1955-63 |
Wirtschaftswunder: Kaufrausch |
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Mit steigendem Einkommen rückt der Traum vom guten Leben für viele Bundesbürger in greifbare Nähe. Viele Luxusgüter, die früher kaum erschwinglich waren, wandeln sich zu weitverbreiteten Gebrauchsgütern. Dabei verläuft die Konsumentwicklung in Wellen. Nahrungs- und Bekleidungsindustrie decken die Grundbedürfnisse. Jetzt wird der Käufer zum umworbenen Kunden für wertvollere und teurere Ware. Der Konsum wird zum Motor der Volkswirtschaft. Das amerikanische Einkaufserlebnis setzt sich auch in Deutschland durch: Supermärkte und moderne Warenhäuser prägen bald das Stadtbild und verdrängen das kleine Bedienungsgeschäft. Nach den Hungerjahren füllt das beginnende Wirtschaftswunder wieder die Teller ("Fresswelle"). Die beleibte Figur wird Zeichen des Erfolges. Mitte der 50er Jahre ist auch der Grundbedarf an Kleidung gedeckt. Bedeutsam werden nun Möbel und Haushaltsgeräte. Die Wohnungseinrichtung, erste Anschaffung junger Familien, soll Qualität besitzen, gesellschaftlichen Aufstieg und bürgerliche Normalität demonstrieren. Kühlschrank und Waschmaschine, zunächst für viele noch unerschwinglich, sind 1965 in den meisten Haushalten vorhanden. Der Autoboom und die Reisewelle ab den 60er Jahren markieren weitere Schritte zur Wohlstandsgesellschaft. Die Innenstädte verändern sich. Der "Tante-Emma-Laden" mit kleinem Angebot hat angesichts der Massenproduktion von Konsumgütern und der veränderten Kundenwünsche kaum eine Chance. Der Verbraucher bevorzugt moderne, große Warenhäuser, die ihm ein breites Sortiment und einen schnellen Einkauf bieten. Als neue Verkaufsform etabliert sich der Selbstbedienungsladen, dessen Verkaufsfläche und Warenangebot ständig erweitert werden. Die sich verschärfende Konkurrenz verlangt von den Herstellern immer höhere Aufwendungen für Design, Verpackung und Werbung. (ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |