1955-63

 

Die Mauer: Abgeriegelt

Alltagskultur: Stacheldrahtrolle zur Befestigung der deutsch-deutschen Grenze, vor 1989
Plakat: Bekanntmachung zum Mauerbau, 1961
Photo: Blick auf zugemauerte Fensterfront in Ost-Berlin, 1961
Von September 1949 bis August 1961 fliehen 2.691.270 Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland. Zuletzt sind es anderthalb- bis zweitausend Menschen pro Tag, allein vom 1. bis zum 13. August 1961 fliehen circa 47.000. Da es sich zumeist um jüngere und qualifizierte Personen handelt, hat die Fluchtwelle verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft und Versorgung in der DDR. Die Zonengrenze zur Bundesrepublik wurde bereits auf auf 1.378 Kilometern in ganzer Länge mit Stacheldraht und Minensperren abgeriegelt. Berlin bildet nun das einzige Schlupfloch.

Viele Menschen befürchten deshalb vor dem 13. August 1961, dass die seit Ende der 50er Jahre schwelende Berlin-Krise außer Kontrolle geraten könnte. Bereitet die DDR-Führung vielleicht radikale Aktionen vor? Noch am 15. Juni 1961 gibt sich Walter Ulbricht auf einer Pressekonferenz ahnungslos: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten (...) Ich verstehe Ihre Frage so, dass es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten, ja? Mir ist nicht bekannt, dass eine solche Absicht besteht..."

Zwei Monate später, im Morgengrauen des 13. August 1961, beginnen Bauarbeiter der DDR unter Aufsicht der Nationalen Volksarmee und Volkspolizei damit, Stacheldrahtverhaue zu errichten. Die Absperrung läuft entlang der sowjetischen Sektorengrenze mitten durch Berlin. Der Bau einer zunächst zwei Meter hohen Mauer folgt. In Häusern, die an der Sektorengrenze liegen, werden Fenster und Türen in Grenzrichtung zugemauert. Die Grenzposten haben Schießbefehl - und sie machen Gebrauch davon. Die Mauer zerschneidet Berlin in zwei Hälften. 17 Millionen Deutsche in der DDR sind nun ganz eingesperrt.

Dokument Verordnung: Bekanntmachung zum Mauerbau, 1961
[Kollektives Gedächtnis] Christel Dux: Mauerbau 1961

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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