss an die allgemeine Einkommensentwicklung. Das Wirtschaftswachstum fördert den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel. Die Landwirtschaft verliert fast zwei Drittel ihrer Beschäftigten, kann jedoch dank moderner Technik ihre Erträge steigern. Der Staat betreibt eine aktive Agrarpolitik, um die Einkommen der Landwirte zu sichern. Trotz aller Warnungen vor den negativen Folgen für das Familienleben steigt die Erwerbsquote verheirateter Frauen und Mütter. Häufig arbeiten sie als Hilfsarbeiterinnen für geringen Lohn und müssen die Doppelbelastung in Familie und Beruf tragen. Die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter wird weiterhin verklärt, ihre rechtliche Benachteiligung schrittweise abgebaut. (ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |