1963-74 |
Unruhige Jahre: Studentenbewegung |
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Mit der Forderung nach einer Reform der Hochschulen entwickelt sich seit 1965 von Berlin aus eine studentische Protestbewegung, die bald zu einer Studentenrevolte gegen die etablierte Wertewelt der westdeutschen Gesellschaft heranwächst. Sie bildet den Kern der "Außerparlamentarischen Opposition"(APO), die sich angesichts der Schwäche der parlamentarischen Opposition während der Großen Koalition formiert. Mit Demonstrationen und Blockaden verleihen diese Studenten ihrer Forderung nach Umgestaltung der Gesellschaft Nachdruck. Grundlage ihrer Gesellschaftskritik ist der wiederentdeckte Marxismus. Diese Studenten wenden Theorien der Politologie und Soziologie auf die gesellschaftliche Wirklichkeit der Bundesrepublik an, deren politisches System sie aus marxistischer Sicht als "reaktionär" verurteilen. In ihren Augen hat die auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau konzentrierte Vätergeneration eine angemessene Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Ursachen versäumt. Rosa Luxemburg, Mao Tse-tung und Che Guevara werden als Vorkämpfer eines "revolutionären Kampfes" gefeiert. Großen Einfluss haben auch die Sozialwissenschaftler der "Frankfurter Schule", Herbert Marcuse, Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, die mit ihrer Kritik an der kapitalistischen Überflussgesellschaft zu den geistigen Vätern der Studentenbewegung zählen. Die Studentenrevolte ist ein
internationales Phänomen. Der amerikanische Einsatz in Vietnam und
die westliche Unterstützung autoritärer Regime in der Dritten
Welt treffen überall auf Protest. Der gewaltsame Tod des Studenten
Benno Ohnesorg (geb.1941) am 2. Juni 1967 während der Demonstration
gegen den Schahbesuch löst in vielen westdeutschen Städten Unruhen
aus. Es kommt zu Brandanschlägen gegen den Springer-Verlag, dem antistudentische
und antikommunistische Hetze vorgeworfen wird, und gegen Kaufhäuser
als Symbole des verhassten "kapitalistischen Systems". (ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |